Hardwaretest: Philips trifft Bowers & Wilkins – der Sound-Check mit dem 55OLED903

Seit Jahren sind TV von Philips und Ambilight untrennbar miteinander verbunden. Wer Philips sagt, meint auch unweigerlich die exzellente Hintergrundbeleuchtung, die das Bild optisch erweitert und zu etwas ganz Besonderem macht. Und dennoch krankten bislang alle Philips-Displays wie auch die Geräte anderer Hersteller am immer gleichen Problem: Wenig Tiefe bei einem Flachbildschirm bedeutet auch wenig Volumen bei den Lautsprechern und damit Klang, der dem erstklassigen Bild schon immer weit hinterherläuft. Der Philips OLED+ 903 setzt dem nun durch die Kooperation mit der englischen Audio-Schmiede Bowers & Wilkins ein Ende.

Nicht jeder TV-Käufer oder Nutzer hat die Möglichkeiten oder das Interesse, sich sein Bild mit einem zusätzlichen Soundsystem aufzuwerten. Ist ein 5.1 oder sogar größeres System nicht machbar oder erwünscht, so wurde alternativ immer häufiger zur Soundbar gegriffen. Vor dem TV platziert, sorgte der flache Klang-Riegel endlich für eine akustische Aufwertung des dargestellten Bildes. Aber seit 2018 werden nun auch die Füße eines jeden TV immer flacher, das sichtbare Bild nähert sich immer mehr dem Boden, es ist kaum noch Luft zwischen Aufstellplatz und Bildschirmrand. Folge davon ist, dass selbst sehr zierliche Soundbars inzwischen einen Teil des sichtbaren Bildes verdecken.

Waren zu Beginn der Ära der Flachbildschirme noch einige Geräte verschiedener Hersteller mit seitlich angebrachten Lautsprechern ausgestattet, so sind diese zwischenzeitlich vollkommen aus der Mode geraten. Ein TV soll einen schmalen, nach Möglichkeit fast nicht sichtbaren Rahmen haben. Nichts soll das Ereignis auf dem Bildschirm stören. Diese Maßnahme ging dann aber auf Kosten des Klangs, denn die Lautsprecher mussten nun im verbleibenden Platz des TV untergebracht werden. Das akustische Ergebnis ist bekannt.

Philips stellte bis vor nicht allzu langer Zeit selbst Audio-Artikel her, bis man auf die wenig glorreiche Idee kam, diesen Bereich auszugliedern. Nach der Insolvenz der Gibson-Gruppe in Europa steigt man nun aber wieder ein und wird zur IFA 2019 mit zahlreichen Überraschungen aufwarten. Aber das steht (noch) auf einem anderen Blatt. Man weiß also bei Philips eigentlich, wie guter Sound funktioniert. Und dennoch schaffte man es nicht, den eigenen Displays neben einem hervorragenden Bild und ebensolcher Technik den entsprechend guten Klang zur Seite zu stellen. Selbst der Versuch im Jahr 2017 mit dem Modell 55PUS6482 mit angebrachter Soundleiste erfüllte nicht die eigenen Ansprüche – bis man auf die Idee kam jemanden zu fragen, der sich mit Klang auskennt: Bowers & Wilkins. 

Das Unternehmen Bowers & Wilkins wurde bereits 1966 von John Bowers gegründet und hat sich seitdem einen Namen im Lautsprecher-Segment gemacht, der bis heute bei vielen HiFi-Fans nichts von seiner Strahlkraft eingebüßt hat. Eine Design-Ikone ist die Nautilus, aktuell ist die Formation Suite für Wireless Sound das Maß der Dinge. Das ungewöhnliche Äußere fesselt schon vor dem ersten Hören.
The best loudspeaker isn’t the one that adds the most, it’s the one that loses the least“ ist bis heute der Leitspruch, der das Unternehmen antreibt. Und nun verhilft man Philips endlich zu dem Sound, der den Bildschirmen angemessen ist.

