Um sich im gewaltigen Markt derer behaupten zu können, die In-Ear Kopfhörer produzieren, braucht es entweder ein ungewöhnliches Design, welches aufgrund der Bauart solcher Kopfhörer eher schwierig zu gestalten ist, oder einen Klang, der aus der Masse heraussticht. Der Master & Dynamic MW08 hat beides.

Auf den ersten Blick strahlt die Verpackung nicht das aus, was man bei einem an die 300€ teuren In-Ear erwarten würde. Aber es ist die schlichte Zurückhaltung, die das Paket ausmacht. Viele Hersteller sind inzwischen dazu übergegangen, statt Plastik lieber Karton zu verwenden, so kommt auch das komplette Innenleben des MW08 daher. Man muss sich langsam daran gewöhnen, dass Karton kein Qualitätsmerkmal mehr für den Inhalt ist, sondern im Gegenteil für das Umweltbewusstsein des Herstellers spricht.

Im Inneren verbirgt sich dann das vollständige Paket, um sofort loslegen zu können. Und schon hier fällt der erste Unterschied zu anderen auf. Statt eines profanen Ladecase aus Kunststoff, verwendet man bei Master & Dynamic ein Gehäuse aus Edelstahl. Das mag zwar einige Gramm mehr Gewicht in der Tasche verursachen, aber hier beginnt eben schon das edle Design. Drei LED-Anzeigen geben Aufschluss über die Akku-Kapazität des Case. Auch nicht selbstverständlich ist eine zusätzliche kleine Tasche für das Case, die mit dem schlichten Logo des Herstellers daherkommt, eben Understatement pur.

Öffnet man dann endlich das Case, um die kleinen MW08 in die Finger zu nehmen, setzt langsam Begeisterung ein. Das übliche Papier wird erst einmal achtlos beiseitegelegt. Beim Öffnen des Deckels blitzen dem Fan guter Musik dann die auf Hochglanz polierten Keramik-Stecker entgegen. Die schlichte aber ungewöhnliche Bauform in Verbindung mit dem kratzfesten Material sorgen schon jetzt für das erste Grinsen, die MW08 hinterlassen sofort Eindruck.

Also werden die Stecker aus der Verpackung geholt und eingesetzt. Mir sind die vom Werk aus aufgesetzten Tips aus Silikon aber wie üblich zu groß, so dass ich diese erst einmal austausche. Master & Dynamic liefert fünf Paar Silikon-Aufsätze mit. Jedoch wundere ich mich, dass man selbst in dieser Preisklasse auf die sich selbst dem Gehörgang anpassenden Comply-Softschaum Einsätze verzichtet. Das Set kommt auch nicht wirklich geladen hier an, also werden die MW08 erst einmal aufgeladen. Die Akkulaufzeit beträgt hier im Testzeitraum zwischen 7 und 9 Stunden je nach zugeschaltetem ANC und Ambient Sound, ohne gibt Master & Dynamic bis zu 10 Stunden an. Im Case lassen sich die In-Ears bis zu drei Mal laden, so dass unter dem Strich eine überragende Laufzeit von ungefähr 40 Stunden steht.

Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, es geht an das Pairing der Kopfhörer. Dieses funktioniert tatsächlich ohne jeglichen Knopfdruck, das Set wird vom Zuspieler auf Anhieb gefunden, ein Signal zeigt an, ob das Pairing erfolgreich war. Nun nimmt man doch das Papier zur Hand, um sich mit den grundlegenden Funktionen der MW08 vertraut zu machen. Aber auch hier gibt es keine Geheimnisse. Eine kleine Pappkarte, die leider nicht ohne sie zu knicken in die Tasche passt, informiert über die Funktionen der kleinen Tasten auf dem jeweiligen Stecker.

Was jedoch ungewöhnlich ist, dass hier im Gegensatz zu allen anderen Modellen, die ich bisher in der Hand hatte, die bekannten Funktionen auf dem jeweils anderen Stecker liegen. So sind die beiden Taster für Lautstärke und Titelsprung auf dem linken Stecker, während die Funktionstaste auf dem rechten liegt. Das ist die ersten Male für mich als Rechtshänder etwas gewöhnungsbedürftig, aber eben nichts, was man nicht mit try & error lernen könnte.

Es wird also Zeit, endlich Musik zu hören. Meine persönliche Playlist für den Test von allem, was Klang ausgibt, beinhaltet üblicherweise Hartes und Handgespieltes in allen Facetten von Soft bis richtig Heftig. Also muss als erster Song erst einmal Bush mit Swallowed herhalten. Hier ist es die begleitende Gitarre, die ihre ganz eigenen Riffs zelebriert. Und schon hier gefallen die Mitten, obwohl Menschen mit empfindlichen Ohren diese durchaus als extrem bezeichnen könnten. Aber diese Menschen hören üblicherweise kein Hard Rock und Metal. Mich holen die MW08 jedenfalls schon mit diesem Song ab. Als nächstes steht die schwedische Kombo The Baboon Show mit I Never Say Goodnight an. Hier ist es die raue aber intensive Stimme von Sängerin Cecilia Boström, die diesem Song seinen Charakter verleiht. Die MW08 betonen die Stimme, ohne jedoch übermäßig in Bereiche vorzudringen, in denen diese vielleicht zu scharf wird.  

