In Vorbereitung auf die neue Konsolengeneration brachte Philips Mitte des Jahres zwei neue Modelle ihrer Momentum-Reihe auf den Markt. Der hier bereits getestete, 55 Zoll große 558M1R ist mit seinen Maßen eher etwas für das Wohnzimmer, während der 278M1R dank seiner 27 Zoll ganz bequem auf den Schreibtisch passt. Und das ist genau der Ort, an dem ich meine meisten freien Abende verbringe. Meist ist es der PC, der mir mein Gaming-Vergnügen bereitet, während die Konsole einsam in der Ecke auf den nächsten Exklusivtitel wartet, von dem ich mich dann über Tage hinweg nicht lösen kann.

Schon beim Auspacken fällt sofort das Gewicht auf. Stolze 4,5 Kilogramm für den Monitor zuzüglich über zwei Kilo extra für den Standfuß sind nicht leicht, ermöglichen aber einen wackelfreien und festen Stand auf dem Schreibtisch. Einmal platziert lässt sich der Monitor locker um ca. 30 Grad in beide Richtungen drehen und um 25 Grad neigen. Dabei ist die Justierung so fest, dass der Monitor von einem unabsichtlichen Rempler gegen den Schreibtisch gänzlich unbeeindruckt bleibt. Das Gesamtdesign ist angenehm schlicht. Schmale Ränder an den Seiten zusammen mit dem T-förmigen Standfuß vermitteln das Gefühl von Geräumigkeit auf dem Schreibtisch. Die Kabelführung aus Kunststoff an der Rückseite des Fußes bietet zusätzlich die Möglichkeit, die Kabel von Maus, Tastatur und Bildschirm einfach zusammenzuführen und noch mehr Ordnung zu schaffen.

Mit zwei HDMI 2.0 Anschlüssen, einem DisplayPort, einem USB-B Upstream, sowie einem Kopfhöreranschluss ist man gut versorgt. Dank der vier USB 3.2 Anschlüsse, wovon zwei eine Schnellauflandungsfunktion besitzen, lassen sich Handy und Controller nebenbei aufladen. Im Menü-HUB, das sich durch den kleinen Joystick auf der rechten Rückseite bedienen lässt, hat man zusätzlich Zugriff auf einen Equalizer für den Kopfhörerausgang oder verschiedener DTS-Sound Anpassungen für die eingebauten Lautsprecher. Diese sind nach oben und unten gut ausbalanciert, was sich positiv auf Verständlichkeit wiedergegebener Sounds in Spielen auswirkt, bieten aber sonst keine Besonderheiten. Ebenfalls lassen sich im HUB für verschiedene Game-Typen voreingestellte Bildanpassungen auswählen, oder manuell einstellen. Philips hat in diesem Monitor Pixelorbiting verbaut, das Einbrenneffekte verhindern soll, dieses ist aber abschaltbar.

Ebenfalls integriert in den Momentum 278M1R ist AmbiGlow, der kleine Bruder von AmbiLight, das ja bei Philips-TV Verwendung findet. Dieses soll den optischen Eindruck von Bildern über den Bildschirm hinaus vergrößern. Die an allen vier Seiten angebrachten LED Leisten hinterlassen bei langsamen Bewegungen und Standbildern einen klasse Eindruck. Harte Wechsel, also schnell ablaufende Szenen mit schnellen Farbwechseln, stellen allerdings ein unübersehbares Problem dar. Beim Schnitt vom Ladebildschirm direkt in eine Szene konnte ich den sehr stufigen Farbwechsel der LEDs im Umlauf um den Monitor ganze zwei Sekunden lang verfolgen. Das bleibt auch nicht aus, stellt man von der dem Bild folgenden Einstellung auf automatischen Farbwechsel. Ich selbst konnte das relativ gut ausblenden, wenn ich auf das Spiel konzentriert war. Wer sich daran aber stört, der kann auf den SingleColor Modus zurückgreifen oder AmbiGlow auch komplett ausschalten.

Der größte emotionale Rucksack, den ich über Tage hinweg vom Auspacken an mit mir im Hinterkopf herumgeschleppt habe, ist die auf 60Hz begrenzte Bildrate. Lange Zeit habe ich persönlich daran festgehalten, dass 144Hz das Minimum sein sollten, welches mir ein Monitor anbietet. Doch bei vielen grafisch aufwendigen Spielen sind stabile 60fps sowieso das Maximum, das ein normaler Gaming-PC auf allerhöchsten Einstellungen bewältigen kann. Alles andere ist nur Geschwindigkeitszuwachs auf Kosten der Grafik. Gleiches gilt auch für die neueste Konsolengeneration von PS5 und Xbox Series X, die zwar theoretisch zu 120fps in der Lage sind, aber bei vielen Spielen immer noch auf maximal 60fps begrenzt bleiben. Der Gedanke an die nur 60Hz des Philips Momentum 278M1R rückte also immer weiter in den Hintergrund, je länger ich spielte.

