Hardwaretest: Yamaha YSP-5600 – der Energieriegel im Hochformat

Wer eine Ära einläutet, muss immer wieder vorlegen. Das aber scheint Yamaha als Erfinder der Produktkategorie Soundbar nicht sonderlich schwer zu fallen. Während andere nachziehen, schüttelt man in Japan scheinbar Idee um Idee aus dem Ärmel. Der neueste Streich YSP-5600 folgt einem aktuellen Trend: Dolby Atmos und DTS:X – Sound, der von der Decke kommt. Wie das genau funktioniert, kann man in unserem großen Beitrag zum Receiver RX-A 1050 nachlesen. Dort wird die genaue Funktionsweise der beiden Systeme erläutert.

Wie aber schafft man es, ein komplettes 7.1.2 Boxensystem in nur einem einzigen Riegel unterzubringen? Der Trick ist nicht auf den ersten Blick erkennbar, aber im Grunde genommen so simpel wie genial. Ausgestattet ist die YSP-5600 mit insgesamt 44 Lautsprechern und zwei zusätzlichen Tieftönern. Dies an sich ist schon eine gewaltige Anzahl Boxen auf so engem Raum. Der Trick für Klang von oben ist jedoch die Anordnung bzw. Ausrichtung von ganzen 12 dieser Lautsprecher. Jeweils 6 davon sind rechts und links im Inneren des Gehäuses nach oben ausgerichtet, so dass der Klang in Richtung Decke geleitet wird und von dort den Hörer erreicht. Wie bei allen Soundprojektoren von Yamaha funktioniert diese Technik mit sogenannten Schallstrahlen.

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Anhand eines Mikrofons, welches an der üblichen Sitzposition des Hörers aufgestellt wird, misst der Soundprojektor den Raum aus und ermittelt so den bestmöglichen Klang. Diese Strahlen sind Segen wie jedoch auch Fluch gegenüber einem „normalen“ Boxensystem. Ein 7.1.2 System, also 7 Lautsprecher plus Subwoofer plus 2 zusätzlichen Boxen an der Decke für Dolby Atmos oder DTS:X nehmen immens viel Raum ein. Außerdem erfordert die Aufstellung das Verlegen von etlichen Metern Kabeln. Platz, den nicht jeder Heimkinofan uneingeschränkt zur Verfügung hat. Die Alternative lautet also Soundprojektor.

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Aber auch bei einem Soundprojektor müssen einige räumliche Gegebenheiten stimmen, um in den vollen Genuss perfekten Klangs zu kommen. So darf die Raumgröße die Maße von maximal von 7 x 3,50 x 7 Metern nicht überschreiten. Damit fallen selten gewordene Berliner Altbauwohnungen mit Deckenhöhen von über 4 Metern schon einmal aus dem Rahmen. Ebenso sollten keine Vorhänge oder schallabsorbierende Wände vorhanden sein. Die Sitzposition sollte sich zentral in mindestens 1,80 Meter vor dem Gerät und nicht in direkter Nähe zu Wänden befinden. Weitere Schwierigkeiten können Dachschrägen sein, wenn diese direkt über der Hörposition verlaufen.

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Die YSP-5600 ist ein gewaltiges Stück Technik, wenn man sie mit anderen Projektoren oder Soundbars vergleicht. Mit ganzen 21 Zentimetern Bauhöhe kann man sie nicht einfach wie andere Geräte vor dem TV platzieren. Hier ist entweder die Unterbringung in einem ausreichend großen Phonoregal unter oder sogar über dem TV oder die Wandmontage notwendig. Optisch gibt sich der Soundprojektor unauffällig. Ein schwarzes Schutzgitter über die gesamte Breite der YSP-5600 lässt nicht einmal ansatzweise erahnen, welche Technik sich im Inneren verbirgt. Selbst das sonst Yamaha-typische große und auskunftsfreudige Display gibt sich bescheiden und wird nur klein und mit den notwendigsten Infos am unteren Rand des Projektors eingeblendet. Wenige eingelassene Knöpfe machen auch eine manuelle Bedienung direkt am Gerät möglich.

