Lange angekündigt, sind nach den bereits im letzten Jahr erschienenen Receivern der RX-V – Reihe nun auch endlich die „großen“ Aventage Modelle bei Yamaha und damit auch im Handel angekommen. Und man hat nicht nur gekleckert, sondern gleich richtig geklotzt, denn neben einem neuen Innenleben erhalten die Geräte nach Jahren des bewährten, aber optischen Gleichmuts jetzt auch ein vollkommen neues Äußeres. Nun steht hier der neue Aventage RX-A4A, die technisch ausgestattete Nummer drei von vier verfügbaren Modellen und wie immer erwarte ich unfassbar viel von einem neuen Yamaha-Receiver.

Hebt man den Boliden aus seinem Karton, fällt zuerst das wie immer gewaltige Gewicht der neuen Heimkino-Zentrale auf. Stattliche 16,2 Kilogramm bringt der RX-A4A auf die Waage, aber das ist es, was man sofort von einem Yamaha-Verstärker der gehobenen Preisklasse erwartet. Gewicht bedeutet Wertigkeit, auch wenn diese auf den ersten Blick nicht wirklich zu erkennen ist, sondern sich zu einem großen Teil im Inneren des Gehäuses abspielt. Aber dazu später mehr. Denn bevor man seine neue Errungenschaft das erste Mal hören kann, wirkt die vollkommen neue Optik auf den Betrachter.

Das neue Design

Kam der im letzten Jahr getestete RX-V4A noch mit abgerundeten Ecken daher, so präsentiert sich der RX-A4A als weitestgehend wuchtige Einheit mit klarer Kante. Einzig im unteren Viertel der Front wird die Fläche von einer kleinen Abstufung unterbrochen. Ansonsten wirkt das Gerät wie ein Monolith aus einem Guss. Sofort auffällig ist der fast schon überdimensioniert wirkende Drehregler für die Lautstärke in der Mitte der Front, wo sich einst das große Display befand. Dieses ist nun in komprimierter Form nach rechts gerückt und wird erst beim Anschalten des Verstärkers wirklich sichtbar. Daneben befindet sich ein weiterer, weitaus kleinerer Regler, der durch drehen oder drücken weitere Funktionen offenbart.

Durch das Versetzen des Lautstärke-Reglers in die Mitte der Front entfallen auch die bislang hinter einer Klappe verborgene Technik und damit die manuelle Bedienung des Receivers. Konnte man bis dahin getrost die Fernbedienung versehentlich dem Hund überlassen oder diese zwischen den Sofakissen verlegen, so ist man nun weitestgehend komplett darauf angewiesen.

Beibehalten wurden die vier, von anderen Receivern bereits bekannten Szene-Tasten. Hier können verschiedene Szenarien hinterlegt werden, die dann beim Druck auf die entsprechende Taste eine vorher festgelegte Kombination aus Bild und Ton starten. So ist auf Szene 1 Movie-Viewing hinterlegt, bei der ein an HDMI 1 angeschlossener Blu-ray-Player und der TV starten oder auf Szene 2 Music Hearing. Selbstverständlich lässt sich jede einzelne Szene an die persönlichen Vorlieben anpassen. Auf dem Receiver selbst stehen vier Szenen zur Auswahl, programmieren lassen sich hingegen gleich acht davon. Die weiteren sind dann über die Fernbedienung aufrufbar. Die bisher hervorragenden haptischen Tasten wurden in der neuen Aventage-Reihe allerdings durch eine Sensor-Bedienung ersetzt.

Weiterhin befinden sich an der Front der obligatorische Power-Button, ein USB-Eingang, der Eingang für den Kopfhörer und jener für das YPAO-Einmessmikrofon, welches bei der Installation die Lautsprecher erkennt und deren verschiedene Abstände zum Hörplatz misst. So weit, so Aventage – denn jetzt gibt es das erste „Aber“,  weil Yamaha leider nicht nur die bisher weitestgehend aus Metall bestehende Front komplett durch Kunststoff ersetzt hat, sondern auch die Oberseite jetzt ebenfalls aus schwarzem Plastik besteht. Nun mag das kein wirkliches Qualitätsmerkmal sein, aber es fällt dem Yamaha-Fan und Liebhaber hochwertiger Verarbeitung sofort auf.  

