Hardwaretest: Yamaha YSP-1400 – die preiswerte All-in-One-Lösung

Es gibt Tests zu Geräten, auf die freut man sich schon Wochen im Voraus. Seit ich die YSP-1400 auf der IFA zum ersten Mal anschauen und hören konnte war ich gespannt, wie sich der neue Yamaha-Soundprojektor dann in den eigenen vier Wänden macht? Im letzten Jahr stand hier die YSP-3300 >>> und sorgte nicht nur für lang anhaltende Begeisterung, sondern noch mehr für viele erstaunte Gesichter. Echter Raumklang ohne großes Heimkinosystem mit entsprechenden Boxen verwirrte doch anfangs den einen oder anderen Zuhörer.

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Nun steht die kleine Schwester YSP-1400 hier und stellt sich dem akustischen und technischen Vergleich. Eigentlich unfair, denn kann man die Einsteigerklasse YSP-1400 wirklich mit dem technisch opulent ausgestatteten High-End-Soundprojektor YSP-3300 vergleichen? Ich denke schon und greife dem abschließenden Fazit schon jetzt vor. Denn nach wenigen Tagen Betrieb steht fest, dass auch der kleinere Soundprojektor für den ganz großen Klang sorgt.

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Aber für wen eignet sich eigentlich ein Soundprojektor? Was unterscheidet diesen von einer Soundbar und welche Voraussetzungen müssen für echten Raumklang geschaffen sein? Aktuelle TV bieten zwar ein exzellentes Bild, aber aufgrund flacher Bauweise nur einen dürftigen Ton. Einige Hersteller verbauen deswegen die Boxen im Standfuss des Flachbildschirms, um das Klangvolumen zu erhöhen. Aber auch das gelingt mit nur meist mäßigem Erfolg. Was also nützt ein glasklares Bild in Full-HD bei einer Blu-ray oder einem aktuellen Game, wenn der dürftige Klang einfach nicht zum Bild passen will und das Erlebnis zunichtemacht?

Die Alternative zu TV-Boxen ist demnach ein umfangreiches Heimkinosystem. Das klingt zunächst einmal verlockend, doch schon bei der Planung stellen sich die ersten Fragen und daraus resultieren die bekannten Probleme. Denn oftmals lassen räumliche Gegebenheiten weder die Aufstellung von zahlreichen Boxen zu, noch ist eine nicht sichtbare Verkabelung möglich. Und so bröckelt die Vorfreude auf das Kinoerlebnis auf dem heimischen Sofa bereits in der Planungsphase. An dieser Stelle kommt dann die Soundbar ins Spiel. Eine einzige vor dem TV platzierte Einheit soll statt vieler Boxen für das gleiche Ergebnis sorgen. Doch eine Soundbar erzeugt „nur“ virtuellen 2.1 Raumklang. Schallwellen werden „gekrümmt“ und erzeugen so zwar den Eindruck von Räumlichkeit, dennoch spielt sich das Geschehen vor dem Hörer und nicht um ihn herum ab.

Die YSP-1400 erzeugt als Soundprojektor jedoch echten 5.1 Raumklang und nicht nur virtuellen 2.1 Sound. Möglich machen dies Schallstrahlen, die vom Gerät ausgesendet und von den umliegenden Wänden reflektiert werden. Somit kann Klang auch hinter dem Hörer ankommen und für das räumliche Erleben sorgen. Damit dies aber alles zufriedenstellend funktioniert, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. So darf der Raum die Maße von 7 x 3 Metern nicht übersteigen, die Sitzposition sollte mindestens 2 Meter vor der YSP-1400 liegen und der Projektor darf nicht genau in einer Ecke des Raumes aufgestellt werden. Drei verschiedene Beam-Einstellung sorgen jedoch dafür, dass der Projektor auch links oder rechts versetzt stehen kann, wenn eine mittige Aufstellung im Raum nicht möglich ist.

