Hardwaretest: MusicCast 20 und 50 – True Sound vom dynamischen Multiroom-Duo

Vor drei Jahren stellte Yamaha die Zukunft der Musik auf einem Event in Hamburg vor. Das Zauberwort für Musik in jedem Raum lautete MusicCast. Kurz darauf durfte ich als einer der ersten überhaupt das neue System in der Praxis testen. Das bestand zum damaligen Zeitpunkt aus dem Receiver RX-S601 und der Box ISX-80. Heute umfasst die MusicCast-Familie fast 70 Geräte, die alle untereinander kommunizieren und Klang in jeden Raum bringen.

Flexibel aufzustellende Boxen und Musik-Streaming sind In wie niemals zuvor. Ich will meine Playlist bei einem entspannten Bad hören? Kein Problem, dann wandert die Box schnell von der Küche ins Badezimmer. Ich möchte beim Kochen die Bundesliga verfolgen? Na und, dann streamt der Receiver den TV-Sound eben auch in die Küche. Netzstecker hier raus, Netzstecker dort rein, fertig – alles funktioniert ohne jegliche weitere Kabel. Die Möglichkeiten sind unendlich und werden jetzt mit den neuen MusicCast 20 und 50 noch umfangreicher.

Während die kleine MusicCast 20 die legitime und offizielle Nachfolgerin der WX-10 ist, ist die MusicCast 50 ein neues und eigenständiges Modell. Von der ovalen Form her vollkommen ungewöhnlich, passt sie so in kein bisher bekanntes optisches Schema. Aber diese Form ist nicht nur einer tollen Design-Idee geschuldet, sondern auch der in ihr verbauten Technik. Hier werkeln gleich zwei Woofer und zwei Soft Dome Tweeter mit jeweils 35 Watt. Diese sind so angeordnet, dass der Schall sich der Bauform entsprechend schräg vom Gerät weg bewegt und somit für ein überraschend breites Stereo-Klangbild sorgt.

Anzeige

Beim Design ähneln sich MusicCast 20 und 50. Beide sind klar und ohne Schnörkel in ihrem Auftritt. Einzig ein umlaufendes Lochgitter lässt den Unbedarften vermuten, dass es sich um Boxen handelt, so modern und gradlinig ist das Design. Bei Yamaha lautet das Konzept: Form follows Function. Es gibt keine auffälligen Details, keine überstehenden Knöpfe, alles wird an der Oberseite über sensitive Tasten gesteuert.

Das hat Vor-, aber auch Nachteile. Ein Knopf – und sei er noch so zierlich – vermittelt eine klare haptische Rückmeldung. Ein Sensor tut dies nicht. Solange eine ausreichende Beleuchtung vorhanden ist, mag man auf den schwarzen Boxen die Tasten sehen, bei zunehmender Dunkelheit muss man jedoch einfach wissen, wo sich welche Funktion befindet. Einzig ein paar kleine LED geben zur gewählten Funktion Rückmeldung.

Aber keine der Boxen ist ja eigentlich dafür gemacht, direkt am Gerät bedient zu werden. MusicCast soll Musik streamen, der Nutzer soll die Boxen über die App steuern. Alles soll miteinander verbunden werden und gemeinsam aufspielen. Ich möchte meine Musik in jedem Raum hören und keine Passage meines aktuellen Lieblingssongs verpassen, nur weil ich den Raum verlasse. Dafür ist MusicCast gemacht. Damit das funktioniert, sind MusicCast 20 und 50 natürlich LAN- und WLAN-fähig.

Ist die App installiert, wird auf Knopfdruck einfach jede Box hinzugefügt. So entsteht innerhalb weniger Minuten ein System verschiedenster Geräte, die alle MusicCast können und sich gegenseitig den Klang zuspielen. Allein mit diesen drei Test-Boxen ist schon so unglaublich viel möglich. Die klassische Anwendung ist, Musik im Wohnzimmer auf die MusicCast 50 zu streamen und diese leitet diese dann weiter an die beiden MusicCast 20, die in anderen Räumen aufgebaut sind. Alle drei Boxen spielen den gleichen Song.

Aber es geht noch so viel mehr. Denn jede Box macht auch ihr eigenes Ding. Sind diese nicht miteinander verlinkt, läuft im Wohnzimmer eine Apple-Music-Playlist, der Nachwuchs hört im Kinderzimmer ein Hörspiel und im Garten läuft die Musiksammlung vom NAS-Laufwerk. Und wer Bluetooth-Boxen anderer Hersteller hat, bindet die auch mit ein. Kein System ist so offen, wie Yamahas MusicCast. Niemand muss sich von seinem bisherigen Lautsprecher trennen, nur weil er sich jetzt MusicCast einrichtet. Jede MusicCast Box verbindet sich mit einem fremden Bluetooth-Speaker.

