Hardwaretest: Sony WI-1000XM2 - alle meine Erwartungen übertroffen

Hardwaretest: Sony WI-1000XM2 - alle meine Erwartungen übertroffen

Als ich zum ersten Mal von den Sony WI-1000XM2 gehört habe, war ich sehr neugierig. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie man Noise Cancelling bei In-Ear Kopfhörern umsetzt und wie sich das am Ende auf den Klang auswirkt. Auf der Produktseite von Sony zu den Kopfhörern lautet die Überschrift „Musik.Sonst Nichts.“. Das hört sich für mich nach einem großen Versprechen an, da man bei In-Ears eigentlich immer Umweltgeräusche wahrnimmt. Auch der stolze Preis von 329€ UVP lässt meine Erwartungen an die Kopfhörer steigen.

Die Verpackung der WI-1000XM2 ist schlicht, aber nach dem Öffnen beeindruckend. Im Karton befindet sich ein kleines Case in dem die gefalteten Kopfhörer sicher verstaut werden können, wenn man sie z.B. auf Reisen mitnimmt. Zusätzlich findet sich genug Platz für das mitgelieferte Zubehör wie das USB-C Ladekabel und den Flugzeugadapter. Außerdem liefert Sony nicht nur zahlreiche, sondern auch gleich zwei Arten von Ohrstöpseln mit. Die eine Variante sind normale Silikonstöpsel und die zweite sind etwas dickere Komfortstöpsel aus Schaumstoff, die einen besseren Halt gewährleisten sollen, weil sie sich dem Gehörgang besser anpassen. Alles in allem finde ich diese Aufmachung sehr ansprechend.

Die Kopfhörer machen auf Anhieb einen hochwertigen Eindruck, ihr Design ist schlicht und schnörkellos, wie eben In-Ears mit Nackenbügeln im Allgemeinen so sind. Der Nackenbügel ist aus flexiblem Silikon gefertigt, was ihn sich sehr angenehm tragen lässt. Da mich bisher ein Nackenbügel immer vom Kauf abgeschreckt hat, weil ich nicht davon ausging, dass der Tragekomfort so optimal ist, überraschen mich die Sony WI-1000XM2 In-Ears hier schon vor dem ersten Hören sehr positiv.

Im linken Bügel untergebracht ist die USB-C Buchse zum Laden der Kopfhörer, der Ein-/Ausschalter und eine Klinkenbuchse, die in Verbindung mit dem Flugzeugadapter benötigt wird. Im rechten Teil des Bügels ist das NFC-Modul integriert. Eine Fernbedienung mit vier Tasten und integriertem Mikrofon befindet sich zusätzlich am Kabel. Die Fernbedienung bietet die Möglichkeit zur Steuerung der Wiedergabe, sowie dem Ein- und Ausschalten der Rauschunterdrückung.

Obendrein sind die Kopfhörer magnetisch, so dass sie aneinander haften und nicht vor der Brust hin- und her baumeln – ein sonst übliches Problem bei solch kleinen Ohrsteckern.

Sony verspricht bei den Kopfhörern eine Akkulaufzeit von 10 Stunden mit eingeschaltetem ANC. Schaltet man das ANC ab, erhöht sich die Laufzeit auf bis zu 15 Stunden. Neigt sich der Akku doch dem Ende, verfügen die Kopfhörer über einen Quick Charge Modus, der bereits innerhalb von 10 Minuten 80 Minuten Akkulaufzeit nachlädt.

Kein moderner Kopfhörer kommt heute mehr ohne eine entsprechende App aus, die für den Sony WI-1000XM2 steht selbstverständlich kostenlos im Apple AppStore und im Google PlayStore zum Download zur Verfügung. Mit der Sony Headphones Connect App bieten sich umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten. So kann der Nutzer Einstellungen zum ANC vornehmen, außerdem werden hier die verschiedenen ANC Modi noch einmal erklärt. So lässt sich justieren, wie umfangreich die Geräuschunterdrückung tatsächlich sein soll, zusätzlich kann diese für jeden Modus noch einmal einzeln eingestellt werden und ob automatisch zwischen den vier ANC Modi hin und her geschaltet werden soll? So passt sich das ANC selbstständig der entsprechenden Umgebung bei wechselnden Lautstärken an. In der App kann auch festgelegt warden, ob die C-Taste der Fernbedienung, die ab Werk zur Steuerung der Rauschunterdrückung dient, für die Sprachassistenten Google Assistant oder Alexa genutzt werden soll?

