Hardwaretest: Cambridge Audio Yoyo (L) – Klang im feinsten Zwirn

Auf der High End präsentierte Cambridge Audio seine Edge Serie – audiophile Meisterwerke in Ton und Design und in Preisklassen, für die sich die meisten mehr als nur bis zur Decke strecken müssen. Aber nur die Edge-Serie im Angebot für 2018 zu haben, wäre auch Cambridge Audio zu wenig. Und so kommen mit der Yoyo-Serie ein paar Boxen auf den Markt, die nicht nur großartig klingen, sondern auch noch edel angezogen sind.

Bei Cambridge Audio legt man Wert auf Stil und dieser beginnt bereits mit der Verpackung. Dezent und unscheinbar solange, bis man den Karton öffnet und als erstes den trotz seines vier Kilogramm schweren Gewichts doch recht kompakten Lautsprecher in den Händen hält. Ich hatte weder den Yoyo (S) noch (M) in den Fingern, von daher wirkt der (L) auf den ersten Blick gar nicht so gewaltig, wie es das Gewicht vermuten lässt.

Hinter den Maßen von 269 x 269 x 125 Millimetern verbergen sich gleich sechs Hochleistungstreiber. Und hier zeigt sich die erste Besonderheit des Yoyo (L), denn diese sechs Treiber strahlen nicht nur nach vorne, sondern auch zu den Seiten ab. Auf diesen drei Seiten arbeiten jeweils ein Breitband-Speaker und ein Subwoofer, von denen jeder von einem eigenen verzerrungsarmen Verstärker angetrieben wird. Diese ungewöhnliche Anordnung aller Treiber ermöglicht damit einen besonders raumfüllenden Klang.

Bis dahin ist die Yoyo (L) schon optisch eine etwas andere Box als jene, die man üblicherweise im Raum aufstellt, um seine Musik streamen zu können. Obwohl die Box über Bluetooth verfügt, will Cambridge Audio die Yoyo (L) zu mehr machen, als zu einem profanen Streaming Lautsprecher. Man bezeichnet die (L) selbst als Home Audio Hub. Was sich hinter dem Namen verbirgt, wird erst mit einem Blick auf die Rückseite und damit auf die zahlreichen Anschlussmöglichkeiten klar. Denn dienen die (S) und (M) als echte mobile Streaming- bzw. Stereo- Boxen, wird die Yoyo (L) zu einem Multitalent.

In der Rückseite versenkt finden sich nämlich neben dem Netzanschluss auch eine 3,5-Millimeter-Miniklinke, ein ARC-fähiger HDMI-Eingang, ein optischer Eingang und ein USB-Anschluss, der zum Laden des Smartphones dient, wenn man seine Spotify Playlist streamen möchte, aber der Akku zur Neige geht. Durch den optischen und den HDMI-Eingang kann die Yoyo (L) tatsächlich auch an einen TV angeschlossen werden, um den Sound kinoreif ins heimische Wohnzimmer zu transportieren. Die Yoyo (L) ist damit mehr als nur eine Musik-Box, sondern kommt mit diesen Funktionen einer klassischen Soundbar sehr nahe. Sämtliche benötigten Kabel liegen der Box bei.

Und noch etwas fällt an der Rückseite auf. Ein unauffälliger Sticker der britischen Weberei Morton Mills aus Yorckshire verrät, wer für die feine Bespannung der Box zuständig ist. Ein Detail nur, aber für Ästheten ein wichtiges. Die Bespannung ist imprägniert und soll somit gegen Wasser und Schmutz resistent sein.

Die Oberseite besteht aus einer Art Gummierung, diese passt sich farblich dem dunkelgrauen Stoff an. Leider sind die Sensor-Funktionstasten ebenfalls in einem sehr dunklen Grau gehalten, so dass diese sich optisch kaum abheben und schwer zu erkennen sind. Einzig der Power Schalter leuchtet auch im Stand-by, dieser ist auch der einzige mit einer haptischen Rückmeldung. Aufgrund der schwammigen Bedienung bin ich persönlich kein Fan von Sensortasten, dies merkte ich beim Test besonders bei der Bedienung der Lautstärke-Tasten. Es ist schwierig, den gewünschten Pegel auf Anhieb korrekt einzustellen. Glücklicherweise liegt der Box eine kleine Fernbedienung bei, die die direkte Bedienung unnötig macht.

Beim Sound unterscheiden sich TV, Film und Musik gewaltig voneinander. Erwarte ich in einem Actionstreifen brachiale Explosionen, so sind diese im TV-Programm eher unpassend. Und so verfügt die kleine Fernbedienung noch über vier verschiedene Soundprogramme, die das jeweilige Bild mit dem entsprechenden Klang hinterlegen. Will man einer Talkshow folgen, stellt die Funktion Voice die Sprachausgabe in den Vordergrund. Obendrein erlernt die Yoyo (L) auf Wunsch die Kommandos der TV-Fernbedienung.