Der Ansatz der Problemlösung für den Einbau von guten Lautsprechern beginnt bereits bei der Planung. Denn diese können nicht im Inneren des TV verbaut werden – außerhalb aber schon. Die Idee der Soundleiste war (erneut) geboren. Die verbaute Technik inklusive aller Anschlüsse macht den TV in der unteren Hälfte ohnehin ein wenig breiter, optisch fällt die Soundleiste durch ihre fließenden Übergänge demnach nicht auf. An der Front ist diese unauffällig mit feinem Stoff bespannt. Gerade diese optische Zurückhaltung verleiht dem gesamten Bildschirm etwas Edles, man will mit Leistung und nicht mit optisch aufgesetztem Tuning überzeugen.

Verbaut sind in der Front zwei Hochtöner mit Titanmembran und zwei glasfaserverstärkte mittlere Kegeltreiber. Auf der Rückseite befinden sich ein Tieftöner und zwei Bassmembranen. Voraussetzung für einen guten Bass ist, dass der TV vor einer Wand steht. Der langwellige Bass wird also von der reflektierenden Wand abgestrahlt und kommt so vorn verlustfrei beim Hörer an. Das ganze System erzeugt eine Leistung von 50 Watt, was die sonst übliche Leistung anderer TV-Lautsprecher um ein vielfaches übertrifft.

Ich konnte mir das B&W-System bereits auf der IFA 2018 und auf der Philips Roadshow 2019 in Berlin anhören. Selbstverständlich bieten Vorführräume völlig andere Gegebenheiten wie die eigenen vier Wände, dennoch hat mich der Klang schon dort beeindruckt. Es war verblüffend, wie gut sich das Bowers & Wilkins System gerade bei der Sprachausgabe machte. Zeit also, den TV zu Hause einem echten Härtetest in Sachen Akustik zu unterziehen.

Man weist bei Philips bei jeder passenden Gelegenheit darauf hin, dass die erste B&W Soundleiste im Modell OLED+ 903 auf bestmögliche Sprachausgabe ausgelegt ist. Gerade deutsche Filme erschrecken immer wieder mit einer überraschend schlechten Tonqualität, so dass viel zu häufig Dialoge in ein permanentes Gemurmel übergehen. Auch das wird später angehört, zu Beginn des Lautsprecher-Tests starte ich jedoch mit einer Netflix-Serie, deren gesamte Handlung fast ausschließlich aus Dialogen besteht: Stranger Things.

Die komplette erste Staffel besteht aus wenigen Protagonisten, die aufgrund des Verschwindens von Will Beyers immer wieder miteinander kommunizieren. Seien es die verbliebenen drei Freunde Mike, Dustin und Lucas, denen sich im Laufe der Staffel das mysteriöse Mädchen Elf anschließt oder der Polizist Will Hopper, der sich mit Wills Mutter Joyce auf die Suche nach Will macht und die gemeinsam auf übernatürliche Ereignisse stoßen. Die Serie baut also mehr auf eine Dialog-basierte Handlung, denn auf Action. Und hier sind die Bowers & Wilkins voll in ihrem Element. Die Soundleiste bietet eine so exzellente Sprachausgabe, dass ich gerade bei Stranger Things mein 5.1.2 Heimkino-System schon nach wenigen Momenten nicht mehr vermisst habe.


Das Video zum Test


Am Wochenende startete die 2. Bundesliga in die neue Saison, beste Voraussetzungen also auch hier den Sound einzig über den TV abzuholen. SKY bietet bei einem ausgewachsenen Boxensystem Stadionatmosphäre, während der Center-Speaker dem Kommentator vorbehalten ist, sorgen andere Boxen für das Mittendrin-Gefühl rund um den Hörplatz auf dem Sofa. Das kleine B&W 2.1 System schafft es auch hier, dass Kommentare ohne Überlagerung durch Nebengeräusche klar und verständlich sind und dennoch die Stadionstimmung gut eingefangen wird.

