Noch zu Zeiten der extrem coolen Xbox 360 war man meist auf den doch inzwischen primitiv zu nennenden Kopfbügel von Microsoft angewiesen, wenn man mit Freunden eine gepflegte Online-Party angehen wollte. Aber die Entwicklung von Kopfhörern zeigt seit einigen Jahren nur in eine Richtung – nach oben. Und auch Gaming-Headsets sind davon nicht ausgenommen. Vom China-Blister Pack bis hin zum High-End Gerät reicht hier inzwischen die Palette der verschiedensten Hersteller. Und weit oben ist hier Audeze angesiedelt, wir haben den zwar nicht mehr ganz aktuellen, aber dennoch noch immer nicht wirklich preiswerten Audeze Penrose hier zum Test.

Über 300€ für einen Gaming-Kopfhörer wollen erst einmal investiert werden, wenn es scheinbar vergleichbare Modelle für gut die Hälfte der aufgerufenen Summe gibt. Aber gut, wer zu einem Audeze greift, hat auch einen gehobenen persönlichen Anspruch. Bis ich allerdings vor schon vier Jahren den Mobius desselben Herstellers testen durfte, war für mich Audeze ein unbeschriebenes Blatt. Seiher hatte ich einige Modelle in der Hand, sei es für Gaming oder HiFi und alle haben mich mitgenommen.

Nun also den Penrose, den es laut Herstellerangaben in Versionen für Playstation und Xbox gibt, obwohl die Playstation Version durch das mitgelieferte Kabel auch am Pad der Xbox funktioniert. Da ich genau diese Version mit blauen Applikationen und entsprechendem Dongle für die PS hier zu liegen habe, wird das Headset auch an beiden Konsolen getestet. Wer etwas irritiert aufgrund der Namensgebung Penrose und Penrose X ist: Das Penrose ist mit PS4, PS5 und Mac- oder Windows- Systemen kompatibel. Das X bezeichnet die Version für die Xbox X|S und One, sowie Windows.

Aber vor dem Zocken steht das Auspacken und auch hier fällt wieder einmal das doch im Vergleich zu anderen Modellen schon jetzt subjektiv gefühlte höhere Gewicht auf. Und der Blick auf die Website bestätigt das dann auch, gute 320 Gramm wollen erst einmal über einen langen Gaming-Abend hinweg getragen werden, ohne dass Kopf oder Nackenmuskulatur schmerzen. Wie erwartet macht das Audeze Penrose trotz der kompletten Fertigung aus Kunststoff einen hochwertigen Eindruck. Alle Gelenke sind schon beim ersten Anfassen sauber verarbeitet, da knarzt oder schleift nichts, was sich bei einem hektischen Game auf den Sound übertragen könnte.

Ungewöhnlich für mich als Rechtshänder ist die komplette Unterbringung aller Bedienelemente und Anschlüsse ausschließlich in der linken Ohrmuschel. Beide Drehregler für die Lautstärke des Headsets und des Mikrofons sind leichtgängig und mit einem Raster versehen, so dass man eher nicht dazu neigt, hier voll aufzudrehen. Auf der linken Ohrmuschel befindet sich ein kleiner, recht schwergängiger Schieberegler zur Abschaltung des Mikros, wenn die versammelte Schar an Online-Spielern nicht jedes private Gespräch mitbekommen soll.

Die Polster für Ohrmuschel und Kopfbügel bestehen aus wirklich weichen und bequemen Kunstleder und machen den Penrose somit auch uneingeschränkt für Brillenträger nutzbar. Allerdings handelt es sich hier um ein geschlossenes Over-Ear-System, was zwar zahlreiche Geräusche nach innen und außen abschirmt, aber eben doch nach einer gewissen Zeit für eine mehr oder weniger intensive Schweißbildung auf den Ohren sorgt. Der Unterschied in der Fertigung ist der Treiber ist immens. Audeze verwendet hier planare, magnetische Treiber, sogenannte magnetostatische Treiber in der beachtlichen Größe von 100 Millimetern. Und dieser qualitative Unterschied zu herkömmlichen Treibern rechtfertigt nicht nur den erhöhten Preis, sondern macht eben den akustischen Unterschied aus.

Um wirklich Unterschiede im Klang zu den sonst hier verwendeten Gaming-Headsets auszumachen, habe ich nach Möglichkeit die gleichen Passagen eines Games immer und immer wieder gespielt. Sei es das immer gleiche Rennen bei Gran Turismo oder den gleichen Level bei Sackboy, einfach um mir die Soundeffekte entsprechend bewusst einprägen zu können. Angetreten sind meine Audio-Technica ATH-GL3 und ATH-G1, das EPOS H3 Hybrid, der JBL Quantum 600 und das Razer BlackShark V2, je nach Einsatzgebiet für Konsole oder PC und mehr oder weniger gute bis gehobene Mittelklasse. Diese Kopfhörer kommen je nach Lust und Laune hier zu den verschiedensten Games zum Einsatz und ich mag jedes einzelne. Das eine mag hier oder dort den besseren Klang haben, dafür wiegt das andere weniger und ermöglicht so die doch längere Gaming-Session. Ich habe also keinen Favoriten, sondern nutze tatsächlich alle meine Kopfhörer.

