Hardwaretest: Yamaha MusicCast BAR 400 – das Multi(room)talent vor dem TV

Multiroom ist das angesagte Ding! Was nützt mir ein überragendes System, wenn schon einen Raum weiter wieder Funkstille herrscht? Ich möchte meinen Klang nahtlos von Raum zu Raum fortgesetzt wissen, ich will auch im Bad den Song weiterhören, den ich in der Küche gestartet habe. Ich will überragenden TV-Sound, nach Möglichkeit sogar in Surround, ich will perfekte Musik und ich will auch in Videospielen akustisch in das Spiel eintauchen. Klang muss multifunktional sein und mich immer mitnehmen. Erst mit dem passenden Sound wecken Filme, Musik und Spiele Emotionen.

Was nach ganz viel klingt, ist es auch. Aber eigentlich auch wieder nicht, wenn man weiß, was man möchte. Meist ärgert man sich zuerst über dünnen Sound aus den TV-Boxen des neuen, unsagbar teuren Bildschirms. Dann stellt man fest, dass für die heimische Musikanlage Streaming ein Fremdwort ist und zuletzt möchte man jeden Sound dann doch gerne überall im Haus genießen. Es muss also ein Multiroom-System her.

Viele Hersteller bieten solche Systeme an, Yamaha hat jedoch mit MusicCast die noch immer umfangreichste Lösung im Gepäck. Momentan lassen sich allein aus dem Hause Yamaha fast 70 Geräte problemlos und bedienerfreundlich untereinander vernetzen. Dazu kommt die Bluetooth-Anbindung, die jede Box eines jeden Herstellers integriert. Die teure Box einer anderen Marke muss also nicht ersetzt werden, sie wird einfach ein Teil des gigantisch großen MusicCast Netzwerkes.

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Aber ich starte am Anfang. So sehr ich meinen Philips 55POS9002 auch liebe, wie sehr mich das Bild jeden Abend bei einer Netflix-Serie oder einem 4K-Streifen von meiner Xbox One X aus dem Alltag holt, so sehr nervt mich der Ton meines TV. Was das Display mit dem perfekten Bild vorne aufbaut, reißt es beim blechernen Klang mit dem Hintern wieder ein.
Die Lösung heißt also Soundbar und in diesem zukunftsorientierten Fall dann MusicCast Bar 400. Denn mit nur einer weiteren Box schaffe ich mit dieser Soundbar nicht nur ein kabelloses Multiroom-System, sondern auch gleich ein komplettes Heimkino mit echtem Dolby-Surround. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich mir zwei kleine MusicCast 20 dazustelle oder aber die größere und voluminösere MusicCast 50.

Die eigentliche Aufgabe einer Soundbar ist die akustische Unterstützung des TV mit dem bestmöglichen Ton. Damit starte ich dann auch einfach – keine Einrichtung, kein gar nichts, einfach vor lauter Neugier die BAR 400 mit dem TV verbinden und lauschen, was der kleine Riegel leistet? Also schnell die Bar und den Sub mit Strom versorgt und die Soundbar per HDMI Kabel mit dem TV verbunden, schon kann es losgehen. Soundbar und Subwoofer arbeiten selbstverständlich kabellos miteinander.

Zurzeit läuft auf Sky Jurassic World: Das gefallene Königreich. Der Film ist leider nur eine weitere Fortsetzung von Filmen, die niemand wirklich gebraucht hätte. Die Handlung ist bekannt flach und vorhersehbar, nur das diesmal die armen Dinos vom erneuten Aussterben bedroht sind, weil ihre Insel jetzt von einem Vulkanausbruch vernichtet wird. Aber gerade dieser Vulkanausbruch macht zumindest soundtechnisch auf der BAR 400 Spaß.

Brennende Felsbrocken fliegen durch die Luft, schlagen auf dem Boden und im Meer ein und hunderte Dinos machen das, was sie wahrscheinlich vor Millionen von Jahren schon einmal taten – sie rennen um ihr Leben mit bekannt negativem Ergebnis. Dennoch ist gerade die Wiedergabe mit 3D-Surround-Sound imposant. Denn dank DTS Virtual:X bietet die BAR 400 hier nicht nur virtuellen Raumklang in der Horizontalen, sondern simuliert auch Höhenkanäle. Der Effekt von Sound im Raum bis unter die Decke ist beeindruckend. Dazu kommt ein Bass, der seinem Namen alle Ehre macht, ohne aufdringlich zu sein. Der Subwoofer unterstützt den Klang mit einer wunderbaren Dynamik.

Aber auch für das abendliche TV-Programm mit Dokus, Shows, Serien oder schlicht den Nachrichten – also für den ganz normalen Alltagseinsatz – ist die kleine Soundbar ein hervorragender Begleiter und der perfekte Ersatz für die TV-Boxen. Bei Dialogen unterstützt die Funktion Clear Voice die Sprachausgabe. Stimmen werden somit in den Vordergrund geschoben und kommen klar und verständlich beim Zuschauer an, ohne von Hintergrundgeräuschen überlagert zu werden. Gerade bei alten Action-Filmen ist diese Funktion so wertvoll.