Das volle Potential des Yamaha RX-A4A lässt sich dann mit einem Blick auf die Rückseite erahnen. Wer das erste Mal Kontakt mit einem komplett ausgestatteten AV-Receiver hat, wird hier vielleicht zu Beginn die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, weil die Möglichkeiten schier unendlich erscheinen. Aber keine Sorge, auch hier schafft Yamaha Abhilfe. Der AV-Setup Guide hat sich schon etliche Male bewährt und er reicht auch beim neuen Aventage-Modell dem unbedarften User zwei helfende Hände.

Schritt für Schritt wird der Besitzer des Geräts hier durch die ersten Installationsschritte geführt, bis dann die ersten Klänge aus dem Receiver erklingen. Vom richtigen Anschluss der vorhandenen Lautsprecher bis hin zur Abfrage, welche Zuspieler am Yamaha angeschlossen werden sollen, lässt die Anleitung keinerlei Fragen offen. Man muss sich also nicht mühsam durch PDF-Anleitungen wälzen, um seine Errungenschaft ordentlich ans Laufen zu bekommen. Profis, die nicht den ersten Receiver anschließen, können den Setup-Guide aber außen vor lassen, weil mit ein wenig Erfahrung auch die mit Anschlüssen vollgestopfte Rückansicht des RX-A4A selbsterklärend ist.

War bis vor gar nicht allzu langer Zeit noch ein 5.1 System das Maß der Dinge, hat sich auch in Sachen Klang unfassbar viel geändert. Aus dem klassischen Surround-Sound ist bei vielen inzwischen ein vollständiges Heimkino mit Klang aus allen Richtungen entstanden, bei dem nun auch die Höhen mit einbezogen werden. Und gerade diese Höhenkanäle machen ein Heimkino erst komplett. Wer einmal zusätzliche Präsens-Lautsprecher über dem TV oder an der Decke genießen durfte, mag darauf kaum noch verzichten – die entsprechenden räumlichen Gegebenheiten vorausgesetzt. Der RX-A4A ist ein 7.2-Kanal Gerät, welches nicht nur das bekannte 5.1 einbindet, sondern auch noch zusätzliche Möglichkeiten für Höhenkanäle, zusätzliche Surround-Speaker und einen weiteren Subwoofer zur Verfügung stellt. Und damit kann man sich schon die gesamte Nachbarschaft zum Feind machen, wenn man es mit den Pegeln übertreibt.

An Zuspielern steht heute trotz Streaming über den TV eine schier unbegrenzte Anzahl an Geräten zur Verfügung. Angefangen bei einem Decoder für den TV-Anbieter der Wahl, bis hin zu zahlreichen Gaming-Konsolen verlangt jedes dieser Geräte einen eigenen HDMI-Anschluss. Der RX-A4A stellt daher gleich sieben HDMI-Eingänge zur Verfügung, die alle nach einem noch immer ausstehenden Update auch den neuen Standard HDMI 2.1 leisten können. Und weil man vielleicht neben dem TV auch noch einen Beamer zur Verfügung hat, aber dazu nicht jedes Mal hinter den Receiver klettern und die Kabel tauschen möchte, verfügt der Aventage auch über einen zweiten und sogar dritten HDMI-Ausgang. Allerdings ist nur HDMI 1 eARC-fähig.

