Hardwaretest: Yamaha R-N803D – Klassik trifft Moderne

Manchmal ist weniger mehr. Obwohl inzwischen Klang in allen Dimensionen angeboten wird und moderne AV-Receiver Fähigkeiten und Funktionen im Übermaß anbieten, gibt es sie immer noch: Die klassischen HiFi Stereo-Receiver. Wir haben den Yamaha R-N803D zum Test erhalten und waren erstaunt, was dieser Netzwerk-Stereo-Receiver alles anbietet, um Musik zu genießen. Zahlreiche Anschlussmöglichkeiten und ebenso viele Netzwerkfähigkeiten machen den Verstärker zum musikalischen und optischen Mittelpunkt im heimischen Wohnzimmer.

Der alte Receiver war nach Jahren des Gebrauchs nicht mehr zeitgemäß, es sollte bei unserem Techniker Lars passender Ersatz her, die Voraussetzungen und Wünsche für eine Neuanschaffung waren recht simpel. Wichtig war ein Phono-Eingang für die Nutzung des Yamaha Vinyl 500, um auch weiterhin die Sammlung zahlreicher Schallplatten genießen zu können. Aber auch verschiedene Streaming-Möglichkeiten und die spätere Nutzung von Multiroom-Funktionalität sollten gegeben sein. Die Wahl fiel also auf den Yamaha R-N803D. Allein der Blick auf das Produktblatt offenbart eine Vielzahl von musikalischen Fähigkeiten.

Nach dem Aufstellen lässt man zuerst die Optik auf sich wirken. Auch wenn im Vergleich zwischen gestern und heute und dem A-2000 von 1983 und dem R-N803D scheinbar Welten liegen, so blieb man beim Design seiner Linie treu. Yamaha schafft es mit einer klaren Formsprache Klassik und Moderne miteinander zu kombinieren. Jedes Bedienelement liegt auf Anhieb dort, wo man es erwarten würde. Wenige davon reichen aus, um die volle Funktionalität des Receivers in Anspruch nehmen zu können.

Ein Rad dient der Auswahl der Quelle, eines der Auswahl von Funktionen und deren Speicherung und eines der Lautstärkeregelung. Vier rechteckige Regler sorgen für die Anpassung von Bässen, Mitten, der Balance und der Grundlautstärke, mehr benötigt es nicht, um Musik zu hören. Auch wenn der R-N803D über eine Fernbedienung verfügt, so ertappten wir uns beim Test immer wieder, sämtliche Eingaben am Verstärker direkt zu tätigen. Zu schön ist die Optik, zu sauber und hochwertig ist alles zu bedienen. Am Ende des Tages verschwand die Fernbedienung unbenutzt in einer Schublade.


Das Video zum Test


Blickfang des Receivers ist das große und somit stets übersichtliche Punktmatrix-Display. Jede Einstellung und jede Funktion werden eindeutig angezeigt, man weiß stets, welcher Zuspieler gerade aktiv ist. Unter dem Display befinden sich zusätzliche Knöpfe für die Einstellung verschiedener Radiosender. Und apropos Radio: DAB+ war ja ursprünglich einmal dazu gedacht, seinen Lieblingssender im Auto digital und somit störungsfrei quer durch Deutschland und nicht nur lokal im Einzugsgebiet hören zu können. Leider hat sich diese Idee jedoch niemals durchgesetzt und ist somit praktisch tot. In vielen Geräten findet sich jedoch noch DAB+ zum Radioempfang, allerdings greife ich stationär heute zu Hause eher auf das Internet-Radio, denn auf althergebrachtes Radio zu.

Der Blick auf die Rückseite zeigt die zahlreichen Möglichkeiten, Zuspieler anschließen zu können. Zu drei Line-In Anschlüssen gesellen sich zwei Line-Outs. Der R-N803D verfügt über einen internen Vorverstärker zum Anschluss seines Plattenspielers, sowie einen weiteren Eingang für den CD-Player. Dazu kommen zwei digitale coaxiale Eingänge, zwei optische Eingänge, ein Anschluss für die Radio-Antenne sowie ein zusätzlicher Ausgang für einen Subwoofer. Gerade letzterer ist bei einem Stereo-Receiver doch eher ungewöhnlich, dient jedoch hier in Verbindung mit dem optischen Eingang zum Anschluss des TV. Wer keinen Platz für ein vollwertiges Heimkino-System hat, kommt auch mit diesem Stereo-Verstärker mit 2.1 Sound beim TV-Programm voll auf seine Kosten.

Zum Anschluss der Lautsprecher dienen hier große Schraubklemmen. Wer sich ein weiteres Paar Lautsprecher im Nachbarraum aufstellen möchte, kann hier zwischen zwei Räumen wählen oder lässt alles gemeinsam aufspielen. Selbstverständlich ist aber auch Bi-Wirring möglich, ein entsprechendes Paar Lautsprecher vorausgesetzt.

Bevor es nach der Verbindung sämtlicher Zuspieler mit dem R-N803D endlich zum Hören geht, bietet der Receiver eine Besonderheit, die sonst nur den großen AV-Receivern vorbehalten ist. Über YPAO – Yamaha Parametric Room Acoustic Optimiser – werden die Besonderheiten des Raumes ausgemessen und der Klang automatisch den Gegebenheiten angepasst. Dazu wird das Einmessmikrofon einfach an der Hörposition aufgestellt und das entsprechende Programm gestartet. Hierbei werden sämtliche Elemente des Raumes erfasst und so eine perfekte Hörumgebung beim Klang hergestellt. Zusätzlich werden dem Schall abträgliche Elemente neutralisiert. Die Lautsprecher werden nur noch manuell aufgestellt und auf den Hörplatz ausgerichtet. Das Ergebnis ist der optimale Klang in seinem Lieblingssessel.

