Hardwaretest: Pioneer VSX-933 – Funktionen satt schon in der Mittelklasse

Durch einen glücklichen Zufall bekam ich im letzten Jahr auf der IFA Kontakt zu Pioneer. Einige nette und ausführliche Gespräche später steht hier mit dem VSX-933 Pioneers Auftakt in die neue Saison. Und das es nicht immer ein Heimkino-Schwergewicht sein muss, sondern dass durchaus bezahlbare AV-Receiver ebenfalls schon mit zahlreichen Funktionen ausgestattet sein können, zeigt der mit allen Streaming Wassern gewaschene VSX-933.

Denn Streaming ist momentan das Nonplusultra in Sachen Musik. Wer die Aufmerksamkeit des Käufers möchte, muss dafür sorgen, dass sein Gerät Musik kabellos von A nach B und sogar vielleicht auch noch nach C transportiert. Profanes Bluetooth reicht dafür aber schon lange nicht mehr. Die aktuellen Streamingdienste haben Millionen von Songs im Angebot und die wollen schließlich alle irgendwann gehört werden.

Hält man den VSX-933 also das erste Mal in den Händen, springt dann auch sofort der gewaltige Aufkleber an der Front ins Auge. Sollten noch Fragen offen gewesen sein, was der kleine Receiver zu leisten in der Lage ist, werden diese augenblicklich vom Tisch gewischt. Alle bekannten und namhaften Anbieter digitaler Musik sind aufgeführt und werden unterstützt. Dazu kommt mit Flare Connect der von Pioneer und Onkyo weiterentwickelte Multiroom-Dienst und mit DTS Play-Fi ein Service, der Musik an Play-Fi fähigen Geräte verschiedener Hersteller überträgt. Allerbeste Voraussetzungen also für den Musikfan.

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Schon beim Auspacken macht der VSX-933 eine wirklich gute Figur. Wahlweise in silber oder schwarz erhältlich, erscheint die Front übersichtlich und aufgeräumt, alles ist einwandfrei verarbeitet. Zwei große Drehregler für die Wahl der zahlreichen Eingänge und der Lautstärke sorgen für optisches Gleichgewicht, dazwischen liegt das große und immer gut lesbare Display mit zahlreichen Anzeigen für ausgewählte Funktionen. Unter diesem befinden sich fünf kleine Knöpfe für verschiedene Wiedergabemodi von Stereo oder Pure Direct für die Musikwiedergabe bis hin zu verschiedenen Klangmustern für TV, Film oder Gaming. Dazu kommen Eingänge für Kopfhörer, AUX, USB oder das Messmikrofon für die Lautsprechereinrichtung.

So gut wie jeder Zuspieler verfügt heute über einen HDMI-Anschluss. Daher spendiert Pioneer dem kleinen Receiver gleich sechs dieser Eingänge mit HDMI 2.2. Damit der Filmfan auch das volle Potential ausnutzen kann, unterstützen alle HDMI-Eingänge 4k | 60p | 4:4:4 | 24bit mit Dolby Vision, HDR10 und HLG. Der VSX-933 ist somit nicht nur für die aktuellen, sondern auch für alle zukünftigen TV-Geräte und deren Bildformate bestens ausgerüstet. Der HDMI-Ausgang ist selbstverständlich ARC-fähig, so dass Ton vom TV über die am Receiver angeschlossenen Lautsprecher und nicht über die dünnen TV-Boxen ausgegeben werden kann.

Aber auch bei allen weiteren Anschlüssen ist man großzügig. Vom Komponenten-Eingang über den optischen Eingang, einem Video-Eingang, einem coaxialen Eingang sowie fünf analogen Eingängen stehen Anschlüsse für alles bereit, was am VSX-933 betrieben werden möchte. Selbstverständlich gehört dazu in Zeiten des wiederkehrenden Vinyls auch der Phono-Anschluss für den jetzt wieder heißgeliebten Plattenspieler.