Aber dieser AV-Receiver ist nicht nur die Heimkino-Zentrale, sondern auch für das vollständige HiFi zuständig. Und dafür steht auch hier eine Unmenge an Anschlussmöglichkeiten bereit. Ihr habt einen CD-Player? Kein Problem, vom optischen Eingang, über den coaxialen bis hin zu den bewährten analogen Anschlüssen bietet der RX-A4A alles auf, was ihm irgendwie Klang zukommen lassen könnte. Und wer beim Stöbern im Keller über seine längst vergessene Vinyl-Sammlung stolpert, findet auch hier sein Glück, denn selbstverständlich kann man auch einen Plattenspieler anschließen, weil der Receiver über einen entsprechenden Vorverstärker verfügt. Hochwertiges Streaming oder eine CD sind cool, aber abends auf dem Sofa eine alte LP aufzulegen und das Knistern der Nadel zu hören, ist für den Musik-Fan alter Schule noch immer das Maß des klanglichen Genusses.

Neue Technik im Inneren

Aber nicht nur äußerlich hat man bei Yamaha einiges verändert, sondern gerade das Innere wurde generalüberholt und neu gestaltet. Oft unterschätzt, weil einfach zur Kenntnis genommen, aber eigentlich das Kernstück eines jeden elektronischen Geräts ist das Netzteil. Dieses treibt alles an und muss deshalb entsprechend (über-)dimensioniert sein. Der Trafo im RX-A4A bringt allein 5,6 Kilogramm auf die Waage. Damit hier keine Resonanzen auf das Gehäuse übertragen werden, wird das Netzteil vom bereits bekannten fünften Standfuß auf der Unterseite gestützt. Yamaha nennt dieses Ausstattungsmerkmal A.R.T. Wedge Design (Anti Resonance Technology) und das unterscheidet die Aventage-Reihe von anderen Geräten am Markt.

Aber auch der innere Aufbau und die Anordnung der Komponenten wurden grundlegend neu konzipiert. Ein sogenannter H-Kreuzrahmen sorgt für noch mehr Stabilität und noch kürzere Signalpfade, was der Klangstabiliät zugutekommt. Um diese gesamte Technik in den neuen Modellen nun noch besser zu kontrollieren, löst man sich bei Yamaha jetzt vom bisherigen Chipsatz von Texas Instruments und setzt zukünftig auf den Qualcomm QSC407. Durch diesen ist es möglich, die 9 – bzw. 11-Kanal Modelle RX-A6A und RX-A8A ab sofort auch mit Auro 3D zu bespielen.

Die Messung macht den Ton

Der Yamaha RX-A4A läuft nun seit einigen Wochen hier im Testbetrieb und ersetzt in diesem Zeitraum meinen eigenen RX-A2080. Angeschlossen sind das Yamaha Soavo Soundsystem und die Nubert RS-54 als Präsenslautsprecher über dem TV – also ein Set, was sich durchaus sehen und vor allem hören lassen kann. Und nur darum geht es bei einem so hochwertigen Gerät als die ultimative Schaltzentrale im eigenen Wohnzimmer bzw. Heimkino. Da nützt der beste Receiver nichts, wenn die Lautsprecher die ausgegebene Qualität nicht richtig darstellen können, genauso wie es umgekehrt nichts bringt, wenn man versucht teure Lautsprecher mit einem schwachbrüstigen Verstärker anzutreiben. Alles ist also angeschlossen, jetzt werden die Lautsprecher und deren Position eingemessen.

Zum Lieferumfang gehört bei Yamaha schon seit vielen Jahren ein Einmessmikrofon, die Technik dahinter nennt sich YPAO – Yamaha Parametric Room Acoustic Optimizer. Statt also mit einem Zollstock halbwegs vernünftige Abstände zwischen Lautsprechern und Hörposition manuell zu ermitteln, erfolgt dies automatisch. Sobald das Mikrofon angeschlossen ist, folgt man einfach den Anweisungen auf dem Bildschirm, innerhalb weniger Minuten hat man entweder den besten Sound an seinem persönlichen Lieblingsplatz oder aber mit einer Mehrfachmessung den besten Platz rund um das Sofa, wenn mehrere Menschen vor dem TV Platz nehmen.

