Hardwaretest: Ultrasone Edition 15 – Der Maybach unter den Kopfhörern

„Du kannst Musik nicht berühren, aber sie kann dich berühren.“ schießt es mir durch den Kopf.
Vor 15 Minuten hatte ich mir den offenen High-End Kopfhörer Edition 15 von Ultrasone zum ersten Mal aufgesetzt. Ich tat dies voller Erwartung, denn es muss schließlich einen Grund haben, dass Menschen für diesen Kopfhörer 2499,-€ ausgeben – eine für mich unvorstellbare Summe.
Doch seitdem ich die Nadel meines Plattenspielers aufgesetzt habe, sitze ich nur noch da, lausche der Schallplatte meiner Lieblingsband und fühle mich, als wäre ich an einem anderen Ort. Auf einem Konzert um genau zu sein, denn die Musik umgibt mich und ich höre nichts anderes als die klaren Stereoklänge, die mich in ihren Bann gezogen haben.
Doch alles der Reihe nach.

Bei dem Edelkopfhörer des bayrischen Herstellers für audiophile Produkte handelt es sich um ein absolutes Unikat. Denn von der Edition 15 gibt es nur eine streng limitierte Auflage von 999 Exemplaren. Ergänzend dazu wirkt das terracottafarbene Echtleder-Etui, in welchem die Kopfhörer samt abnehmbarer Kabel und Mikrofasertuch geliefert werden, fast wie eine Schatztruhe. Öffnet man diese, kommen die Kopfhörer der Extraklasse zum Vorschein.
Um die klangliche Qualität dieser zu verstärken, wurden die Kapselgehäuse der Edition 15 aus amerikanischem Kirschholz gefertigt. Ein Holz, welches man im Instrumentenbau verwendet und welches den Titel eines Edelholzes trägt.

Die Abdeckungen des Kopfhörers sind aus detailliert gefertigtem Edelstahl.
Die Bügelpolsterung besteht aus schwarzem Merino Leder, ebenfalls ein sehr edles und zudem sehr angenehm zu tragendes Material.
Und zu guter Letzt der wohl wichtigste Aspekt eines Kopfhörers in puncto Tragekomfort – die Ohrpolsterungen. Diese bestehen bei der Edition 15 aus schwarzem Mikrovelours, wodurch sie nicht ganz so edel wie das Merino Leder wirken. Bei 30°C in der Dachgeschosswohnung ist man jedoch sehr froh darüber, keine Kopfhörer mit Lederpolsterung zu tragen. Darüber hinaus ist Velours sehr weich, äußert pflegeleicht und macht die Basswiedergabe deutlich präziser. Im Falle einer Beschädigung können die Ohrpolster ganz einfach ausgetauscht werden, da sie über eine Magnetfixierung verfügen.

Die offene Bauweise der Edition 15 bringt ebenfalls viele Vorteile mit sich. Denn durch die perforierten Abdeckplatten wird räumlicher Klang erschaffen. Heißt also, dass das linke Ohr einen Teil der Klänge des rechten Ohres mithören kann und umgekehrt. Dadurch hat man das Gefühl, als würde man mitten im Orchester oder eben in einem Konzert sitzen.
Außerdem ermöglichen offene Kopfhörer eine bessere Luftzufuhr, was das Hören bei unerträglichen Temperaturen ebenfalls wieder angenehmer macht.

Die in blauen, leicht schimmernden Stoffbeuteln gelieferten, abnehmbaren Premiumkabel in den Längen 1,2m und 3,0m, verfügen über LEMO-Steckverbinder. Diese sind für ihre erschütterungsresistente Bauweise bekannt, wodurch sie sicher im Kopfhörer einrasten und keine Gefahr des Herausrutschens besteht. Am Ende der vieradrigen Kabel befinden sich vergoldete 3,5 mm Klinkenstecker. Vorteil hierbei ist, dass Gold nicht oxidiert, weshalb die Lebenserwartung solcher Stecker lang ist, da über die Zeit kein Wiederstand in der Stromübertragung anwachsen kann. Ergänzend dazu verfügt das längere der beiden Kabel über einen vergoldeten, schraubbaren Klinkenadapter mit 6,3mm Stecker auf 3,5mm Buchse.

Insgesamt wiegt die Edition 15 ohne angeschlossenem Kabel nur 320 Gramm. Ein Gewicht, welches angenehm zu tragen ist, so dass sogar ich nach mehreren Stunden des Hörens keine Kopfschmerzen bekomme. Es gibt weder Druck auf dem Kopf, noch auf den Ohren.

Nun aber zu den klanglichen Aspekten. Denn nicht nur die offene Bauweise des Kopfhörers trägt zum authentischen Stereobild und der Tiefenstaffelung bei, sondern auch das, was in der Edition 15 selbst steckt. Denn hier handelt es sich um den ersten offenen Kopfhörer, welcher über Ultrasones patentierte S-LogicEX® verfügt.
Diese basiert auf einem speziellen Aufbau, sodass der Treiber eine größere Distanz zum Ohr hat. Dadurch entsteht ein besseres räumliches Klangbild. Zudem schont die S-Logic Technologie das Ohr, da hierbei 3-4 dB des Schalldrucks weggelassen werden können, die empfundene Lautstärke aber gleich bleibt.

Besonderheit beim Treiber des Kopfhörers ist der Gold-Titanium-Verbund. Die goldbedampfte Membran ist für den besonders weichen und warmen Klang der Mitten und Bässe verantwortlich. Die Titankalotte in der Mitte der Membran wiederum unterstützt die klare und exakte Wiedergabe der Höhen.

