Hardwaretest: Onkyo A800 – mit dem Charme der 80er Jahre

Kopfhörer gibt es wie Sand am Meer und für jeden Zweck. Ich habe es am Wochenende wieder erlebt, dass Vater und Sohn beim Elektronik Großmarkt um die Ecke kurz vor der Kasse auf den Wühltisch griffen und einen im Preis nochmal reduzierten Kopfhörer im hässlichen Blisterpack kauften, nachdem beide über die tolle Qualität des Produktes philosophiert hatten, ohne dieses wahrscheinlich jemals angefasst oder auf den Ohren gehabt zu haben.

Aber das darf und muss es auch geben. Wer nur Wert auf Lautstärke und Bässe legt, wird mit diesem Gerät ganz sicher für eine Weile glücklich. Nicht umsonst reiht sich im Markt Kopfhörer an Kopfhörer der verschiedensten Hersteller und Preisklassen. Nur in Ruhe Probehören kann man eben an einem solchen Ort nicht wirklich. Und das wird umso ärgerlicher, je mehr man in einen guten Kopfhörer investieren möchte.

Sind wir mal ehrlich. Die Qualität eines Kopfhörers kann man tatsächlich nur beim HiFi-Händler des Vertrauens oder zu Hause und dann mit Musik, die man kennt, wirklich beurteilen. Umso schöner, dass wir mit dem A800 unser erstes Onkyo-Gerät in den Händen halten und diesen Kopfhörer entspannt auf dem Sofa mit „unserer“ Musik hören können.

Nimmt man den Onkyo A800 das erste Mal in die Hand, fällt sofort dessen ungewöhnliche Form auf. Denn einen solch breiten Kopfbügel hatten wir bisher noch nicht in der Hand. Der Bügel wird von weichem Leder umfasst und auf beiden Seiten mit dem goldenen Onkyo-Schriftzug abgeschlossen. Das Raster zur Größenverstellung besteht aus zwei Schienen pro Muschel, die sehr leichtgängig sind, aber dennoch sauber einrasten. Selbst größere Köpfe sollten beim Tragen keinerlei Probleme haben.

Der A800 ist ein sogenannter Over-Ear-Hörer, das heißt er umschließt die Ohren vollständig. Somit werden störende Nebengeräusche von außen von vornherein minimiert. Die aus Samt und Memory-Schaumstoff gefertigten Muscheln sind daher groß und kreisrund, ungewöhnlich und fast nostalgisch in Zeiten, in denen immer mehr Hersteller auf ein eigenwilliges Design setzen. Und dennoch hat der A800 seinen ganz eigenen Charme. Dezente Linien im Stile einer alten Schallplatte umschließen das Mittelstück, welches von einem zierlichen goldenen Ring eingefasst ist.

Befeuert wird der A800 von einem 50 Millimeter Treiber mit einer mehrlagigen Membran. Dieser Treiber ist in der Lage, einen Frequenzbereich von 4 Hz bis 40 kHz mit einer Empfindlichkeit von 100 dB bei einer Impedanz von 32 Ohm abzubilden. Was nach schlichter Aufzählung von theoretischen Eckdaten klingt, soll in der Praxis für eine außergewöhnlich hohe Frequenzgenauigkeit in den Mitten bei tiefem und präzisen Bass sorgen.

Dazu kommt ein Kabel, welches den Einsatzbereich des A800 klar definiert. Denn 3 Meter Kabel klemmt man sich für unterwegs sicher nicht an das Handy, um Musik zu hören, obwohl es einen 3,5 Millimeter Adapter gibt. Der Onkyo ist also ein Kopfhörer für zu Hause, mit dem man sich in seinen Sessel hockt, um Musik zu genießen und nicht zu konsumieren. Das Flachbandkabel ist aus sauerstofffreiem Kupfer gefertigt, welches noch einmal eine verbesserte Übertragung garantieren soll.