Der simple Anschluss an ein TV-Gerät wird aber dem umfangreichen System MusicCast und der BAR 400 nicht gerecht, denn das kann jede andere Soundbar auch. Um das volle Potential zu nutzen, wird der kleine Barren per WLAN in mein bestehendes MusicCast Netzwerk eingebunden. Schließlich möchte ich auch Musik auf der Soundbar hören und die Raumklangfähigkeiten mit der dann als Surround-Box integrierten Box MusicCast 50 testen. Dazu wird die App geöffnet, ein neues Gerät hinzugefügt, der Connect Button an der Soundbar gedrückt und Augenblicke später ist die Bar 400 ein weiterer Multiroom-Bestandteil.

Yamaha liefert zum System eine kleine aber feine Fernbedienung aus. Auch wenn diese komplett aus Kunststoff gefertigt ist, so ist sie übersichtlich und vor allem verständlich. Selbst als Laie ist man innerhalb von wenigen Versuchen mit den Funktionen vertraut. Zusätzlich finden sich grundlegende Bedienelemente auch auf der Oberseite der Soundbar. Und dennoch bediene ich mein System inzwischen lieber über die App. Das Handy ist schleichend und unbemerkt zu einem offenbar festen Bestandteil meiner Selbst geworden, daher habe ich das eher zur Hand, als mich Richtung Couchtisch zu bewegen und die Fernbedienung zu nutzen.

Aber das ist doch eigentlich auch der Sinn eines Multiroom-Systems? Man möchte alle Geräte und Funktionen immer in Griffweite haben, ohne erst eine Fernbedienung nach der anderen in die Hand zu nehmen. Die MusicCast App ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie Bedienerfreundlichkeit aussehen kann. Jedes Teil des Systems findet sich auf Anhieb in der App, so auch die neu hinzugefügte BAR 400. Nachdem der erste kurze TV-Test schon beeindruckt hat, muss sich jetzt der kleine Klangbarren in Sachen Melodie beweisen.

Yamaha`s Kernkompetenz ist Musik, die BAR 400 bildet da keine Ausnahme. Ich habe schon zahlreiche Soundbars hören und testen dürfen und dennoch bin ich immer wieder beeindruckt, wie Yamaha aus einem solch zierlichen Gerät einen solch gewaltigen Klang zaubert? Also wird meine aktuelle Spotify-Playlist gestartet und ich staune. Egal welcher Song auch gespielt wird, das Klangbild ist gleichermaßen fähig einen ruhigen Abend zu zweit zu genießen, als auch die Fete mit zahlreichen Gästen zum Tanzen zu animieren. Selbst in höheren Pegeln bleibt der Sound immer klar, denn gerade dabei neigen Mitten und Höhen dazu, unklar zu werden oder zu klirren. Das passiert hier tatsächlich nicht. Alles wird vom kleinen Subwoofer begleitet, der mit seiner Dynamik und Schnelligkeit immer passend aufspielt.

Einer meiner Lieblingssongs ist momentan You worry me von Nathaniel Ratecliff & The Right Sweats. Was die kleine Soundbar hier an punktgenauem Schlagzeug, hellen Piano-Klängen und feinster Gitarre abliefert, macht echten Spaß beim Zuhören. Dazu begleitet der Subwoofer mit dezenten, aber immer dynamischen und präzisen Tieftönen – genau so sollen Bässe klingen!

Sinn eines Multiroom-Systems ist Klang in allen Räumen gleichzeitig und verzögerungsfrei wiederzugeben. Das beherrscht MusicCast einwandfrei. Gerade beim Schreiben eines Tests zu diesem Thema habe ich gern Musik in allen Räumen um mich. Ich schreibe in meinem Büro, möchte aber den Song sowohl auf der BAR 400, als auch auf meiner ISX-80 hören. Ein einziger Tipp auf das Link Symbol in der App verbindet die gewünschten Boxen miteinander, einfacher kann es eigentlich nicht sein. Zusätzlich lässt sich über die Raumsteuerung die Lautstärke einer jeden Box individuell anpassen. Hat man noch mehr Boxen, lassen sich diese zu einem einzigen großen Ganzen verbinden – oder aber jede Box spielt eine eigene Playlist oder die BAR 400 spielt TV-Sound zusammen mit der WX-010 in der Küche, während die ISX-80 und die MusicCast 50 eine eigene Playlist spielen. Die Möglichkeiten, Klang zu genießen, sind mit MusicCast schier unendlich.

Habe ich beim ersten Test am TV nur die grundlegendsten Möglichkeiten der Soundbar genutzt, möchte ich jetzt mit wenigen Handgriffen ein vollständiges Heimkino-System mit Surround-Boxen einrichten. Die MusicCast 50 an sich ist schon eine überragende Stereo-Box mit einem herrlich weiten Klangbild. Aber sie lässt sich eben nicht nur für die Musikwiedergabe nutzen, sondern ist mit wenigen Klicks in der App die Effekt-Box hinter dem Zuschauer. So wird aus dem virtuellen Raumklang ganz schnell ein echter.

