Die Form von In-Ear Kopfhörern hat sich in den letzten beiden Jahren gewandelt, nachdem diese als kabellose Pfropfen im Ohr begannen. Der Nachteil dabei war, dass der Klang dabei oftmals nicht so wiedergegeben werden konnte, wie er eigentlich gedacht war. Steckten diese Stöpsel zu tief oder umgekehrt zu locker im Gehörgang, wurde der Sound verfälscht. Aus diesen simplen Knöpfen sind deshalb inzwischen wahre Designer-Passstücke geworden, die in so gut wie jedes Ohr passen sollen, ohne dabei herauszufallen. Zu diesem Zweck hat man bei Cambridge Audio über 3000 Ohrabdrücke genommen, um letztendlich die optimale Passform des Gehäuses für die In-Ears zu erhalten. Herausgekommen ist dabei mit dem neuen Melomania Touch ein optisch cooler Kopfhörer in Tropfenform, der aufgrund der Größe nun ausreichend Platz bietet, darin die bestmögliche Technik unterzubringen.

Schon die grafisch farbenfrohe Verpackung suggeriert, mit den neuen Melomania Touch einen ganz besonderen In-Ear Kopfhörer in den Händen zu halten. Dieser Eindruck verstärkt sich dann beim Öffnen des Magnetverschlusses. Freundliche Grußworte des Cambridge Audio CEO James Johnson-Flint auf der linken, die In-Ears und das Ladecase auf der rechten Seite erhöhen die Vorfreude auf das erste Hören. Die Melomania Touch sind bei der Auslieferung bereits zu gut 90% aufgeladen, so dass man sich die Wartezeit bis zu seinen ersten Songs ersparen kann. Wer noch nie einen In-Ear Kopfhörer besaß, wird zum ersten Pairing per Bluetooth die kurze, mehrsprachige Anleitung zur Hand nehmen. Die Verbindung per Bluetooth steht dann problemlos innerhalb weniger Sekunden. Und dann kommt der Moment, in dem man die Melomania Touch das erste Mal in die Ohren steckt.

Bestand der Melomania 1 noch aus Stöpseln mit einem aufgesetzten Gehäuse, welche erst einmal ins Ohr gedrückt werden mussten, um einen vernünftigen Halt zu ermöglichen, so passen die Melomania Touch auf Anhieb. Durch das große, der Ohrmuschel angepasste Gehäuse ist der einwandfreie Sitz sofort gegeben, man kann diese Kopfhörer weder zu tief noch zu locker in den Ohren tragen. Ich habe die Touch jetzt seit gut drei Wochen im fast täglichen Gebrauch zu Hause wie unterwegs – dort auch beim Biken im Wald – und nie hatte ich das Gefühl, dass einer der Stecker wegen schlechtem Sitz abhandenkommen könnte. Für den Fall, dass die vormontierten Passstücke und Ohrenflügel aus Silikon tatsächlich nicht passen, legt Cambridge Audio dem Paket zahlreiche zusätzliche Passstücke in verschiedenen Größen bei.

Man könnte jetzt erst noch die neu programmierte Melomania App installieren, aber dafür bin ich einfach zu gierig darauf, wie die In-Ears denn ab Werk bereits klingen. Da ich letztens auf Tidal über einen Song einer mir bis dato unbekannten Künstlerin gefallen bin und ich den großartig fand, ist das genau der Titel, der auf den Melomania Touch Premiere feiert. In To Bring You My Love von PJ Harvey werden zwei Gitarrenparts verwendet, die ganz klar voneinander getrennt zu vernehmen sind – jeweils eine Gitarre spielt auf dem linken, die andere auf dem rechten Kanal. Dazu kommt die intensive Stimme von PJ Harvey. Ein großartiger Song, auf den man sich allerdings einlassen muss und der definitiv nichts ist, was man nebenbei hören kann oder sollte. Die Melomania Touch transportieren diese wenigen Noten und die angeschlagenen Saiten einwandfrei.

