Hardwaretest: Klipsch Bar 40 – Lautstärke allein macht noch keinen Klang

Nachdem ich nach der IFA 2019 die Klipsch BAR 40 bereits auf einer Veranstaltung Probe hören durfte, war ich gespannt, ob sich der gute Eindruck auch zu Hause fortsetzt. Nicht umsonst wurde man nach 22.00 Uhr auf dem Event vom Personal gebeten, den Sound bei den X-Men doch ein wenig herunterzuregeln, da sich andere Hotelgäste inzwischen aufgrund der Lautstärke belästigt fühlten. Kann also die Soundbar nicht nur mich, sondern auch meine Nachbarn zu Hause unterhalten? Und sind wir dann immer noch gute Nachbarn? Der Test wird es zeigen.

Üblicherweise ist eine Soundbar optisch eben immer eine Soundbar. Das bringt die gewünschte Funktionalität einfach mit sich. Dennoch kann man tatsächlich beim Design aber für den einen oder anderen Hingucker sorgen. Hier sind es die außen angebrachten Tweeter, die der BAR 40 ein eigenes Äußeres geben.

Dazu kommt an den Seiten ein schwarzes Holzfurnier und an den Längsseiten eine dreiseitige Stoffbespannung, welche den Barren auch bei einer Wandmontage edel wirken lässt. Für diese Wandmontage liegt zusätzlich eine Bohrschablone bei, damit das lästige Ausmessen entfällt – vorbildlich.

Aus dem bei der Soundbar verwendeten Holz besteht auch der Subwoofer vollständig. Dies mag zu Beginn zumindest optisch einen guten Eindruck hinterlassen, aber dennoch wirkt die Verarbeitung bei der ersten Begegnung nicht wirklich hochwertig. Zu leicht ist der Subwoofer, zu zierlich ist er mit seinen Abmaßen von 24 x 24 x 36 Zentimetern. Dazu kommen kupferfarbene, gummierte Holzfüße, die den ersten optischen Gesamteindruck auch nicht unbedingt anheben.

Einzig der ebenfalls kupferfarbene Klipsch-Schriftzug an der Front vermittelt dann doch so etwas wie Wertigkeit. Der 165 Millimeter Tieftöner und die Bassreflexöffnung sind nach unten ausgerichtet, so dass der gesamte Sub tatsächlich wie ein simpler Holzblock wirkt.

Berühmt wurde Klipsch beim Lautsprecherbau für seine Konstruktion des sogenannten Klipsch-Eckhorns. Durch diese Konstruktion war es damals möglich, mit nur 100 Watt Leistung Frequenzen über 50 Hertz und einem enormen Schalldruck zu erreichen. In kleinerer Form wird dieses Eckhorn auch in der BAR 40 verbaut, hier nennt man es jetzt Tractrix Horn. Hat man einmal Klipsch Lautsprecher beim Abspielen von Heavy Metal zuhören dürfen, bekommt man eine Vorstellung dessen, was diese zu leisten in der Lage sind. Die Vorfreude auf überragenden Klang im eigenen Wohnzimmer auch aus der kleinen Soundbar steigt also.  

Zum Anschluss der Bar 40 bieten sich drei verschiedene Möglichkeiten an, abhängig vom eigenen TV. Hier lässt sich ein analoger 3,5 Millimeter Klinkenstecker ebenso verwenden wie ein optisches Kabel, um dem Barren Klang zu entlocken. Aber da ich verwöhnt bin und die Soundbar nicht immer gesondert anschalten möchte, verlasse ich mich auf HDMI mit ARC. Beim Anschalten des TV wird die BAR 40 also gleich mit aktiviert. Die Anschlüsse sind wie bei Soundbars üblich im Gehäuse versenkt, so dass keine Stecker überstehen und den optischen Eindruck gerade bei der Montage an der Wand trüben. Und etwas überrascht: Der Subwoofer wird per Funkstrecke ins System eingebunden, dennoch gibt es einen zusätzlichen Subwoofer-Ausgang. Laut Anleitung können also gleich zwei Subs an der Soundbar betrieben werden.

