High End München 2018 – die digital-analoge Glaubensfrage

Ich hatte vor Kurzem mit meinem sehr netten Kollegen Roman ein Gespräch über HiFi und dessen Kosten, denn Musik hat schon immer Geld gekostet. Früher war es normal, sich zu seinem Stereo-Verstärker ein paar ordentliche Boxen aufzustellen und das wenige Taschengeld in Schallplatten zu investieren. Heute ist Musik für viele zum Konsumgut geworden, dass ich jederzeit und überall möglichst kostenneutral mit mir herumtrage.

Roman erzählte mir von einem Freund, der die Anschaffung von Boxen im vierstelligen Bereich für maßlos überzogen hält, aber gleichzeitig Musik von seinem Apple iPhone X auf In-Ear-Kopfhörer streamt. Dass aber Musik viel mehr ist als nur Streaming, wird dabei zu gerne vergessen. Ein Handy im vierstelligen Bereich ist selbstverständlich, ein vernünftiges HiFi-System aber nicht (mehr)?!

Mit diesem Gespräch im Hinterkopf besuchte ich in diesem Jahr zum ersten Male die High End in München, die Messe für HiFi in seiner reinsten Form. Und während die einen voll auf die digitale Welle setzen und mit möglichst viel Technik versuchen, das Beste aus jedem Streaming-Datensatz zu holen, verweigern sich die anderen diesem Trend und bleiben konsequent analog. Aber beides hat seine Berechtigung, denn letzten Endes kommt es immer auf den Klang an. 

Die Messe fand in diesem Jahr zum 37. Mal statt und ist damit die älteste Messe ihrer Art in Europa. Fast alles, was Rang und Namen hat, war vertreten. Über 500 Aussteller empfingen die Besucher verteilt auf vier Hallen und zwei Atrien mit 138 Konferenzräumen. Firmen wie Kii Audio oder Klipsch luden ihre Gäste zur Vorführung außerhalb des Messetrubels in die Ruhe exklusiver Hotels ein. Hier wurden Vorführungen im kleinen Kreis geboten und Gespräche mit Entwicklern geführt.

Technisch wurde auf der High End 2018 alles gezeigt, was heute möglich ist – unabhängig vom Geldbeutel. Denn vom qualitativ hochwertigen Einstieg bis zur Spitzenklasse war alles zu sehen und noch viel wichtiger – fast alles konnte gehört werden. In den beiden Atrien reihten sich die Show- und Hörräume aneinander, die stellenweise hier vorgeführten Anlagen werden jedoch für die meisten ein Traum bleiben.

Allzu oft liegt der Teufel im Detail. Denn Klang ist subjektiv, was dem einen gefällt, trifft noch lange nicht den Geschmack des anderen. Von daher waren die herrlich verschiedenen Boxen und Anlagen meist ebenso schön anzuhören wie anzusehen, aber häufig sind es die kleinen Dinge, die große Auswirkungen haben. Persönliches Messehighlight waren daher die Kopfhörer von beyerdynamic mit Mimi-Software. Ein Hörtest auf dem Handy passt hier den Kopfhörer dem persönlichen Hörvermögen an, der Kopfhörer selbst speichert dann das Ergebnis.

Direkt nebenan befand sich Ultrasone. Die bayerische Kopfhörer-Manufaktur hatte selbstverständlich die aktuelle Edition 15 im Gepäck, die ich vor Ort schon einmal anhören konnte. Der Klang war beeindruckend, der Kopfhörer liegt hier bereits für einen intensiven Test an der heimischen Anlage bereit.

Cambridge Audio präsentierte High End in seiner schönsten Form. Pünktlich zum 50jährigen Firmenjubiläum stellte man die neue Edge-Serie vor, benannt nach dem Firmengründer Gordon Edge. Mit dem Verstärker Edge A, dem Vorverstärker mit Netzwerkplayer Edge NQ und der Endstufe Edge W will man den HiFi-Fan für den ungefilterten, reinen „British Sound“ begeistern.

Ich habe hier einige Impressionen der Messe zusammengetragen. Diese zeigen einen Überblick dessen, was auf der Messe vorgestellt wurde.

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