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In Sachen Anschlüsse lässt die YSP-5600 kaum Wünsche offen. Ein ARC-fähiger HDMI-Ausgang, vier HDMI-Eingänge, zwei optische, ein koaxialer, sowie ein analoger Eingang sollten für die meisten Wohnzimmer mehr als ausreichend sein. Alle HDMI-Anschlüsse bieten 4K, der Ausgang, sowie ein Eingang auch HDCP2.2. Alle Anschlüsse sind im Gehäuse versenkt, so dass bei einer Wandmontage kein Kabel überstehen kann. Dementsprechend simpel gestaltet sich der Aufbau. Wir haben hier zum Test den Einbau einmal im Phonoregal unter dem TV und einmal darauf über dem TV vorgenommen. Nach der IntelliBeam Messung mit dem Mikrofon haben wir uns aufgrund des subjektiv besseren Klangs für die Positionierung auf dem Regal entschieden. Dies mag aber dem flachen Design des Regals und dem damit nur knapp über dem Fußboden verlaufenden Klang geschuldet sein. Hilfreich für die Einrichtung der YSP-5600 ist das schlichte, aber damit sehr übersichtliche OnScreen-Menü. Auch nach der automatischen Messung lassen sich noch einmal Justierungen der Lautstärke für jeden Kanal, sowie der Höhen und Tiefen für jede Eingangsquelle per Hand vornehmen.

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Auch der Anschluss ans heimische Netzwerk erfolgt über das Menü. Möglich sind die kabelgebundene Variante oder per WLAN. Ist die YSP-5600 im Netz, steht selbstverständlich auch Yamahas MusicCast zur Verfügung. Mit dieser Funktion lässt sich Musik von jeder Quelle an jedes MusicCast- oder Bluetooth-fähige Endgerät senden. Morgens keinen Stau mehr verpassen? Kein Problem! Auf der YSP-5600 den Lieblingssender im Netzradio hören und mit MusicCast an jede Box in jedes beliebige weitere Zimmer streamen. Die Möglichkeiten sind unendlich und auch die YSP-5600 bietet diese.

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Die YSP-5600 verfügt neben den 44 Array-Boxen auch über zwei 11 Zentimeter Woofer mit 40 Watt Leistung. Diese sind im Normalfall völlig ausreichend. Aber wer es gerne richtig krachen lässt, schließt doch lieber einen zusätzlichen Subwoofer an. Yamaha bietet dazu zwei Möglichkeiten. Da wäre die kabelgebundene, bei der der Woofer ganz klassisch an den Soundprojektor gestöpselt wird. Aber auch hier lägen wie bei einem „echten“ 7.1 System je nach Aufstellung wieder Kabel im Wohnzimmer herum, die versteckt werden wollen. Viel eleganter ist eine Funkverbindung. Der Adapter, der dies ermöglicht, gehört bereits zum Lieferumfang des Projektors. So hat man die freie Wahl, wo im Raum der Subwoofer aufgestellt werden soll.

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Kommt das System dann zum Einsatz, wird man vom Klang und der Räumlichkeit aus nur einem einzigen Gerät erst einmal gefesselt sein. Die 88 Watt der Array-Lautsprecher erzeugen vom ersten Moment an eine großartige Atmosphäre. Um für den Test von Dolby Atmos nicht schon wieder The Expendables 3 bemühen zu müssen, haben wir eine Demo Blu-ray in den Schacht des Players geschoben. Ein herrlicher Animationsfilm, zahlreiche Trailer und Soundbeispiele machen Appetit auf das was möglich ist, wenn Dolby Atmos und DTS:X endlich Massenmarkt tauglich werden. Allein das Soundbeispiel eines Gewitters lässt erahnen, welche klanglichen, zurzeit aber ungenutzten Möglichkeiten in Sachen 3D-Sound noch vor dem Heimkinofan liegen. Bis dahin begnügen wir uns eben weiterhin mit profanem 7.1 Sound.

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Der hat es dann aber umso mehr in sich! Momentan glüht die Xbox One ununterbrochen, der Grund dafür ist das überragende Forza Motorsport 6. War vor allem der letzte Teil eine bodenlose Frechheit, weil Autos per Microtransaktionen mit echtem Geld gekauft werden mussten, bietet dieses Spiel wieder alles und noch mehr, was den Racing-Fan an eine Konsole fesselt: Edelste Karossen soweit das Auge reicht, wunderschöne Rennstrecken, Spielmodi ohne Ende und das alles bei nicht nur überragender Grafik, sondern auch bei einem ebensolchen Sound. Beste Voraussetzungen also für die YSP-5600, ihre Klasse zu zeigen.

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Bei maximal 24 Fahrzeugen auf der Piste ist nicht nur renntechnisch viel los, sondern auch gerade beim Sound. Zahlreiche verschiedene Hersteller hat Entwickler Turn 10 wieder ins Spiel integriert und jedes Fahrzeug hat nicht nur seine eigene Fahrphysik, sondern auch seinen ganz eigenen Sound bei Motor und Auspuff. Auf der Strecke wird gedrängelt, Reifen werden ans Limit und darüber hinaus gebracht, es gibt Fahrzeugkontakt und Ausflüge ins Kiesbett, Tunneldurchfahrten, bei denen der Schall sich nur auf engstem Raum ausbreiten kann und Rennen im Regen, bei denen man die Gischt spritzen hört – bei Motorsport macht die YSP-5600 eine hervorragende Figur.

