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Hardwaretest: Sony HT-ST3 – die schmalste Soundbar der Welt

sony_ht-st3_teaser_220x140Das Segment der Soundbars entwickelt sich rasant. Die Nachfrage ist offenbar umso größer, je mehr Menschen einen neuen Flachbildschirm erwerben und damit die Ansprüche auch an den Klang wieder steigen. Inzwischen ähneln sich viele Soundbars und so überzeugt man entweder mit mehr technischer Raffinesse oder mit Aussehen, zu selten trifft beides aufeinander. Sony versucht mit der HT-ST3, der zurzeit schmalsten Soundbar der Welt, vornehmlich beim Design auf sich aufmerksam zu machen und spricht damit zuerst den Ästheten an, der größten Wert auf gutes Aussehen legt.

Dieses gute Aussehen beginnt dann bei Sony schon im Bereich der Verpackung. Statt eine schnöde braune Pappschachtel zu verwenden, durften sich die Designer schon beim Kartonlayout mächtig ins Zeug legen. Eine L-förmige schwarze Kiste unterscheidet sich schon im Verkaufsraum auffallend vom Rechteck-Einerlei der anderen und soll bereits hier entsprechende Wertigkeit suggerieren. Damit die teure Anlage nicht schon beim Transport Schaden erleidet, ist zusätzlich eine Trageanleitung angebracht, wie der Karton denn korrekt anzuheben ist.

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Dementsprechend beeindruckt werden dann auch die Komponenten aus der Pappe befreit. Neben dem mit nur vier Zentimetern Höhe zierlichen Soundriegel kommen der Subwoofer, eine ungewöhnlich gestaltete Fernbedienung, ein optisches Kabel und eine gedruckte Anleitung zum Vorschein. Anscheinend hat man bei Sony eingesehen, dass vielen Kunden neben dem online verfügbaren PDF-Dokument bedrucktes Papier doch noch wichtig ist. Auch bei dieser Soundbar setzt Sony wieder auf kantiges Design. Waren es bei der HT-CT260H sechs Ecken, dominieren diesmal dreieckige Formen bei Soundbar und Fernbedienung. Scharfe Kanten und klare Linien wohin das Auge blickt, alles eingefasst in schwarzes Aluminium, hinter dessen gelochter Front sich unauffällig die neun Lautsprecher verbergen.

Doch die Ehrfurcht vor so viel handwerklichem Geschick endet in dem Moment, in dem das achtadrige Flachbandkabel mit den vier Sony-typischen farbigen Steckern zur Verbindung mit dem Subwoofer ins Auge sticht. Selbstverständlich ist dieses aber auf den Produktfotos nicht zu sehen. Die hier dargestellte Vorwandmontage, um das Kabel dahinter zu verbergen, ist in den seltensten Fällen im heimischen Wohnzimmer vorhanden, somit entfällt bei vielen Käufern die Anbringung der Soundbar an der Wand. Das 15 Millimeter breite Kabel schmälert den bis dahin hochwertigen Eindruck. Es bleibt somit bei einer klassischen Aufstellung vor dem TV, bei dem das Kabel dann unter oder neben dem Standfuss des Bildschirms verlegt wird.

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Auch der Subwoofer hinterlässt Eindruck. Wie schon bei der Soundbar herrscht auch hier Schwarz vor, wobei auch hier die Frontblende mit einer dezenten Kante statt ebener Fläche aufwartet, nur unterbrochen von der nach vorn ausgerichteten Reflexrohröffnung. Leider sind die Spaltmaße nicht ganz passgenau, so dass an der Unterseite eine Ecke der Abdeckung fühlbar hervorsticht. Der Subwoofer beinhaltet die beiden ovalen Konuslautsprecher, sowie den Digitalverstärker. Damit bietet die HT-ST3 insgesamt 250 Watt Leistung auf. Ist Sony beim Einbau von HDMI-Anschlüssen sonst eher zurückhaltend, wird bei diesem System nicht gekleckert, sondern geklotzt. Gleich drei HDMI-Eingänge sowie ein ARC-fähiger Ausgang für die Verbindung mit dem TV stehen zur Verfügung, die alle 3D sowie 4K-Signale verarbeiten. Somit ist der Anschluss zusätzlicher Komponenten wie Digital-Decoder, Blu-ray-Player und Spielkonsole möglich. Dazu kommen noch zwei optische Eingänge und ein analoger Stereo-Eingang. Auf der anderen Seite liegen die farblich markierten Eingänge für das Flachbandkabel der Soundbar.

