Jahrelang ging der Trend zu hochkomplexer Technik, immer mehr Funktionen waren Pflicht, wollte man als Hersteller von Sound weiterhin vorne dabei sein. Moderne AV-Receiver sind inzwischen regelrecht überfrachtet mit Fähigkeiten, von denen man etliche jedoch noch nie genutzt hat. Dazu kommen Apps, die aufgrund des Funktionsumfangs der Geräte ihre Übersichtlichkeit schon im Startbildschirm vollkommen verlieren. In letzter Zeit ist jedoch eine Umkehr festzustellen. Statt eines umfangreichen Heimkinosystems greifen die Käufer vermehrt zu einfach einzurichtenden Soundbars mit überschaubarem Funktionsumfang. Der Trend geht wieder hin zur simplen Ein-Knopf-Bedienung. Und ein solches Gerät ist auch das Roberts Rambler BT – ein Radio, wie man es von früher kennt.

Das Radio hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Schon am 22. Dezember 1920 wurde in Deutschland durch den Sender Königs Wusterhausen die erste öffentliche Rundfunkübertragung eines Weihnachtskonzerts gestartet. Da Radioempfänger zu dieser Zeit fast unbezahlbar waren, wurde vom aufstrebenden NS-Regime 1933 zu Propagandazwecken der preiswerte Volksempfänger entwickelt. Ab 1949 startete der UKW-Empfang und so kamen ab diesem Zeitpunkt entsprechende Geräte auf den Markt. Noch heute ist UKW das Maß der Dinge, auch wenn seit 1986 maßgeblich unter Federführung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland der digitale Standard DAB+ versucht wird, zu etablieren. Aber dazu später mehr.

Philips Philetta BD254U – Quelle Wikipedia

Auf eine ähnliche Historie blickt Roberts Radio zurück. Bereits 1932 wurde die Firma von Harry Roberts und Leslie Bidmead gegründet und schnell setzten die tragbaren Geräte einen neuen qualitativen Maßstab. Selbst durch Rückschläge wie die Umlegung der Fertigung während des zweiten Weltkriegs und die kurzzeitige Umstellung auf Morsegeräte, sowie die Konkurrenz preiswerter Radios aus Japan in den 1980er Jahren ließ sich Roberts nicht vom einmal eingeschlagenen Weg abbringen. Bis heute behauptet man sich deswegen am Markt. Eine besondere Ehre wurde Roberts Radio 1955 zuteil. Seitdem darf man sich mit dem Titel „Manufacturer and supplier of radio receivers to Her Majesty The Queen and HRH the Prince of Wales“ schmücken. Man ist also Königlicher Haus- und Hoflieferant in Sachen Radio. Seitdem schmückt auch das Königliche Wappen das Roberts Firmenlogo.

Zurück in die Gegenwart. Hier im Hause gab es immer wieder Diskussionen mit der Frau an meiner Seite. Zu viel großartige und teure Technik, zu komplizierte Bedienung derselben. Morgendliches Radio hören wurde manchmal zur emotionalen Achterbahnfahrt, weil sich im Laufe der Nacht wieder einmal der AV-Receiver, der Streamer oder der simple MusicCast Lautsprecher aus dem heimischen Netzwerk verabschiedet hatten und somit kein Internet-Radio zu empfangen war. Selbst das Streamen von Internet-Radio über Bluetooth vom Handy an den Lautsprecher artete manchmal in einen Drahtseilakt aus. Dementsprechend getrübt war an einigen Tagen die Laune bereits am frühen Morgen, weil sich eben nicht jeder Mensch mit umfangreicher und komplizierter Technik auseinandersetzen kann oder mag. Es musste also eine Lösung her und zwar eine, bei der nur ein Knopf zu drücken ist damit der Lieblingssender empfangen werden kann, weg von komplizierter Technik und Bedienung über das Handy.

Retro ist das neue Modern

Bereits bei den Norddeutschen HiFi-Tagen 2019 in Hamburg fielen uns die im retro-Design ausgestellten Radios der Firma Roberts ins Auge. Leider entwickelte sich zu diesem Zeitpunkt aus einem langen Gespräch noch keine Zusammenarbeit mit Roberts. Und aus den Augen, aus dem Sinn, auch der Kauf eines solchen Radios wurde immer wieder verschoben oder vergessen. Aber manchmal spielt einem die Zeit in die Karten, denn nun steht hier endlich das von meiner besseren Hälfte ersehnte und inzwischen heißgeliebte Roberts Rambler BT für einen ausgiebigen Test.

