Hardwaretest: Turtle Beach Stealth 700 – 7.1 Druck auf die Ohren

Gaming ist schon lange mehr als nur ein optisches Erlebnis. Der perfekte, zum Spiel passende Sound nimmt einen immer höheren Stellenwert ein. Kein Wunder also, dass sich inzwischen zahlreiche Anbieter tummeln, die dem Spieler das perfekte Spiel auf die Ohren bringen möchten.
Und um genau dieses Erlebnis auf das nächste Level zu bringen, hat Turtle Beach den neuen Stealth 700 für alle Zocker auf den Markt gebracht.
Ob der Sprung gelungen ist, erfahrt ihr hier.

Turtle Beach ist ein US-Amerikanischer Konzern, der seit dem Jahr 2005, in dem er sein erstes Headset für Konsolen auf den Markt brachte, die Gaming-Welt mit einigen hervorragenden Kopfhörern bereichert hat.

Anfangs war ich allerdings etwas skeptisch, was das Design des Kopfhörers betrifft, aber als ich ihn dann aus dem Karton hob, waren alle meine Zweifel vergessen. Nach dem Entfernen des hässlichen Plastiks von der Außenseite der Kopfhörer war mir klar, dass ich hier nicht nur ein besonders schickes Headset, sondern auch eines mit einem extrem hohen Wiedererkennungswert in den Händen halte.

Manchem wird das vielleicht egal sein, aber ich fand es ein wenig schade, wie lieblos der Kopfhörer in der Verpackung präsentiert wurde: das hellblaue Plastik, in dem er lag, gepaart mit haufenweise durchsichtigen Klebestreifen und einem USB-Stick, der nur mit einer lockeren Plastikfolie an seinem Platz gehalten wurde, wirkte auf mich nicht so, als hätte ich hier ein extrem hochwertiges Headset für einen Preis von über hundert Euro vor mir liegen.
Nichtsdestotrotz muss ich sagen, im Großen und Ganzen fiel mein erster Eindruck des Stealth 700 positiv aus.

Wenige Momente später war dann auch schon der im Mac App Store verfügbare Audio-Hub von Turtle Beach installiert und sowohl der mitgelieferte USB-Stick, als auch der Kopfhörer an dem ziemlich kurzen, mitgelieferten Micro-USB-Kabel an meinem PC angeschlossen. Dieses hätte für meinen Geschmack etwas länger ausfallen können, da es mir wirklich schwer fiel, gleichzeitig den Kopfhörer zu tragen und meinen Computer zu bedienen.

Das Audio-Hub ist eine der Sachen, die ich wahrscheinlich bei anderen Headsets zukünftig vermissen werde. Erst einmal ist es unglaublich übersichtlich gestaltet, man hat nicht das Gefühl von Einstellungsmöglichkeiten überschüttet zu werden und man braucht nur wenige Englischkenntnisse, um sich ganz einfach durch das Menü zu navigieren. Es lassen sich die verschiedenste Sachen einstellen: Im Surround Mode kann man zwischen Game, Movie, Music und Stereo wählen, genauso kann man den Chat Boost aktivieren oder deaktivieren und die Lautstärke verstellen.

All diese Funktionen und ein paar mehr hat auch die App für mein Smartphone. Dieses kann man via Bluetooth mit dem Kopfhörer verbinden, eine Funktion, die ich bei meinem PC sehr vermisse. In diesen muss ich, wann immer ich den Stealth 700 verbinden will, den nicht wirklich kleinen USB-Stick stecken, der dann dauerhaft einen USB-Slot meiner PS4 für sich beansprucht.

Die drahtlose Verbindung mit dem Handy kann aber nicht nur für Musik hören und das Mobile Audio-Hub benutzt werden. Auch kann man ganz einfach während einer laufenden Anwendung auf der PS4 das Audio des iPhones auf den Kopfhörer zuschalten und zum Beispiel während des Spielens telefonieren, ohne die Kopfhörer absetzten oder den Sound der PlayStation stummschalten zu müssen. Eine Funktion, die sich als sehr praktisch herausgestellt hat, besonders, wenn man sich mit Freunden zum Zocken verabredet.

Aber klingt das Mikrofon auch anständig?
Diese Frage beantwortete mir ein Freund direkt, als ich ihn online begrüßte mit dem Satz „Mann, klingt dein Mikro gut“!
Das Mikro hat also einen sehr guten Klang. Es ist zwar keine Studioqualität, aber eindeutig gut genug, um sich beim Zocken mit seinen Freunden perfekt zu verständigen.

Abgesehen vom Headset fand ich noch den eben erwähnten USB-Stick, einen Turtle-Beach-Sticker, haufenweise Zettel und ein Kabel, das ich noch nie zuvor gesehen hatte, in dem Karton vor.