Und beim RX-A4A werden auch die Höhenkanäle gemessen, dafür ist ein entsprechendes Stativ im Karton vorhanden. Nach der Messung wird das Ergebnis angezeigt, welches man dann speichern oder je nach eigenem Hörvermögen noch einmal manuell korrigieren kann. Diese Einmessung sollte wirklich zwingend bei der Einrichtung des Receivers durchgeführt werden, da nur so der optimale Klang garantiert ist. Und endlich wird der RX-A4A seiner Bestimmung zugeführt, nämlich mein Heimkino mit dem bestmöglichen Klang zu beschallen.

Filme – ein echtes Erlebnis

Im Laufe der letzten Wochen musste der RX-A4A zeigen, was er zu leisten in der Lage ist. Und das hat er mit Bravour getan. Dass der Receiver technisch auf dem neuesten Stand ist, steht außer Frage, aber Yamaha stellt eben auch weiterhin zahlreiche DSP-Programme zur Verfügung, die stets für den passenden Sound zum Film sorgen. Allein für das TV-Programm stehen 10 verschiedene Modi zur Verfügung, die passend zur Quelle den dafür optimierten Ton anbieten. So eignet sich für die Bundesliga das Programm Sports hervorragend, da hier auch über die hinten oder an der Seite angeordneten Lautsprecher die Atmosphäre eines vollen Stadions eingefangen wird – oder eben in Corona-Zeiten auch die eines nur mit wenigen Zuschauern ausgelasteten Stadions – während Kommentare deutlich in der Mitte platziert sind.

Ich beschränke mich aber bei allen hier geschauten Filmen und Serien auf einen meiner absoluten Lieblingsfilme – John Wick: Kapitel 3. John Wick wurde von der Hohen Kammer exkommuniziert und hat all seine Privilegien verloren, die im Hotel Continental gewährt wurden. Da nun Gott und die Welt Jagd auf ihn machen, entzündet sich hier ein Action-Feuerwerk der Extraklasse, bei dem zahlreiche Kopfgeldjäger auf der Strecke bleiben. Egal ob nun in einem Pferdestall Jäger persönlich oder durch den Hufschlag der aufgeregten Tiere kaltgestellt werden, der RX-A4A fängt die beengte Atmosphäre und den Stress der Pferde hervorragend ein. Klanglich beeindruckend ist die anschließende Flucht hoch zu Ross, während beschlagene Hufe über den regennassen Asphalt galoppieren.

Das (nicht nur) klangliche Highlight des Films ist jedoch die Flucht aus Casablanca. John, Sophia und deren beiden Malinoix müssen sich den Weg durch Unmengen von Bösewichtern freikämpfen, man schießt eben nicht auf Hunde. Hier werden die verschiedensten Waffen genutzt, Kugeln fliegen durch das Heimkino, während die beiden Vierbeiner zeigen, wofür sie als Arbeitshunde auch gezüchtet sind. Der RX-A4A fährt hier akustisch das ganz große Kino auf. Und als Nutzer testet man die DSP-Programme Spectacle, Enhanced oder die Surround:AI. Bei der Nutzung von Höhenlautsprechern habe ich für mich persönlich für Enhanced entschieden, da hier der komplette Raum mit Effekten aller Art durchzogen wird. Aber egal welcher Film geschaut wird, es lohnt sich immer wieder mit den verschiedenen Klangmodi zu experimentieren, um so in den Genuss des bestmöglichen Sounds zu kommen. Wer sich mit der Surround:AI näher beschäftigen mag, liest dazu unseren Beitrag zum Yamaha RX-A2080.

