Hardwaretest: Sony HT-XT1 – die erste Soundbase von Sony

Unscheinbar – das ist der erste Eindruck, nachdem die Sony HT-XT1 aus ihrer Verpackung befreit wurde. Das also ist Sonys Antwort auf die Soundplates von LG, Bose, Canton und vielen anderen? Aber es ist nur der erste Eindruck, denn schon beim zweiten gefällt die schicke Klavierlack-Optik und überzeugt durch ihre Schlichtheit.

Es gibt keinerlei überflüssige Schnörkel, kein Knopf steht hervor und stört das Gesamtbild. Die wenigen Bedienelemente sind auf der Oberseite als Sensortasten integriert. Das Display versteckt sich hinter dem Metallgitter, welches sich über die Front ausbreitet. Die vier pyramidenförmigen Füße aus Aluminium runden die edle Erscheinung nach unten perfekt ab. Design konnte Sony schon immer.

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Mit seinen 720 x 72 x 310 Millimetern im glänzenden Schwarz versteckt sich das System eher unauffällig unter dem TV. Damit es beim Aufstellen des Bildschirms auf der Soundbase nicht zu hässlichen Kratzern im Lack kommt, ist die Oberseite noch zusätzlich mit einer gehärteten Glasscheibe geschützt. Leider gibt die gedruckte Anleitung aber keinen Hinweis darauf, mit wie viel Kilogramm TV-Gewicht die HT-XT1 denn eigentlich belastet werden kann? Einer der wenigen Sicherheitshinweise lautet dann tatsächlich, dass man keine heiße Pfanne (!) auf dem System abstellen darf, da dies die Scheibe beschädigen könnte.

Technisch bietet die Soundbase den zur Zeit üblichen hohen Standard. Geboten werden drei HDMI-Eingänge, ein ARC-fähiger HDMI-Ausgang, ein analoger, sowie ein digitaler Eingang. In Sachen Funkverbindung stehen Bluetooth (A2DP-Codec) und NFC (Near Field Communication) zur Verfügung. Hierbei wird ein entsprechend ausgestattetes Smartphone an die Soundbase gehalten, um so eine Verbindung herzustellen. Mitgeliefert wird nur ein optisches Kabel, ein HDMI-Kabel sucht man vergebens. Besitzer eines Sony-TV mit Bravia-Sync verbinden die beiden Geräte mit einem High-Speed-HDMI-Kabel und nutzen so noch zusätzliche Funktionen wie einen Energiesparmodus. Der S-Master-Digitalverstärker sorgt für 170 Watt Ausgangsleistung, von denen jeweils 35 Watt auf die beiden 38×80 Millimeter Boxen und 100 Watt auf die beiden nach unten ausgerichteten 100 Millimeter Subwoofer entfallen. Die Bassreflexöffnung befindet sich auf der Rückseite.

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Die Fernbedienung ist identisch mit der der HT-ST3 >>>. Hier trifft ungewöhnliches Design auf gewöhnungsbedürftige Bedienbarkeit bis hin zu etwas unübersichtlichen Einstellungen in den Menüs. Durch die ebenen dreieckigen Knöpfe vermisst man anfangs die Haptik einer klassischen Fernbedienung. Dennoch hat man sich schnell daran gewöhnt. Komplizierter wird es, will man im versteckten Menü die Durchschlagskraft der Bässe ändern oder die Ton synchronisieren. Kleine Knöpfe mit noch kleinerer Beschriftung versteckt unter einem Schiebemechanismus machen den Griff zur Anleitung notwendig, um die gewünschten Menüpunkte anpassen zu können. Und warum die Lautstärkeregelung für den Bass ebenfalls verdeckt untergebracht ist, bleibt ein Geheimnis der Sony-Designer. Wer sich mit der Fernbedienung nicht anfreunden kann, greift zur App SongPal, die für Android-Smartphones und iPhone, jedoch momentan noch nicht für iPad zur Verfügung steht.

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Überzeugt die HT-XT1 in Ausstattung und Design, stehen Funktionsumfang und Klang diesen in nichts nach. Um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, stehen Decoder für DTS-HD, Dolby TrueHD und Dolby Digital + zur Verfügung. Mit den Modi Standard, Movie, Music, Sport und Game stehen verschiedene Klangbilder zur Verfügung, die das jeweilige Genre noch einmal im Sound hörbar aufwerten. Im Modus Sport wird die Stimme des Kommentators deutlich hervorgehoben, zusätzlich wird eine breite Stadionatmosphäre erzeugt. Filme und Videospiele überzeugen durch deutlich mehr Bass. Soweit die Theorie.

Die HT-XT1 ersetzt trotz aller technischen Finessen kein Heimkinosystem, dies muss dem Käufer des Systems von vornherein klar sein. Geboten wird ein 2.1 Kanal System, welches die S-Force PRO Front-Surround-Technologie zu virtuellem 5.1 Raumklang aufwertet. Im Gegensatz zu einer vollwertigen Heimkino-Anlage mit separat im Raum verteilten Boxen kommt also der Sound nur vor dem Hörer an, aber dennoch bietet die Sony Soundbase ein breites und homogenes Klangbild.

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Sonys TV-Lautsprecher gefällt trotz kleiner Abmessungen mit gutem Klang bei Musik. Bei Biffy Clyro mit „Black Chandelier“ spielt rechts klar die Lead-Gitarre, während links später die Rhythmusgitarre einsetzt. Die Stimme von Sänger Simon Neil klingt angenehm, wird schön hervorgehoben, ohne das akustische Gesamtbild zu überlagern. Gleiches gilt bei gehobener Lautstärke für Volbeat mit „Lola Montez“. Auch hier erklingt die so eingängige Stimme von Frontmann Michael Poulsen klar, während die Gitarren gut konturiert aufspielen. Und auch bei anderen Stilrichtungen wie bei Thirty Seconds to Mars mit „End of all Days“ zeigt die HT-XT1 keine erkennbare Schwächen. Das E-Piano klingt hell in den Höhen, elektronische Effekte und Hall werden verzerrungsfrei wiedergegeben, während die Stimme von Sänger Jared Leto dominant und kraftvoll für Gänsehaut sorgt.