Der ultimative Test für das Bowers & Wilkins System ist wohl Til Schweiger. Ohnehin nicht für seine deutliche Aussprache bekannt, schaffen es auch deutsche Tontechniker offenbar nicht, dem Schauspieler dauerhaft verständliche Dialoge zu entlocken. So mancher Tatort oder Spielfilm wird somit zum akustischen Stolperstein. Bestes Beispiel dafür ist wohl Honig im Kopf. Über klassische TV-Lautsprecher ist Til Schweiger in so vielen Passagen nur schwer zu verstehen, aber die B&W bringen die berührende Handlung und die zahlreichen Dialoge zwischen ihm und Dieter Hallervorden einwandfrei an das Ohr des Zuschauers bzw. Hörers.

Philips hält also das Versprechen, mit den Bowers & Wilkins beim OLED+ 903 die bestmögliche Abstimmung für Dialoge und Sprachausgabe anbieten zu können. Aber wie sieht es mit Action oder anderen Genres aus? Kann der 55OLED903 auch mit Videospielen zusammenarbeiten, die ihre Stimmung auch aus dem Sound beziehen? 

Spiderman Homecoming ist zwar schon ein paar Tage älter – verglichen mit der Schlagzahl, mit der Marvel Filme inzwischen produziert werden – dennoch bietet der Streifen ausrechend Action, um sich ein entsprechendes Bild über den Klang machen zu können. Und hier gibt es die ersten Einschränkungen – wenn man denn üblicherweise ein komplettes Heimkino-System gewohnt ist. Hier fehlt dem 55OLED903 einfach die Räumlichkeit, die solche Filme üblicherweise auszeichnet, aber dafür sind die B&W in diesem Fall auch nicht gemacht. Bei Dialogen erwartet man die Ausgabe direkt vom TV, jeder andere Sound wird inzwischen breit im Raum verteilt. Da der OLED+ 903 über keinerlei weitere technische Spezifikationen wie Raumklang verfügt, bleibt der Klang eben auf die Breite des Bildschirms begrenzt. Dennoch ist die schlanke 2.1 Ausgabe auch bei Spiderman und anderen Filmen sauber und dynamisch.

Nicht ganz gleiches gilt für Videospiele. Ist man bei einem klassischen Jump`n`Run daran gewöhnt, dass sich die Action einzig im zweidimensionalen Modus vor dem Spieler abspielt, so erwartet man bei einem Rennspiel wie Forza 7 auf der Xbox One X dann neben dem Geschehen auf der Strecke auch entsprechende Kost für die Ohren. Und überraschenderweise passt das trotz der engen Bühne vor dem Display, denn egal ob in der Cockpit- oder Außenperspektive, man ist mittendrin. Der Motor heult auf, man hört die kleinen Kollisionen und Drängeleien vor der Einfahrt in eine Kurve und auch Curbes und andere Effekte werden von den kleinen B&W realistisch dargestellt. Hier passt der Sound wirklich gut zum Bild. Hardcore-Gamer, die für CoD und ähnlich geartete Spiele das volle 7.1 Programm benötigen, tragen ohnehin Kopfhörer.

Der Test war mal wieder die Chance, die AC/DC Blu-ray Live at River Plate von 2011 in den Schacht zu legen und zu lauschen, was die B&W mit Musik anstellen können? Dazu wurden die Einstellungen des Players auf Stereo gestellt, auch wenn die Blu-ray über eine 5.1 Tonspur verfügt. Aber das wäre den Lautsprechern nicht gerecht geworden. Und hier merkt man dann wirklich, dass die kleinen Lautsprecher für die optimale Sprachverständlichkeit konzipiert sind. Sie geben sich zwar merklich Mühe, die hohen Riffs von Angus Young bestmöglich wiederzugeben, aber dafür sind sie einfach nicht gemacht. Und dennoch kann man sich auch Musik auf dem OLED+ 903 geben – wenn auch nicht in der HiFi-Qualität, wie man das vielleicht gewohnt ist.