Seit dem letzten Update findet sich in den Einstellungen der App der eher unscheinbare Menüpunkt MusicCast Surround/Stereo. Über diesen Punkt lassen sich Receiver oder die Bar 400 mit entweder zwei MusicCast 20 oder einem MusicCast 50 zu einem echten Heimkino-Surround-System verbinden. Mit wenigen Klicks ist die Einrichtung erfolgt und statt einem aus vielen Boxen und noch mehr Kabeln bestehenden System bietet diese Lösung tatsächlich eine netzwerkbasierte und so gut wie kabellose Lösung. Gerade wer relativ wenig Platz zur Verfügung hat oder aber seine Boxen multifunktional nutzen möchte, findet mit dieser Aufstellung eine kleine und preislich überschaubare Möglichkeit für echten Raumklang.

Für den Test meines kleinen Heimkinos starte ich die Xbox One X und lege die neu aufgelegte 4K Version von Das Fünfte Element in den Schacht. Akustisch startet der Film richtig, als die heute noch immer bezaubernde Milla Jojovic mit einem mächtigen Badabumm in Bruce Willis` Taxi einschlägt. Statt diese der kurz darauf auftauchenden Polizei auszuliefern, entschließt sich Willis zu einer Verfolgungsjagd, die schließlich im Nebel in den Tiefen der Stadt endet. Wie schon vorher spielt die Soundbar hier groß auf und durch die rückseitige Unterstützung der MusicCast 50 als Surround-Speaker kommt tatsächlich richtig gutes Kino-Feeling im Wohnzimmer auf. Der Raum füllt sich mit Action vor und zahlreichen Effekten hinter dem Zuschauer. So schnell schafft man sich sein persönliches, kleines heimkino.

Selbst für Videospieler ist die BAR 400 eine echte Alternative zum Blechklang des TV. Das aktuelle New Super Mario Bros. U Deluxe ist ein ebenso umfangreiches Spiel, wie es schon der ellenlange Titel vermuten lässt und gerade die Musik und die Soundeffekte sind in einem Mario-Titel das Salz in der Suppe. Selbstverständlich handelt es sich hier nur um den klassischen Mario-Sound und kein orchestrales Klanggewitter wie bei einem Action-Titel à la CoD, aber genau diese Effekte und die einprägsame Melodie sorgen für das fröhliche Mitwippen zahlreicher Füße.

Wie üblich müsste man über die Verarbeitung bei Yamaha kein Wort verlieren, denn diese ist perfekt. Die runden Kanten und das gebogene Frontgitter sind optisch von schlichter Eleganz – unauffällig, aber edel. Die Soundbar selbst ist mit ihren bescheidenen Maßen von 980 x 60 x 110 Millimetern so zierlich, dass sie vor nahezu jeden TV passt, ohne störend ins sichtbare Bild zu ragen. Aber selbstverständlich ist auch die Wandmontage möglich. An Verbindungen geizt man ebenfalls nicht, so stehen neben HDMI auch Bluetooth, AirPlay, WLAN und ein optischer Eingang zur Verfügung, falls der TV noch nicht über HDMI verfügt.

Durch die kabellose Verbindung zwischen Soundbar und Subwoofer kann dieser überall im Raum stehen. Auch hier ist Schlichtheit oberstes Gebot beim Design. Der 16 Zentimeter Tieftöner ist seitlich angebracht, die Bassreflexöffnung zeigt zur Front hinaus. Mit insgesamt 200 Watt Ausgangsleistung schafft es das System problemlos, auch größere Räume mit allerfeinstem Klang zu versorgen.

Fazit:

Yamaha schafft es immer wieder, nahezu perfekte Technik noch ein wenig besser zu machen. Die BAR 400 ist eigentlich „nur“ eine Soundbar mit Subwoofer und dennoch ist das System so viel mehr. Können viele Soundbars einen guten TV-Ton ausgeben, scheitern sie oftmals an der Wiedergabe von Musik. Nicht so die BAR 400. Hier stimmt klanglich einfach alles, egal ob Film, Abendprogramm, Musik oder Videospiel.

Der Klang ist durch und durch beeindruckend und sauber, dazu kommt die Multiroom-Fähigkeit mit MusicCast. Dabei achtet man bei Yamaha trotz des Funktionsumfanges immer auf einfache Bedienung. Wer einmal MusicCast im Einsatz hatte, möchte mehr davon. Und das ist schon mit nur einer weiteren Box in der Küche gegeben … oder noch einer im Bad … oder einer weiteren im Büro.

 

Link zur Herstellerseite: Yamaha MusicCast BAR 400

Fotos: Yamaha Produktfotos + Michael Schulz

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