Hardwaretest: Sennheiser GSP 500 – die offene Creme de la Creme des Gaming

Sennheiser ist ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Wedemark-Wennbostel, das seit der Gründung 1945 im Bereich der Audiotechnik tätig ist. Eine Firma, die bekannt ist für hohe Qualität, gutes, modernes Design und überragenden Sound. Einem derartigen Ruf immer wieder gerecht zu werden ist nicht einfach, trotzdem hat es Sennheiser irgendwie geschafft, das  Gaming-Headset neu zu erfinden.

Seit neustem in ihrem Repertoire: Der GSP 500. Dieses ist der kleine Bruder vom GSP 600, der sich nur leicht in Sachen Design vom 500er zu unterscheiden scheint. Der signifikante Unterschied liegt jedoch in der Akustik, denn der GSP 500 ist, im Gegensatz zum älteren Modell, offen. Differenzen in der Qualität oder der Verarbeitung gibt es nicht.

Man sagt, der erste Eindruck zählt und dieser entsteht nicht erst bei der Soundqualität und genauso wenig bei der Verarbeitung, sondern er beginnt vielmehr bereits beim Karton. Dieser ist robust und relativ schlicht gehalten, wie man es von solch einen High-Tech-Gerät erwarten würde. Der Kopfhörer sah bereits auf den Bildern modern aus, als ich ihn dann endlich in der Hand hielt, verstärkte sich dieser Eindruck um ein vielfaches. Alle Materialien fühlen sich hochwertig an und die Strukturen sind unglaublich detailreich gefertigt.

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Den GSP 500 gibt es nur in der Farbausführung schwarz, die Ohrmuscheln und das Mikrofon sind mit  leichten roten und silbernen Akzenten versehen. Auch wenn Äußerlichkeiten immer eine Sache des persönlichen Geschmacks sind: Ich liebe das Design des Headsets. Die Farben und Formen sind stimmig und liegen genau auf dem schmalen Grad zwischen „zu minimalistisch“ und „zu ausgefallen“.

Der GSP 500 ist aus erstklassigem Kunststoff gefertigt und alle Drehscharniere wie z.B. das des Mikrofons oder des Lautstärkerads fühlen sich hochwertig an und leisten genau die richtige Dosis an Widerstand. Auch die kleinen Gelenke, die den Kopfbügel mit den Muscheln verbinden, sorgen dafür, dass sich der Schaumstoff mit genau dem richtigen Kraftaufwand gegen die Schläfe presst.

Im Lieferumfang sind zwei AUX-Kabel enthalten, eins für den PC und eins für alle anderen Geräte, wie Handy oder Konsole. Beide sind mit einem Gewebemantel umgeben der dafür sorgt, dass sich die Kabel nicht ganz so leicht verknoten, wie es zum Beispiel bei Gummi der Fall ist.

Aus designtechnischer Sicht gibt es eigentlich nichts auszusetzen – bis ich das erste Mal mit dem GSP 500 auf den Ohren vor einen Spiegel trat. Jede von mir als Model ausgewählte Person sah mit den Kopfhörern eher unschön aus und  das liegt schlicht und ergreifend an den riesigen Lücken zwischen Schläfen und Bügel auf beiden Seiten.

Da man das Headset in den meisten Fällen jedoch nur sieht, wenn man es nicht gerade trägt, sollte dieser Umstand für jeden, der nicht vorhat mit dem gigantischen Gestell unter Leute zu gehen, kein Problem darstellen.

Eine der großen Stärken des Headsets ist eindeutig der Tragekomfort. In dieser Sektion lässt Sennheiser andere Kopfhörer, wie die hier getesteten Turtle Beach Stealth 700 oder RAZER Kraken Pro V2 wirklich alt aussehen.

Der GSP 500 fühlt sich zwar im ersten Moment nicht ganz so weich an wie mein absoluter Favorit Razer in Sachen Komfort, ist aber mit der genialen Funktion ausgestattet, den Druck auf beiden Ohren individuell einstellen zu können. Die Kraft, die auf den Kopf ausgeübt wird, lässt sich über zwei Regler auf der Oberseite des Kopfbügels regulieren, die über fünf Intensitätsstufen verfügen.

Auf der linken Muschel ist ein Lautstärkeregler, auf der Rechten das Mikro angebracht, das sich automatisch mutet, sobald man es hochklappt. Und dies ist eine wirklich coole Funktion, denn wie oft wird man kurz unterbrochen und sucht verzweifelt irgendwelche Knöpfe zum Stummschalten, um die Online-Mitspieler nicht am Privatgespräch teilhaben zu lassen. Hier wird das Mikro kurz hochgeklappt und schon herrscht Ruhe am anderen Ende der Leitung.