Und ja, selbstverständlich kann der RX-A4A auch das klassische TV. Egal ob Nachrichten, Doku oder Sitcom, mit dem entsprechenden DSP-Programm liefert der Receiver stets den bestmöglichen Ton. Aber schon bei diesen Zeilen wird klar, dass das Gerät nicht einfach nur aufgebaut werden will, um nebenbei einige Lautsprecher zu bespaßen. Der Aventage will korrekt gefüttert werden, um sein Bestes zu geben. Klar, man kann John Wick, Star Wars oder einen der überragenden Marvel-Filme auch mit dem DSP-Programm Standard schauen, aber warum sollte man das tun, wenn der Verstärker so viel mehr zu bieten hat? Der Griff zur Fernbedienung und die Auswahl des entsprechenden Modus gehören hier einfach dazu. Wer das nicht möchte, greift besser zur Soundbar. Der RX-A4A möchte ein echtes Heimkino bespielen und dabei der Mittelpunkt des Systems sein.

Musik – mehr als nur Beschallung nebenbei

Noch deutlicher werden dessen Fähigkeiten, sobald es um Musik geht, denn auch hier sorgen neben zwei Stereo-Modi ganze elf verschiedene DSP-Programme für den richtigen Ton. Für den sorgt im Hintergrund der SABRE ES9007S Premier Audio DAC. Jeder einzelne dieser musikalischen DSP-Modi wurde vor Ort eingemessen und 1 zu 1 auf den Receiver übertragen. Und so wird aus einer trockenen Studio-Aufnahme mit einem Male ein Live-Konzert in einem kleinen Club oder einer Konzerthalle.

So steht neben einer Münchner Konzerthalle mit 2.500 Plätzen auch eine quadratische Halle in Wien mit 1.700 Plätzen zur Verfügung. Wer es lieber gemütlicher mag, schaltet auf den Cellar Club, dessen niedrige Decke das akustische Gefühl vermittelt, direkt vor der kleinen Bühne zu sitzen. Ermöglicht werden all diese verschiedenen Eindrücke durch den geschickten Einsatz von Nachhall, so dass man selbst als ungeübter Hörer unterscheiden kann, wo man sich befinden könnte. Natürlich ist es Unsinn, ein ohnehin schon live aufgenommenes Album noch einmal mit Nachhall zu versehen, aber gerade zahlreiche perfekt inszenierte Alben erhalten mit DSP noch einmal einen vollkommen anderen Charakter. Und somit ist der RX-A4A auch derjenige, der Musik aller Art perfekt auf die Lautsprecher bringt. Egal ob von Vinyl, CD oder einem der zahlreichen Streamingdienste, der Yamaha kann Klang in allen Facetten. Nicht genutzte DSP-Modi lassen sich im umfangreichen Onscreen-Menü abschalten und werden damit beim Durchschalten auf der Fernbedienung nicht angezeigt.

Selbstverständlich ist auch beim RX-A4A das bewährte MusicCast wieder mit an Bord. Kein anderer Hersteller bietet dem Musikfan die Chance, nicht nur zusätzliche Yamaha-Lautsprecher in ein Multiroom-System einzubinden, sondern jeden Bluetooth-Lautsprecher eines jeden beliebigen Herstellers. Wie MusicCast funktioniert und wie man sich ein raumumfassendes Musik-System einrichtet, könnt ihr in unserem Test zum MusicCast 20 und MusicCast 50 nachlesen.

Gaming – HDMI 2.1 lässt auf sich warten

The Next Big Thing in Sachen Gaming war der neue Standard HDMI 2.1 – oder er sollte es werden. Was haben Sony und Microsoft bei ihren neuen Konsolen darauf hingewiesen, wie wichtig und fast schon unverzichtbar dieser Modus für die schönen neuen Spielewelten sein wird. 4K mit 120 Hz Bildwiederholungsrate klingt aber auch großartig. Nur schade, dass kaum ein Spieler den Unterschied zwischen 60 Hz und 120 Hz beim Spielen wirklich merken wird. Das eine sind Zahlen auf dem Papier, das andere sind tatsächlich real wahrgenommene Eindrücke während der Action auf dem Bildschirm. Und diese 120 Hz fallen weder bei Spielen auf der PS5, noch auf der Xbox Series X wirklich auf. Bis auf eine Handvoll Titel beherrscht ohnehin kaum ein aktuelles Spiel eine Wiederholungsrate von 120 Bildern in der Sekunde. Selbst das neue Gran Turismo wird mit maximal 60 Bildern pro Sekunde angekündigt. Und es wird niemanden geben, der sich darüber beschwert.