Dieses wird auf der Rückseite der PS4 eingestöpselt und mit dem USB-Stick verbunden, der in einen der beiden Ports auf der Vorderseite geschoben wird. Wenn man wie ich ein PSVR-System an die PlayStation angeschlossen hat, das auch dauerhaft einen Port beansprucht, bleibt keiner mehr für das Laden seiner Controller übrig, weshalb ich mir direkt einen USB-Hub kaufen musste.

Getestet habe ich den Kopfhörer mit Battlefront II und Battlefield 1, beides Spiele mit einem sehr guten Sounddesign.
Anfangs empfand ich den Sound aber überaschenderweise höchstens als mittelmäßig, bis ich herausfand, dass ich im Audio-Hub unter Surround-Mode noch Music ausgewählt hatte. Als ich es dann auf Game umschaltete, hat mich der Sound förmlich umgehauen.

Dieser eigene Fehler hat mir damit gezeigt, dass die verschiedenen Modi nicht nur eine bloße Spielerei sind, die dazu dienen dem Nutzer nur das Gefühl zu geben, das Headset sei unglaublich interaktiv, ohne das sich aber kaum etwas am Sound ändert. Man hört hier einen deutlichen Unterschied zwischen den verschiedenen Modi.

Im Game-Mode klingen Explosionen laut und realistisch, man kann ganz genau hören, von wo welches Geräusch kommt und das Wichtigste: Kein Geräusch, kein Sound kommt zeitverzögert an den Ohren an.  Alle Akustik passiert parallel zum optischen Geschehen auf dem Bildschirm.

Denn das war auch eine Sache, die mich am Anfang sehr skeptisch gemacht hatte: Bringen mir 7.1-Surround-Sound-Kopfhörer mit einer drahtlosen Verbindung immer noch Vorteile oder hab ich gar keine Zeit mehr, auf die Geräusche zu reagieren, da diese eh zu spät an mein Ohr gelangen?
Auf jeden Fall hatte ich erst einmal sehr viel Spaß mit dem Headset. Das blieb aber leider nicht lange so.

Schon beim ersten Aufsetzen war mir nämlich aufgefallen, dass der Kopfhörer nicht wirklich angenehm auf den Ohren sitzt. Als ich ihn nach zwei Stunden Spielzeit wieder absetzte, schmerzten meine Ohren im Vergleich zum Razer Kraken Pro. Der Turtle Beach Stealth 700 fühlt sich steinhart an. Mehr Komfort versprich der Kopfhörer jedoch für Brillenträger und das ist ein Punkt, an dem der Stealth 700 vielen anderen weit voraus ist.

Da ich selbst kein Brillenträger bin, habe ich mir einfach eine Sonnenbrille aufgesetzt und jeweils eine Stunde mit dem Kraken Pro und dem Stealth 700 gespielt. Und ich muss sagen: Turtle Beach verspricht nicht zu viel wenn sie sagen, der Kopfhörer sei sehr gut für Brillenträger geeignet.

Der Druck auf das Gestell wurde durch den weichen Stoff an der Vorderseite deutlich verringert. Mit dem Razer Kraken Pro hingegen, bei dem der Druck gleichmäßig auf alle Seiten, und damit auch auf die Brille, verteilt wird, wurde es schon nach einer halben Stunde ziemlich unangenehm. Brillenträger können also durchaus von diesem Produkt einen etwas besseren Tragekomfort erwarten.

Wer sich nicht nur für guten Sound beim Zocken, sondern auch beim Musikhören interessiert, wird hier nicht enttäuscht.
Getestet hab ich das Headset an Your Body von Tom Novy und Cat Dealers und an Secrets von OneRepublic. Wie es sich für ein Gaming-Headset gehört sind die Bässe ordentlich nach oben geschraubt, wem das nicht genügt, kann im Audio Hub immer noch Bass Boost aktivieren. Auch die Mitten und Höhen sind in Ordnung, man kann in dieser Hinsicht aber nicht von High-Quality-Sound sprechen.
Das Musikhören an sich macht dennoch mit diesem Kopfhörer Spaß, selbst Klassik klingt gut mit dem Headset.

Fazit:

Der Turtle Beach Stealth 700 ist ein wirklich gelungener Gaming-Kopfhörer, mit dem für das Zocken erwarteten, basslastigen Ton. Und das trotz der kleinen Mankos wie der dem Preis unangemessenen Verpackung, den nicht ganz so hochwertigen Mitten und Höhen und der aufgrund des kurzen Kabels umständlichen Verbindung mit dem PC.

Das einzige was mich wirklich stört, ist der schlechte Tragekomfort. Aber vielleicht liegt das nur an meinem Kopf oder meinen Ohren? Andere machen da vielleicht bessere Erfahrungen – ein Probespiel mit dem Stealth 700 sollte dann aber auch einen längeren Zeitraum beanspruchen, um für sich herauszufinden, ob das Headset zum eigenen Kopf passt.

Link zur Herstellerseite: Turtle Beach Stealth 700

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Beitrag & Fotos: Constantin Ritter

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