Neben diesen Einstellungen können hier die Kopfhörer für die Nutzung von 360 Reality Audio ein entsprechendes Setup durchlaufen, um den bestmöglichen Klang zu erzielen. Es gibt in der App eine kurze Demo zu diesem Klangerlebnis, das wirklich beeindruckend ist. Bei 360 Reality Audio bekommt man das Gefühl, gerade auf einem Livekonzert zu sein, da der Klang scheinbar von überall kommt und sogar wandert, sobald man den Kopf bewegt.

Leider ist dieses Feature nur nutzbar, wenn man einen Streaminganbieter nutzt, der dieses Feature auch anbietet, beispielsweise deezer oder Tidal. Beide Abos kosten jedoch monatlich knapp 20€, was aus meiner Perspektive ein ziemlich zorniger Preis dafür ist, dass man Musik mit einem Bonus hören kann. Ein Spotify Abo ohne dieses Extra kostet die Hälfte.

Glücklicherweise lässt sich aber auch ohne ein solches Abo eine Menge aus den Kopfhörern rausholen. Die Equilizereinstellungen bieten eine Vielzahl von Klangprofilen und auch die Möglichkeit, eigene Profile zu erstellen und zu speichern. Über die App werden auch eventuelle Softwareupdates für die Kopfhörer angezeigt und installiert.

Für den Test der Sony WI-1000XM2 werden diese kurzerhand zu meinem Alltagsbegleiter. Die erste Benutzung findet also an einem Montagmorgen auf dem Weg ins Büro statt. Das Koppeln per Bluetooth funktioniert problemlos und schnell. Der Silikonbügel liegt angenehm im Nacken und auch die In-Ears haben eine gute Passform und sitzen sicher. Während meines Tests habe ich die normalen Silikonstöpsel verwendet.

Über Spotify habe ich auf meinem Weg die „This is David Bowie“ Playlist spielen lassen. Schon auf dem Weg zur Wohnungstür meldeten sich die Kopfhörer mit einem sanften Hinweiston um anzuzeigen, dass meine Bewegungen erkannt wurden und nun in einen anderen ANC Modus umgeschaltet wird. Während dieser Ton erklingt wird für eine kurze Zeit die Musik etwas leiser und kehrt nach Ende des Hinweises wieder zur ursprünglichen Lautstärke zurück.

Auf dem Weg zur U-Bahn waren so Umgebungsgeräusche gedämpft, aber nicht komplett unterdrückt. Das ist in meinen Augen wichtig, da man seine Umwelt noch wahrnimmt und nicht versehentlich vor einen fahrenden Bus läuft. In der Bahn selbst hat es dann ein wenig gedauert bis der Hinweiston wieder ertönte und die Kopfhörer in den Noise Cancelling Modus „Transport“ wechselten. In diesem Modus herrscht maximale Geräuschunterdrückung. Es ist faszinierend – auch wenn die Bahn voll ist, bekommt man nichts von den anderen Fahrgästen mit. Lediglich die Warntöne der Bahn beim Schließen der Türen sind leicht zu hören, was aber auch davon abhängt, welche Musik man gerade in welcher Lautstärke hört.

Alles in Allem hat mir die adaptive Geräuschunterdrückung gut gefallen, auch wenn sie auch manchmal etwas länger gebraucht hat um zu erkennen, dass ich mich gerade in öffentlichen Verkehrsmitteln befinde.
Sony hat hier beim ANC wirklich gute Arbeit geleistet. Ich hatte nicht den Eindruck, dass das Noise Cancelling die Klangqualität mindert bzw. die Musik dumpfer klingen lässt, wie ich es leider schon bei anderen Kopfhörern erleben musste. Außerdem war ich überrascht, dass die adaptive Geräuschunterdrückung auch dann gut funktioniert, wenn man eine Mütze trägt und die In-Ears somit von dieser verdeckt werden.

Ich befand mich während meines Tests die ganze Zeit auch eher im unteren Bereich der Lautstärkeeinstellungen. Dass trotz der eher geringen Lautstärke nur wenig bis kein Lärm aus der Umgebung zu mir durchgedrungen ist, hat mich sehr positiv überrascht.

Der Klang der WI-1000XM2 hat mich förmlich umgehauen. Beim Intro von David Bowies Station to Station hatte ich den Eindruck, dass da tatsächlich eine Dampflock auf mich zufährt! Im Intro zu Pink Floyds High Hopes schaute ich mich etwas verwirrt nach einer Kirche und ihrer läutenden Glocke um, obwohl ich in der U-Bahn stand. Es gab während der ausgiebigen Testphase zahlreiche Situationen, in denen Geräusche scheinbar unmittelbar neben mir ihren Ursprung fanden, obwohl es doch bloß Songelemente waren.

