Wer an eine Soundbar denkt, hat unweigerlich eine zierliche, meist schwarze und stoffbespannte Leiste im Sinn, die sich unauffällig vor dem TV platzieren lässt und mit zahlreichen internen Lautsprechern Klang in alle Richtungen ausgibt. Und dann gibt es Nubert und die nuPro XS-7500 – ein kolossales Soundsystem, welches schon allein optisch klarstellt, dass es mit Zurückhaltung so gar nichts am Hut hat. Da machen sich gut 78.000 Kubikzentimeter Volumen verteilt auf 32 Kilogramm Gewicht auf dem Phonoregal breit und stellen klar, dass alles andere nur Spielzeug sein kann. Selten war dabei eine Typenbezeichnung so irreführend gewählt, denn XS – also extra Small – ist das Soundboard mitnichten.

In einem längst vergangenen Leben, als Messen noch zur Normalität gehörten, konnte ich auf der High End einen ersten Blick auf die nuPro XS-7500 werfen. Nubert hatte in zwei der Auditorien die vollständige Palette der eigenen Produkte aufgefahren und vor einem TV mit Wohnzimmer-üblicher Diagonale thronte das Soundboard. Schon da war das Gerät ein echter Blickfang. Allein die Front mit den sechs Chassis hinterließ einen bleibenden Eindruck. Nun schleppe ich mit dem hilfsbereiten Fahrer der liefernden Spedition den gewaltigen Karton an den zukünftigen Aufstellplatz für diesen Test. Ich hatte verdrängt, dass schon das Vorgängermodell AS-450 in einer ähnlichen Gewichtsklasse spielte. Wer sich für das Soundboard entscheidet, sollte gute Freunde haben, die mit an- und auspacken.

Nubert nuPro XS-7500 – kein Klotz am Bein

Aber ist die nuPro XS-7500 endlich aufgebaut, ist all die Mühe vergessen. Man will die Soundbar eigentlich nur noch in Aktion erleben. Über all der Vorfreude auf die ersten Töne vergisst man leicht, was man bei Nubert in Technik investiert hat. Der Verstärker für die digitale Klangregelung lässt alles an Zuspielern zu, was das heimische Portfolio hergibt. Neben der Direktverbindung von TV über HDMI über ein beigelegtes Dongle oder optischen Eingang, dem CD-Player über den analogen Eingang bis hin zum PC über USB-Port, ist die kabellose Verbindung von Smartphone oder Tablet über Bluetooth ebenso selbstverständlich. Die digitalen Eingänge sind dabei in der Lage, Hi-Res Signale bis zu 24Bit und 192Kilohertz wiederzugeben.

Wem die verbauten Bass-Treiber nicht ausreichend erscheinen, findet einen zusätzlichen Ausgang für einen externen Subwoofer. Obendrein ist über den Nubert Funkstandard X-Connect auch der Ausbau auf ein 3.1 System möglich. Lautsprecher der X-Serie, nuSub Subwoofer >>> oder aber der Verstärker nuConnect AmpX >>> lassen sich ohne lästige Kabel hinzufügen und sorgen dabei auch für eine verlustfreie Übertragung von Hi-Res Audiosignalen. Selbst eine Verwendung als gigantischer High-End Center Speaker über einen AV-Receiver ist möglich.

Zum YouTube Video – nuPro XS-7500

Die digitale Mehrkanalstufe sorgt für insgesamt 800 Watt Nennleistung. Diese Leistung verteilt sich an der Front auf jeweils zwei 120 Millimeter große Mitteltöner und an den Außenseiten auf jeweils eine Hochtonkalotte mit 25 Millimetern. War im Vorgänger AS-450 nur ein Tieftöner verbaut, sorgt man bei Nubert nun für das volle Programm an Bässen. Denn auf der Unterseite befinden sich gleich zwei 200 Millimeter große Konustöner. Die dafür nötigen Bassreflexöffnungen liegen hingegen auf der Rückseite. Ein wenig Platz zur Rückwand sollte hier eingeplant werden, um unschöne Nebengeräusche beim Luftaustritt zu verhindern.

Wie von Nubert bisher gewohnt, ist die Verarbeitung einwandfrei. Selbst der TV lässt sich auf dem Soundboard abstellen, die maximale Belastung reicht hier laut Hersteller bis zu 100 Kilogramm. Das gesamte Gehäuse kommt mit hochwertigem Schleiflack, lieferbar ist die nuPro XS-7500 in den Farben Schwarz und Weiß. Allerdings kommen gerade in der weißen Variante die verbauten Lautsprecher und das mittig liegende Display noch besser zur Geltung. Wer sich nicht entscheiden kann, welche Farbe besser zur Einrichtung passt oder ob die Soundbar überhaupt für das Wohnzimmer geeignet ist, richtet sich die neue nuReality App >>> ein. Dort findet sich auch die XS-7500, diese lässt sich mittels AR-Technik virtuell vor dem Kauf am gewünschten Ort platzieren.

