Hardwaretest: Yamaha NS-SW1000 – Tiefton mit Gewicht

Auf der IFA 2017 hatte Yamaha am eigenen Stand einen Kinosaal eingerichtet, der zwar die technischen Möglichkeiten eines privaten Heimkinos aufzeigte, aber in der Realität doch weit über das üblicherweise Machbare hinausging. Eine 7.2.4 Konfiguration braucht eben doch ein wenig mehr Platz. Während das ebenfalls anwesende Dolby-Team sich am Aufbau der Boxen für die Höhenkanäle erfreute, blieben mir die beiden gewaltigen Subwoofer in Erinnerung. Und nun steht hier eben dieser NS-SW1000 zum Test.

Wenn ich im letzten Absatz gewaltig schreibe, dann ist das in diesem Fall tatsächlich nicht nur auf die Leistung bezogen. Die Spedition lieferte das Testgerät mit einer Sackkarre, weil man gut 50 Kilogramm Gewicht nicht mal eben so aus dem Truck trägt. Daran ändern auch die beiden auf dem Umkarton aufgedruckten Figuren nichts, die anzeigen, den Sub bitte nur zu zweit zu transportieren. Wer sich für den NS-SW1000 entscheidet, sollte also für den Aufbau helfende Hände zur Seite haben.

Ich erinnere mich noch an Zeiten, da gab es selbst in den größten Kinosälen Berlins nur Stereo-Sound. Aber das war in Ordnung, man kannte es ja nicht anders. Es ging schließlich um das überdimensionale Bild, der Ton wurde beiläufig zur Kenntnis genommen. Doch im Laufe der Jahre änderte sich das. Immer mehr Boxen kamen hinzu und endlich wurde auch dem Tiefton Bedeutung beigemessen. Daran war im privaten Bereich jedoch noch gar nicht zu denken. Mein erster Sony Heimkino-Receiver hatte ganze vier Kanäle, nämlich zwei für die Stereo-Boxen an der Front und – Sensation im Freundeskreis – zwei für Boxen an der Rückwand. Einige Filme auf der damals brandaktuellen Laserdisc steuerten auch tatsächlich diese Rückkanäle direkt an. Aber ein Subwoofer für zu Hause war noch lange nicht im Angebot.

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Heute nimmt man Subwoofer zur Kenntnis. Sie gehören zum Heimkino-Set dazu, sie sollen wummern, Brustkorb und Böden müssen vibrieren, denn erst wenn der Bass die Tassen im Küchenschrank zum Klirren bringt, taugt auch der Subwoofer etwas – so zumindest die landläufige Meinung. Aber gut, die übliche Bauform eines Subs vermittelt eben auch nur diese Fähigkeit – Kraft statt Gefühl. Aber es geht auch vollkommen anders, denn der Yamaha NS-SW1000 setzt eben genau auf diese Nuancen. Diese sind so fein, dass man sich trotz überragender Standlautsprecher selbst zum Musikhören dabei ertappt, doch den Subwoofer dazu zu schalten. Denn der NS-SW1000 kann nicht nur Filme aller Art begleiten, er hat auch immenses musikalisches Talent.

Ist der NS-SW1000 erst einmal aus seiner doppelten Umverpackung befreit und lässt man den wie immer so edlen Yamaha-Klavierlack auf sich wirken, wird man sich erst beim weiteren Hinschauen der wahren Größe bewusst. Mit seinen 44 x 46 x 52 Zentimetern nimmt der Subwoofer seinen Platz ein. Auch hier sollte man sich bewusst sein, was für ein Kraftwerk man sich ins Haus holt. Der Subwoofer will sein Dasein nicht irgendwo unauffällig in einer Ecke fristen, er will sich optisch wie akustisch präsentieren. Denn spätestens beim ersten Anspielen wird man immer wieder verblüfft in dessen Richtung schauen und sich wundern, wie dieser Koloss so präzise das Geschehen untermalen kann.