Damit der Treiber überhaupt angetrieben werden kann, benötigt man selbstverständlich einen Elektromagneten. In Verbindung dazu wurde sogenanntes MU-Metall in der Edition 15 verwendet. Es dient zur Minimierung niederfrequenter Felder, welche durch die Magnete produziert werden und sonst hörbar wären. Doch auch für den Nutzer bringt es einen Vorteil mit sich, da dieser durch das MU-Metall bis zu 98% vor dem starken Magnetfeld geschützt wird.

Nach 11 Jahren des Klavierspielens hat man ein Gehör entwickelt, welches besonders Unstimmigkeiten in Höhen und Tiefen sehr gut wahrnehmen kann. Dies wird mir beispielsweise bei Live-Veranstaltungen oft zum Verhängnis, da sowohl die Lautstärke als auch die Klangqualität mancher Lautsprecher ein schmerzendes Klirren in meinen Ohren auslösen. Für das Testen von Kopfhörern und Boxen ist diese Überempfindlichkeit aber wie geschaffen. Gerade daher war ich sehr gespannt, wie sich die Edition 15 in der Praxis macht.

Beim Durchstöbern der Musiksammlung meines Papas traf ich dann auf das Album eines Künstlers, welcher für die vielseitigen Stereoeffekte in seiner Musik bekannt ist – Jean-Michelle Jarre. Und auch, wenn das Electro-Genre keines ist, welches ich in meiner Freizeit höre, faszinierte mich das Lied Oxygen II sehr.

Denn hierbei hört man die Auswirkung der S-LogicEX® in ihrer vollen Bandbreite. Zudem kann man nicht nur problemlos zuordnen, ob sich ein Instrument links oder rechts, sondern auch vor oder hinter dem Hörer befindet. Ein beeindruckender Aspekt der Edition 15, bei welchem die Instrumente und ihre Anordnung so überzeugend echt klingen, als wäre man tatsächlich mitten im Geschehen.

Eines meiner Lieblingslieder zum Testen der Höhen ist das Lied Flesh von Simon Curtis.

Auch wenn der starke, durchdringende Bass eines klopfenden Herzes während des Liedes nicht den Anschein vermittelt, dass dieses Lied „höhenlastig“ ist, erzeugt es bei mir mit den falschen Kopfhörern im Refrain ein unangenehmes, teilweise schmerzendes Säuseln. Doch auch diese Hürde meistert der Kopfhörer mit Bravour. Erst, wenn sich die Lautstärke in einem Extremum von über 90% befindet, werden die Höhen etwas unangenehm, erzeugen aber kein dröhnendes Säuseln oder gar Schmerzen.

Doch auch die Bässe des Edelkopfhörers überzeugen durch ihre warme aber robuste Klangeigenschaft, wie ich in dem Refrain des Liedes Fake it meiner Lieblingsband Bastille feststellte.

Die Intensität des Basses wird zudem sehr deutlich, wenn man die Lautstärke im Refrain des Liedes über 80% stellt. Denn dann schwingt die Bassmembran der Edition 15 so sehr, dass sich die Vibrationen dieser auf die Mitten und Höhen auswirken und es so klingt, als würde die Stimme des Sängers zittern.

Doch so, wie man mit einem Rolls Royce nur über ebene Straßen und nicht quer durch das matschige Gelände fährt, so sind auch solch kleine Schwächen des Kopfhörers begründet, da sie wirklich ausschließlich im Extremtest, aber nicht im Normalgebrauch auftraten.

Wer jedoch denkt, dass er den Edelkopfhörer ohne weiteres an ein gewöhnliches Handy oder einen Laptop anschließen könnte, der hat sich geirrt. Denn bekannterweise verfügen diese Geräte über eine schlechtere Ausgangleistung als zum Beispiel eine Stereoanlage. Dementsprechend klingt dann auch das Endergebnis sehr flach, mit klirrenden Höhen und fehlenden Bässen.

Für all die Musikliebhaber, die ihre Online-Musikbibliothek aber trotzdem über die Edition 15 hören möchten, wäre der NAOS von Ultrasone die perfekte Alternative. Hierbei handelt es sich um einen Digital-Analog-Wandler und Kopfhörer-Verstärker, welcher kleiner als eine Streichholzschachtel ist und somit, bis auf die klangliche Verbesserung die er mit sich bringt, kaum auffällt. Mit inbegriffen sind hierbei ein kleines Reiseetui und Verbindungskabel für Micro-USB, USB-C, Lightning und USB-A, wodurch er an jedes Gerät anschließbar ist. Zu beachten ist hierbei, dass der NAOS seine Versorgungsspannung über das angeschlossene Gerät selbst zieht, was bedeutet, dass man dementsprechend mit einem schnelleren Akkuverbrauch des Gerätes rechnen muss. Die klangliche Aufwertung macht jedoch dieses minimale Manko locker wieder wett.

 

Fazit:

2500,-€ sind zugegebenermaßen sehr viel Geld. Wer jedoch Wert auf herausragenden Klang, absoluten Tragekomfort und ein edles Kopfhörerdesign legt, der investiert in die Edition 15 von Ultrasone genau richtig.

Zudem wird jeder der handgemachten Edelkopfhörer durch die individuelle Holzmaserung zu einem absoluten Einzelstück und ergänzend dazu macht die limitierte Auflage ihn noch wertvoller und rarer.

 

 

Link zur Herstellerseite: Ultrasone Edition 15

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