Das Klangbild der MW08 ist durchweg ausgewogen. Und was sofort auffällt, ist die saubere Abbildung von Bässen. Schlechtere In-Ears versuchen mit übermäßigem Bass Klang zu kaschieren. Die MW08 haben hier ein sauberes Fundament, ohne jedoch zu übertreiben. Die Mitten sind großartig, Stimmen sind zwar dem einen oder anderen vielleicht ein wenig intensiv, aber dennoch jederzeit klar. Mein persönliches Problem sind oftmals zu dynamische Höhen, da hier nervige Spitzen den Spaß am Sound verderben. Aber auch hier machen die MW08 einen einwandfreien Job. Der Klang ist also wirklich detailreich und in einer schönen Stereo-Bühne differenziert.

Nach diesem kurzen Einstand wird es Zeit, sich mit der Technik im Inneren der Luxus-Stecker zu beschäftigen. Das Äußere besteht aus einer Keramik- und Aluminiumkonstruktion. Während „normale“ In-Ears mit Treibern in der Größe von 6-8 Millimetern daherkommen, klotzen die Ingenieure bei Master & Dynamic richtig ran. Der Beryllium-Treiber weist eine Größe von 11 Millimetern auf, also enorm viel Fläche in einem eher kleinen Gehäuse, die entsprechend viel Klang erzeugen kann. Für die Verbindung mit Bluetooth 5.2 sorgen externe Antennen aus Aluminium, die unauffällig um das Gehäuse herum angebracht sind. Diese Verbindung ist selbst durch die gesamte Wohnung hinweg stabil, ohne dass das Handy oder Tablet als Zuspieler ständig mitgeführt werden muss. Verarbeitet werden die Codecs aptX, SBC und AAC.

Aber nur einen schicken Kopfhörer hinzuwerfen, reicht schon lange nicht mehr aus. Die Zauberworte selbst bei In-Ears sind ANC, also Aktives Noise Cancelling und Ambient Sound. Während ANC störende Umgebungsgeräusche komplett filtert, sorgt Ambient Sound dafür, dass diese Umgebungsgeräusche wie Durchsagen an der Bahnstation trotzdem an das Ohr dringen, beides jeweils ohne die Klangqualität der Musik zu beeinträchtigen. Gesteuert werden diese Funktionen durch im und am Stecker verbaute Mikrofone. Die internen Mikrofone erfassen den Umgebungslärm, die Kopfhörer geben dazu gegenläufigen Schall aus, so dass sich beide Schallwellen gegenseitig neutralisieren sollen und einzig die Musik ans Ohr dringt. Soweit die Theorie.

In der Praxis ergibt sich mit zu- oder abgeschalteten Ambient Sound und den Funktionen Voice oder Awarness aber ein hörbar unterschiedliches Klangbild. Bei Voice leidet hörbar die Reinheit des Sounds, alles klingt ein wenig dumpfer und basslastiger, wodurch Stimmen in den Hintergrund rücken. Das Gegenteil passiert im Modus Awarness, hier klingt der Sound fast schon ein wenig ohne Dynamik. Das beste Klangergebnis hatte ich tatsächlich bei abgeschaltetem Ambient Sound. Auch beim ANC gibt es mit MAX ANC und ALL DAY ANC zwei Modi, die je nach Umgebungslautstärke zugeschaltet werden können. Ich habe die MW08 im üblichen Straßenlärm getestet, aber für mich wieder einmal festgestellt, dass ich kein ANC-Fan bin und offensichtlich auch nicht mehr werde. Das ANC verrichtet seinen Dienst, aber mir persönlich sagt der Klang ohne jegliche zugeschaltete Technik noch immer am ehesten zu.

So großartig Optik und Technik sind, auch die Bedienung muss funktionieren. Was nützt mir ein In-Ear, der mir beim Drücken eines angebrachten Knopfes aus dem Ohr fällt? Und wenn die MW08 eine Schwäche haben, dann sind es wohl die zu kleinen Knöpfe, die die direkte Bedienung für größere Finger tatsächlich etwas fummelig machen. Ja, man kann die Lautstärke anpassen oder Soundmodi zu- oder abschalten, aber das geht eben nicht so flüssig wie bei anderen Modellen von der Hand. Wer ohnehin ständig am Handy hängt, findet diese Funktionen auch in der entsprechenden App und bedient seine MW08 eben dort. Einen kleinen Equalizer sucht man dort allerdings vergebens.


Fazit:

Die Master & Dynamik MW08 sind ein cooles Paar In-Ears, die sich allein durch ihr luxuriöses Design von der breiten Masse abheben. Die hochglänzende Keramik-Oberfläche und das Ladecase aus Edelstahl sind echte Hingucker. Dazu kommt ein Klang ohne zugeschaltete elektronische Hilfsmittel, der den Hörer aufgrund seines ausgewogenen und detailreichen Klangs sofort mitnimmt. Wenn ich jedoch Ambient Sound oder ANC zuschalte, verfälscht sich für mich der Sound. Aber das wird jeder anders empfinden.

Der Halt der In-Ears ist trotz nur mitgelieferter Silikon-Stöpsel einwandfrei, selbst Hörsessions über einen längeren Zeitraum sind möglich, ohne dass die Kopfhörer in den Ohren drücken. Hier würde ich mir in dieser Preisklasse allerdings trotzdem Comply-Fits wünschen. Vielleicht beim nächsten Set? Etwas fummelig sind die kleinen Knöpfe auf den In-Ears, aber da hier eine App zur Verfügung steht, die die Funktionen der Buttons übernimmt, kann man das vielleicht auch vernachlässigen?

 


Link zum Hersteller: Master & Dynamic MW08







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