Allerdings fällt auch auf, dass die Soundbar über keinerlei Netzwerkfunktionalität verfügt, es gibt weder einen Netzwerkanschluss, noch ist WLAN möglich. Soll die BAR 40 Musik abspielen, steht hierfür einzig Bluetooth zur Verfügung – allerdings gibt es keinerlei Angaben, in welcher Version dies vorliegt.

Der Aufbau und Anschluss der Soundbar stellt auch Anfänger oder Ungeübte vor keinerlei technische Herausforderungen. Die Soundbar wird hier per mitgeliefertem HDMI-Kabel mit dem TV verbunden und angeschaltet. Wer das erste Mal ein Gerät mit HDMI aktiviert, sollte in die Einstellungen seines TV schauen, um hier entsprechende Einstellung vorzunehmen. Der Subwoofer verbindet sich bei der ersten Stromversorgung automatisch mit dem Soundriegel. Eine durchgängig leuchtende LED an der Rückseite zeigt an, dass die Verbindung erfolgreich war. Auch wenn der Subwoofer kabellos funktioniert und somit theoretisch überall im Raum stehen kann, sollte er dennoch immer in Front des Zuhörers stehen. Aufgrund der Größe des Subs ist der Bass ortbar, eine Platzierung hinter dem Hörer verfälscht hier einfach das Klangbild.

Ist der Barren angeschlossen, informieren LED über den Zustand der Eingangsquelle bzw. des Anschlusses und der Lautstärke. Während die LED für die Quelle oben am kleinen Bedienfeld leuchten, können die LED für die Lautstärke an der Front aber als störend empfunden werden. Diese lassen sich aber mit einem simplen Druck auf die entsprechende Taste der Fernbedienung dimmen oder deaktivieren.

Genug Theorie, was liefern die insgesamt 320 Watt Leistung denn nun wirklich? Dass das System laut kann, hatte ich bereits erlebt, von daher ist der erste Film, mit dem sich die BAR 40 beschäftigen muss, Creed II gestreamt von SKY. Auch wenn Sylvester Stallone hier erstmals seit 1976 wieder mit Jürgen Prochnow statt Thomas Danneberg eine andere Synchronstimme hat und der Film vor Pathos tropft – es wird wieder einmal das neue alte Feindbild Russland heraufbeschworen, obwohl der Film in Kiew, also in der Ukraine startet – sind es vornehmlich die Dialoge, die die Handlung voranbringen.

Gerade Dialoge sind es, die den meisten Soundsystemen zusetzen können und ein gutes von einem schlechten unterscheiden. Aber die BAR 40 spielt hier trotz der doch ständig nuschelnden Stimme von Jürgen Prochnow einwandfrei mit, alles bleibt auch in den mit Soundeffekten oder Musik unterlegten Sequenzen jederzeit verständlich – und das ohne diese Dialoge zusätzlich über die entsprechende Funktion entsprechend anzuheben.

Spricht man von Action-Kino, so kommt man wohl in diesen Zeiten nicht um Marvel und hier im Besonderen um die Avengers herum. Das grandiose Finale in Avengers: Endgame schließt eine für mich großartige Reihe von Filmen ab, auch wenn das Ende mit dem Tod von Ironman bzw. Tony Stark nicht befriedigend war. Damit ist mein persönlicher Superstar des gesamten MCU raus, ich schließe für mich damit mit weiteren Teilen ab. Ein Marvel Universum ohne Ironman geht einfach nicht. Dennoch ist der Film grandios, die Action und die Soundeffekte sind überragend.

Bei diesem Film von Blu-ray, abgespielt über die Xbox One X, darf die Klipsch BAR 40 nun zeigen, ob man Sound auch ohne das 5.1 oder mit noch mehr Lautsprechern ausgestattete Heimkino tongewaltig darstellen kann. Bereits nach den ersten Dialogen fällt jedoch ein doch etwas nerviges Zischen bei den S-Lauten auf – minimal nur, aber es ist vorhanden. Das kannte ich so nicht. Ich hatte den Film bereits problemlos mehrere Male über mein vorhandenes 5.1.2 Heimkino-System gesehen bzw. gehört, von daher war ich hier über dieses doch unbewusst nervige Nebengeräusch überrascht, zumal dies beim zuvor angeschauten Creed II eben nicht zu vernehmen war.