Aufgrund dieser gemachten Erfahrung und der damit dann einhergehenden Lockerheit beim Jonglieren von Zahlen in Sachen Darstellung stellte ich fest, dass diese 60Hz völlig ausreichend sind, um aus einem Videospiel ein echtes Erlebnis zu machen. So zeigt das mittlerweile stolze fünf Jahre alte „The Witcher 3“, wie schön die Welt um den Hexer Geralt von Riva in 4K aussehen kann. Und das beeindruckte nicht nur im Spiel, auch die dazugehörende Netflix Serie von 2019 glänzt Dank des IPS-Panels trotz vieler sehr dunklen Szenen, magisch erfüllten Explosionen in der Nacht und Kämpfen gegen feuerspeiende Drachen bei Tageslicht mit Farbtiefe und Detailreichtum. Auch beim etwas anspruchsvollere Hack and Slay Action RPG Titel „Path of Exile“ hatte ich Dank feinster Details, die aufgrund der fast unendlich vielen Einzelheiten sonst nur sehr schwer wahrnehmbar sind – egal ob im Hellen, Dunklen oder im Nebel – immer wieder die Möglichkeit Ereignissen auszuweichen, die sonst den unmittelbaren Bildschirmtod bedeutet hätten. Obendrein konnte ich durch die verbesserte Grafik zahlreiche versteckte Bereiche mit besseren Belohnungen entdecken.

Entgegen meiner Erwartungen zeigte auch „Doom“ (2016) trotz des sehr schnellen Gameplays keinerlei Verzögerungen und ließ mich in die bedrückende Stimmung problemlos eintauchen. Hier kommt einem die relativ geringe Reaktionszeit von 4ms sowie der Low Input Lag in Verbindung mit verschiedenen SmartResponse Einstellungen entgegen, die sich ganz einfach im Menü finden lassen. Das alles reichte aber dennoch nicht aus, um in Call of Duty Warzone an die Spitze zu kommen. Die Verbindung von schnellen Bewegungen, Detailreichtum im Sichtfeld, sowie der Möglichkeit, über die gesamte Karte blicken zu können, brachte meine Grafikkarte in 4K ganz schön ins Schwitzen. Nicht dass diese das nicht gewohnt wäre, aber gerade bei Warzone und ähnlich schnellen Shootern ist die schnellstmögliche Bildwiederholungsrate immer das A und O für ein erfolgreiches Match.

Der Unterschied zwischen einem rein auf das leistungsorientierte PC-Gaming ausgelegten Monitors mit 144Hz und einem 60Hz Monitor wie dem Momentum 278M1R, ist dann einfach zu groß, als ihn hier doch unerwähnt zu lassen. Die etwas eingeschränkte Reaktionszeit die mir blieb, hat mir mehrfach das Spiel schwerer gemacht, als ich das gewohnt bin – aber ich bin als Online-Team-Player auch verwöhnt. Dazu kamen bei hohen Grafikeinstellungen des Öfteren Screen Tearings, weil der Momentum kein V-Sync Zertifikat hat, um das Problem zu umgehen, sollte die Framerate unter 60 fallen. Da aber auch die aktuellen Konsolen PS5 und Xbox Series X momentan von wenigen Ausnahmen wie DIRT 5 oder Orbi abgesehen, bei maximal 60fps laufen, ist das hier Erwähnte allerdings eher ein Problem für höchst ambitionierte PC-Spieler, die viel Wert auf Shooter und ähnlich schnelle Spiele legen. Der normale Spieler, der auf der Suche nach einem möglichst hochwertigen Monitor mit schicker Optik und vielleicht auch einigen Lichteffekten wie dem AmbiGlow ist, wird mit dem Momentum 278M1R seinen Spaß haben.

Fazit:

Der Philips Momentum 278M1R ist ein durchweg gelungener Gaming Monitor mit ganz klarem Fokus auf sowohl PC-Solisten, die nicht auf die maximalste Bildwiederholungsrate von 144Hz angewiesen sind und die sich gerne in stimmungsvolle, detailreiche Spiele vertiefen , als auch für Konsolenspieler. Mit einer 4K-Konsole auf dem Schreibtisch macht man ohnehin wenig falsch. Die 60Hz machen sich tatsächlich bei Shootern bemerkbar, wenn man eher leistungsmäßig und online spielt.

AmbiGlow braucht zwar vielleicht noch die eine oder andere Anpassung, um den TV aus dem Hause Philips nahezukommen und den Monitor an sich abzurunden, dennoch reichen die Effekte allemal aus, um aus Spielen eine echte Freude für die Augen auch über den Rand des Monitors hinaus zu machen.


Link zum Modell: Philips Momentum 278M1R







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