Hardwaretest: Philips 55POS901F – ole, ole, OLED

Der Weg war lang. Vom Schwarz/Weiß-Bild zum Farbfernsehen, von 4:3 auf 16:9, von CRT auf Flachbildschirm, von SD über HD bis zu 4K und von Plasma zu LCD bzw. LED. Die Krönung der momentanen Entwicklung ist nun OLED – Organic Light Emitting Diode. Stand zu Beginn der Entwicklung von flachen Bildschirmen noch ein möglichst großes Bild im Vordergrund, ist es nun die stetige Verbesserung der Bildqualität. Denn was nützen gewaltige Diagonalen, wenn man keine Details erkennen kann oder das Bild verwaschen oder unscharf wirkt?

Im Gegensatz zu einem herkömmlichen LCD-Bildschirm bestehen organische LEDs nicht mehr aus Kristallen, sondern aus erdölbasierenden Kunststoffen. LCD benötigt eine rückwärtige Beleuchtung, das sogenannte Backlight, damit das Bild wiedergegeben werden kann. Dieses wird über Leuchtdioden erzeugt, daher auch der Name LED. Um nun möglichst dunkle Farben oder Bereiche darstellen zu können, muss das Backlight das Bild an den entsprechenden Stellen abdunkeln, was im Fall von Schwarz die Abschaltung der Diode bedeutet. Leider gelingt die völlige Dunkelheit meist nur bedingt, weil selbst im dunklen Zustand eben doch etwas Licht des Backlights durchscheint.

Eine organische LED kommt ohne diese Hintergrundbeleuchtung aus. Deswegen kann der Bildschirm sehr viel flacher ausfallen, als dies bei herkömmlichen LED-Bildschirmen der Fall ist. Dazu kommt, dass OLEDs extrem hohe Kontrastwerte bis zu 50.000:1 erreichen können, d.h. ein einziger Bildpunkt kann bis zu 50.000 Mal heller sein als Schwarz. Obendrein kann ein OLED-TV von Hause aus HDR verarbeiten. Dies bedeutet noch mehr Farben als bisher üblich und durch den überdurchschnittlichen Helligkeitsunterschied zwischen Weiß und Schwarz auch einen enormen Kontrast.

Aber Grau ist alle Theorie. Wir haben deshalb den Philips 55POS901F ausgepackt und den SKY-Decoder angeschlossen. Die technische Ausstattung war uns erst einmal vollkommen egal, wir wollten bewegte Bilder sehen. Die Ersteinrichtung per Android kannten wir bereits, sie geht locker von der Hand. Knapp drei Minuten später zappten wir uns durch die HD-Programme und staunten wie zu Kinderzeiten vor dem Weihnachtsbaum.

Wie soll man beschreiben, dass Schwarz endlich Schwarz bis an den äußersten Rand des Bildausschnittes ist und am Übergang zu farblichen Ausschnitten nicht doch ein dunkles Grau wird? Solche Bilder kannten wir bisher nur von den zahlreichen Vorführungen auf Messen oder Veranstaltungen, auf denen die Hersteller mit eigens erstellten Videoclips die Fähigkeiten ihrer Bildschirme bewerben. Bewegte Bilder aus dem TV oder von Spielfilmen sehen zu Hause jetzt tatsächlich genauso aus.

Wir sind auch nach tagelangem Test noch immer beeindruckt, was der Philips OLED uns hier anbietet. Sei es die Neuverfilmung von Die Fantastischen Vier, in dem sich der erste Besuch der fremden Galaxie fast ausschließlich in dunklen Tönen abspielt, sei es unsere Lieblingsserie Game of Thrones, die mit den so zahlreichen verschiedenen Landschaften für immer andere Farben sorgt oder auch das schnöde Serien-Zappen, bei dem selbst Navy CIS: LA zumindest optisch endlich für Unterhaltung sorgt. Auch oder gerade eine sportliche Großveranstaltung wie die zurzeit laufende Tour de France wirkt auf dem Philips noch einmal ungleich spannender.

Aber selbstverständlich liegt das alles nicht allein am OLED-Bildschirm. Denn der 55POS901F kann natürlich auch 4K. Dank der Philips eigenen Bildverarbeitungssoftware Perfekt Pixel Ultra HD und seinen Helfern Ultra Resolution, Perfect Natural Motion und Micro Dimming Premium wird jedes Bild automatisch auf das bestmögliche Ergebnis skaliert, wenn kein echtes UHD zur Verfügung steht. Dabei spielt es keine Rolle, ob das die Blu-ray Disc oder das TV-Programm  ist. 3840 x 2160 Pixel ergeben somit fast 8,3 Millionen Bildpunkte – eine gewaltige Anzahl, die eben auch dafür sorgt, dass Details so originalgetreu wie noch nie dargestellt werden können. Aber Details sind nicht alles, denn die Software schafft es auch, dass selbst bewegte Objekte scharf bleiben und es zu keinen Artefakten oder Schlieren kommt.