Wohlgemerkt habe ich diesen Eindruck gewonnen, obwohl ich nicht die 360 Reality Audio Option nutzen konnte. Der Klang in Mitten und Höhen war zu jeder Zeit glasklar und auch der kraftvolle Bass hat mich positiv überrascht. Ich hatte nicht damit gerechnet, selbst bei so hochwertigen In-Ear Kopfhörern ein an Over-Ear Kopfhörer erinnerndes Klangergebnis zu erzielen. Somit kann ich sagen, dass der Werbespruch auf Sonys Produktseite der Kopfhörer, „Musik.Sonst nichts.“ zu 100% zutreffend ist.

Aber bei den Sony WI-1000XM2 geht mehr als nur Musik. Während einer längeren Zugfahrt habe ich über Amazon Prime die BBC Serie „Taboo“ gestreamt. Auch hier war ich vom Klangbild absolut begeistert. Die dunkle Stimmung der Serie hüllt mich durch den wuchtigen Sound vollkommen ein. Das nahezu perfekte Noise Cancelling tut sein Übriges. Man taucht ganz und gar in die Serie ein und kommt sich ein bisschen vor wie ein unsichtbarer Beobachter, der dem Protagonisten der Serie auf Schritt und Tritt folgt. Manchmal hatte ich sogar den Eindruck, dass die unheimlichen geisterhaften Stimmen, die die ganze Serie über zur Hauptfigur sprechen, auch mir etwas ins Ohr flüstern würden.

Als der Fahrkartenkontrolleur vor mir stand, erschrak ich sogar, da ich ihn aufgrund des ANC nicht bemerkt hatte. Auch das Kindergeschrei aus den Familienabteilen, welches mich üblicherweise immer in den Wahnsinn treibt, war diesmal nicht im Geringsten zuhören.
Auch hier komme ich zum gleichen Ergebnis wie schon beim Musiktest: Dinge, die man von außerhalb nicht hören möchte, existieren nicht, solange das Noise Cancelling der WI-1000XM2 aktiviert ist. Es sei denn, man erlaubt es durch eine entsprechende manuelle Regulierung der Geräuschunterdrückung.

 

Fazit:

Auch wenn der Preis der Kopfhörer erst einmal abschreckt – es sind ja „nur“ In-Ears – lohnt sich diese Investition aus meiner Sicht absolut. Auch ohne ein einzusprechendes Abonnement um 360 Reality Audio nutzen zu können, kann man eine Menge aus den WI-1000XM2 herausholen, da die kostenlose App zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten bietet, um den Klang (natürlich subjektiv) maximal zu verbessern und auf das individuelle Hörvermögen anzupassen.

Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann sind es die fehlenden Warnhinweise, wenn der Akku zur Neige geht. Zwar kann man durch kurzes Drücken der Standby Taste eine Ansage des aktuellen Akkustandes auslösen oder auch über die Sony Headphones Connect App diesen abfragen, von selbst meldet sich der Kopfhörer allerdings erst, wenn der Akku wirklich leer ist und sich das Gerät abschaltet. Dieses Manko ist aber vermutlich etwas, das Sony ganz einfach mit einem entsprechenden Softwareupdate beheben könnte.

Ansonsten habe ich während der gesamten Testdauer nichts zu beanstanden gehabt. Da ich die Kopfhörer auch beim Sport getestet habe, kann ich sagen, dass sie nicht nur zu Hause, im Büro oder auf dem Weg dorthin verwendbar sind. Durch den Silikonbügel liegt der Kopfhörer komfortabel und sicher dort, wo er sein soll. Das Klangbild ist für die kleine Bauform wirklich überragend und kann mit Over-Ear Kopfhörern durchaus mithalten, auch wenn natürlich nicht immer alles so voluminös klingt, wie es vielleicht mit Over-Ears klingen würde. Aber das ist selbstverständlich auch der Bauform geschuldet und sollte daher nicht als Manko wahrgenommen werden. Von mir gibt es daher eine klare Kaufempfehlung für diese Kopfhörer.

 

 

Link zur Herstellerseite: Sony WI-1000XM2

weitere In-Ear Tests:

 

 

 

 

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2 Comments

  1. Wie sieht es denn mit der Headset-Qualität aus, also das Verhalten beim Telefonieren?

    1. Die Sprachqualität ist sehr gut. Normal beschwerten sich Gesprächspartner immer bei Telefonaten über Headset, nicht so bei den WI-1000XM2. Dadurch dass die Kabel vom Nackenbügel zu den In-Ears eine recht übersichtliche Länge haben, ist die Fernbedienung mit dem integrierten Mikro auch die ganze Zeit auf einer guten Höhe ohne, dass man das Gabel die ganze Zeit festhalten oder Richtung Mund halten muss.

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