Schon das Auspacken lässt uns in der Zeit zurückreisen. Ist das Rambler BT aus dem Karton, steigen sofort nostalgische Gefühle in mir auf. Solch ein Radio hatte ich in meiner Kindheit mit im Strandbad Wannsee oder Plötzensee in Berlin, natürlich batteriebetrieben. Weil an Akkus noch nicht zu denken war, gehörten selbstverständlich auch immer Ersatzbatterien mit in die Tasche. Auch das Rambler BT kann wahlweise über Netzstecker oder Batterie betrieben werden. Das Design nimmt uns auf Anhieb mit. Wenige Tasten, zwei Drehregler für Sender und Lautstärke sind alles, was dieses Gerät benötigt.

Dazu kommt die so klassische, ausziehbare Stabantenne auf der Rückseite. Damals wie heute muss man aufpassen, dass man bei ausgezogener Antenne keine Hängelampen touchiert. Die Antenne selbst hat eine Länge von 75 Zentimetern, die Gesamthöhe inklusive Rambler beträgt dann stolze 84 Zentimeter. Und dann dieses Design – pastellfarbene Kunstlederapplikationen an der Front und der Rückseite, vorn unterbrochen von den silbernen Lamellen für den Lautsprecher, Holz-Imitat an den Seiten und der so coole Tragegriff lassen die 70er Jahre in wenigen Augenblicken wieder aufleben. Die Verarbeitung ist dabei einwandfrei, es gibt keine Kanten und Ecken, alles ist harmonisch abgerundet. Das nennt man dann wohl Liebe auf den ersten Blick.

Aber das war es dann auch mit der Liebeserklärung an längst vergangene Zeiten, denn im Inneren des kleinen Schmuckstücks steckt modernste Technik. Das Rambler wurde bereits 1970 von Roberts Radio auf den Markt gebracht, heute muss ein Radio auf der technischen Höhe der Zeit sein. So befindet sich auf der Oberseite statt der analogen Senderanzeige ein digitales LCD-Display in strahlendem Blau. Längere Texte werden dabei auf den acht möglichen Zeichen als Laufschrift dargestellt, was das Lesen jedoch teilweise etwas anstrengend macht. Da Bluetooth heute bei so gut wie allen Geräten, die Sound ausgeben können, einfach dazugehört, ist auch das Rambler BT damit ausgestattet. So lassen sich auch die Playlists vom Handy auf dem Radio abspielen. Aber auch die klassischen Anschlüsse wurden nicht vergessen. So verfügt das kleine Radio über einen AUX-Eingang, auch ein Kopfhörer-Anschluss wurde nicht vergessen. Für diesen steht sogar gesondert ein Stereo-Modus zur Verfügung. Der interne Mono-Lautsprecher hat einen Durchmesser von 76 Millimetern und leistet eine Ausgangsleistung von 2 Watt.

Funktionsumfang auf hohem Niveau

Wer denkt, dass ein Radio auf simplen Knopfdruck funktioniert, liegt damit vollkommen richtig. Anschalten und schon erklingt der Lieblingssender. Um mehr geht es eigentlich nicht, Purismus in seiner reinsten Form. Und dennoch kann das Roberts Rambler BT so viel mehr. Den automatischen Sendersuchlauf mittels eines Motors und Stationstasten zur Speicherung seiner beliebten Sender gab es vereinzelt schon vor dem 1940, das Roberts ist selbstverständlich auch damit ausgestattet. So stehen für den UKW und DAB Empfang jeweils 10 Speicherplätze zur Verfügung. Einfach den entsprechenden Lieblingssender auf einen der Plätze ablegen und zum Wechsel der Station die Taste Preset drücken. Der Drehregler für das Tuning ruft nun nacheinander alle gespeicherten Sender auf. Die letzte gehörte Station bleibt übrigens auch nach dem Ausschalten aktiv und steht nach dem erneuten Anschalten sofort wieder zur Verfügung. Alle dazu wichtigen Informationen bietet das Display.