Aber so einwandfrei die Werkseinstellungen auch sind, die neue Melomania App lädt zum Experimentieren ein. Jetzt im Dezember arbeite ich noch mit einer Beta-Version, die endgültige Version soll aber im Januar zum Verkaufsstart der Kopfhörer zur Verfügung stehen. Sind die Melomania Touch mit dem zuspielenden Devise verbunden, wird die App gestartet, diese sucht kurz nach den In-Ears und kurz darauf steht die Verbindung. Das erste Bild zeigt dann den Ladezustand an, interessant ist jedoch zuerst eine Funktion, die die Melomania ortet. In Find My Earphones wird angezeigt, wo sich die vielleicht liegengelassenen Ohrstöpsel gerade befinden – vorausgesetzt, diese sind in Betrieb. Sollte ein Update anstehen, wird dieses kurz darauf eingespielt.

Der werksseitig eingestellte Ton ist schon einwandfrei abgestimmt, aber jeder Mensch hört anders, daher enthält die App auch einen überraschend umfangreichen Equalizer mit fünf Bändern, der einige Einstellung in den entsprechenden Tonbereichen ermöglicht. Vorgegeben sind sechs Einstellungen, die verschiedene Genres abbilden. Ist man jedoch mit diesen nicht wirklich zufrieden, lassen sich bis zu drei eigene Presets speichern und jederzeit wieder aufrufen. So kann man sich für seine persönlichen Favoriten den stets dazu passenden Sound einstellen.

Spannend sind die Settings, in denen man sich seine Melomania Touch nicht nur im Klang per EQ, sondern auch in zahlreichen anderen Einstellungen personalisieren kann. Steuerungselemente, die die so eingängige Touch-Steuerung der In-Ears eigentlich ausmachen, können je nach Bedarf deaktiviert werden. Wer aufgrund zittriger Finger statt die Lautstärke zu verändern ständig den nächsten Track anspielt, schaltet die entsprechende Funktion einfach ab. Somit erfolgt die Steuerung dann über das Smartphone oder Tablet.

Eine Funktion, die bei der Nutzung auf der Straße von entscheidender Bedeutung sein kann, um nicht versehentlich vom abbiegenden LKW mitgenommen zu werden, ist der Tranparency Mode, wenn man voll in seiner Musik aufgeht. Mit dieser Einstellung lässt sich die Umwelt fast vollkommen ausblenden oder aber bei zugeschaltetem Modus noch wahrnehmen. In der Praxis funktioniert das recht gut, ist aber abhängig von der Umgebung und den von außen eindringenden Geräuschen. Das für diesen Modus und auch für ANC typische Rauschen ist aber so gut wie nicht zu vernehmen.
Im Audio Mode lässt sich schlussendlich noch die Qualität der zugespielten Songs und damit auch die Lebensdauer des Akkus regulieren. Wählt ihr den High Performance Mode, spielen die Melomania Touch den bestmöglichen Klang zu, aber die Batterieladung sinkt von angegebenen neun Stunden auf immer noch beachtliche sieben Stunden. Somit sinkt die gesamte Spielzeit auch beim Aufladen im Case von 50 Stunden bei Low Power auf 40 Stunden bei bestmöglicher Leistung.

Aber nicht nur die App ist übersichtlich und sinnvoll, auch die im Inneren der Gehäuse verbaute Technik ist beeindruckend. Cambridge Audio verbaut in den Melomania Touch 7 Millimeter Treiber mit Graphen-Membran, einen Triple-Core-Prozessor bestehend aus einem Subsystem mit Dual-Core-32-Bit-Prozessor und Qualcomm QCC3020 Single-Core 120 MHz Kalimba DSP-Audio-Subsystem. Für die Übertragung kommt Bluetooth 5.0 Klasse 2 zum Einsatz, unterstützte Codecs sind aptX, AAC und SBC. 