Ein TV läuft nicht ununterbrochen, also muss die Optik auch dann stimmen, wenn er einfach nur seinen Platz auf dem Phonoregal ausfüllt. Das hat Philips mit Bravour geschafft. Der Bildschirm fällt durch die OLED-Technik bei der Seitenansicht zumindest im oberen Bereich extrem flach aus. In der Frontansicht ist der silberne Rahmen extrem dünn, erst bei laufenden Bildern erkennt man einen weiteren, jedoch schmalen schwarzen Rand. Die eleganten Standfüße heben den Bildschirm bis auf 63 Millimeter an. Platz genug also, um eine Soundbar vor oder ein Sounddeck unter dem TV zu platzieren.

Besonderes Augenmerk richtet Philips beim 55POS901F auf die Boxen. Im Gegensatz zu vielen anderen Modellen sind diese nicht nach unten oder hinten ausgerichtet, sondern transportieren den Sound nach vorne. Diese dezente Boxenleiste, einer Soundbar nicht unähnlich, ist unterhalb des Sichtbereiches angebracht und verleiht dem TV damit ein eigenständiges, fast schon futuristisches Aussehen. Der DTS-Premium-Klang ist durch die frontale Wiedergabe bei weitem sauberer und Dialoge kommen klar beim Zuschauer an. Man darf allerdings auch hier keine akustischen Wunderdinge erwarten, der Sound ist gut, aber tiefe Bässe können die schlanken Boxen eben dann doch nicht. Wer jedoch auf brachialen Kinosound nicht unbedingt gesteigerten Wert legt, wird mit dieser 30 Watt Alltagslösung durchaus glücklich.

Das Philips Erkennungsmerkmal ist und bleibt das integrierte Ambilight. Dem Preis angemessen erstrahlt das Ambilight an diesem TV an drei Seiten. Aber nur ein paar bunte Lichter an der Rückseite könnte auch ein LED-Stripe aus dem Baumarkt darstellen. Deswegen spendiert Philips seiner Beleuchtung zahlreiche kleine, aber wirklich feine Features, die das TV Erlebnis so einzigartig machen.

Das Ambilight kann dem Bild folgen und bei einem Fußballspiel im unteren Bereich grün wie der Rasen und im oberen Bereich blau wie der Himmel leuchten. So weit, so bekannt. Viel spannender und bunter wird es, wenn das Ambilight dem Sound folgt. Das können Dialoge sein, aber auch der Rhythmus eines Musikvideos. Richtig knallig wird es im Spielmodus, wenn die Farben regelrecht hektisch blinken.  Wem Ambilight allein nicht ausreicht, der kombiniert noch zusätzlich seine Hue-Lampen mit dem TV. Der Philips findet die Bridge anstandslos, danach entscheidet man, welche Birnen gemeinsam mit dem Ambilight agieren sollen. Wir haben hier zum besseren Verständnis die Hue Spots direkt vor dem TV platziert.

So großartig Bild und Optik auch sind, ein TV muss heute mehr können, als nur Farben und Kontraste auf einer riesigen Diagonalen bestmöglich abzuliefern. Der TV ist zur Multimedia-Zentrale im Wohnzimmer geworden und damit längst über den Status eines reinen Bildschirms hinaus. Während viele Hersteller ihr eigenes Smart Home in ihre Geräte integrieren, setzt Philips seit 2014 voll auf Android als Betriebssystem für Bildschirme, auch wenn es immer noch ein paar Philips-eigene Apps gibt.

Angetrieben wird der Philips OLED von Android 6.0 Marshmallow und das funktioniert absolut fehlerfrei und dank Quadcore wirklich schnell. Egal ob TV über Antenne oder den Decoder schauen, die Blu-ray über einen Player oder die PS4 ausgeben, einen Film in 4K über Amazon oder Netflix streamen oder packende Games über Xbox One, PS4 und Nintendo Switch spielen, der 55POS901F verarbeitet anstandslos jedes Signal, das ihm angeboten wird. Dazu gehört auch der Anschluss eines externen Receivers, um den Sound über das Heimkinosystem auszugeben, denn die vier HDMI Ausgänge beherrschen wie bei Philips üblich alle ARC.