Selbstverständlich ist aber an dieser Stelle noch lange nicht Schluss mit der begonnenen Kooperation zwischen Philips und Bowers & Wilkins. Denn der OLED+ 903 war erst der Beginn einer hoffentlich langfristigen Partnerschaft. Bereits auf der Roadshow in Berlin präsentierte Philips mit dem 55PUS8804 einen weiteren TV mit einer Soundleiste von Bowers & Wilkins. Dieser LCD-Bildschirm feiert dann seine Premiere auf der IFA 2019.

Und er wird nicht der einzige seiner Art bleiben. Denn war der OLED+ 903 der Einstieg, so folgen im kommenden Jahr einige weitere Modelle mit B&W Soundleiste, die dann noch mehr Leistung bringen und auch beim Thema Musik ganz vorne mitspielen sollen. Der dann dort der Öffentlichkeit vorgestellte Philips OLED+ 934 geht zukünftig einen etwas anderen Weg. Statt die Soundleiste am TV anzubringen, wird diese im Sockel des TV verbaut. So entsteht noch einmal mehr Volumen. Man darf also weiterhin gespannt sein.

Trotz der Kooperation mit Bowers & Wilkins ist der 55OLED903 noch immer ein TV – und zwar wie schon seine Vorgänger ein richtig guter. Schwarz ist bei einem OLED eben richtiges Schwarz bis in die Ecken des Bildschirms, die Farben sind unglaublich intensiv und kräftig, trotzdem wirkt alles natürlich und nicht überzeichnet, die Kontraste sind scharf, nichts geht verwaschen ineinander über –  das Bild ist wirklich überragend.

Dazu kommt der komplette Smart-TV-Bereich, bei dem nach dem letzten Android-Update auf Version 8.0 Oreo der komplette Startbildschirm noch einmal vollständig überarbeitet wurde und nun herrlich aufgeräumt und sortiert wirkt. War in der Vorgängerversion noch einiges unstrukturiert oder wirkte der Bildschirm stellenweise überladen, so finden sich jetzt selbst Einsteiger zurecht. Fehlende Apps wie der Eurosport Player oder Joyn können ganz einfach installiert werden, überflüssige Apps sind schnell gelöscht.

Am Menü selbst hat man bei Philips zum Glück nichts geändert, dieses kommt in der gleichen, aufgeräumten Struktur daher, wie schon in den letzten beiden Jahren. Sämtliche Einstellungen sind ordentlich sortiert, man findet sich auf Anhieb in den zahlreichen Funktionen zurecht.

 

Fazit:

Der OLED+ 903 mit Bowers & Wilkins Soundleiste ist das optimale Gerät für diejenigen, die einen TV mit bestmöglichem Klang und Bild wollen, ohne sich mit Mehraufwand und –kosten ein zusätzliches Heimkino oder eine Soundbar aufstellen zu wollen. Die B&W Soundleiste liefert erstklassigen Klang gerade in Punkto Dialogen, aber auch actionreiche Filme, Sport oder Videospiele lassen sich ohne Einschränkungen beim Klang wiedergeben.

Der hier vorgestellte Philips 55OLED903 wird definitiv noch mindestens bis Weihnachten diesen Jahres im Handel erhältlich sein. Der Preis von momentan noch knapp 1.700,-€ in der 55 Zoll Version wird dann ganz sicher noch einmal nach unten gehen. Wer also Wert auf großartiges Bild in Verbindung mit bester Sprachverständlichkeit bei einem TV legt, ohne mit zusätzlichen Sound-Komponenten aufwarten zu müssen, liegt beim OLED+903 definitiv richtig.

 

 

Link zur Herstellerseite: Philips 55OLED903

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