Wie geschrieben kam das Testgerät im so schönen schwarzen Klavierlack. Optisch passt er dazu hervorragend zu meinen Soavo-Lautsprechern. Aber diese Optik hat ihren Preis, Swiffer-Staubtücher werden der tägliche Begleiter sein, legt man Wert auf Ordnung. Wer das Schwarz nicht mag, erhält den Sub auch in Piano-Weiß oder in einer mattschwarzen Ausführung. Der Preis ist bei allen gleich, ein Aufpreis wie in der Automobilindustrie für Wunschlack ist bei Yamaha glücklicherweise nicht üblich.

Der bei Subwoofern üblichen Würfelform mit scharfen Kanten und glasklaren Strukturen setzt Yamaha ein modernes Design mit symmetrischen Rundungen an der Front entgegen. An der Oberseite besteht diese Rundung aus Aluminium und beinhaltet die einzigen beiden Bedienelemente – den zierlichen Power-Schalter und den wertigen, aber leichtgängigen Regler für das Volumen. Mehr braucht es nicht für den täglichen Gebrauch. Die komplette Front ist mit einem sehr feinen Stoffgewebe bespannt und somit hebt sich der NS-SW1000 mit einigen wenigen gestalterischen Kniffen vom Einheitsdesign ab. Das Auge hört schließlich mit.

Einzige Unterbrechung des durchgängigen Äußeren ist der Bassreflexport. Auch hier verwendet Yamaha das bereits bewährte Twisted Flair Port Design. Diese Bass-Öffnung ist in sich gedreht und soll so Luftwirbel an den Kanten auflösen und damit das bei Subwoofern unangenehme Nebengeräusch von austretender Luft dämpfen. Der Sub erzeugt somit nur tiefe Töne, die zum Film oder der Musik gehören, Nebengeräusche werden vermieden. Das bei Subwoofern auftretende Problem der Übertragung von Bässen in den Boden vermeidet man mit speziellen Füßen, die das Gerät vom Boden entkoppeln.

Und gerade unerwünschte Resonanzen sind das Thema, was auf Perfektion bedachte Konstrukteure von Subwoofern umtreibt. Es nützt der beste Treiber nichts, wenn dessen Schall von den Wänden des Gerätes zunichte gemacht wird. Schwingungen gehören nach außen und nicht nach innen. Deswegen verwendet Yamaha für den Bau des NS-SW1000 Faserplatten verschiedener Stärken, die mit einem speziellen Gehrungsverfahren ineinander gefügt werden. Für die Außenwände werden 25 Millimeter dicke Platten verwendet, für die Schallwand kommt sogar 36 Millimeter starkes Material zum Einsatz. Zusammen mit dem über 10 Kilogramm schweren Netzteil erschließt sich nun, woher dieser Subwoofer sein massives Gewicht nimmt und warum 1000 Watt Leistung nach außen transportiert werden und nicht im Inneren des Gerätes herumpoltern. Der NS-SW1000 vibriert definitiv nicht.

Ein massives Gehäuse ist großartig und die beste Voraussetzung für wunderbaren Bass. Aber alles gestalterische Können nützt nichts, wenn man nicht auch den entsprechenden Treiber verwendet, der die tiefen Töne auch vermitteln kann. Yamaha verwendet dafür einen eigens angefertigten 30 Zentimeter Tieftöner. Zum Einsatz bei der Membran kommt hier ein Papier-Kevlar Gemisch in einem Aluminium-Rahmen. Dieses verspricht mit einer extrem hohen Steifigkeit punktgenauen und dynamischen Bass. Dazu kommen ein Digitalverstärker und ein Ausgangsverstärker. Mit diesen technischen Feinheiten wird klar, warum der NS-SW1000 nicht nur ein überragender Begleiter bei knackigem Film-Sound ist, sondern auch in Sachen Musik.