Neben aller technischen Theorie fällt zuerst das wieder einmal edle Yamaha-Design auf. Klare Linien bei leicht gebogener Front sorgen sofort für das Gefühl, nicht nur ein hochwertiges technisches Gerät, sondern auch ein zur Einrichtung gehöriges Accessoire aufgestellt zu haben. Die wenigen Knöpfe zur Bedienung und die blendfreien LEDs schließen rechts und links die acht Beam-Lautsprecher ein. Besonders auffällig ist jedoch die gelochte und nach vorn abfallende Verkleidung der nach unten ausgerichteten Subwoofer. Ein feines Detail, welches sich erst beim genaueren Hinschauen und auf den zweiten Blick erschließt. Im Gegensatz dazu steht die jedoch eher klassische Optik bei der kleinen, aber funktionalen Fernbedienung. Hier hätte es gerne etwas mehr sein dürfen.

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Der Anschluss der YSP-1400 an den TV ist einfach. Es wird das mitgelieferte optische Kabel verwendet, um die Geräte miteinander zu verbinden. Der Soundprojektor gibt dann den Sound des TV, sowie aller daran angeschlossenen Geräte aus. Alternativ kann der Digital-Receiver, der Blu-ray-Player oder die Spielkonsole über den koaxialen oder auch über den analogen Eingang mit der YSP-1400 direkt verbunden werden. Zusätzlich dazu kann man seinen iPod oder andere Player über ein Audiokabel direkt anstecken, wenn diese nicht über Bluetooth verfügen.

Die YSP-1400 ist zwar technisch hochentwickelt, aber zaubern kann sie nicht. Verfügt die YSP-3300 über ein Einmessmikrofon zur Ermittlung der üblichen Sitzposition, muss das Anpassen des Lautstärkepegels für jeden der sechs Kanäle bei der kleinen Soundbar von Hand erledigt werden. Aber auch dies ist eine Sache von wenigen Augenblicken. Durch Druck auf die CH Level Taste der Fernbedienung oder über die grafische Oberfläche der HT-Controller-App gibt der Soundprojektor einen Testton für jeden einzelnen Kanal aus. Über die Lautstärkeregelung kann der einzelne Kanal manuell so in der Lautstärke angepasst werden, bis ein zur Sitzposition optimales Klangbild erreicht wird. Wichtig ist dabei jedoch, dass die gesendeten Schallstrahlen hier nicht durch mitten im Raum stehende Möbelstücke oder – wie in meinem Fall – durch Zimmerpflanzen unterbrochen werden, da sonst kein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt werden kann. Mein Ficus Benjamini musste deswegen für die Dauer des Tests umziehen. Er störte den linken Surround-Kanal.

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Design und technische Fertigkeiten sind das Eine, entscheidend jedoch ist, was die kleine YSP-1400 klanglich zu leisten vermag. Die acht Beam-Lautsprecher überzeugen beim Klang mit Dolby Digital, DTS Digital Surround, Cinema DSP Digital oder aber auch in einfachem Stereo. Sei es das entspannt dahinplätschernde Abendprogramm, Musik aller Stilrichtungen, packende Action von Blu-ray oder Adrenalin-ausschüttende Games. Die Lautsprecher sind immer Herr der Situation. Selbst bei hohen Lautstärken gibt es keinerlei Verzerrungen, wichtig wenn Dialoge schlagartig von treibender Musik, bildschirmfüllenden Explosionen oder rasanten Verfolgungsjagden abgelöst werden. Beim Videospiel Assassins Creed Black Flag auf der Playstation 4 imponiert die anfängliche kurze Seeschlacht. Später sind alle Umgebungsgeräusche wie Vogelgezwitscher und das Rauschen von Wasserfällen klar zu orten. Gleiches gilt für Lego Marvel Super Heroes besonders im Multiplayer-Modus. Auch hier sind beide Spieler klar räumlich voneinander getrennt und die jeweilige Aktion ist klanglich zu erkennen.

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Überraschend ist der tiefe Bass, den die beiden integrierten 8,5 Zentimeter Subwoofer zu leisten in der Lage sind. Die anfängliche Skepsis, ob zwei kleine Subwoofer einen großen Externen werden ersetzen können, hielt nur ganz kurz vor. Der kraftvolle Druck der Bässe überzeugt vollständig, ohne dabei zu dröhnen oder störende Vibrationen zu verursachen. Wem dies allerdings noch immer zu wenig Volumen sein sollte, kann einen externen Subwoofer anschließen. Die YSP-1400 verfügt über einen entsprechenden Eingang.