Warum auch immer, ist diese Funktion für mich noch immer nicht logisch in die App integriert. Denn statt die Funktion für den tatsächlich vorhandenen, aber versteckten Equalizer und die Bluetooth-Verbindung in den Funktionen des jeweiligen Lautsprechers unterzubringen, muss man direkt in die Wiedergabe des Songs gehen. Dort befindet sich unten rechts ein Icon für die Klangeinstellungen. Hier kann man jeden Lautsprecher noch einmal nach den persönlichen Bedürfnissen anpassen. Ganz am Ende der Liste befindet sich der dann der Button für die Bluetooth-Übertragung an andere Geräte.

Technisch sind alle Boxen auf der Höhe der Zeit, denn sie spielen alle gängigen Datei-Formate. Das sind die üblichen Verdächtigen MP3, WMA und MPEG-4 AAC, die allerdings verlustbehaftet sind. Deswegen stehen selbstverständlich auch hochwertige und unkomprimierte Übertragungsmöglichkeiten wie ALAC mit bis zu 96 kHz – 24-bit und FLAC, WAV und AIFF mit bis zu 192 kHz – 24-bit zur Verfügung. Egal welcher Streaming-Dienst genutzt wird, die MusicCast 20 und 50 haben immer die passende Antwort für den bestmöglichen Klang zu Verfügung. Dazu steht auch Bluetooth in der Version 4.2 + EDR bereit.

Hält man seine erste MusicCast Box in den Händen, ist der nächste Schritt die Installation der App auf dem Handy. Die Einrichtung der Boxen ist simpel und auch für Laien oder Einsteiger sicher und problemlos zu bewältigen. Innerhalb weniger Minuten steht ein Netzwerk aus den neuen Yamaha-Lautsprechern und dem Experimentieren mit verschiedenen Einstellungen steht nichts mehr im Wege. Will man Boxen an verschiedenen Standorten miteinander verlinken, ist auch das fast erschreckend simpel. Dazu wird der Link-Button gewählt, man sucht sich die Master Box aus und wählt dann dazu die Boxen, an die der Sound auch übertragen werden soll. Zwei Fingertipps später spielen alle Lautsprecher den gleichen Song.

Aber das ist noch lang nicht alles. Ich habe eine der beiden 20er in der Küche zu stehen, erhalte aber einen Anruf auf dem Handy. Statt nun mühsam den Gesprächspartner hinzuhalten, um erst in der App die entsprechende Box zu entkoppeln, schalte ich die einfach am Gerät aus. Damit sich die Box danach wieder in das vorhandene Netzwerk einreiht und munter wieder mitspielt, reicht ein erneuter Druck auf den Power-Button. Der Lautsprecher hat sich gemerkt, womit er zuletzt befasst war und spielt augenblicklich wieder den aktuellen Song.

Eine weitere Funktion hat mich ebenfalls fasziniert. Ich höre meine Spotify-Playlist und breche diese dann ab. Ich schalte die Box aus und üblicherweise war es das dann. Zum Fortsetzen muss ich mir über Spotify erneut die verfügbaren Geräte heraussuchen und starte dann die Playlist oder den zuletzt gehörten Song von Beginn an erneut. Nicht so bei den MusicCast Boxen. Ein einfacher Tipp auf Play beim zuletzt gehörten Lied reicht aus und nicht nur dieses wird dort fortgesetzt, wo es unterbrochen wurde, sondern auch die zuletzt aktivierten Boxen starten automatisch wieder.

Stichwort Handy: Ihr habt die MusicCast App auf dem Handy, aber das ist unauffindbar, weil die bessere Hälfte beim Verlassen des Hauses das falsche Smartphone gegriffen hat? Statt nun ohne Musik ins Leere zu starren und den eigenen Gedanken nachzuhängen, hat man bei Yamaha mitgedacht. Denn die App lässt sich selbstverständlich auf allen im Haus vorhandenen mobilen Geräten installieren. Aber die Besonderheit dabei ist, dass man bei einer weiteren Installation gefragt wird, ob man eine komplett neue Einrichtung beginnen möchte oder ob die bereits vorhandenen Einstellungen übernommen werden sollen? So gibt es eine vollkommen identische, für das eigene System funktionierende MusicCast-Einrichtung auf allen vorhandenen mobilen Devices.

Nach so viel Theorie, was die MusicCast Boxen alles zu leisten in der Lage sind, wird es endlich Zeit, die Lautsprecher auch zu hören. Ich hatte aufgrund der hier bereits vorhandenen WX-10 eine hohe Erwartungshaltung. Daher forderte ich von den neuen MusicCast 20 mindestens das Gleiche, besser noch eine hörbare, klangliche Verbesserung. Gut, ich hatte die Boxen bereits auf Events hören können, aber das ist nicht die gewohnte Umgebung. Um die Fähigkeiten eines Lautsprechers wirklich richtig beurteilen zu können, setzt man sich am besten auf sein Sofa und lässt die Eindrücke auf sich wirken.