Dieses Display ist allerdings Geschmackssache. Ich persönlich finde das intensive Blau ziemlich aufdringlich und dem Design nicht wirklich angepasst, aber zum Glück lässt sich die Anzeige in vier Stufen dimmen. So steht die Anzeige bei mir auf LOW und trotzdem ist damit noch alles lesbar. Diese Einstellung ist übrigens auch zu bevorzugen, wenn das Radio im Schlafzimmer auf dem Nachttisch steht. Ist das Display nicht gedimmt, kann man aufgrund der Helligkeit der Anzeige auch nebenbei fast ein Buch lesen. Diese Anzeigen informieren dann tatsächlich auch über alles von der simplen Uhrzeit als Standardeinstellung bis hin zu ausgiebigsten Informationen bei DAB-Stationen. Neben der Frequenz, der Signalstärke und dem gewählten Modus sind bei einigen Sendern neben dem Titel und dem Interpreten auch die Website und die Telefonnummer abzurufen. Dies ist einer der Vorteile beim digitalen Radio-Empfang. Alle aufgerufenen Anzeigen verschwinden nach 10 Sekunden Inaktivität wieder und das Rambler BT wechselt dann wieder zur Uhrzeit.

Das Zauberwort heute ist Mobilität. Ich möchte meine Musik da hören, wo ich mich gerade aufhalte. Das ist mit der Anschaffung zahlreicher, zum Teil wenig mobiler Multiroom-Lautsprecher eine kostspielige Angelegenheit, das Roberts Rambler BT nehme ich aufgrund der Größe von 20 x 7 x 11,5 Zentimetern und einem Gewicht von nur 766 Gramm einfach so mit. Wie es der Name sagt, wird das Rambler damit zum Wanderer zwischen den Räumen – morgens Badezimmer und Küche, nachmittags Wohnzimmer und abends Schlafzimmer, alles kein Problem. Für den Nachttisch verfügt das Rambler BT über zwei verschiedene Weckzeiten. Möchte ich das Rambler außerhalb der eigenen Wände fernab jeglicher Stromzufuhr nutzen, steht ein Batteriefach für vier LR14 Größe C Batterien zur Verfügung. Allerdings habe ich die Länge der Spieldauer dann hier im Batteriebetrieb nicht getestet.

Das Rambler BT ist keine Roberts Neuerscheinung, neu hingegen ist jedoch Bluetooth. Leider unterschlägt die Anleitung hier einen wichtigen Punkt beim Verbindungsaufbau. Das Pairing mit der Bluetooth-Taste funktioniert nur, wenn man vorher tatsächlich in den entsprechenden Modus gewechselt ist. Danach ist das Pairing aber eine Sache weniger Sekunden, bis sich Zuspieler und Radio gefunden haben. Klasse gelöst ist dann die Steuerung der Playlist, denn diese muss nicht zwangsweise vom Handy oder Tablet aus erfolgen, auch das Rambler BT beherrscht das Pausieren und Starten von Songs sowie den Titelsprung in beide Richtungen. Hier übernimmt das Tuning-Rad alle Funktionen, drücken stoppt oder startet einen Titel, drehen springt zum nächsten oder letzten Titel.

klangliche Eigenschaften

Bei Musik gibt sich das Roberts Rambler BT alle Mühe. Aber hier muss man dann doch mit den technischen Einschränkungen des kleinen Lautsprechers leben, wenn man sonst seine hochwertige digitale Musik über Tidal oder analog von Vinyl über die High-End-Anlage und zahlreiche hochwertige Multiroom-Speaker bezieht. Es ist ein kleines Radio mit einem Mono-Speaker bei 2 Watt Ausgangsleistung und mehr geht nicht. Dennoch ist die Musik-Wiedergabe erstaunlich kräftig, klar und dynamisch, wenn man das Radio eben als solches betrachtet, was es ist: Ein kleines mobiles Wiedergabegerät für die Songs nebenbei und eben keine teure und hochwertige HiFi-Anlage für den intensiven Musik-Genuss auf dem Sofa. Und dafür macht es seinen Job hervorragend.