Aber selbstverständlich belässt es Yamaha technisch nicht bei einem einfachen Soundprojektor, der die TV-Boxen ersetzt. Ein Film benötigt schließlich eine andere Klangkulisse wie ein Spiel, Musik oder ein Sportereignis. Deswegen verfügt die YSP-1400 über die verschiedenen Cinema DSP Programme Movie, Music, Sports und Game, die das jeweils optimale Ergebnis der gewählten Quelle ausgeben. So wird bei der Sky-Bundesliga-Übertragung im Modus Sports der Moderator stärker in den Vordergrund gestellt, da dieser ansonsten bei der Stadionatmosphäre kaum zu verstehen wäre. Bei Movie kommt man der Kinoatmosphäre mit besonders kräftigem Sound in Actionszenen sehr nahe, während bei Music der Eindruck erzeugt wird, sich beim Konzert an vorderster Front zu befinden. Hier imponiert die klare Trennung von Gesang und verschiedenster Instrumente. Die Funktion Game kommt besonders gut bei Ego-Shootern wie Call of Duty oder Battlefield zum Tragen, da hier die beste räumliche Ortung von Soundeffekten möglich ist. Explodiert die Granate links vom Spieler oder schlägt MG-Feuer rechts ein, hört man dies auch und kann entsprechend schnell reagieren. So manch virtueller Bildschirmtod wäre mit vernünftiger Soundkulisse vermeidbar gewesen, aber die YSP-1400 schafft auch hier Abhilfe.

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Ähnlich wie die Sportübertragung ohne Sports-Modus haben manche Filme oder Sendungen Schwierigkeiten mit der Darstellung von Dialogen. Diese werden von Musik oder Hintergrundgeräuschen überlagert. Dafür gibt es die jedoch Funktion Clear Voice. Mit Druck auf die entsprechende Taste werden Dialoge vom Rest des Klangbildes getrennt und hörbar in den Vordergrund gestellt. Fast ebenso wichtig wie Dialoge verstehen zu können, ist die Einhaltung des häuslichen Friedens. Gerade Abends stressen lautstarke Werbeeinblendungen im TV-Programm oder allzu heftige Actioneinlagen in Filmen oder Spielen nicht nur die Nachbarn, sondern auch die nebenan schlafende Familie. Die Funktion Univolume schafft hier aber eine einheitliche Lautstärke für alle Sender und Szenen. Das ständige manuelle Anpassen mit dem Griff zur Fernbedienung entfällt.

Aber nicht nur Filmfans und Videospieler werden mit der YSP-1400 glücklich, auch Musikenthusiasten kommen voll auf ihre Kosten. Dafür sorgt neben dem glasklaren Yamaha-Sound auch die Übertragung von Musik per Bluetooth. Die Koppelung von Soundprojektor und iPad oder anderen Playern ist in Sekundenschnelle erledigt und dem Volbeat-Konzert mit der so unglaublich eingängigen Stimme von Frontmann Michael Poulsen oder dem ungewöhnlichen Mittelalter-Rock mit Schalmei, Marktsackpfeife und Mundharmonika von In Extremo stehen nichts mehr im Wege.

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Wer sich an der Fernbedienung nicht wirklich erfreuen kann oder wer aufgrund der Anzahl der verschiedenen Geräte auf dem Tisch inzwischen den Überblick verliert, hat zwei Möglichkeiten. Entweder man nutzt die Lernfähigkeiten der TV-Fernbedienung und bringt dieser die Funktionen der YSP-1400 Fernbedienung bei oder aber man nutzt gleich die neue Yamaha HT-Controller-App für Apple oder Android-Geräte. Diese bietet sämtliche Möglichkeiten zur Einstellung und Nutzung des Soundprojektors bei einfacher und verständlicher Bedienung.

Möchte man jedoch keine dieser Möglichkeiten nutzen, aber der Soundprojektor verstellt den Empfänger des TV, ist auch dieses kein Problem. Das auf der Rückseite der YSP-1400 angebrachte Signal-Relais leitet die Signale der TV-Fernbedienung weiter. Dies funktioniert auch, wenn sich der Soundprojektor im Stand-By-Modus befindet. Und wer die Wandmontage der Aufstellung auf dem TV-Board vorzieht, findet eine Bohrschablone in der Packung, die das lästige Ausmessen von Bohrlöchern hinfällig macht.