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Bei Filmen zeigt sich ein ähnliches Bild. Bei „Act of Valor“ ist die anfängliche Geiselbefreiung einer CIA-Agentin schon das vorweggenommene Highlight des Films. Da der Film auf wahren Einsätzen beruht und von echten Navy SEALs unterstützt wurde, breitet sich schon zu Beginn eine ungeheure Spannung aus. Angefangen bei den Umgebungsgeräuschen des Dschungels, dem vorsichtigen Vorgehen der SEALs und deren leisen Schritten auf Waldboden, Kies und Holzböden bis hin zum leisen Plopp des Schalldämpfers und dem Sirren der Kugel des Scharfschützen arbeitet die HT-XT1 jedes Detail sauber heraus. Das nach einer wilden Verfolgungsjagd abschließende Feuergefecht bei beachtlichem Pegel, in dem ein Jeep von echten Kugeln vollkommen durchsiebt wird und dann in Flammen aufgeht, meistert die Sony durchweg dynamisch.

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Ähnlich viel Freude kommt im Animationsfilm „Ich – Einfach Unverbesserlich 2“ auf. Hier ist es das chaotische Finale, in dem die durch den Bösewicht Eduardo verwandelten Minions mit Dr. Nefarios Marmelade wieder in ihren Ursprungszustand zurück versetzt werden. Von der Schlacht gegen die lila Minions bis hin zum Start und Einschlag der Rakete in den Vulkan leistet die HT-XT1 ganze Arbeit. Damit die Familie bei zu viel Action nicht aus den Betten hochschreckt gibt es einen Nachtmodus, der Effekte auf Zimmerlautstärke minimiert. Die Funktion Clear Audio+ hebt Stimmen automatisch hervor, zusätzlich lassen sich Dialoge mit Voice in drei verschiedenen Stufen anpassen. Gut bei älteren DVDs oder dem TV-Programm, in denen Gespräche häufig von Hintergrundgeräuschen überlagert werden. Ebenfalls integriert ins System ist AAV, welches die Lautstärkedifferenzen zwischen dem Film und den unvermeidlichen Werbepausen der Privatsender aneinander angleicht.

Nachdem die bei Weitem teurere Sony HT-ST3 >>> darauf verzichtete, gibt es bei der HT-XT1 wieder den Soundmodus Game. So entsteht bei Forza Motorsport 5 vor der Xbox One eine realistische Geräuschkulisse. Motorengeräusche sind klar voneinander zu unterscheiden, Unfälle oder Ausflüge neben die Strecke klingen authentisch. Donkey Kong Country: Tropical Freeze wartet auf der Wii U mit der so typischen Begleitmusik auf und auch die guten Soundeffekte bringen die Stimmung auf dem Bildschirm wunderbar zur Geltung. Bei Shootern, egal ob CoD oder Battlefield erfolgt eine gute Ortung von Umgebungsgeräuschen, die HT-XT1 vermittelt dem Spieler die Action sehr gut.

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Und dennoch! Trotz des ausgewogenen und breiten Klangbildes erscheinen die Bässe stellenweise zu schwach. Man kann diese zwar im Menü anpassen und dann auch in der Lautstärke regulieren, aber so richtig tief herunter schaffen es die beiden Subwoofer dann doch nicht. Es fehlt hier etwas an Durchschlagskraft. Wünschenswert wäre daher die Möglichkeit zum Anschluss eines externen Subwoofers gewesen, aber einen entsprechenden Eingang dafür sucht man leider vergebens.

Fazit:

Die HT-XT1 ist für denjenigen eine echte Alternative, der sich nicht mit dem umfangreichen Aufbau eines Heimkinosystems auseinander setzen möchte oder den die mitunter eingeschränkte Sicht auf das sichtbare Bild durch eine Soundbar stört. Unter den Bildschirm geschoben, wird der sonst dünne Sound von TV-Boxen deutlich verbessert.

Dabei überrascht die kleine Soundbase und bietet trotz teilweise wenig Bass ein gutes Kino-Gefühl. Breites Klangbild, gute virtuelle Surround-Effekte, tadellose Stimmwiedergabe und hohe Pegelfestigkeit vermitteln bei einem Abstand von maximal drei Metern das Gefühl, mitten ins Geschehen versetzt zu werden. Gleiches gilt für Musik und Videospiele.

Mit sehr guter Trennung von Instrumenten auf breiter Bühne macht auch das Hören von Musik auf der Anlage Spaß. Videospieler mit Platzmangel oder schmalerem Geldbeutel sollten die HT-XT1 unbedingt einmal Probe hören und spielen, denn neben aktuellen Soundspezialisten wie PS4, Wii U oder Xbox One bieten selbst alte Konsolen eine tolle Klangkulisse.

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Link zur Herstellerseite: Sony HT-XT1 >>>

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4 Gedanken zu „Hardwaretest: Sony HT-XT1 – die erste Soundbase von Sony“

  1. Die Belastbarkeit steht auch unter den Hinweise, nicht weit von dem Pfannenhinweis: „Stellen sie keine Gegenstände über 30kg auf das Gerät“.

  2. Danke, das habe ich dann wohl überlesen, weil ich eine heiße Pfanne auf dem Soundplate vor dem geistigen Auge hatte … die Konzentration war da wohl nicht mehr ganz oben 🙂

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