Selbstverständlich funktionieren nicht nur die klassischen Streaming-Dienste. Als Fan von Hörbüchern musste natürlich auch die Wiedergabequalität von audible getestet werden. Nichts ist nerviger als zischelnde S-Laute oder sogar latent vorhandenes Lispeln bei reiner Sprachausgabe. So stand das Rambler abends statt meines Tablets auf meinem Nachttisch. Auch hier gibt sich das Rambler keine Blöße, egal welcher Sprecher oder bei verstellter Stimme auch in verschiedenen Tonlagen, die Sprache bleibt selbst bei geringer Lautstärke klar und verständlich.

abschließende Gedanken zu DAB

Seit Jahren wird der Ausbau des digitalen Radionetzes forciert – parallel zum immer noch vorhandenen UKW-Empfang und auch dem Internet-Radio. Der Gedanke dahinter war einmal zumindest bei den Autoradios großartig. Ich stelle meinen Berliner Lieblingssender Star FM ein und höre diesen während der Fahrt von Hamburg bis München durchgängig. Schön wäre das gewesen, wenn sich die Sendeanstalten nach Jahren des Hick-Hacks endlich einmal über die Netzabdeckung einig wären. Dabei werden die Öffentlich-Rechtlichen Anstalten sogar über die Haushaltsabgabe finanziert, während private Sender zum Teil große Verluste einfahren, die sie selbst tragen müssen.

Auch trotz DAB ist schon wie bei UKW kurz hinter der Berliner Stadtgrenze Schluss mit dem Empfang. Und das obwohl seit Anfang diesen Jahres DAB für alle neuen Autoradios Pflicht ist. Auch stationär sollte der interessierte Radio-Hörer alle möglichen Sender empfangen können. Aber auch das bleibt weiterhin Wunschdenken, denn selbst hier bei mir knapp 50 Meter nördlich von Berlin bekomme ich zwar digitale Sender angezeigt, der Empfang ist jedoch nicht bei allen möglich. Das Rambler BT zeigt dann hier dann OFF AIR an, was nichts weiter bedeutet, als dass der Sender nicht empfangen werden kann. Und das war sicher nicht der Sinn hinter DAB. Inzwischen ist es soweit, dass zahlreiche private Sender wieder aus dem DAB-Verbund aussteigen und vermehrt auf den Empfang über Internet und auch entsprechende Apps setzen.

Aber das ist kein rein deutsches Problem, auch international gibt es unterschiedliche Verhaltensweisen. Während sich der digitale Empfang in Großbritannien auch aufgrund einer vollkommen anderen und erfolgreicheren Radio-Landschaft immer größerer Beliebtheit erfreut, steigt Nachbar Irland aus DAB aus. Ähnliches gilt für Finnland, auch hier ist DAB kein Thema (mehr), während der Nachbar Norwegen voll darauf setzt und dafür weitestgehend UKW abgeschaltet hat. Soweit dann wieder einmal zur Einigkeit in der Europäischen Union – auch wenn Großbritannien nicht mehr dazugehört. Bleibt zu hoffen, dass hier nicht Millionen für eine digitale Totgeburt in den Sand gesetzt werden.




Fazit:

Wir sind uns hier zu Hause einig:
Geht es um die reine Zuführung von Informationen und die im Hintergrund spielende Musik, ist das Roberts Rambler BT ein wirklich simpel zu bedienendes Gerät für alle, die keine Lust auf oder die Fähigkeiten für die große Technik haben. Das Radio ist mobil, spielt in dem Raum, in dem es gerade benötigt wird und ist aufgrund von Größe und Gewicht überall hinzustellen. So wird also die Frau an meiner Seite jetzt immer lieber das kleine Rambler BT nutzen, statt sich mit meiner komplexen Technik von Receiver, Streamer und Multiroom-Speakern auseinander zu setzen. Das darf auch gerne so sein, denn auch wenn ich meine Musik lieber in bester Qualität höre, so hat mich das Radio optisch komplett mitgenommen.

Das Design des kleinen Rambler BT ist eine Zeitreise in die Vergangenheit bei heute bestmöglicher Technik. Pastellfarbenes Kunstleder, der fast schon kitschig anmutende Tragegriff und die immens lange Antenne lassen längst hinter sich gelassene Erinnerungen wieder aufleben. Das kleine Radio ist die pure Nostalgie für alle, die eben in jener Zeit groß geworden sind oder solche, die Fans von klassischem Design sind.
Auf mich trifft beides zu.


Link zum Hersteller: Roberts Rambler BT







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