Als erste Schallplatte wird dann endlich Pink Floyd – The Dark Side of the Moon aufgelegt. Noch in Folie verschweißt, soll diese Scheibe als erste der Kombination aus R-N803D, Vinyl 500 und Magnat Standlautsprechern den richtigen Klang entlocken. Drei ältere Herren sitzen jetzt vor der Anlage und genießen, der Gedanke, zum Receiver einen Test schreiben zu wollen, ist in diesem Moment in allerweiteteste Ferne gerückt. Jetzt geht es nur um Musik – und nicht nur in diesem, sondern auch in den nächsten Stunden, denn die Plattensammlung wird immer wieder durchforstet und so manch altes Stück Vinyl hervorgekramt. Von Johnny Cash bis hin zu ZZ Top deckt die Sammlung jede Zeit und jedes Genre ab.

Klanglich nimmt uns der R-N803D vom ersten Moment an die Hände und zieht uns mit. Denn schon mit den ersten Vinyls baut der Receiver eine herrlich breite Stereo-Bühne auf, die noch einmal beim Live-Album Berlin von Barclay James Harvest um den Effekt, wirklich vor dem Reichstag dabei zu sein, getopt wird. Für mich persönlich ist aber Pink Floyds The Wall mit Another Brick in the Wall Part One die Messlatte für ein gutes System.

Doch auch bei diesem Stück gehe ich in der Musik auf. Kaum ein anderer Song schafft es, sämtliche musikalischen Nuancen so abzudecken. Seien es der Bass, der dem Song seine Charakteristik verleiht oder die Mitten, die die Stimmen von David Gilmour und Roger Waters so kraftvoll erscheinen lassen. Es sind die zahlreichen kleinen Effekte, die diesem Stück seine Einzigartigkeit verleihen und die ein perfektes System in der Lage ist, herauszuarbeiten. Der R-N803D schafft dies mit spielerischer Leichtigkeit.

Aber nur um Schallplatten abzuspielen, hätte auch Lars` alter Verstärker stehenbleiben können. Hier ging es auch darum, Musik zu streamen. Und auch dabei spielt der R-N803D technisch in der ersten Reihe. Nach der Einbindung ins heimische Netzwerk, die bei uns allerdings erst über WPS und nicht mit der Eingabe des WLAN-Passwortes funktionierte, steht alle kabellose Funktionalität zur Verfügung. Verschiedene Streaming-Anbieter werden ebenso aufgeboten wie Bluetooth, das Internet-Radio und selbstverständlich auch MusicCast. Da hier kein entsprechender Lautsprecher zur Verfügung stand, konnte diese Funktion mit dem Receiver nicht getestet werden. Wer aber wissen will, wie MusicCast generell funktioniert, schaut in die Tests zum MusicCast Chorus oder der ISX-80.

Streaming-Anbieter wie Spotify, Deezer, Tidal oder qobuz müssen in einem modernen Gerät natürlich auch vertreten sein. Auch hier gibt sich der R-N803D keine Blöße und spielt anstandslos jede Playlist. Damit auch bei digitalen Signalen die bestmögliche Qualität geliefert werden kann, verfügt der Verstärker über den D/A Wandler Sabre 9006AS von ESS Technology. Somit sind auch HighRes-Files mit 192 kHz und 24 Bit möglich, denn immer mehr HiFi-Fans legen gesteigerten Wert auf Dateiformate wie FLAC oder ALAC – Formate, die komprimierte, aber verlustfreie Daten ermöglichen. Um HighRes Daten der entsprechenden Anbieter zu empfangen, ist natürlich ein entsprechendes Abo vorausgesetzt.

Damit dies möglich wird, legt man bei Yamaha hohen Wert auf das eigene HiFi-Konzept ToP-ART – Total Purity Audio Reproduction Technology. Hierbei werden sämtliche Bauteile im Inneren symmetrisch so angeordnet, dass ein kurzer und gerader Signalweg zustande kommt. Ein äußerst steifes Gehäuse und ein Rahmen aus Harz zur Unterdrückung von Vibrationen runden das Gesamtpaket ab. 

Wer obendrein noch die maximale Reinheit des Signals erreichen möchte, schaltet in den Pure Direct Modus. Hierbei wird der Trennverstärker für den Bass, die Höhen, die Balance und die Loudness Flat umgangen und damit die höchstmögliche Klarheit des Tons erreicht.

 

Fazit:

Weil wir es von Yamaha gewohnt sind, hatten wir hohe Erwartungen an den R-N803D. Aber um das Fazit schon jetzt abzukürzen: Alle diese Erwartungen wurden erfüllt. Der Stereo-Receiver bietet zahlreiche Anschluss- und Onlinemöglichkeiten, die ihn auf Jahre hinaus zukunftssicher machen. Seien es der Phono-Anschluss, der dem jetzt wieder so aktuellen Vinyl neues Leben einhaucht oder aber die zahlreichen Funktionalitäten wie Internet-Radio, Streaming, MusicCast oder Bluetooth, es bleiben keine Wünsche offen, seine Musik hochwertig zu hören.

Dazu kommt YPAO für die Klangoptimierung im eigenen Wohnzimmer. Dieses System setzt dem R-N803D noch einmal die Krone auf, weil es bisher nur den AV-Receivern vorbehalten war. Dazu kommt ein Design, welches dazu animiert, den Receiver nur direkt zu bedienen. Der R-N803D hat nicht nur sämtliche Quellen, sondern auch seinen Benutzer fest im Griff.

 

 

Link zur Herstellerseite: Yamaha R-N803D

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