Klingt auf dem Papier immer sehr gut, aber erst in der Praxis zeigt sich, was ausschweifende Worte wert sind. Der Onkyo A800 ist ein Kopfhörer für High-Resolution Audio, das heißt er soll bei der Wiedergabe von Musik so nah als möglich an die ursprüngliche Studioaufnahme heranreichen. Aber so etwas funktioniert nur in Kombination mit dem entsprechend hochwertigen Datenmaterial und einem Receiver, der diese Daten ungeschönt an den Kopfhörer bringt. Getestet wurde der A800 daher an einem Yamaha RX-A1050, denn beide Hersteller werben mit klarem Sound.

Als erstes widmen wir uns einem für unsere Hörgewohnheiten eher ungewöhnlichen Song – Red Hands Black Deeds von Shaman`s Harvest. Statt der sonst bekannten harten und rockigen Metal- und Grunge Rhythmen erwartet den Hörer hier eine Ballade im Stile indianischer Ureinwohner. Klar im Vordergrund steht  hier die sonore Stimme von Sänger Nathan „Drake“ Hunt, der den Song mit Stille statt Dynamik intoniert. Die wenigen Gitarrenklänge unterstreichen den Song nur und werden vom A800 perfekt wiedergegeben. Kurz, aber großartig auf dem Onkyo.

Ganz anders Clichè von Signal to Noise. Hier dominieren beim Refrain die vordergründigen Gitarrenriffs, begleitet von einem durch den A800 sauber herausgearbeiteten Bass. In den stilleren Passagen ist es eine Freude, fast jede Note der Leadgitarre förmlich zu spüren. Der Onkyo hat weder in den Mitten noch Höhen Probleme, die Akkorde sauber darzustellen, keine Note und kein Riff wirken überzogen.

Einer der mitreißendsten Singer/Songwriter ist momentan Justin Furstenfeld. Seine Auftritte mit seiner Band Blue October sind schon ein Erlebnis der besonderen Art, steht er aber allein auf der Bühne, kann man in einem ausverkauften Saal eine Nadel fallen hören, weil er das Publikum ab der ersten Note fesselt. Und eigentlich ist es egal, welchen Song man aus dem Album Songs from an open Book spielt, der Onkyo A800 verursacht aufgrund seiner Wiedergabequalität Gänsehaut. Jede Zupfen einer Saite, jede gesungene Note kommt so original, als stände man neben Justin auf der Bühne – dafür sind hochwertige Kopfhörer gemacht.

Selbstverständlich nimmt jeder Mensch Klang anders wahr. Jeder hat einen anderen Musikgeschmack und achtet beim Hören auf andere Dinge. Wir haben den Onkyo A800 mit handgespielter Musik gehört, bei der harte Riffs, schnelle Akkorde, knackiges Schlagzeug und eine Stimme im Vordergrund stehen, egal ob diese Metal oder Ballade kann. Ein anderer testet den Kopfhörer vielleicht mit Klassik oder Jazz. Für unsere Musik jedoch ist der Onkyo ein annähernd perfekter Kopfhörer.

Fazit:

Der Onkyo A800 ist schon ein optisch ungewöhnlicher Kopfhörer. Mit seinen Rillen auf den Muscheln und seinen goldenen Einfassungen und Akzenten versprüht er den längst vergangenen Charme der 1980er Jahre. Das Design schwimmt damit gegen den Strom, bei dem heute alles ein wenig futuristischer wirken soll. Passend dazu wird ein zweifarbiges, fast schon retro zu nennendes Flachbandkabel geliefert. Der breite Kopfbügel ermöglicht Hand in Hand mit dem geringem Gewicht des A800 tatsächlich einen hohen Tragekomfort.

Klanglich gibt es nichts auszusetzen. Die großen Ohrmuscheln umschließen das Ohr, lassen somit keine Störungen von außen zu, während die 50 Millimeter Treiber den Sound glasklar transportieren. Selbstverständlich ist immer das Ausgangsmaterial für den Klang mitentscheidend, aber stimmt das, spielt der Onkyo groß auf. Wer also den etwas anderen Kopfhörer sucht, sollte sich die Zeit nehmen und den A800 einfach mal machen lassen.

Link zur Herstellerseite: Onkyo A800

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