Dennoch war der Aufschrei groß, als ein Hardwarefehler in der Produktionskette für Receiver festgestellt wurde, bei dem eben dieses 4K/120Hz für Spielkonsolen mit einem schwarzen Bildschirm quittiert wurde und noch immer wird. Die Xbox Series X zeigt hier im Test in den Video-Modi an, dass VRR und ALLM nicht möglich sind, weil eben der neue Video-Standard nicht zur Verfügung steht. Yamaha wird jedoch nicht müde zu betonen, dass HDMI 2.1 mit einem Software-Update nachgeliefert wird. Und solange werden die Konsolen eben über den HDMI 2.1-tauglichen Anschluss am TV betrieben, der dann den Ton an den Receiver übergibt. Es gibt für fast alles eine Lösung.

Da das von mir sehnlichst erwartete Gran Turismo auf der PS5 noch ein paar Tage auf sich warten lässt, habe ich mir in der Zwischenzeit eben mit einem anderen Racer die wenige Freizeit vertrieben: Forza Horizon 5 auf der Xbox Series X bietet zwar spielerisch kaum neue Elemente, dennoch ist das Spiel wieder ein Fun-Racer der Extraklasse geworden. Ungezählte Autos verschiedenster Jahrgänge auf den unterschiedlichsten Untergründen bei wechselnden Wetterbedingungen sorgen nicht nur grafisch für Staunen, sondern auch akustisch.

Ist man mit seinem Ford Bronco R in einem tropischen Sturm im Urwald unterwegs, sorgen nicht nur herumwirbelnde Blätter und Äste und der peitschende Regen auf dem Bildschirm für ehrfürchtige Beklemmung, sondern gerade der Sound macht die bedrückende Szenerie erst wirklich lebendig. Biegen sich Bäume im Wind, zieht man vor dem Bildschirm unwillkürlich den Kopf ein. Gleiches gilt für einen Sandsturm, der je nach Jahreszeit unvermittelt in den trockenen Gebieten auftreten kann. Man hat das Gefühl, wirklich in der Wüste durch einen Sturm zu rasen, während Milliarden von Sandkörnern auf die Karosserie des Autos einprasseln. Der RX-A4A ist hier voll in seinem akustischen Element und sorgt dafür, dass sich Hände schweißnass um das Pad krallen – auch (noch) ohne HDMI 2.1.

Fazit:

Ich bin beim RX-A4A hin- und hergerissen. Auf der einen Seite steht die wie immer großartige und hier überarbeitete Technik, die einen jeden Receiver der Aventage-Reihe zu etwas besonderem macht, auf der anderen Seite steht ein neues Design, welches einem wirklich gefallen muss. Es ist gut, dass Yamaha etwas Neues bei der Optik wagt, aber ich vermisse das große und gut lesbare Display. Zu oft musste ich im Testzeitraum runter vom Sofa um zu erkennen, welche Funktionen gerade aktiv sind. Aber das sind meine persönlichen Probleme und deshalb gehen diese nicht in die Beurteilung ein.

Unter dem Strich steht ein wie immer großartiger AV-Receiver der Aventage-Reihe, der technisch alles auffährt, was man von seiner Zentrale des persönlichen Heimkinos erwartet. Zahlreiche DSP-Programme sorgen für den stets richtigen Klang zum zugespielten Material – man muss nur gewillt sein, sich mit dem immensen Umfang an Möglichkeiten für Film, Musik oder Gaming zu beschäftigen. Und das beginnt eben schon mit der korrekten Einmessung aller zur Verfügung stehenden Lautsprecher. Wer schon hier nur halbherzig herangeht, wird niemals das volle Potential des Yamaha Aventage RX-A4A ausschöpfen können.