Die Yoyo (L) verfügt über ein integriertes Chromecast-Modul, somit ist die Einrichtung über die Google Home App eine Sache weniger Augenblicke. Auch wenn ich aufgrund des Tests der Cambridge Audio Soundbar TVB2 (V2) eine Vorstellung davon hatte, wie Great British Sound klingt, der erste Hörtest  überraschte mich dennoch. Das lag einerseits am sehr direkten und warmen Klang und andererseits an der durch die Anordnung der Lautsprecher weiten Räumlichkeit.

Und noch etwas anderes überraschte, denn die Yoyo (L) verfügt über drei Speicherplätze, um sich seine Playlists zu sichern – nach einer kurzen Laufzeit der Lieblingsmusik einfach eine der drei Zifferntasten drücken und die Yoyo merkt sich die Songs. Mag man sich später die Suche auf dem Smartphone nach seinen Lieblingssongs ersparen, drückt man kurz eine der Tasten und die Box spielt die gespeicherte Playlist ab, auch ohne vorherige Verbindung zu Spotify.

Klanglich ist die Yoyo (L) ein Genuss. Cambridge Audio wirbt damit, den Sound so original wie möglich wiederzugeben, nichts weglassen, nichts hinzufügen. Und das kann der Lautsprecher. In allen Frequenzen spielt die Yoyo druckvoll auf, die Höhen sind punktgenau und klirren nicht, in den Mitten kommt der Sound warm und dynamisch. Hier übernimmt der Hörer die Vorgaben des Herstellers unveränderlich, einzig der Bass lässt sich den persönlichen Vorlieben entsprechend regulieren. Dieser kommt jedoch immer angepasst druckvoll aus den Treibern, ohne den Klang zu übertönen.

Ich liebe von Apple Music oder Spotify vorgeschlagene Playlists, denn hier trifft man immer wieder auf Künstler oder Bands, die man sonst niemals gehört hätte. Und so blieb ich beim Test der Yoyo (L) an Twenty One Pilots mit dem Song Nico and the Niners hängen. Eigentlich eher ungewöhnlich für eine Rock-Playlist hat dieser Song jedoch aufgrund des Stil-Mixes eine ganz eigene Charakteristik, die der Lautsprecher hervorragend ausarbeitet.

Bei Musik ist die Yoyo (L) eine wirkliche Bereicherung für den heimischen Sound. Aber Cambridge Audio hat der Box ja noch einen HDMI-Eingang für den TV-Sound spendiert. Also habe ich den Lautsprecher an den TV gehängt und mich direkt in die Action-Szenen bei What happened to Monday gebeamt. Auch wenn der Sound nur vor dem TV ausgegeben wird, so beeindruckt doch die Dynamik und die breite Bühne, die sich vor dem Hörer ausbreitet. Kraftvoll stellt die Box das Geschehen auf dem Bildschirm dar, auch bei hohen Pegeln. Action wird hautnah wiedergegeben, Dialoge sind trotz zahlreicher Hintergrundgeräusche klar und verständlich.

Gleiches gilt bei Videospielen. Egal ob Racer, Jump`n`Run oder Action, auch hier gibt sich Yoyo (L) keine Blöße. Es ist erstaunlich, wie sauber selbst Nebengeräusche herausgearbeitet werden. Nun mag Cities Skylines ganz sicher kein Spiel sein, was die Fähigkeiten dieser Box auch nur ansatzweise ausreizt, aber selbst diese Aufbausimulation bekommt durch den Speaker noch einmal mehr Tiefgang. Sei es beim Kameraschwenk auf die Landwirtschaft oder aber inmitten des größten Verkehrschaos, der Sound ist stets zur Szene passend.

 

Fazit:

Die Yoyo (L) ist ungewöhnlicher Lautsprecher mit vielen Talenten. Wer keinen Platz für ein vollwertiges Heimkino-System hat und den eine Soundbar bei Musik klanglich einfach nicht befriedigt, der sollte die Yoyo (L) unbedingt hören, auch wenn ihre wirkliche Stärke die Musik ist. Hier spielt sie das aus, was ihr von Cambridge Audio mitgegeben wurde: Great British Sound, pur und ohne etwas zu beschönigen.

Auch wenn sich die Yoyo (L) unauffällig in das bestehende Ambiente einfügt, so ist sie doch viel zu schade, um ihr Dasein unscheinbar in einem Regal zu fristen. Wer sich für diesen Lautsprecher entscheidet, sollte auch ein exponiertes Plätzchen finden, damit das edle Design auch zur Geltung kommt.
Getreu dem Motto der Kingsman: „Oxford, nicht Budapester“

Link zur Herstellerseite: Cambridge Audio Yoyo (L)

Fotos: Michael Schulz, Cambridge Audio Produktfotos

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