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Fazit:

Es ist wieder einmal beeindruckend, was Yamaha selbst in der Einstiegsklasse neben einem einwandfreien und raumfüllenden Klangbild an technischen Funktionen anbietet. Unkompliziert in Aufbau und Einrichtung kann der Umfang natürlich nicht mit dem der großen Projektoren YSP-3300 oder 4300 mithalten, aber verstecken muss sich die YSP-1400 deswegen keinesfalls.

Man bekommt kein Einmessmikrofon, um den Raum automatisch für das beste Klangbild vermessen zu lassen, na und? Die Einrichtung per Fernbedienung oder App ist fast ebenso simpel und schnell erledigt. Es gibt keinen externen Subwoofer und man hat nur acht statt der sechzehn bzw. zweiundzwanzig Beam-Lautsprecher? Die zwei internen Subwoofer sorgen trotzdem für genug Druck und auch acht Lautsprecher bringen tolles Kinoerlebnis in die heimischen vier Wände.

Stimmen die räumlichen Voraussetzungen, kann man sich den Kauf und Aufbau eines vollständigen Heimkinosystems sparen. Denn der kleine Projektor bringt fast alles mit, was ein großes System auch kann. Und das ist es schließlich, worauf es ankommt, nämlich Filme, Games und Musik in bestmöglicher Qualität in echtem, raumfüllenden Surround-Sound zu genießen.

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Link zur Herstellerseite: Yamaha YSP-1400 >>>

weitere Hardwaretests:

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8 Gedanken zu „Hardwaretest: Yamaha YSP-1400 – die preiswerte All-in-One-Lösung“

  1. Hallo Konsolenfans,
    wieder einmal habe ich mit Begeisterung einen eurer Testbeiträge gelesen. Allerdings macht es mir dieser Test auch nicht leichter. Ich war bisher der Meinung, dass es bei mir entweder ein „richtiges“ Heimkinosystem sein muss oder ich mich doch mit einer einfachen Soundbar zufrieden geben kann.

    Nun lese ich euren Test zu dem bezahlbaren Soundprojektor und fange schon wieder an zu grübeln 🙁
    Aber ich denke, dass ich bei dem Preis wenig falsch machen kann, deswegen schaue ich mir jetzt dieses System an.

    Ich melde mich wieder, wenn die Yamaha bei mir steht 😉

  2. Toller Artikel! Hat meine Kaufentscheidung beeinflusst.
    Mein Fazit zur Yamaha YSP-1400:
    Ich war unzufrieden mit meinen integrierten Samsung TV-Lautsprechern, wollte Surroundsound und ausreichend Bass für Kinofeeling, das alles aber ohne Kabel und Boxen im Raum verteilt stehen zu haben. Diese Soundbar hat meine Erwartungen erfüllt, und das zu einem passablen Preis. Klar könnte man bisschen mehr Brillanz in den Mitten haben und noch satteren druckvolleren Bass. Aber die einfache Bluetoothfunktionalität, Fernbedienungs-Lernmodus und den verschiedenen Soundmodi, entschädigen für ein 3x so teures, unpraktisches Soundsystem.

    1. Hallo, es freut uns, dass der Artikel so gut angekommen ist und du mit uns bei der YSP-1400 gleicher Meinung bist.
      Die kleine Soundbar ist wirklich top!

      Viel Spaß damit, auf viele klangvolle Stunden 😀

  3. Kompliment zum Bericht!

    Die Soundbar würde ich mit der “ VOGEL´S Sound 3450 Soundbarhalterung “ am TV montieren wollen. Macht das Sinn oder muss eine Neueinmessung nach dem Schwenken erfolgen?

    1. Hallo und danke für das Lob 🙂

      Ob das Sinn macht, kann ich nicht entscheiden, aber ich würde ohnehin nach jeder Positionsänderung der Soundbar eine neue Einmessung starten. Das ist doch durch YPAO auch kein Problem und innerhalb weniger Minuten erledigt.

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