Ausgestattet mit der großartigen Surround:AI für Filme und MusicCast für ein Multiroom-System in den eigenen Wänden bietet der RX-A4A somit alles auf, was der Film-, Musik- und Gaming-Fan für die perfekte Bespielung all seiner Lautsprecher benötigt. Wer mit dem neuen Soundformat Auro 3D noch mehr Raumklang benötigt, muss aber zum RX-A6A mit 9.2- oder RX-A8A mit 11.2 Kanälen greifen.


Link zum Hersteller: Yamaha Aventage RX-A4A







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4 Comments

  1. Danke für den schönen Bericht.
    120hz braucht tatsächlich kaum jemand fürs gaming.
    Was aber wichtig ist sind die angekündigte Unterstützung der spezielle Gaming-Funktionen unter HDMI 2.1 (ALLM, VRR, QMS, QFT).
    Gerade von VRR profitiert man auf der XBSX.
    Ich frage mich, wann Yamaha endlich das Update dafür bringt…. -.-

    1. Da bin ich bei dir, zumal das Problem seit langer Zeit bekannt ist. Klar, dass man nicht jeden gerade prodzierten Receiver gleich wieder entsorgen kann, aber ein wenig mehr hätte man dann schon erwartet, andere Hersteller bekommen das auch hin. Im Moment unterscheidet sich die neue Aventage-Reihe zumindest in Sachen HDMI nicht von seinen Vorgängern, der RX-A Reihe, es sei denn, man möchte Auro 3D. Von daher bleibt also weiterhin nur der Weg über den TV, vorausgesetzt dieser beherrscht HDMI 2.1.

  2. Schöner Test, viele Dank dafür! Ich stehe gerade vor der Entscheidung zwischen dem Yamaha 2080 (gebraucht) und dem aktuellen A6A. Einerseits würde mir der 2080 genügen, da ich nur ein 9.2-Setup fahre und das 120Hz-Thema für mich nicht interessant ist. Die Features des A6A sind es daher eher nicht, die mich locken würden (inkl. Auromatic). Andererseits habe ich aber sehr gegensätzliche Erfahrungen über das YPAO-Einmesssystem gehört (kenne nur Audyssey) und frage mich, ob der A6A hier deutliche Verbesserungen im Vergleich zum 2080 mitbringt. Die schnelleren Prozessoren wären ja eine gute Basis für genauere Berechnungen.

    Nun hast Du hier ja den A4A im Test, aber vielleicht hast Du eine Meinung, ob der klangliche Unterschied zum 2080 groß ausfällt?

    Viele Grüße
    Christian

    1. Hallo Christian,
      danke für die verbalen Blumen 🙂

      Ich habe privat den 2080 zu stehen und sehe bisher auch nach dem Test des A4A noch keinen Anlass, hier mit einem Tausch aufzurüsten. Wenn du nicht wirklich an Auro 3D interessiert bist und dich HDMI 2.1 in Sachen Gaming ohnehin nicht interessiert, dann fährst du mit dem 2080 mit Sicherheit noch eine ganze Weile richtig gut. Klanglich konnte ich persönlich keinen Unterschied nach der Einmessung feststellen, aber vielleicht hast du ja DAS perfekte, audiophile Gehör? Mit der Einmessung selbst hatte ich bisher keine Probleme, zumal du ja nach der automatischen Einmessung alles kleinteilig von Hand nachjustieren kannst, wenn du da Bedarf siehst bzw. hörst.
      Letzten Endes ist eine solche Anschaffung immer eine Sache des privaten Geldbeutels und ich will und kann dir hier die Entscheidung nicht abnehmen, sorry 🙂

      Ich weiß, war keine wirkliche Hilfe zur Entscheidungsfindung 😀
      Trotzdem viele Grüße
      Micha

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