In Sachen Bild steht dem Heimkinofan mit der aktuellen Technik bei den HDMI-Eingängen das bestmögliche Signal zur Verfügung. Aber Bildsignale sind nur eine Seite der Medaille. Auch wenn HD sich inzwischen beim abendlichen TV-Programm durchsetzt, 4K eine immer größere Rolle spielt und neue Farbraumerweiterungen für immer schärfere, buntere und kontrastreichere Bilder sorgen, so ist die Entwicklung in Sachen Sound in den letzten Monaten doch mindestens ebenso spannend. Neue Tonformate wie DTS:X oder Dolby Atmos spielen bei Filmen, aber auch bei Videospielen eine immer größere Rolle. Waren bis vor Kurzem AV-Receiver mit 5.1 noch der Standard, wirken diese spätestens in diesem Jahr antiquiert. Bei Pioneer macht man schon beim Einstiegsmodell 2018 Nägel mit Köpfen und stattet den VSX-933 mit zahlreichen Anschlüssen und damit möglichen Boxenkonfigurationen aus, die im letzten Jahr nur höherwertigen und teureren Geräten vorbehalten waren.

Vom grundlegenden Stereo-Sound bis zum 7.1. oder 5.2.2 System ist alles möglich, denn selbstverständlich kann der VSX-933 auch Dolby Atmos und DTS:X. Die Anleitung ist beim Anschluss der Boxen eine echte Hilfe, denn jede einzelne Konfiguration wird ausführlich erläutert und anhand von Bildern dargestellt. Wer nebenbei auch noch im einem Nachbarraum Boxen betreiben möchte, erhält mit der zusätzlichen zweiten Zone dazu die Möglichkeit. Und auch Bi-Amping ist bei einem 5.1 System möglich.

Steht die hauseigene Boxenkonfiguration, begann vor nicht allzu langer Zeit jetzt erst die eigentliche Arbeit. Denn das manuelle Ausrichten der Boxen war mühselig und dauerte meist eine gefühlte Ewigkeit, bis der Klang den eigenen Ansprüchen genügte. Pioneer nimmt dem Besitzer des VSX-933 diese Arbeit ab. Mit der Einmessautomatik MCACC dauert das Konfigurieren des Klangs nur wenige Minuten. Dazu wird das Mikrofon ganz einfach am bevorzugten Sitz- bzw. Hörplatz positioniert. Die Automatik sendet Testtöne an jede angeschlossene Box und ermittelt so die Position und Größe eines jeden Lautsprechers.  Dabei werden auch ungünstige räumliche Gegebenheiten wie etwa eine nahe Aufstellung an der Wand berücksichtigt und korrigiert. Ist man mit dem Ergebnis dennoch nicht hundertprozentig zufrieden, lässt sich jeder Wert später im umfangreichen Menü noch einmal von Hand feinjustieren.

Das OnScreen Menü ist übersichtlich und ordentlich sortiert. Bereits in den Grundeinstellungen lässt sich so gut wie jede Funktion den eigenen Wünschen entsprechend einstellen. Sind nicht alle Eingänge belegt, so lassen sich nicht genutzte einfach ausblenden. Diese Eingänge werden dann beim Durchlaufen der verschiedenen Quellen erst gar nicht mehr angezeigt. Ist man mit der simplen Anzeige TV nicht einverstanden, so benennt man diese einfach um.

Steht das System zur eigenen Zufriedenheit, geht es an den ersten echten Soundcheck. Der VSX-933 läuft hier zum Test mit einer 5.1.2 Konfiguration, angeschlossen sind die Soavo von Yamaha und als zusätzliche Boxen für die Höhenkanäle die nubert nuLine RS-54. War es früher noch selbstverständlich, dass Musik Geld kostet – sei es das Medium selbst oder aber das System, auf dem Musik abgespielt wurde – so haben sich die Zeiten geändert. Musik ist ein preiswertes Massenprodukt geworden, dass jederzeit und überall von allen möglichen Endgeräten auf Boxen und Kopfhörer gebracht wird. Und dabei bleibt aufgrund von Datenkomprimierung allzu häufig der Klang auf der Strecke.

