Hardwaretest: Hisense H55A6500 – preisgünstig, aber nicht billig

Im Markt der großen TV-Anbieter geht Hisense trotz intensiver Werbung bei Fußball-Großereignissen und der jahrelangen Premium-Partnerschaft mit Schalke 04 zumindest in Deutschland ein wenig unter. Kaum jemand hat Hisense auf dem Schirm, wenn es um TV-Geräte geht.

Aber das wird der Marke nicht gerecht, denn trotz überschaubarer Preise stellen die Chinesen regelmäßig gute Bildschirme auf die Beine. Und was kaum jemand weiß: Hisense liefert aufgrund einer strategischen Partnerschaft die Displays für das deutsche Unternehmen Loewe. Und was dort unter dem Strich bei einem TV steht, ist ja bekannt.

Sucht man bei Amazon nach dem H55A6500 wird man feststellen, dass das Gerät zwar seit Mai 2018 dort erhältlich ist, aber bis heute noch nicht eine Bewertung erhalten hat. Zeit also, dieses zu ändern. Denn eigentlich gibt es von der Papierform her nichts, was andere nicht auch könnten. Der H55A6500 bietet zuallererst 4K mit HDR und zwar zu einem Preis, der weit unter dem liegt, was üblicherweise sonst für ein aktuelles Gerät aufgerufen wird. Für momentan knapp 600,-€ für die 55 Zoll Version bekommt man sonst kaum einen TV.

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Auspacken und aufstellen sind bei modernen Bildschirmen keine Aktion mehr. Beim Hisense werden zwei Standfüße verschraubt und schon steht der TV sicher. Der schmale Metallrahmen passt optisch in jeden Wohnraum. Der Blick auf die Rückseite offenbart dann die Anschlussmöglichkeiten. Der H55A6500 verfügt über zwei HDMI 2.0 und einen HDMI 1.4 Anschluss, von denen HDMI 2 auch ARC beherrscht. Schließt man hier sein externes Sound-System an, gibt der TV den Ton nicht mehr über die 2 x 10 Watt TV-Boxen ab. Denn auch wenn die Boxen mit Dolby Audio oder verschiedenen Einstellungen einen vernünftigen Klang bringen, so gehört an einen modernen Flachbildschirm für guten Klang mindestens eine Soundbar.

Für Aufnahmen per USB-Recording auf einen Stick oder eine Festplatte stattet Hisense den TV zusätzlich mit jeweils einem USB 2.0 und 3.0 Anschluss aus. Dazu kommen ein optischer Ausgang, ein Audio-Eingang und der LAN-Anschluss für Smart-TV. Selbstverständlich kann der H55A6500 aber auch WLAN. Für die Wiedergabe von eigenen Aufnahmen beherrscht der TV alle aktuellen Formate von AVI bis hin zu MP4. Für den TV-Empfang steht ein Triple-Tuner mit DVB-S2+C+T2 HD zur Verfügung, so dass Programme über Kabel, Satellit und DVB-T2 HD empfangen werden können.

Die Einrichtung ist in vier einfachen Schritten erledigt. Der TV fragt nach Sprache, dem WLAN-Passwort und für welchen Anschluss er den Sendersuchlauf starten soll und innerhalb weniger Minuten ist der H55A6500 einsatzbereit. Auf der IFA konnte ich mir bereits die smarte Benutzeroberfläche VIDAA U anschauen. Hinter dem seltsam komplizierten Namen verbirgt sich eine durchdachte und vor allem herrlich übersichtliche, lesbare und verständliche Menüführung.

Mit einem Druck auf die Home-Taste der überraschend edlen Fernbedienung gelangt man in ein Menü, welches selbst Laien auf Anhieb durchschauen. Große Buttons führen den Benutzer ohne Umstände oder verschlungene Untermenüs an die gesuchte Stelle. Auch wenn Hisense auf der Website mit der „Umsetzung auch komplexer Inhalte in Turbogeschwindigkeit“ wirbt, hatte ich trotz Quad Core Prozessor das Gefühl, dass im Menü die Ausführung am TV der Eingabe an der Fernbedienung ein wenig hinterherhängt.

Zum Startbildschirm lassen sich häufig genutzte Buttons hinzufügen, aber auch wieder entfernen. Schaut man also häufig Netflix, legt man die entsprechende Schaltfläche einfach dort ab. Der App-Market ist recht gut gefüllt, aber wie üblich nutzt man nicht einmal ansatzweise einen Teil der dort vorinstallierten Anwendungen. Leider lassen sich aber vorinstallierte Apps nicht löschen, was der Übersichtlichkeit schadet. Weiterhin war es mir im Laufe des Tests nicht möglich, neue Apps wie DAZN oder den Eurosport Player hinzuzufügen. Die Suche erging sich trotz perfekter Internetverbindung in einer Endlosschleife, die ich dann nach einigen Minuten ergebnislos abgebrochen habe. Leider gibt auch die Online-Anleitung zum Thema Apps und deren Installation nichts her.