Klangeinrichtung auch über die App

Bevor die XS-7500 das erste Mal aufspielen kann, sollte man dringend die Soundeinstellungen seines TV überprüfen, da hier der Ton auf Stereo-Wiedergabe eingestellt werden muss. Da der Soundbrocken nicht über einen Decoder verfügt, kann der Mehrkanal-Ton nicht in Stereo umgewandelt werden. Das Ergebnis ist ein äußerst unangenehmer Ton, der einen hektisch zur Fernbedienung greifen lässt, um die Lautstärke zu minimieren. Danach wird man aber vom Sound förmlich in die Sofakissen gedrückt – und das bereits, ohne auch nur eine klangliche Veränderung am Gerät vorgenommen zu haben. Denn auch das ist möglich. Jeder Mensch hat ein anderes Hörvermögen, Klang wird von jedem anders wahrgenommen und unterscheidet sich so von Mensch zu Mensch. Zeit also, sich mit der Nubert App X-Remote zu beschäftigen.

Diese App ist sowohl für Android- als auch für Apple-Geräte erhältlich. Nach dem Download erfolgt eine Kopplung über Bluetooth und schon hat die kleine, aber übersichtliche Fernbedienung ausgedient. Statt sich aber blind am perfekten Display durch die zahlreichen Menüs zu wühlen, muss an dieser Stelle auch wieder die von Nubert gewohnt perfekte Bedienungsanleitung erwähnt werden. Wo andere in Schriftgröße 4 Pixel sämtliche Funktionen auf maximal zwei Seiten Faltblatt pressen, nimmt Nubert Rücksicht auf Anwender jeder Altersklasse. Jede Funktion ist übersichtlich dargestellt, so ist auch das Pairing eine Sache weniger Minuten.

Ich habe zur Bedienung der XS-7500 mein iPad Mini eingerichtet. Ich bin sonst kein Apple-Fan, aber hier hat die Verwendung des Apfel-Produktes einen tieferen Sinn. Denn nur mit Apple ist auch eine Raumkalibrierung möglich, bei der die speziellen Gegebenheiten des Raumes vermessen werden und so der optimale Klang ausgegeben wird. Das mag daran liegen, dass bei Apple ein einheitlicher Standard herrscht, wohingegen Android von jedem Hersteller verwendet werden kann. Somit ist hier offensichtlich keine gemeinsame Richtlinie für eine Kalibrierung zu erreichen, zu umfangreich sind hier die Charakteristika der verschiedenen Mikrofone. Die App selbst ist umfangreich und bleibt dabei dennoch übersichtlich.

Mit wenigen Berührungen des Displays erreicht man alle relevanten Einstellungen von Eingängen bis zu den Sound-Modi. Selbst ein Equalizer fehlt nicht, so dass der Sound an die persönlichen Vorlieben angepasst werden kann. Dessen Justierungen wie auch die Bässe oder Höhen werden über einen Schieberegler vorgenommen. Für verschiedene Hörer stehen 3 Presets zum Speichern der eigenen Einstellungen zur Verfügung. Mehr kann eine App also kaum bieten.

Mehr als nur Stereo

Meine Ansprüche an die nuPro XS-7500 waren hoch und jetzt nach tagelangem Hören ist diese Erwartungshaltung erfüllt. Glänzte die AS-450 noch mit einem herrlichen Stereo-Bild, führt Nubert bei der Neuen mit den Wide-Modi auch Raumklang-Effekte ein. Es gibt vier verschiedene Stufen und der Effekt ist tatsächlich beeindruckend und intensiv. Schon auf Stufe 1 schiebt sich das Klangbild auch über die Front hinaus. Und das gilt nicht nur für die Breite, sondern durchaus auch für die Höhe. Allein das Umschalten von normalem Stereo auf Stufe 1 und wieder zurück hinterlässt einen hörbaren Eindruck. Für diesen Test habe ich mich an World Invasion: Battle Los Angeles auf Netflix gehalten, ein Film, den ich schon etliche Male gesehen habe und der mir entgegen aller teils vernichtenden Kritik trotzdem gefällt. Und hier geht es schließlich nur um den Sound, der gerade im Finale für krachende Action sorgt.

