Klipsch schwimmt schon immer gegen den Strom. Entgegen dem Mainstream, alles noch ein wenig schicker und moderner zu gestalten, setzt man dort zwar auf aktuelle Technik, verpackt diese aber in das typische Klipsch Retro-Design. Viel massives Holz und die so einzigartigen, kupferfarbenen Chassis zeichnen die Lautsprecher-Systeme der Firma aus. Dazu kommt der seit je her eher basslastige Sound. Nicht umsonst wird bei Klipsch-Präsentationen auf der High End und anderen Messen lieber Rock und Heavy Metal statt Jazz vorgeführt. In die gleiche optische Kerbe schlagen die kleinen, aber nicht minder auffälligen Regal-Lautsprecher. Nachdem ich nach der letztjährigen IFA The Three II schon kurz live vorgeführt bekam, steht die kleine Stereo-Box nun hier zum Test.

Klipsch wurde 1946 gegründet, aber 2010 von Audiovox übernommen. Diese haben mit Magnat, Heco, Schwaiger und einigen anderen inzwischen ein beeindruckendes Portfolio vorzuweisen, dennoch bleibt Klipsch eigenständig mit Hauptsitz in Indianapolis. Ich hatte die Wahl, mir zum Test die The Three II in Schwarz oder aber Walnuss zuschicken zu lassen. Mir gefällt das klassische Design in Braun tatsächlich optisch besser, aber das ist bekanntlich Geschmackssache. Nach dem Auspacken steht der knapp 370,- Euro teure Lautsprecher vor mir und möchte erst einmal ausgiebig bewundert werden.

Da fällt zuerst die schicke Stoffbespannung mit dem großen Klipsch-Logo auf, oben und unten eingerahmt vom Walnussholz. Wie früher üblich wartet der The Three II auch in der Gegenwart mit großen Knöpfen statt Sensortastern auf. Ich mag das, man spürt, was man anfasst. Was ich allerdings nicht mag, sind wackelige Knöpfe und hier haben beide Drehregler für die Quellenanwahl und die Lautstärke tatsächlich ein wenig Spiel. Richtig gelungen ist hingegen der klassische Kippschalter für die Power – alles andere als genau solch ein Schalter würde hier auch vollkommen deplatziert wirken.

Der Blick auf die Rückseite offenbart die Anschlussmöglichkeiten und da überrascht der Phono-Eingang. Man kann an den Lautsprecher tatsächlich einen Plattenspieler anschließen. Und dieser muss nicht einmal einen eigenen Phono-Vorverstärker verfügen, da dieser bereits im Lautsprecher verbaut ist. Ansonsten gibt es einen USB- und einen Aux-Eingang, das war es auch schon an Anschlussmöglichkeiten. Denn kabellos betrieben wird der The Three II ausschließlich über Bluetooth mit aptX.

Es ist also recht schnell an der Zeit, dem The Three II die ersten Töne zu entlocken. Der kleine Regallautsprecher muss über das Stromnetz betrieben werden, ein Akku für den mobilen Einsatz ist nicht integriert. Dennoch ist die Box klein genug, um sie auch einmal mit in den Garten zu nehmen – Steckdose vorausgesetzt. Das Pairing per Bluetooth ist schnell erledigt, sämtliche Zuspieler finden den Lautsprecher auf Anhieb. Und wenn Klipsch schon Retro-Design anbietet, dann muss natürlich zuerst eine Playlist der Rockklassiker aus den 1970er Jahren herhalten.

Schon beim ersten Song fällt die doch ungewohnt wenig amerikanische Abstimmung auf. AC/DC mit Highway to Hell über Spotify klingen kraftvoll, der Bass entfaltet sich aber tatsächlich erst in einem gewissen Abstand zur Box, ohne jedoch den Klang für sich zu vereinnahmen. Alles klingt dosiert und aufeinander abgestimmt – eine Wohltat zu vielen anderen kleinen oder mobilen Boxen, bei denen der Sound nur noch aus Tiefton besteht. Gleiches gilt für (The Fear) The Reaper von Blue Oyster Cult. Dieser Song lebt von seiner so bekannten Melodie der Lead-Gitarre, aber ebenso vom überragenden Bass. Und auch KISS mit I was made for loving you ist wie gemacht für den The Three II. Alles klingt dynamisch, der kleine Lautsprecher macht beim ersten und auch beim zweiten und dritten Anhören richtig Spaß – eben gerade, weil man nicht vom Bass niedergeschlagen wird.

Klipsch selbst bezeichnet den The Three II als „Regalstereo“. Auch wenn die Box über zwei 5,7 Zentimeter Full Range Treiber, zwei Passiv-Membranen und einen Basstreiber verfügt, so ist Stereo bei bauartbedingten knapp 35 Zentimetern Breite kaum vernünftig wiederzugeben. Und dennoch klingt die kleine Box überall einwandfrei, wo man sie aufstellt.

Um nicht nur Rock und Metal laufen zu lassen, habe ich die erste Spotify Single einer Band laufen lassen, die ich auf einer Veranstaltung kennen- und hörenlernen durfte: Bach Meer Ozean spielen eine Mischung aus deutschem Pop-Rock und Indie. Hier hat mich neben der Kombination von Akustik- und E-Gitarre ganz besonders die E-Violine beeindruckt. Sonst ein für mich eher quälendes Instrument, macht gerade diese hier das besondere Moment vieler Songs aus. Die The Three II stellt auch die hohen Töne einwandfrei dar.

High-Res Streaming-Anbieter geben an, dass Bluetooth den Sound komprimiert, selbst Bluetooth aptX HD ist nicht verlustfrei. Wer also qobuz oder Tidal in hoher oder sogar Studio-Qualität streamt, sollte die The Three II dann über USB ansteuern. Der Lautsprecher hat einen Digital-Analog-Wandler verbaut, der digitale Signale mit bis zu 192 KHz und 24 Bit verarbeiten kann. Der Unterschied ist tatsächlich hörbar.

Zum Lieferumfang gehört auch eine kleine Fernbedienung, die aber hier ungenutzt herumlag. Wenn ich Musik über das Tablet oder Handy streame, bediene ich ohnehin alles darüber.

Fazit:

Die The Three II ist ein wirklich guter Solist, denn aufgrund mangelnder Netzwerkfähigkeiten kann der Lautsprecher nicht mit anderen gekoppelt werden. Bluetooth lässt eben nur eine Verbindung zu. Ein Multiroom-System funktioniert also leider nicht. Wer sich daran allerdings nicht stört, bekommt eine klanglich erstaunlich moderat abgestimmte Box, bei der so vollkommen Klipsch-untypisch und unamerikanisch eben nicht der Bass alles dominiert.

Man bekommt mit dem Klipsch einen relativ wenig konnektiven Lautsprecher, der sich optisch dem entsprechenden Interieur einfügt – Vintage muss man einfach mögen. Der Phono-Eingang ist ein nettes Gimmick für Menschen, die ihre analogen Schätze wieder zum Leben erwecken wollen, aber für wirklichen Genuss derselben fehlt es dann doch an akustischem Tiefgang und an der breiten Bühne echten Stereo-Klanges.
Die Klipsch The Three II ist somit ein guter Begleiter durch den Alltag.



Link zur Herstellerseite: Klipsch The Three II



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