Aber gut, ein TV definiert sich nicht über Apps, sondern über das Bild, das er darstellen kann. Und da sieht der H55A6500 gut aus. Je nach gewählten Programm, stehen dem Benutzer mit Standard, Kino Nacht und Tag, Dynamisch und Sport fünf verschiedene Bild-Modi zur Verfügung. Diese machen schon in den Standardeinstellungen eine gute Figur, lassen sich aber selbstverständlich auch den eigenen Bedürfnissen entsprechend anpassen. Das reicht von der Justierung von Kontrast und Helligkeit bis zur Hintergrundbeleuchtung des LED-Displays. Pixelfehler waren nicht auszumachen, allerdings ist der Bildschirm nicht gleichmäßig bis in die Ecken ausgeleuchtet. Hier fallen deutlich dunkle Stellen ins Auge.

Einen TV einzig für das schlichte Abendprogramm zu verwenden, wäre pure Verschwendung. Daher zieht sich die Xbox One X einen der besten Filme 2018 in den Schacht – Deadpool 2. War schon der erste Teil der vollkommen andere Action-Streifen, steht dem der aktuelle in nichts nach. Auch wenn die Handlung diesmal ein wenig abgedrehter ist und in Richtung der X-Men geht, so strotzt Deadpool 2 doch vor Action, die der Hisense einwandfrei darstellt. Allein wie sich die X-Force beim Fallschirmabsprung selbst dezimiert, ist an Komik kaum zu überbieten.

Selbst ältere DVD profitieren vom H55A6500, denn dank Ultra HD Upscaling rechnet der TV Bilder entsprechend hoch. So werden selbst aus alten Filmen zwar keine Meisterwerke mehr, aber man erhält ein zeitgemäßes Bild. Bestes Beispiel zur Weihnachtszeit dafür ist wohl Schöne Bescherung, der Weihnachtsklassiker schlechthin. Das klassische TV-Programm macht der Hisense zwar nicht besser, aber aufgrund der guten Darstellung zumindest optisch erträglich.

Aber auch beim Gaming macht der TV eine gute Figur. Hisense macht leider keine Angabe zur Reaktionszeit, aber bei einem vorhandenen Spielmodus ist diese mit Sicherheit äußerst gering. Ich habe beim Spielen selbst keinerlei Latenz bemerkt und das bei einem temporeichen Spiel wie Rayman: Definitive Edition auf der Nintendo Switch. Wer die letzten Rayman-Titel gespielt hat weiß, dass es sich dabei nicht um ein schnödes Jump`n`Run handelt, sondern dass Michel Ancel hier unglaublich viel Liebe und Energie in die Entwicklung gesteckt hat. Zahlreiche engagierte Künstler hatten vor Rayman noch nie etwas mit Videospielen zu tun und dadurch entstand ein grafisch wie musikalisch so brillantes Spiel.

Der H55A6500 ist voll bei der Sache. Farben werden herrlich klar dargestellt, jede einzelne Spielfigur hat ihre eigenen Animationen und Moves und selbst in der allergrößten Hektik war am Bildschirm nichts festzustellen, was den Spielspaß in irgendeiner Weise hätte beeinträchtigen können. Es gab keine Ruckler und auch schnelle Kamerafahrten liefen ohne Shuttering, also verwaschene Bilder ab. Dies ist gerade in den temporeichen Bonus-Leveln so wichtig, wenn es nur darum geht, das Ende so schnell als möglich zu erreichen.

Aber auch bei den Schwarzwerten weiß der H55A6500 zu überzeugen. Bei Little Nightmares geht es einzig darum, Level für Level zu überleben – und das zumeist in dunkler Umgebung. Denn meistens erhellt nur euer Feuerzeug einen Teil der Umgebung oder ihr findet eine versteckte Lampe, die ihr entzünden könnt. So schleicht ihr euch vorbei an seltsamen Gestalten, denen einzig der Sinn danach steht, euch das Feuerzeug auszupusten.

Das Spiel bezieht seinen Reiz aus dem Unvorhergesehenen. Die ständige Dunkelheit zerrt an den Nerven und der Hisense TV spielt hier wunderbar mit. Ich habe für das Spiel den Bildmodus Kino Nacht eingeschaltet, weil hier das Bild noch einmal an Helligkeit verliert. Aber auch hier lassen sich sämtliche Werte natürlich den eigenen Vorlieben entsprechend anpassen. Dennoch ist Schwarz auch wirklich Schwarz.

Fazit:

Der Hisense H55A6500 ist ein guter und preiswerter LED-TV – nicht mehr und nicht weniger. Er macht das, was er soll, nämlich das ihm zugeführte Bild bestmöglich auf dem Bildschirm darzustellen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich dabei um das abendliche TV-Programm handelt, eine 4K Blu-ray oder ein Videospiel. Die verschiedenen Bild-Modi machen aus dem Bild das Beste, sei es Kino, Dynamisch oder Sport. Allerdings fällt die nicht gleichmäßige Ausleuchtung bis in die Ecken des Displays auf.

Die Menüführung VIDAA U ist übersichtlich und selbst für einen Laien auf Anhieb verständlich. Trotz der zahlreichen Möglichkeiten bleibt das Menü verständlich und so gut wie alles lässt sich den eigenen Bedürfnissen entsprechend anpassen. Da ist es schade, dass sich die Apps so unflexibel geben. Einerseits lassen sich vorinstallierte Apps, die man im Leben nicht benutzen wird, nicht löschen und andererseits war es mir nicht möglich, DAZN und den Eurosport Player zu installieren.

Wer einen aktuellen TV für einen erschwinglichen Preis sucht, wird mit dem H55A6500 einen guten (Zweit-)LED-Bildschirm finden.

 

Link zur herstellerseite: Hisense H55A6500

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