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Auf der Oberseite sind noch einmal zusätzliche Tasten für die Lautstärke, den Betriebsmodus und die Eingangswahl angebracht. Wer über ein NFC-fähiges Android-Gerät verfügt, kann über das ebenfalls oben vorhandene Steuerfeld eine Funkverbindung herstellen. Aufbau und Einrichtung gestalten sich dann durch nur wenige Handgriffe simpel. Der Subwoofer selbst kann hochkant oder quer aufgestellt werden. Für die senkrechte Aufstellung liegen zusätzliche Gummifüße bei, die auf das Gehäuse geklebt werden können. Allerdings ist bei der senkrechten Aufstellung die LED-Anzeige um 90 Grad gekippt. Wer Wert auf eine lesbare Anzeige legt, ohne den Kopf zu neigen, sollte den Subwoofer also waagerecht in einem Phonoregal unterbringen.

Von der Papierform beherrscht die HT-ST3 die Tonformate DTS HD und Dolby TrueHD. Sonys S-Force Surround Sound schafft mit der Manipulation von Lautstärke und des Schallwellenspektrums, sowie der Laufzeitverzögerung von Schall den Effekt von 4.1 Raumklang vor der Soundbar. Das heißt, der Raumklang ist virtuell und kommt aber eben nur vor dem Hörer an. Um diese Effekte zu verstärken und zu optimieren werden vier verschiedene Sound- und drei unterschiedliche Voice-Modi geboten. So stehen Standard-TV, Movie, Football und Music zur Verfügung, die einen jeweils anderen Klang an den Hörer bringen. Einen speziellen Game-Modus für Videospiele sucht man vergebens. Ungewöhnlich für eine Soundbar sind die drei Voice-Modi. Per Knopfdruck kann sich so die Stimme eines Kommentators in drei Stufen besser vom Hintergrund abheben.

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Was in der Theorie erst einmal überwältigend klingt, sorgt in der Praxis dann schnell für die erste Frage. Welche ist die korrekte Sitzposition, denn welcher Abstand ist der richtige, um den bestmöglichen Sound zu erhalten? Weder wird ein Einmessmikrofon angeboten, noch kann man die Boxen systemseitig ansteuern, um den Abstrahlwinkel des Schalls zu beeinflussen. Doch egal welchen Abstand man einnimmt, der Sound bei einer Fussballübertragung wird nicht besser. Sony gibt an, diese speziellen Daten für eine authentische Stadionatmosphäre in einem brasilianischen Stadion erfasst zu haben. Das ist eine sehr weitläufige Angabe, denn im Zuge der anstehenden WM, zu deren Sponsoren auch Sony gehört, befinden sich dort einige Arenen. Dennoch kann keine annähernd so klingen, wie es mir die Soundbar im Modus Football vermitteln möchte. Blecherner Sound aus dem Inneren einer Konservendose und ein im Jubel der Massen wenig verständlicher Moderator bringen definitiv keine echte Atmosphäre auf das Sofa. Besser wird es erst im Standard-TV-Modus.

Dieser bringt die hallende Menschenmenge im Stadion auf ein erträgliches Maß und den Moderator wieder in den Vordergrund des Geschehens. Auch bei klassischen TV-Sendungen wie Nachrichten, Shows oder Serien ist dieser Modus in vielen Fällen die bessere Option. Kommentare können in drei Stufen geändert werden, wobei jedoch auch hier manchmal zu viel Hall auftritt. Bei Serien zeigt sich aber ein weiches und harmonisches Klangbild mit klaren Stimmen, ohne dass man jedoch die Personen räumlich zuordnen könnte.