Anschlüsse gibt es naturgemäß bei einem Subwoofer recht wenige, der Yamaha Sub bildet da keine Ausnahme. Die wenigen Schalter sind nebeneinander angebracht und regeln die Funktionen. Neben dem Phase-Schalter ist der kleine Kippschalter mit der Bezeichnung B.A.S.S. interessant. Denn hier wird eingestellt, ob der NS-SW1000 Musik oder Film wiedergeben soll. Der High-Cut Regler definiert die Übergangsfrequenz und die wenigen Schraubverschlüsse dienen dem Anschluss passiver Lautsprecher. Die Auto-Standby Funktion regelt, ob und wann sich der Subwoofer in den Ruhemodus begibt.

Wird der Subwoofer als Einzelgerät am Receiver verwendet, wird das entsprechende Kabel in den LFE-Port gesteckt. Einzig bei der Verwendung von zwei Subs – vorausgesetzt, der Receiver ist dazu in der Lage – ist auf den entsprechenden Kanal 1 oder 2 zu achten. Dieser LFE-Anschluss (Low Frequency Enhancement) wird dazu verwendet, niederfrequente, tiefe Töne wiederzugeben, die vom menschlichen Ohr nicht lokalisiert werden können. Die Diskussion über spezielle und meist teure Y-Kabel ist damit hinfällig. Ein gutes Mono-Cinch-Kabel ist vollkommen ausreichend, um auch dieses High-End-Gerät ordnungsgemäß zu betreiben. Besitzt der Receiver keinen expliziten Subwoofer-Ausgang, zieht man die umfangreiche Anleitung zu den Anschlüssen zu Rate.

Ein häufig vernachlässigtes Thema ist die der Aufstellung eines Subwoofers. Auch wenn sich zahlreiche tiefe Töne vom menschlichen Ohr nicht orten lassen, so sollte der Subwoofer immer in Front des Hörers stehen und hier nach Möglichkeit im Winkel von 45 Grad ausgerichtet auf eine Wand. Bei der Verwendung eines einzigen Subs spielt es keine Rolle, ob dieser innen oder außen zu den Frontlautsprechern steht. Ist man jedoch in der glücklichen Lage gleich 2 dieser Monster verwenden zu können, sollten diese außerhalb der Boxen angeordnet werden. Nun sind leider nicht alle räumlichen Gegebenheiten so perfekt, dass man einen Subwoofer tatsächlich entsprechend der Anleitung positionieren kann. Hier hilft dann tatsächlich nur probieren. Grundsätzlich gilt für den Sub das Gleiche wie für Boxen – Möbel und Zimmerpflanzen der besseren Hälfte sind dem Schall abträglich und sollten deshalb nicht im Weg stehen. Aber egal wie der Subwoofer steht, der Bassreflexport muss dabei frei bleiben. Es nützt die beste Technik eines Twisted Flair Ports nichts, wenn sich entweichende Luft dann doch wenige Zentimeter nach dem Ausgang am Sofa oder der Wand entlädt.

Um nach so viel Aufbauarbeit dann endlich auch den Klang genießen zu können, lege ich mir die Blu-ray Whiplash in den Schacht meines Players. Andrew hat den Ehrgeiz, ein überragender Jazz-Schlagzeuger zu werden. Am Shaffer Conservatory, der besten Musikschule der USA spielt er sich im wahrsten Sinne des Wortes die Finger blutig, um der Beste zu werden und in den elitären Zirkel des Musiklehrers Terence Fletcher aufgenommen zu werden. Auch wenn ich von Jazz als Musik so gut wie keine Ahnung habe und ihn privat nicht höre, so imponiert dieser Film allein aufgrund der großartigen musikalischen Darstellung und der Fähigkeiten von Schauspieler Miles Teller. Der NS-SW1000 bringt dies von ihm gespielte Schlagzeug in jeder Szene so dynamisch und mit solcher Detailtreue an das Ohr dass ich, obwohl ich den Film nun schon mehrfach geschaut habe, gerade im Finale mit gewaltiger Gänsehaut zu kämpfen hatte.