Was aber das Audeze Penrose hier klanglich abliefert, nötigt Respekt ab. Schon nach wenigen Minuten mag man das Teil eigentlich nicht wieder absetzen, weil der Klang so unfassbar intensiv und so voller winziger Soundeffekte und Details steckt, die man üblicherweise so nicht mitbekommt. Gut, das mag jetzt für diesen expliziten Test für den Sound gelten, da ich mich ja hier ausschließlich auf den Klang und nicht noch auf Handlung und Grafik konzentrieren muss. Alle Sinne sind also tatsächlich nur auf die akustischen Eindrücke fixiert, was sonst natürlich nicht der Fall ist. Spielt man ein neues Game, kommen eben auch alle anderen Sinneseindrücke zum Einsatz und der Sound ist zwar wichtig, wird aber eben beiläufig zur Kenntnis genommen.

Man darf nicht vergessen, dass es sich beim Audeze Penrose um ein echtes Stereo-Headset handelt. Headtracking- oder 3D-Effekte wie beim Mobius sind hier nicht möglich. Und dennoch ermöglicht die Sound-Technik der PS5 und der Xbox Series X ein umfassendes Klangerlebnis, bei dem auch in Ego-Shootern die Ortung von Gegnern problemlos möglich ist. Gleiches gilt auch und gerade für Racer. Dreht man sich in der Realität im Auto um, sieht man die Umgebung. Beim Gaming ist dies selbstverständlich nicht der Fall, das optische Tor zur Welt ist der zweidimensionale Bildschirm. Umso mehr ist man in diesem Fall auf einen Sound angewiesen, der auch die Ortung von anderen Fahrzeugen ermöglicht.

Und gerade Gran Turismo – so schlecht das Gesamtpaket aufgrund von überteuerten Mikrotransaktionen oder einer unvollständigen Kampagne auch sein mag – ist hier auf der PS5 ein unfassbares Spiel. Die Entwickler haben nicht nur bei der Grafik ganze Arbeit geleistet, viel zu wenig Beachtung findet in allen Beiträgen zum Spiel der Sound. Jedes Fahrzeug klingt ohnehin anders, jedes Tuningteil wie ein Auspuff oder höhere Drehzahlen durch entsprechende Modifikation ist auch akustisch sofort wahrnehmbar. Wer sich bei einem Rennen mal nur auf den Sound konzentriert, nimmt das Spiel danach noch einmal intensiver wahr. Und wer dabei einen Audeze Penrose nutzt, liegt hier noch einmal um einiges vorn.

Da es sich bei meinem Testgerät um die Version für die Playstation handelt, liegt der Verpackung ein entsprechendes USB-Dongle im 2,4 GHz Bereich bei. Die Playstation erkennt das Headset ohne Probleme und nach Änderung der Soundoptionen auf 3D-Sound steht dem Spaß für das ultimative Hörvergnügen nichts mehr im Weg. So großartig die Qualität jedoch beim Hören ist, war ich erstaunt, dass hier das Mikrofon im Gegensatz zu preiswerteren Modellen tatsächlich abfällt. Mein Gegenüber vernahm stets ein leichtes Rauschen, was aber auch an dem im Testkarton nicht (mehr) vorhandenen Windschutz für das Mikro liegen kann? Na gut, wer ein teures Penrose im abgegriffenen Karton eines Mobius ausliefert, hat da anscheinend noch andere Probleme.

Wer das Headset am PC betreiben möchte, kann sich für noch optimalere Soundeinstellungen die Audeze HQ App installieren. Beschränkt auf einen schlichten Equalizer kann man hier experimentieren, um seinen persönlichen Klang zu finden und selbstverständlich auch zu speichern. Ungewöhnlich ist hier allerdings anfangs die Automatic Gain Compensation. Regelt man eine der 10 möglichen Frequenzen zu intensiv nach oben oder unten, korrigiert AGC die anderen, um Verzerrungen zu verhindern. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber absolut funktionell. Wenn es wirklich etwas an diesem hochwertigen Gaming-Headset zu quengeln gibt, dann ist es die etwas dürftige Akkulaufzeit von nur maximal 15 Stunden.

Fazit:

Das Audeze Penrose ist ein echtes Highlight im Bereich des Sounds für Gaming. Audeze kann nicht nur großartiges HiFi, sondern beweist erst mit dem Mobius und jetzt dem Penrose, dass man auch den Gamer nicht stiefmütterlich behandelt, weil man eben verstanden hat, welches Potential in dieser Zielgruppe steckt. Denn auch hier gibt es genug Audiophile, die wirklich alles hören wollen und die auch bereit sind, für entsprechende Qualität noch tiefer in die Tasche zu greifen.

Wer nicht im eSport tätig ist und daher nicht auf ein ultraleichtes Headset für stundenlange Sessions angewiesen ist, sollte sich das Penrose unbedingt einmal anhören. Denn die 320 Gramm Gewicht machen sich auf Dauer dann eben doch bemerkbar. Und auch die tatsächlich geringe Akkulaufzeit mag manch ambitionierten Gamer abschrecken. Alle anderen finden im Penrose ihre akustische Erfüllung beim Gaming.


Link zum Hersteller: Audeze Penrose







Leave a comment

Send a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.