Volbeat am 01.11.2019 live in Berlin – ein akustisches Desaster

Nein, das haben die Jungs rund um Michael Poulsen nicht verdient. Was sich bereits bei den Vor-Acts Danko Jones und Baroness abzeichnete, wurde leider auch beim Auftritt der Dänen zur Gewissheit: Irgendjemand hat am falschen Ende gespart und den Tontechniker-Azubi mit diesem Auftritt betraut, statt jemanden mitzubringen, der sich mit Musik auskennt. Und das vor ausverkaufter Halle.

Aber von vorn. Es ist der 01. November 2019, die Mercedes-Benz-Arena öffnet frühzeitig ihre Türen, weil der erste Act Danko Jones schon um 18.30 Uhr loslegen soll. Wir sind um 18.10 Uhr vor Ort und können tatsächlich noch in Ruhe bis ganz nach vorn in die erste Reihe vor der Bühne laufen. Offenbar zieht die Band nicht so wirklich, als dass zu diesem Zeitpunkt schon das große Gedränge herrscht. Nach dem Auftritt weiß man auch, warum das so ist.

Sänger Danko gibt sich alle Mühe, aber wie sagte es schon Frau Sommer aus der Kaffee-Werbung: „Mühe allein genügt nicht“. Trotz der aus dem Radio bekannten Songs Dance, Dance, Dance oder I`m in a Band wird schnell klar, dass sich mit diesen Stücken das gesamte Repertoire der Band bereits erschöpft hat. Alles klingt gleich, jeder Song ist austauschbar. Zum Glück ist nach knapp 30 Minuten Schluss. Und schon hier wird klar, dass die Akustik der Halle ein Problem hat.

Nicht besser wird es klanglich bei Baroness. Auch wenn hier endlich Abwechslung in den musikalischen Ablauf kommt, so ist der Klang weiterhin unterirdisch. Das liegt zum Teil auch an der defekten Gitarre von Sängerin Gina Gleason, die das Instrument nach 3 Stücken entnervt austauscht. Besser wird es dennoch nicht. Der Tontechniker bekommt den Gesang nicht in den Griff, Texte sind kaum zu verstehen. Stattdessen werden die Gitarren maßlos überzeichnet. Schade, denn die Band hätte mehr verdient, das neue Album Gold & Grey ist auf alle Fälle hörenswert.

Kurz vor dem eigentlichen Auftritt von Volbeat kommt auch Bewegung in den Bühnenaufbau. Gleich 8 große Leinwände werden vor die Bühne gefahren, bis zur ersten Note werden hier Bilder im Stile der bisherigen Cover gezeigt – einfach nur großartig. Und als es endlich dunkel wird, zeigt Volbeat auf eben diesen Leinwänden das aktuelle Video Die to Live. Von der Band ist noch nichts zu sehen, aber schon steigt die Stimmung.

Beim ersten live gespielten Ton tobt dann die Halle. Die Leinwände werden hochgezogen und im späteren Verlauf des Konzerts rund um die Bühne verteilt. Das Bühnenbild ist absolut großartig, ganz im Gegensatz zum Klang. Denn noch immer geht der Gesang in den überzogen aufspielenden Instrumenten fast unter. Man erahnt es mehr, als dass man es hört, aber Sänger Michael klingt live tatsächlich so wie auf jedem seiner Alben. Das hat man bei anderen Bands schon ganz anders erlebt. Wenn man die Stimme heraushören könnte, sie wäre mit Sicherheit auch an diesem Abend großartig gewesen.

Dazu kommt ein zwischenzeitlich so brachial aufspielender Bass, der bei einigen umstehenden Zuschauern die Zähne zum Klappern bringt, aber dieses Problem ist nach drei weiteren Songs dann wieder behoben. Es wäre ein wirklich großartiges Konzert geworden, denn die Jungs nehmen das Publikum mit auf eine Reise durch ihre Alben. Von Sad Man`s Tongue bis hin zu For Evigt und Lola Montez ist alles dabei, was man sich live nur wünschen kann. Und auch wenn das letzte Album Rewind, Replay, Rebound einiges an Kritik einstecken musste, so darf natürlich auch Last Day under the Sun nicht fehlen.

Wie sagte es Gitarrist Rob Caggiano vor kurzem: Volbeat waren nie eine Metal-Band. Und das war auch an diesem Abend wieder zu hören. Trotz zahlreicher Riffs an den Gitarren, einem hämmernden Schlagzeug und dem treibenden Bass schaffen es Volbeat dennoch, die Mischung aus Rockabilly-Ästhetik und Elvis-Metal auch auf das aktuelle Album zu transportieren. Und das ist es, was der Fan hören will – er bekommt es nur eben nicht an diesem Abend in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin.

 

 

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