Zu den HDMI Anschlüssen kommen noch drei USB-Anschlüsse, zwei CI+ Slots, zwei Satelliten- und ein Antennen-Eingang, ein Kopfhörer Anschluss, ein optischer Eingang, sowie LAN- und WLAN. An TV-Signalen verarbeitet der Philips dank seiner Tuner mit DVB-T2-HD/C/S/S2 alles, was aktuell an Programmen eingespeist werden kann. In Sachen Ausstattung gibt es also nichts zu quengeln. Auch wenn man seinen TV selten von hinten sieht, gibt Philips dem TV eine Abdeckung für sämtliche Anschlüsse mit.

Android haben wir schon beim letzten Philips-Test am 55PUS6501 genossen. Daher fielen weder Einrichtung, noch Bedienung sonderlich schwer. Wer mit seinem Handy umgehen kann, kommt auch nach kurzer Eingewöhnung mit der App-Steuerung an seinem TV klar. Und apropos Smartphone: Ja, man kann seinen TV auch klassisch Step-by-Step einrichten und alles funktioniert. Wer aber ein Google-Konto besitzt, lässt den TV die Arbeit erledigen. Einfach die Einrichtung mit Android anklicken, einen vorgegebenen Code abgleichen und schon übernimmt der TV alle Daten und richtet auch gleich das WLAN ein. Einfacher geht es kaum.

Wenige Minuten später steht neben den bereits vorinstallierten Apps der vollständige Playstore zur Verfügung. Ja, es ist zum Beispiel auch Facebook verfügbar, aber das wird man doch eher auf dem PC oder Smartphone anwenden. Viel interessanter sind da die Apps vieler Mediatheken. Denn das ist einer der besonderen Vorteile von Smart TV. Man ist nicht mehr auf die Nachrichtensendung um 20.00 Uhr im TV angewiesen, man klickt eine App an und schaut, wann man eben die Zeit dazu hat. Das Fernsehverhalten hat sich grundlegend verändert. Nun richtet sich der TV nach dem Zuschauer und sich der Zuschauer nicht mehr nach den vorgegebenen Sendezeiten.

Einer der wichtigsten Punkte neben der intuitiven Bedienung und der Ausstattung eines Bildschirms sind die zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten. Auch wenn Farbe, Kontrast oder Helligkeit bereits nach der Erstinstallation schon ein sehr gutes Bild darstellen, so wird sich doch so mancher User lieber sein persönlich bestes Bild einrichten wollen. Dazu bietet der Philips eine fast schon unüberschaubare Anzahl an Möglichkeiten.

Ein Fingerdruck auf die entsprechende Taste der Fernbedienung und der Zuschauer kann Bild und Ton seinen persönlichen Ansprüchen entsprechend einrichten. Wer sich nicht durch Untermenüs klicken will, wählt eine der Voreinstellung für das Bild. Allen anderen stehen aber selbstverständlich mehr Möglichkeiten für die Feinjustierung zur Verfügung. Weniger Helligkeit für mehr Kontraste? Kein Problem. Mehr Rot für sattere Explosionen bei krachender Action? Bitteschön. Der 55POS901F lässt sich wirklich kleinteilig an die eigenen Sehgewohnheiten anpassen.

Neben OLED sind die Zauberworte momentan 4K oder UHD. Obwohl nicht einmal die TV-Sender inzwischen durchgängig zumindest in HD senden, will jeder schon 4K haben. Auch wenn seit letztem Jahr unzählige Bildschirme 4K wiedergeben können, so ist das Angebot an entsprechendem Material noch äußerst überschaubar. Auf Astra gibt es 4K-Demo Kanäle und SKY sendet ausgewählte Bundesliga-Spiele in UHD, Voraussetzung ist aber ein entsprechender Decoder. Die einzige Möglichkeit zurzeit, Filme oder Serien relativ unkompliziert in 4K zu empfangen, bieten Netflix und Amazon. Wir haben uns auf dem TV die Amazon-App installiert und waren vom dargestellten Bild vollkommen begeistert. Es ist schon unglaublich, was da irgendwann hoffentlich auf den Zuschauer zukommen wird.