Welcher Film würde sich für den Test eines Soundprojektors mehr als Star Wars – Das Erwachen der Macht eignen? Soundtechnisch waren bisher alle Filme immer mehr als nur auf der Höhe der Zeit. Warum das Erwachen der Macht allerdings in Dolby Atmos produziert wurde, aber in der deutschen Fassung nur als DTS HD Version erscheint, erschließt sich nicht ganz? Dennoch weist alles auch ohne Sound von der Decke eine großartige Räumlichkeit auf. Die unzähligen Surround Effekte fordern dem Projektor immer wieder Höchstleistungen ab, sei es das klassische Laserschwert, welches brummend und zischend den Raum erfüllt, die zahlreichen Feuergefechte der Stormtroopers oder die Flucht des Millennium Falcon in das Innere eines abgestürzten Sternenzerstörers. Auch ohne angeschlossenen Subwoofer machen die beiden Tieftöner im Gehäuse einen klasse Job, mit Subwoofer hingegen fangen Scheiben an zu vibrieren. Hilfreich bei Dialogen ist die Funktion Dialog Lift, die – wie es der Name schon sagt – Gespräche zwischen den Protagonisten in bis zu drei Stufen anhebt bzw. noch mehr in den Vordergrund setzt.

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Wie bereits erwähnt ist die YSP-5600 mit MusicCast ausgestattet. Also möchte man auf dem Riegel bitte auch klangtechnisch ordentlich mit Musik versorgt werden. An Videospiele und Filme fügt sich auch die Musikwiedergabe nahtlos an. Als Testalbum musste diesmal eine Aufnahme von 1994 herhalten, nämlich Nirvana bei MTV Unplugged. Diese Aufnahme gehört zu den besten, die man sich als Rockfan geben kann, Kurt Cobain auf dem Höhepunkt. Die YSP-5600 arbeitet seine Stimme so emotional heraus, dass es einem Schauer über den Rücken treiben kann, wenn er bei Where Did You Sleep Last Night so viel Leidenschaft in den Song einbringt. Alle weiteren Instrumente wie Gitarre, Bass oder sogar Cello klingen so, wie man sich das auch vor Ort vorgestellt und gewünscht hätte.

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Und hier kann man das erste Mal so richtig mit den vorhandenen DSP-Programmen experimentieren, um seine persönliche Vorliebe bei der Klangwiedergabe einzustellen. Denn selbstverständlich verfügt auch der Soundprojektor wie die zahlreichen Yamaha Receiver über verschiedene Möglichkeiten der Wiedergabe. Mir persönlich hat bei diesem Album das DSP-Programm Concert gefallen, da hier tatsächlich der Effekt der Bühne simuliert wird. Aber neben den Programmen für Musik bringt die YSP auch andere Einstellungen für den Film- und Entertainment-Fan mit. Wer das System häufig für die Musikwiedergabe nutzt, wird sich über vTuner, AirPlay, Spotify, Napster und Juke freuen. Für monatelange Unterhaltung ist also gesorgt.

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Fazit:

Die YSP-5600 ist die Krönung einer zehnjährigen Evolution der Soundbars. In keinem anderen Riegel findet man so viele Boxen vor, die Technik ist mit Dolby Atmos und DTS:X auf dem aktuellsten Stand. Zahlreiche Anschlussmöglichkeiten für Zuspieler, MusicCast für Musik von jeder Quelle an jedes Gerät an jedem Ort, Webradio und Streaming-Dienste sorgen für ein technisch mehr als rundes Gesamtpaket.

Jedoch kein Test oder Fazit ohne ein kleines Aber. Die YSP-5600 ist und bleibt ein Komplettsystem. 44 Boxen in nur einem Gerät sind gewaltig, die räumliche Darstellung von Surround-Sound grenzt stellenweise an Zauberei, dennoch kann auch dieser Soundprojektor nicht vollständig ein ausgewachsenes 7.1 System ersetzen. Wer aber für ein solches umfangreiches System keinen Platz oder vielleicht auch nicht die finanziellen Mittel hat, findet im neuen Yamaha Riegel seine Erfüllung.

Egal ob Musik, Filme oder Spiele, selbst ordinäres TV-Programm wird mit der YSP-5600 zum Erlebnis. Auch wenn bisher die wenigsten Filme mit Dolby Atmos oder DTS:X den Klang von der Decke bieten, auch hier wird die Entwicklung voranschreiten und dann ist man mit diesem Soundprojektor für die Zukunft bestens gerüstet.

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Link zur Herstellerseite: Yamaha YSP-5600

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