Bei aller integrierten Technik entscheiden aber immer der Klang und die Bedienbarkeit darüber, ob ein Kopfhörer etwas taugt oder links liegen gelassen wird. Der Name Melomania Touch ist daher nicht von ungefähr gewählt, denn die gesamte Steuerung erfolgt über berührungsempfindliche Sensoren in beiden Steckern. Nimmt man die Stecker aus dem Ladecase und ist beim Device Bluetooth aktiviert, verbinden sich die Kopfhörer sofort selbstständig. Die weitere Bedienung ist dann recht unkompliziert, dem Paket liegt aber auch zum besseren Verständnis eine scheckkartengroße, bebilderte Anleitung bei, die sämtliche Funktionen erläutert. So reicht einmaliges Tippen auf den rechten Stecker, einen Song zu pausieren, zweimaliges Antippen sorgt für den Titelsprung zum nächsten Song, auf der linken Seite springt man damit einen Titel zurück. Geht bei Benutzung ein Anruf ein, reicht auch hier einmaliges Tippen rechts, um den Anruf anzunehmen. Die Sprachqualität ist natürlich immer abhängig von der Verbindung, dennoch hatte ich das Gefühl, hier ist noch Luft nach oben. Aber Telefonate sind für mich absolut zweitrangig, von daher war es wichtig, dass ich meinen Gesprächspartner verstehe und gleichzeitig am anderen Ende vernommen werde. Und das leisten die Melomania Touch.

Nachdem nun die Kopfhörer nach meinen persönlichen Bedürfnissen eingerichtet sind, kann ich mich endlich meinen zahlreichen Playlists widmen. Diese bestehen zu einem Großteil aus Musik der härteren, handgespielten Gangart aller Jahrzehnte, aber auch zahlreichen Singern/Songwritern, die ihre Instrumente beherrschen. Da der Melomania Touch nach dem Melomania 1 der zweite In-Ear-Kopfhörer aus dem Hause Cambridge Audio ist, den ich in den Ohren habe und ich obendrein schon zahlreiches weiteres HiFi der Engländer testen durfte, war meine Erwartungshaltung entsprechend hoch. Und wie immer wurde die nicht enttäuscht.

Die vorgegebene Abstimmung für einzelne Genres ist einwandfrei gelungen, ohne dass ich mit dem EQ experimentieren muss. Sämtliche Frequenzen von ganz oben bis ganz nach unten in den Bassbereich werden präzise wiedergegeben. Ich persönlich bin kein Fan intensiver und übermäßig präsenter Höhen und auch hier sind die In-Ears genau das, wie ich meine Musik gerne höre. Gerade im Bereich der Höhen und Mitten stellen die Kopfhörer ein sehr ausgewogenes Klangbild dar. Wer auf intensiven, wummernden Bass steht, sollte um die Melomania Touch einen Bogen machen, denn die Engländer legen hier Wert auf Präzision, statt auf dröhnenden Wumms. Was mir ausgesprochen gut gefällt, ist die Ortbarkeit und Räumlichkeit einzelner Instrumente. Die Stereo-Abbildung ist hier einwandfrei.

Fazit:

Cambridge Audio wirbt nicht umsonst mit dem Leitspruch Great British Sound. Waren die ersten In-Ears aus England schon wirklich gute Kopfhörer, so haben mich die Melomania Touch absolut begeistert. Und das liegt nicht nur am rundherum ausgewogenen, warmen und präzisen Klang, es ist das Gesamtpaket, welches der interessierte Musikfan hier erwirbt. Das beginnt beim einwandfreien Sitz der Ohrstecker, geht weiter über eine App, die den Namen auch verdient, weil die eben nicht nur den Ladestand abbildet und endet bei einer einwandfreien Bedienung.

Und als ob das nicht schon genug wäre, überrascht dann unter dem Strich der Preis. Für nicht ganz 140,-€ gehen die Melomania Touch über die Ladentheke. Wer also jetzt im Januar 2021 nicht genau weiß, wie er seine weihnachtlichen Geldgeschenke sinnvoll anlegen kann, sollte sich die Melomanias unbedingt einmal anhören.