Doch bei aller Euphorie ist 4K eben immer noch Zukunftsmusik. Selbst wenn HD inzwischen umfangreich, aber kostenpflichtig bei zahlreichen Anbietern ausgestrahlt wird, ist das noch längst nicht in allen Haushalten angekommen. Somit werden zahlreiche Programme weiterhin in profanen SD empfangen. Selbstverständlich kann die Standarddarstellung in keiner Weise auch nur ansatzweise mit einem hochauflösenden Bild mithalten und der OLED Bildschirm ist damit hoffnungslos unterfordert, aber selbst aus diesem Signal generiert der Philips ein wirklich annehmbares Bild.

Zur vollen Stärke läuft der 55POS901F dann wieder bei Spielen auf. Die erste echte 4K-Konsole wird mit der Xbox One X voraussichtlich erst im November 2017 an den Start gehen, aber selbst die aktuellen Modelle wie Xbox One oder PS4 liefern hier schon großartige Bilder dank 4K und OLED. Aber das Bild und Auflösung eben nicht alles sind, zeigen die Verkaufszahlen der Nintendo Switch. Weltweit beim Release vergriffen, verstehen immer mehr Spieler, dass Grafik nicht die alleinige Glückseligkeit ist. Es ist der Nintendo-Spielspaß, der Sony und Microsoft den Rang abgelaufen hat.

Auch wenn Splatoon 2, Sonic Mania und Mario erst in den Startlöchern stehen, ist es seit Beginn der Konsole Zelda, was Millionen von Spielern an die Bildschirme fesselt. Hier stehen inzwischen weit über 140 Spielstunden auf dem Tacho und doch entdeckt man als Casual-Gamer mit jeder neuen entspannten Session neue Details. Und die werden mit dem Philips trotz Cel Shading Grafikstil noch einmal brillanter dargestellt.

Ein weiterer Vorteil eines OLED Bildschirms ist sein enormer Blickwinkel. Nun schaut man selten TV vom Rand des Bildschirms aus, aber beim spaßigen Partyzocken sitzen schon einmal mehrere Menschen vor dem Bildschirm, während andere nur zuschauen. So erging es uns mit Bomberman, welches nach zahlreichen Updates nun endlich spielbar ist. Neue Features wie Teamplay und ausgemerzte Fehler in der Steuerung machen das Spiel mit Verspätung nun doch noch zu einem echten Partygame. Und da macht es nichts aus, auch einmal weiter außen zu sitzen und trotzdem mitten im Geschehen zu sein.

Und weil gerade Summer Games Done Quick auf Twitch lief, machte das 24/7 Zuschauen auf diesem Bildschirm noch einmal so viel Freude. Dieses Event hat sich innerhalb kürzester Zeit zum größten Gaming Spektakel der Welt entwickelt. Es mag einem Außenstehenden seltsam vorkommen, anderen Menschen beim Zocken zuzusehen, aber wenn man selber gerne spielt staunt man, was die Profis da abliefern. Und zu guter Letzt hat dieses Event eine großartige soziale Komponente, denn es wird nicht nur rund um die Uhr gespielt, sondern auch gespendet. Am Ende der Woche gehen alle Einnahmen an die Cancer Foundation und das waren diesmal knapp 1.800.000 Dollar.

Wer keine eigene Konsole an den TV anschließen kann, aber dennoch einmal schauen will, wie Spiele auf dem Bildschirm wirken, schaut bei den Apps nach Gamefly. Hier werden inzwischen zahlreiche gute Games angeboten, die zwar nicht mehr ganz aktuell,  aber dennoch immer noch qualitativ hochwertig sind.

Fazit:

OLED wird das Maß der Dinge, da führt kein Weg daran vorbei. Auch wenn der Preis noch hoch ist, bisher noch nichts über die Langlebigkeit der Displays bekannt ist und es bei längeren Standbildern Schattenbilder gibt, die aber beim Neustart behoben sind, so ist es einfach diese enorme Bildqualität, die für einen OLED-TV spricht. Noch nie war Schwarz so schwarz, waren Kontraste so klar und Farben so vielfältig.

Philips` Topmodell hat uns restlos überzeugt. Auch wenn das Menü für manchen User vielleicht verwinkelt erscheinen mag, es ist umfangreich und bietet zahlreiche Möglichkeiten, den TV den eigenen Bedürfnissen entsprechend anzupassen.

Wer zu Hause weiterhin mit einem Antennenkabel aus der Dose sein TV-Programm empfängt, braucht mit Sicherheit kein solch hochwertiges Display.  Alle anderen, die Programme in HD empfangen, die Filme und Serien in 4K streamen und Blu-ray schauen, die Videospiele lieben und regelmäßig an der Konsole sitzen, werden früher oder später zu einem OLED-TV greifen – versprochen!

Link zur Herstellerseite: Philips 55POS901F

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