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Ihre Stärken hat die HT-ST3 dann aber bei Actionfilmen, wobei aber auch hier unter Umständen nach Einstellung des Modus Movie noch einmal die Sprachausgabe nachgeregelt werden muss, weil Dialoge stellenweise zu sehr in den Hintergrund geraten. Aber dies ist mit einem Knopfdruck auf die Voice-Taste erledigt. Es zeigt sich nun die gute Harmonie zwischen Soundbar und Subwoofer. Der Bass kommt knackig und druckvoll, die gewünschten Vibrationen kommen fühlbar beim Hörer an. Allerdings muss der Subwoofer in der Nähe der Soundbar stehen, weil sonst Bässe zu orten sind und somit das Klangbild auseinander gerissen wird.

Etwas unterschiedlich stellt sich die Klangkulisse bei Musik dar, abhängig von Musikrichtung, Interpret und eingespieltem Material. Die Koppelung über Bluetooth mit dem Player der Wahl ist ein Kinderspiel und dem Musikgenuss steht Augenblicke später nichts im Weg. Da hier dem Rock der Vorzug vor allen anderen Stilen gegeben wird, wurde die Playlist von soft bis heavy durchgespielt. So musste die HT-ST3 die eher melodischen Klänge von Frightened Rabbit, 30 Seconds to Mars und Blue October ebenso über sich ergehen lassen, wie die härteren Gitarren von Volbeat, Dropkick Murphys und Iced Earth. Alle Instrumente sind gut zu unterscheiden, auch wenn die Kulisse insgesamt zu eng wirkt. Der Klang kommt zu gedrängt vor dem Hörer an, ein weiträumiger Stereo-Effekt stellt sich zu selten ein. Dennoch wirkt der Sound ausgewogen und homogen, wenn auch manchmal in den Höhen vor allem bei Gitarren ein wenig zu intensiv. Sollten Musikdateien zu stark komprimiert sein und der Sound zu ausgedünnt klingen, hilft die im Menü versteckte Funktion HEQ (Harmonics Equalizer), die auch die leisen Töne wiedergibt, welche aufgrund von Audiokompression verloren gehen können.

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Und was machen Gamer, die das System auch mit ihrer Xbox, Playstation oder Wii U verwenden wollen? Videospieler müssen in Ermangelung eines echten Game-Modus experimentieren, welcher verfügbare Soundmodus ihnen für ihr aktuelles Spiel am ehesten zusagt. In den meisten Fällen wird dies jedoch ebenfalls der Modus Movie sein, da hier ähnlich wie im Film die größte Klangkulisse mit den intensivsten Bässen dargestellt wird. Das Problem ist jedoch auch hier wieder die geringe klangliche Breite vor der Soundbar und damit die nicht immer einwandfreie Ortung von Geräuschen.

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Fazit:

Die Sony HT-ST3 bewegt sich mit momentan 699,- Euro preislich in der Oberklasse, bietet dafür jedoch zu wenig technischen Umfang. Es fehlen verschiedene Klangbilder bei der Musik – und Filmwiedergabe. Im Vergleich dazu bietet die Yamaha YSP-3300 echten 7.1 Surround-Sound und kommt mit zusätzlichen Klangbildern wie Concert Hall, Jazz Club, Music Video, Sci-Fi, Spectacle und anderen daher. Allerdings kostet sie dafür aber auch mehr. Doch auch der Yamaha Soundprojektor der Einstiegsklasse YSP-1400 bietet mit echtem 5.1 mehr Raumklang wie die HT-ST3, hat obendrein subjektiv den besseren Sound und kostet nur knapp die Hälfte.

Mit der zurzeit schmalsten Soundbar der Welt richtet sich Sony eher an den Innenarchitekten mit Designambitionen, denn an den absoluten Soundfetischisten. Warum also soll ich flache TV-Boxen durch ebenso flache Soundbar-Boxen ersetzen? Weil es funktioniert, weil der Klang trotzdem gut ist und weil der zusätzliche Subwoofer für eine entsprechende Klangtiefe sorgt. Auch wenn das dicke Kabel der schmalen Soundbar den annähernd perfekten optischen Eindruck beim Blick hinter die Kulissen schmälert, ist die HT-ST3 ein echter Hingucker.

Es steht unter dem Strich ein gutes System, dessen vornehmliche Stärke sein tolles Design ist.

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Link zur Herstellerseite: Sony HT-ST3 >>>

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