Link zum Hersteller: Cambridge Audio Melomania Touch







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5 Comments

  1. Viele Dank für den ausführlichen Bericht. Ich hatte schon viel Gutes über Cambridge Audio gehört – allerdings nur aus dem Stereo Hifi und Homecinema Bereich. Hier hatte sich ein Freund mal ein kleines Minx Surround System gekauft, welches mich beim ersten Hören sofort überzeugt hat. Daher wusste ich, dass Cambridge eben auch sehr „klein“ kann. Leider habe ich mich schon für einen anderen Hersteller entscheiden was In-Ears angeht – allerdings werde ich mir nach dem Lesen dieses Artikels bei der nächsten Gelegenheit definitiv die Melomania anhören. 😀

    1. Hallo, danke für die nette Rückmeldung zum Beitrag 🙂
      Ja, ich bin auch Cambridge Fan und habe mir deshalb den Streamer CXN (V2) spendiert 😉

  2. Zitat: „Wer auf intensiven, wummernden Bass steht, sollte um die Melomania Touch einen Bogen machen, denn die Engländer legen hier Wert auf Präzision, statt auf dröhnenden Wumms.“

    Also wenn die Leute um die Melomania Touch einen Bogen machen sollen, frag ich mich was los ist mit den Leuten die auf intensive wummernde Bässe stehen. Wohnen die in einem Raum mit 4 Doppelhornbässen die je zwei 21 Zöller haben? Ja die Melomania Touch klingen Fantastisch 🙂

    Vorraus gesetzt man nutzt den Equalizer und zieht den Bass komplett herunter, erhöt die Mitten etwas und senkt die höhen im Brillanzbereich um eine Stufe herab.

    Tiefbass: -6 Stufen (komplett runter)
    Tiefmitten: +2 Stufen
    Mitten: +4 Stufen
    Hochmitten: +4 Stufen
    Höhen: +3 Stufen
    (Bei +4 wirds mit manchen Tracks schon leicht schrill)
    So sollte Balanced (Symmetrisch) eigentlich klingen.

    Kein Scherz. Mal ausprobieren. Linearer bekomme ich sie mit dem 5 Band Equalizer einfach nicht (Mit Sinus oder bandpassgefilterter White Noise büchsen sie bei etwa 27 bis 40Hz doch noch etwas nach oben aus). Balanced (Symmetrisch in der deutschen Version) klingt einfach nicht Balanced und das ist leider dass einzige Problem was ich damit hab. Für mich gehört Balanced umbenannt in Bass Boosted (Bassverstärker in der deutschen Version). Das aktuelle Bass Boosted Profil sind dann die 4 Hornbässe in 18 Quadratmeter gequetscht. Das klingt dann halt echt nicht mehr schön. Aber ja… Breitbühnig und Präzise können sie definitiv. Das hab ich bisher selbst von Kabelgebundenen In-Ears noch nicht erlebt. Dank Apt-X ja kein Problem. Ich bete für iPhone Nutzer das Apple irgendwann endlich mal bei Qualcomm eine Apt-X Lizenz erwirbt. Da man in der Melomania App das Codec ja selbst einstellen kann, habe ich aac (Apple) mal ausprobiert. Es gibt keinen großen, aber definitiv bei manchen Titeln einen spürbaren Unterschied. Hauptsache kein SBC (Das gehört in die Tonne). Wenn ein Firmwareupdate aus Balanced, irgendwann mal tatsächliches Balanced macht, kann ich die Kopfhörer uneingeschränkt empfehlen. Wer unbedingt Beats Sound haben will, könnte selbst: +6 Bass, +4 Tiefmitten, -1 Mitten/Hochmitten und +1 Höhen einstellen (Wenn das Grundsetup Balanced „wäre“).

    1. Ich LIEBE solche Kommentare, kein Witz!!!
      Danke für deinen ausführlichen Beitrag!

      1. Gern geschehen. Am Ende ist es ja sowieso Geschmacksache. Wenn man nach der Philosophie von Cambridge Audio geht ist es eben sehr seltsam wenn der erhöht eingestellte „Subwoofer“ als Balanced verkauft wird.

        Diese Seite hier werd ich in Zukunft wohl öfter besuchen. Der PC Hardware/Gaming Markt geht mir aktuell einfach nur noch auf die Nerven. Und das sagt ein prädestinierter PC Gamer.

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