Um einen Vergleich zwischen den Modi erkennen zu können, habe ich die letzten Szenen mehrmals geschaut. Mein persönlicher Eindruck war abschließend, dass bei einem Actionfilm Stufe 2 mehr als ausreichend ist. Gleiches gilt für den Bass, der so punktgenau und intensiv jede einzelne Explosion und am Ende den Absturz des feindlichen Raumschiffes in das eigene Wohnzimmer holt. Aber das mag Geschmackssache sein, aber mehr wirkte auf mich zu viel des Guten. Unter dem Strich steht beim Modus Wide eine Klangbühne, die man selbst mit einem guten Paar Lautsprechern und einem Subwoofer statt der Soundbar nicht hätte besser abbilden können. Dazu kommen stets klare und immer verständliche Dialoge, selbst während um die Protagonisten herum die Welt untergeht.

Auch bei Videospielen ist die nuPro XS-7500 mehr als nur ein akustischer Begleiter. Erst mit dem Sound wird ein Spiel zu einem echten Erlebnis. Und dabei sind es hier nicht immer die brachialen Soundeffekte, sondern die eher unscheinbaren Geräusche, die eine virtuelle Spielwelt erst lebendig werden lassen. Wenn es also um die oft nicht wahrgenommenen Klänge geht, ist Shadow of the Tomb Raider für mich noch immer eines der Highlights. Kaum ein anderes Spiel bringt allein mit seiner Geräuschkulisse so viel Spannung auf. Hier watet Lara in einer unterirdischen Höhle durch Wasser, der Schall der kleinen Wellen bricht sich an den Wänden der Höhle, dort erklimmt sie einen Felsvorsprung und kleine Steine rieseln in die Tiefe. Nimmt man diesen Meilenstein der Lara Croft Reihe auch mit den Ohren bewusst wahr, eröffnet die Soundbar dem Spieler akustisch völlig neue Dimensionen auch ohne echten Raumklang.

Und was ist mit Musik?

Ich gebe zu, dass ich üblicherweise bei der Kombination von Soundbar und Musik eher skeptisch bin. Das mag aber auch an meiner privaten Ausstattung mit einem hervorragenden Paar Standlautsprechern liegen, an die eine Soundbar einfach nicht heranreichen kann. Und dennoch erinnerte ich mich, wie mich schon die AS-450 überzeugen konnte.
Um es kurz zu machen:
Die nuPro XS-7500 ist auch für den Genuss der eigenen Playlists der perfekte Spielkamerad. Kaum eine Soundbar überzeugt mich bereits mit den ersten Tönen meiner Musik. Auch wenn das neue AC/DC Album Power Up zu den eher durchschnittlichen Werken der Alt-Rocker aus Down Under zählt, so überzeugt Nuberts aktuelle Soundbar mit einem ausgewogenen und dennoch kraftvollen Klang.

Leider ähneln sich die Stücke alle in Tempo und Rhythmus, trotzdem kann man jedes Instrument perfekt heraushören. Im Titel Wild Reputation beginnt Angus rechts mit einigen Akkorden der Lead-Gitarre, bevor Steve Young mit der Rhythmus-Gitarre links einsetzt. Der persönlich beste Song auf dem Album ist tatsächlich Through The Mists Of Time, der Bass nimmt hier eine großartige Rolle ein, auch ohne dass man an den entsprechenden Einstellungen der Soundbar etwas ändern müsste. Das Stereo-Bild ist selbst oder gerade im Wide-Modus auf Stufe 1 hervorragend.


Fazit:

Zugegeben, man muss schon Mut haben, sich einen optisch solch gewaltigen Klangkörper ins Wohnzimmer zu holen, so sehr bricht die Nubert XS-7500 mit allen Konventionen. Aber diese Soundbar ist eben anders und passt somit nicht in die Design-Wohnzimmer verspielter Innenarchitekten. Dieses Gerät ist ein fast schon brutales Statement in Aussehen und Klang und damit genau die Soundbar um Freunde zu beeindrucken und Nachbarn in den Wahnsinn zu treiben.

Auch wenn die nuPro XS-7500 „nur“ eine Soundbar ist, so schafft sie es akustisch manch Heimkino-System vergessen zu machen. Gerade die neuen Wide-Modi bringen einen spürbaren Zugewinn an Raumklang. Über allem steht ein dynamischer und kraftvoller Sound mit großartigem Bass, der selbst bei hohen Pegeln nicht in die Knie geht. Für 1.432,-€ gibt es das volle Paket Filmsound und Musik für alle, die gerne perfekt und laut hören, aber keinen Platz für zahlreiche Lautsprecher haben.


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