Sprache gibt das Mikrofon des GSP 500 jederzeit klar und verständlich weiter, ich wurde immer gut verstanden und es gab weder bei TeamSpeak noch im PS4-Chat irgendwelche Verständnisprobleme. Das Mikrofon ist lediglich nicht so überragend, wie ich es mir anhand der Aussage Sennheisers erhofft hatte – kristallklar, wie auf der Sennheiser Website beschrieben – ist offenbar eine Sache der Definition.

Die nächste Überraschung gab es dann, als ich den AUX-Anschluss in mein Handy steckte, um Musik zu hören. Was man normalerweise von einem Gaming-Headset erwartet, sind hochgeschraubte Bässe für ein epischeres Erlebnis, niemand würde hinter der Fassade eines solchen Geräts den klaren Sound eines Studiokopfhörers erwarten.
Dennoch weist der GSP 500 zu eben diesen, im Hinblick der Audioqualität, mehr Ähnlichkeiten auf, als zu anderen Gaming-Headsets. An dieser Stelle erkennt man sehr deutlich, dass Sennheiser nicht in erster Linie auf Gaming-Equipment, sondern auf Premium-Audio spezialisiert ist.

Ob man so etwas gut oder schlecht findet, muss jeder für sich selbst entscheiden, mir persönlich ist der Klang auch außerhalb des Gaming wichtig.

Und an dieser Stelle gab es die nächste Überraschung für mich. Im Laufe vieler Runden Battlefield I, Overwatch und Tom Clancy’s Rainbow Six: Siege wurde folgendes klar: In Spielen wie Overwatch, in dem vielschichtige Geräuschkulissen nicht im Vordergrund stehen, schneidet der GSP 500 nicht merklich besser ab, als die Konkurrenz.

Zwar ist das Sounddesign in Overwatch sehr gut gelungen, die Geräuschszenerie besteht jedoch nicht aus vielen einzelnen Teilen, sondern ist meistens sehr monoton. Entweder steht gerade der Kommentar eines Helden im Vordergrund oder ein bis zwei Waffen feuern gleichzeitig. Es kommt aber nur höchst selten vor, dass sich die Geräuschkulisse aus vielen kleinen Effekten zusammen setzt. Der Sennheiser scheint hier schlicht und ergreifend mit der mangelnden Soundkulisse unterfordert.

Die Stärken des Sennheisers liegen also offenbar nicht darin, einen einzelnen Klang prachtvoll darzustellen, sondern vielmehr darin, Ordnung in das Chaos der Hinter- und Vordergrundgeräusche zu bringen.

Denn bei Spielen, wie z.B. Battlefield I liegt der Fokus primär auf intensiven Eindrücken, wie lauten Explosionen gepaart mit vielen weiteren Nebengeräuschen, die zusammen ein gigantisches Klangbild erzeugen, bei dem aber Geräusche und Effekte zu oft ineinander übergehen und der Klang dann verwaschen wird.

Gerade wenn die Geräuschkulisse vielschichtiger wird, wenn man meint, den Dreck unter den schweren Stiefeln eines Operators in Rainbow Six knirschen zu hören, bemerkt man erst, wie detailreich der GSP 500 die virtuelle Welt wiedergibt. Es ist einfach verblüffend, was man mit einem wenig Konzentration auf das Geschehen am Bildschirm alles wahrzunehmen in der Lage ist.

Man hat das Gefühl, dass die kleinen, unscheinbaren Geräusche hinter den lauten, bassreichen Klängen hervortreten und genauso intensiv auf das Ohr treffen – sei es das laute Geräusch der Ketten eines Panzers, das Einrasten eines Magazins in ein Sturmgewehr oder das leise, leicht sirrende Geräusch, wenn man ein Messer aus seiner Scheide zieht.

Keiner der genannten Soundeffekte wäre mir vorher so intensiv aufgefallen, bei anderen Headsets sind diese einfach in der Vielzahl an anderen Lauten untergegangen.

 

Fazit:

Sennheiser bringt mit dem GSP 500 und seiner offenen Bauweise die Crème de la Crème des Gaming-Headset auf den Markt. Schon beim Auspacken war klar, dass hier an keiner Stelle gespart wurde. Weder bei der Verarbeitung, noch bei der Soundqualität gibt es irgendwelche Mängel. Jedes Bauteil macht einen hochwertigen Eindruck und ist auf Langlebigkeit beim Gaming ausgelegt.

Ich habe mein neues Lieblings-Gaming-Headset gefunden, denn so viele kleine Effekte, die sonst im Eifer des Gefechtes bei einem Spiel einfach untergehen, konnte ich bisher noch nicht explizit wahrnehmen. Jedes Spiel wird hier noch einmal um Nuancen verbessert, die aber eben das große Ganze ausmachen.

Etwas negatives ist an dem Gerät nicht zu bemängeln, einzig und allein den Platz zwischen Schläfe und Bügel hätte ich verringert – aber das ist ein optischer Eindruck, der lediglich mir auffallen mag.

 

Link zur Herstellerseite: Sennheiser GSP 500

Quelle Fotos: Produktfotos Sennheiser

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