Die Lösung heißt immer häufiger D/A Wandler oder schlicht DAC. Diese kleinen Module wie der NAOS von Ultrasone verhelfen dem zurechtgeschnittenem Klang wieder zu Volumen, so dass auch digitalisierte und beschnittene Höhen und Tiefen wieder an den Schallwandler übermittelt werden. Pioneer verwendet beim VSX-933 einen 32bit-DAC von AKM, der wiederum von einem 32bit-DSP von CirrusLogic gespeist wird. Die technischen Voraussetzungen für bestmöglichen gestreamten Sound sind also gegeben.

Auch wenn man etliche Boxen angeschlossen hat, Musik genießt man immer noch in Stereo. Und selbstverständlich seht für den Puristen in Sachen Audio auch die Funktion Pure Direct zur Verfügung. Für den ersten Test des VSX-933 habe ich mir einen Song eines meiner Lieblings Singer/Songwriter herausgesucht: The Mute von Radical Face alias Ben Cooper.
Das Problem ist, dass sich zu viele Songwriter zu ähnlich anhören. Ben Cooper schafft es jedoch, sich aus der breiten Masse abzuheben. In The Mute stehen daher seine so einprägsame Stimme und sein Gitarrenspiel im Vordergrund. Der VSX-933 lässt den Hörer am Song teilhaben. Jede Note und jede Nuance der Stimme erreicht sauber gespielt das Ohr des Zuhörers. Das allein jedoch macht diesen Song nicht aus. Denn begleitet wird die Gitarre von Piano und Banjo. Diese beiden Instrumente halten sich dezent im Hintergrund, sind aber dennoch klar zu orten und verbreiten in dieser ungewöhnlichen Kombination diese ganz eigene Stimmung und Dynamik von Radical Face.

Hier stehen mit AirPlay bzw. Apple Music, Spotify und Amazon Music drei Streaming-Dienste zur Verfügung. Alle wurden am VSX-933 getestet und alles verlief wie erwartet auf Anhieb und unproblematisch. Neu hingegen war mir hingegen DTS Play-Fi. Dieses drahtlose Audiosystem streamt Musik von einem mobilen Endgerät an alle Geräte, die DTS Play-Fi fähig sind – wie eben der VSX-933.

Die Einrichtung erfolgt über eine App, die Verbindung zum Receiver dauerte jedoch aufgrund eines scheinbaren Fehlers etwas länger. Denn man wird gefragt, ob man ein Gerät der Marke Pioneer einrichten möchte. Diese Frage wurde mit Ja beantwortet, woraufhin die App die Installation mit dem Hinweis abbrach, dass kein entsprechendes Gerät gefunden werden kann. Verneint man jedoch die Frage nach dem Pioneer-Gerät, findet die App den VSX-933 auf Anhieb und die Verbindung steht.

In Ermangelung entsprechender Boxen konnte ich FlareConnect nicht testen, gehe jedoch davon aus, dass auch dieses wie das ebenfalls integrierte Google Chromecast problemlos funktionieren wird. Dem Musikfan wird also mit dem VSX-933 die größtmögliche Freiheit gegeben, seine Musik so flexibel wie möglich zu nutzen.

Kommt der Musikfan schon voll auf seine Kosten, stehen der Filmfan und Videospieler hier nicht hinten an. Anschlüsse sind ja zahlreich vorhanden, beim Heimkino spielt der VSX-933 dann auch auf wie ein Großer. Denn es macht einen in Sachen Klang einen gewaltigen Unterschied, ob ich mir am Samstagnachmittag die Bundesliga gönne, im TV das Abendprogramm schaue, großes Kino von der Blu-ray oder Netflix genieße oder aber in Spielewelten fernab der Realität eintauche. Der VSX-933 stellt für jeden Anspruch mit Action, Drama, Advanced Game, Sports und einigen anderen das entsprechende Tonformat zur Verfügung.

Je nach Boxenkonfiguration errechnet der 32bit-Quadcore-DSP von Cirrus Logic den optimalen Sound. Dabei spielt es keine Rolle, ob dies ein kleines 2.1 oder die größtmögliche Aufstellung eines 5.2.2 Systems ist. Der Klang wird zu jederzeit bestmöglich aufbereitet. Das gilt auch für die Tonspuren älterer Blu-rays, die üblicherweise mit einem 5.1 oder 7.1 Sound ausgestattet sind. Werden Boxen für Dolby Atmos oder DTS:X verwendet, aber der Film gibt diese Formate nicht her, so wird diese fehlende dritte Dimension mit Dolby Surround Upmixing und dts Neural:X Upmixing erstaunlich realistisch hinzugefügt.