Und ich wurde nicht enttäuscht. Die kleine MusicCast 20 spielt mit einer Lockerheit auf, die für das geringe Volumen wirklich verblüffend ist. Was besonders auffällt und womit Boxen dieser Größe meistens Schwierigkeiten haben, ist die Ausgeglichenheit in allen Bereichen. Die kleine 20er hat eine überzeugende Auflösung bei hohen Tönen, da gibt es keine nervigen Spitzen. Aber auch der Tieftonbereich ist richtig stark. Der Bass begleitet, ohne zu dominieren. Da durfte ich schon ganz andere Lautsprecher hören. Alles wirkt wie aus einem Guss.

Aber ich habe ja gleich zwei der kleinen Boxen zum Test. Werden die miteinander gekoppelt, staunt man über das, was da jetzt an den Ohren ankommt. Wenn so viel Volumen und Stärke gemeinsam aufspielen, nötigt das Ergebnis Respekt ab. Selbst in hohen Pegeln bleiben die MusicCast 20 sich treu. Es gibt keine Schwächen, alles spielt miteinander, Stimmen und Instrumente werden sauber getrennt und sind jederzeit klanglich auszumachen.

Noch besser wird es nur, wenn man beide MusicCast 20 zu einem Stereo-Paar zusammenfasst. In der App gibt es die Funktion Surround/Stereo. Hier gibt die App die Boxen vor, die sich zu einem Pärchen verbinden lassen. Sind die Boxen etabliert, spielen sie danach in feinstem Stereo auf. Klanglich ist das wirklich ein Genuss. In der App werden beide Boxen dann als eine einzige Box angezeigt. Werden die kleinen Lautsprecher dann wieder als Einzelkämpfer benötigt, entkoppelt man sie ganz einfach per Fingertipp. Die neue Funktion Surround teste ich, sobald die neue Soundbar MusicCast BAR 400 zum Test hier steht.

Erwartungsgemäß kann die MusicCast 50 all das, was die kleine 20 auch kann, aber eben in lauter, noch besser und schöner. Allein das Auspacken dieser Box ist ein Erlebnis, weil eben die Form so vollkommen ungewöhnlich ist. Noch bevor überhaupt der erste Ton aus dem ellipsenförmigen Lautsprecher erklungen ist weiß man einfach schon, was da gleich an Musik groß aufspielt. Die 2 x 35 Watt erzeugen eine Dynamik, die man dem Gerät vielleicht nicht zutraut. Aber was da an Agilität in allen Bereichen herauskommt, zaubert ein erstauntes Grinsen ins Gesicht.

Da spielt es keine Rolle ob es die hier bevorzugten handgespielten Instrumente in hart oder auch mal nicht so hart sind oder ob es sich um eine unplugged Aufnahme handelt, in der die Stimme ganz klar Maß der Dinge ist. Und noch etwas fällt auf, wenn man sich von der MusicCast 50 entfernt. Relativ flache Boxen geben den Ton üblicherweise auch in einem recht beschränkten Hörbereich ab, so dass der beste Klang tatsächlich immer in Kopfhöhe zu vernehmen ist. Nicht so die MusicCast 50, hier bricht der Klang regelrecht auf und verteilt sich auch in der Vertikalen. Ab einer Entfernung von circa drei Metern merkt man nichts mehr von den nur wenig über 12 Zentimetern Höhe.

Aber die MusicCast 50 ist nicht nur für den Netzbetrieb in Sachen Musik aufgestellt. Wenn der Lautsprecher schon einen optischen Eingang bietet, dann will ich den auch nutzen. Also verbinde ich Box und TV miteinander und schon dient der Lautsprecher als verkappte Soundbar. Ja, durch die Höhe wird bei vielen Bildschirmen vielleicht etwas vom sichtbaren Bild eingeschränkt, aber das nehme ich für einen unermesslich verbesserten Klang gerne in Kauf. Auch beim TV-Programm, bei Sportübertragungen oder Filmen macht die Box eine hervorragende Figur. Und wer Sport schaut, aber zwischendurch mal raus muss, streamt den Kommentator eben an die MusicCast 20 – und damit schließt sich der Kreis.

Fazit:

Yamaha macht auch Ende 2018 da weiter, wo man 2015 bereits begonnen hatte. Die MusicCast-Familie wird immer größer und sie wird vor allem immer besser und funktionaler. Mit den Neuerscheinungen MusicCast 20 und 50 erscheinen zwei nicht nur durch ihre Schlichtheit hübsche Boxen, die sich nahtlos in das Gesamtkonzept des Multiroom einfügen. Musik kommt in jeden Raum – und das völlig ohne Kabel.

Denn so muss Streaming funktionieren: Musik wird da gehört, wo man sich gerade aufhält. Und wenn da gerade keine Box steht, zieht die einfach mit um. Noch einfacher, als einen Netzstecker umzustecken, kann man es nicht haben. Dazu kommt der Yamaha-typische ehrliche Klang, der einfach nur kernig und dynamisch in allen Bereichen aufspielt.

Es geht auf Weihnachten zu und Yamaha hat eine Cashback-Aktion am Start. Noch preiswerter wird der Einstieg in die Welt von MusicCast in nächster Zeit sicher nicht mehr.

 

Link zur Herstellerseite: MusicCast 50 + MusicCast 20

weitere Hardwaretests:

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.