Die am wenigsten erwartete Kombination aus Film und Musik bietet wohl Game of Thrones. Da ich die 7. Staffel noch nicht bis zum Ende geschaut hatte, war es eher ein glücklicher Zufall diese fortzuführen, als der NS-SW1000 hier noch zum Test stand – denn geplant war das so nicht. Und das hätte ich bitter bereut, denn was der Subwoofer schon bei der so bekannten Titelmusik abliefert, überrascht nach den ersten Tönen. So atmosphärisch dicht und intensiv hatte ich diese Melodie bis dato noch nicht wahrgenommen. Mit unglaublich viel Feingefühl breitet der Yamaha Sub hier einen regelrechten Klangteppich aus sanften Tieftönen aus. Dies ist so beeindruckend, dass ich die Folge mehrfach gestartet habe, um diesen Effekt noch einmal zu genießen.

Auch wenn es mit Filmen fast im Halbjahres-Takt inzwischen bis zum Kann-nicht-mehr ausgeknautscht wird, ich liebe Marvel-Verfilmungen. Als Comic durchgefallen, ist ein jeder der Filme mit Robert Downey Jr. als Iron Man eine Pflichtveranstaltung für jede Heimkino-Anlage. Aber auch die bisherigen Avengers-Verfilmungen sind so großartig. Im ersten Film wird in Kapitel 12 das Luftschiff angegriffen. Während Hulk im Inneren das Design von Metall neu anpasst, reparieren Captain America und Iron Man im Freien eine beschädigte Turbine. Der Subwoofer bringt hier jede einzelne Szene, jeden Effekt mit einer solchen Dominanz an den Zuschauer, das man befürchtet, das Biegen und Bersten könnte sich auf die Statik der eigenen vier Wände auswirken.

Im gigantischen Finale des Films läuft auch der NS-SW1000 zur Höchstform auf. Als die Außerirdischen Manhattan attackieren, bleibt kaum ein Stein auf dem anderen. Gebäude zerbröseln regelrecht und Fahrzeuge auf den Straßen fliegen wie Spielzeugautos durch die Gegend. Jeder der Avangers hat seine eigenen Soundeffekte, so kann man die Triebwerke in Iron Mans Anzug förmlich am eigenen Leib spüren, wenn diese zu voller Leistung auflaufen.

All das stellt den Subwoofer vor keinerlei Probleme, ja man hat das Gefühl, dass für jeden Soundeffekt noch unendlich viele Leistungsreserven zur Verfügung stehen. Jeder Tiefton kommt auf den Punkt genau und mit einer Dynamik, dass man den Film auch mit geschlossenen Augen verfolgen könnte, ohne die Handlung zu verpassen. Und somit schließt sich der Kreis. Ein Subwoofer ist nicht nur ein Bestandteil eines guten Heimkino-Systems, hat man den NS-SW1000 live erlebt, wird die Fähigkeit tiefe Töne in solcher Qualität darzustellen fundamental.

 

Fazit:

Mit Testgeräten ist es ein ständiger Kreislauf von Kommen und Gehen, so ist das Geschäft. Aber den NS-SW1000 werde ich hier definitiv vermissen. Zu intensiv ist der Eindruck, den er hier hinterlassen hat. Ein Subwoofer war bisher wichtig, aber nicht das Maß der Dinge. Diese Meinung habe ich nach der viel zu kurzen Testphase revidieren müssen. Denn nur die Kombination aus Stereo- und Effektboxen in Verbindung mit einem überragenden Subwoofer macht ein System erst vollständig.

Ich werde jetzt sparen – auf gleich zwei NS-SW1000. Und wenn ich die habe, baue ich mir das perfekte Haus um diese Subwoofer herum. Da habe ich dann das quadratische Wohnzimmer mit auf den Zentimeter genau ausgerichteten Boxen und nichts stört den ultimativen Genuss von Filmen oder Musik – man wird ja auch mal träumen dürfen 🙂

 

Link zur Herstellerseite: Yamaha NS-SW1000

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Fotos: Michael Schulz + Yamaha Herstellerfotos

 

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