Nachdem Wonder Woman offenbar in der ersten Auflage mit Tonproblemen ausgeliefert wurde, habe ich hier die aktuelle und jetzt fehlerfreie Blu-ray Version zum Test eingelegt. Der Film an sich ist mit Sicherheit Geschmackssache und für den Einsteiger, der nicht Batman vs. Superman: Dawn of Justice gesehen hat, vermutlich in der Anfangs- und Endsequenz verwirrend. Aber dennoch bieten gerade die zahlreichen Action-Szenen eine saubere Klangkulisse.

Viele kleine und große Effekte sorgen am VSX-933 für gute Stimmung, auch wenn die Dolby Atmos Effekte recht spärlich gesät sind. Dennoch schafft es der Receiver mit seinen 135 Watt pro Kanal eine dem Film entsprechende Stimmung aufzubauen. Die Xbox One X, die zum Abspielen verwendet wurde, wurde zum Vergleich zuerst direkt am TV und dann am Receiver angeschlossen. Weder im Ton noch im Bild waren Unterschiede feststellbar. Der VSX-933 leitet Signale sauber und punktgenau durch. Gerade die Bässe sorgen bei den nicht wenigen Explosionen für Dynamik, aber auch Dialoge sind einwandfrei verständlich , selbst wenn das Geschehen um die Protagonisten herum gerade auf dem Siedepunkt ist.

Gleiches gilt auch für Videospiele. Nachdem nach langer Zeit endlich Gran Turismo Sport für die Playstation 4 mit einigen Updates zu einem echten Gran Turismo gepatcht wurde, lohnt es sich auch wieder, das Spiel für ausgiebige Rennen einzulegen. Denn in Sachen Sound war dieser Racer schon immer das Maß aller Dinge.

Der kleine Pioneer-Receiver zaubert soundtechnisch ein Lächeln in das Gesicht. Egal ob man den Sunday-Cup mit einem Ford Focus ST startet, mit einem Alfa Romeo C4 einen Rundenrekord auf dem Autodrome Lago Maggiore brechen will oder sein virtuelles Subaru WRX Rally Car über die Schotterpiste von Sardegna jagt, der Sound ist großartig. Jeder Motor klingt anders, jede Bodenwelle lässt die Dämpfer arbeiten, Fliehkräfte sorgen für quietschende Reifen aufgrund mangelnder Haftung und umherfliegender Schotter prasselt an den Unterboden des Rally Cars. Das alles bringt der VSX-933 mit spielerischer Leichtigkeit an den Hörer und sorgt so für noch mehr Realismus beim Spielen.

 

Fazit:

Wenn der VSX-933 Pioneers Einstieg in die Saison 2018/19 ist, dann darf man gespannt sein, was da noch kommt. Denn bereits dieser Receiver bietet eine solche Vielfalt an Möglichkeiten – seien es Anschlüsse oder Funktionen – dass dem Normal-Verbraucher wohl kaum Wünsche offen bleiben.

Pioneer hat beim VSX-933 an alles gedacht, denn egal ob es die schieren Möglichkeiten des Streamens von Musik sind oder die verschiedenen Soundprogramme für den Heimkino-Abend, der Receiver punktet mit einem gewaltigen Funktionsumfang für Musik- und  Heimkinofans, aber auch Videospieler.

Wer seinen bisherigen Receiver mit einem 5.1 Boxensystem ausgereizt hat und nun mit Präsenz-Lautsprechern für Dolby Atmos oder DTS:X liebäugelt, sollte sich den kleinen Pioneer mal aus der Nähe ansehen. Denn der bietet neben den Anschlüssen für die Atmos-Boxen dann sogar Platz für einen zweiten Subwoofer. Mehr Heimkino geht kaum.

 

Link zur Herstellerseite: Pioneer VSX-933

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