Um zu überprüfen, ob es sich bei diesem Problem nur um die deutsche Dolby-Digital-Plus Tonspur handelt, wechsele ich auf den englischen Ton mit DTS-HD Master Audio Codierung. Und erstaunlicherweise bleibt die BAR 40 hier gleich komplett stumm. Keine Chance, den Film in englischer Sprache zu schauen.

Also wird nun noch zur Sicherheit John Wick 3 ebenfalls von Blu-ray abgespielt. Auch diesen Film kenne ich bereits von meinem System. Nach dem Start bleibt die Soundbar ebenfalls stumm, ein Blick ins Menü offenbart das Problem. Die voreingestellte Tonspur war hier DTS-HD Master, nach dem Wechsel auf Dolby Digital 2.0 gibt es auch wieder Ton. Offenbar kann die Soundbar keinen DTS-Klang codieren und abspielen. Dafür gibt es hier keine Probleme mit zischelnden S-Lauten, auch wenn die Mitten doch eher matschig klingen. Auch John Wick 3 hatte ich zuvor bereits mehrere Male völlig beanstandungsfrei über mein Heimkino-System geschaut.

Dazu kommt ein massiv schwächelnder Bass. Egal welcher Film auch abgespielt wurde, ich musste stellenweise meine Hand auf den Subwoofer legen um zu überprüfen, ob dieser überhaupt läuft. Gerade in der finalen Schlacht von Avengers: Endgame ab Kapitel 17 hatte ich deutlich mehr erwartet. Ich kontrollierte sogar den Nachtmodus, der ja Sound und Bass herunter regelt, ob dieser nicht versehentlich aktiviert war, aber das war es nicht. Der Sub kann einfach nicht mehr. Zur Sicherheit verwendete ich hier zahlreiche verschiedene HDMI-Kabel und wechselte zwischen allen 4 HDMI-Anschlüssen meines Philips OLED-TV. Das Ergebnis war immer das gleiche.

Zum Abschluss verbinde ich die Klipsch BAR 40 dann noch per Bluetooth, um mir ein wenig Musik zu gönnen. Allerdings hatte ich hier vergessen, vorher den Bass herunterzuregeln. Bei den ersten Tönen springt der Subwoofer regelrecht am Ende seines Stromkabels hin und her. Das Gerät ist also nicht kaputt, er bekommt scheinbar nur keine Tieftöne beim Film hin, denn bei Musik über Bluetooth klirren bei voller Lautstärke selbst die Tassen im Küchenschrank.

Bishop Briggs bzw. Sarah Grace McLaughlin hat mit Champion in der letzten Woche ihr neues Album veröffentlicht, welches seitdem hier rauf- und runterläuft. Leider klingt dieses Album auch über die BAR 40 nicht sonderlich gut. Die Mitten und damit die Stimmen sind undefiniert, alles klingt ein wenig unausgewogen. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich die Songs laut oder leise höre, ich vermisse die Klarheit der sonst so emotionalen und gewaltigen Stimme. Dies gilt leider nicht nur für Bishop Briggs, sondern für so gut wie jedes Genre, welches ich hier angespielt habe.

 

Fazit:

Unter dem Strich steht nach diesem Test die Verunsicherung und Überraschung, warum Klipsch gigantische HiFi-Boxen und auch mit den T5 Wireless und dem T5 Neckband Kopfhörer kann, aber mit der BAR 40 keine richtig gute Soundbar hinbekommt?

Lautstärke ist leider nicht alles, denn laut muss auch klingen. Und da hatte ich mit der Yamaha BAR 400, der Cambridge Audio TVB2 (V2) und einigen anderen schon deutlich bessere Soundbars in diesem Preissegment zum Test hier zu stehen.

 

 

Link zur Herstellerseite: Klipsch BAR 40

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