Schaut man sich die Produktseiten des CXN (V2) und des CXA61 an, bekommt man mit dem Kauf beider Geräte scheinbar ein rundum-sorglos-Paket. Ein Audio-Streamer der mit TIDAL, Spotify Connect und Apple AirPlay 2 kompatibel ist und auch noch per App gesteuert werden kann und ein Vollverstärker mit Bluetooth Schnittstelle, der eine Leistung von 60W pro Kanal verspricht.

Schon das Auspacken der Geräte macht Lust auf mehr, da man bei Cambridge Audio auch Wert auf eine ansprechende Verpackung legt. Beim Auspacken wird auch schnell klar, dass diese Geräte etwas für HiFi-Fans mit Leidenschaft ist, die ihren Raum fordern. So können die Geräte leider nicht „mal eben so“ im Regal verstaut werden, da der Verstärker stattliche 115 x 430 x 341 mm misst und auch der Streamer mit seinen 85 x 430 x 305 mm nicht gerade handlich ist.

Natürlich sind diese Maße für bereits ausgestattete HiFi Liebhaber nichts ungewöhnliches, für Einsteiger sollte dies allerdings beim Kauf bedacht werden, denn in die Standard IKEA-Regalwand passen diese Geräte nicht. Da auch ich eine solche Regalwand mein Eigen nenne, haben beide Geräte für die Dauer meines Tests einen Platz auf der TV-Bank bekommen.

Der Lieferumfang bei den Geräten ist sehr übersichtlich. Man bekommt lediglich eine exorbitant große Fernbedienung und das sogenannte Control Bus Kabel dazu, mit dem sich der Verstärker und der Streamer verbinden lassen. Netzkabel sind natürlich auch enthalten, aber schon das Toslink Kabel, welches ebenfalls benötigt wird, um eine Verbindung zwischen Steamer und Verstärker herzustellen, liegt nicht bei. Die Audiophilen unter uns, die schon einmal ein Gerät von nubert besessen haben, werden hier also bei weitem nicht so verwöhnt, wie sie es eventuell gewohnt sind und sollten sich dementsprechend mit Kabeln für ihre Zuspieler eindecken.

Eine Sache, die mir auf Anhieb nicht gut gefällt ist, dass keines der Geräte über einen Netzschalter verfügt. Zwar gibt Cambridge Audio im technischen Datenblatt an, dass die Geräte im Standby weniger als 0,5W verbrauchen, dennoch summiert sich das Ganze aufs Jahr gesehen und ist, aus meiner Sicht, unnötiger Stromverbrauch. Einzige Lösung hier ist also, immer den Netzstecker ziehen bei Nichtbenutzung oder die Geräte an eine abschaltbare Steckdose anschließen.

Optisch macht man bei Cambridge Audio keine großen Experimente. Die Geräte sind wohltuend schlicht und elegant gehalten. beide kommen im Aluminiumgehäuse daher, das beim CNX V2 wahlweise auch in anthrazit, silber oder weiß zur Wahl steht – alles ohne Pomp und Chichi oder bunte Knöpfe. Im Standby leuchtet eine kleine weiße LED auf der linken Seite der Geräte und auch im eingeschalteten Zustand wird es, zumindest beim CXA61, zum Glück nicht viel aufregender. Weniger ist manchmal eben doch mehr.

Der Verstärker zeigt in blauer Beleuchtung an, welcher Eingang gerade ausgewählt ist. Eine weiße LED markiert, welche Eingänge theoretisch noch vorhanden sind. Der CXN (V2) hingegen besitzt ein herrliches Fascia Display, auf dem er bei der Wiedergabe das Albumcover des aktuellen Songs anzeigt. Falls nicht die StreamMagic-App von Cambridge Audio benutzt wird, gelangt man mithilfe des Displays und des rechts am Gerät angeordneten Dreh- und Druckreglers auch ins Menü des Streamers.

Um endlich richtig loslegen zu können, muss nun der Streamer ins Netzwerk eingebunden werden, was tatsächlich überraschend einfach ist. Das Eingeben des Passworts über die Fernbedienung ist zwar ein wenig mühsam, aber zu verkraften. Theoretisch kann es nun losgehen. Praktisch schaue ich mir allerdings noch die StreamMagic App von Cambridge Audio an. Die App gibt es sowohl im Google Play Store, als auch im Apple AppStore zum kostenlosen Download. Beim Öffnen der App wird schnell klar, dass der CXN mehr kann, als nur Musik von Streaminganbietern wie Spotify und TIDAL wiederzugeben.

In der sogenannten Schaltzentrale der App bekommt man in fünf Rubriken einen Überblick der Möglichkeiten, die StreamMagic bietet. Die erste Rubrik zeigt eine schier unendliche Auswahl an Radiosendern, die zur Wiedergabe zu Verfügung stehen, in der zweiten Rubrik bekommt man passenderweise gleich die zuletzt gehörten Sender angezeigt. Die Rubrik „letzte Quellen“ enthält eine Übersicht der zuletzt verwendeten Geräte, die mit dem Streamer zur Wiedergabe verbunden waren. Diese Geräte findet man, sofern sie eingeschaltet sind, auch im Menüpunkt „Medien“ wieder. Dort lassen sich auch Netzwerkspeicher, USB-Laufwerke und TIDAL sowie Qobuz Accounts einbinden. In der nächsten Spalte der Schaltzentrale gibt es eine Auswahl an Musik-Streaming Apps, über die sich Musik abspielen lässt und zu guter Letzt gibt es noch eine Auflistung von aktuellen Wiedergabevorschlägen von TIDAL. Obwohl es viel zu entdecken gibt in der App, wird man von der Vielfalt nicht erschlagen, da das Design recht einfach und damit sehr übersichtlich gehalten wurde.

Sobald ein Gerät, in meinem Fall der CXN (V2) verbunden ist, gibt es im Menü „Geräte“ die Möglichkeit, allerlei Einstellungen vorzunehmen. Hier kann zum Beispiel das Gerät wieder auf Werkseinstellung zurückgesetzt werden, der Vorverstärker ein- bzw. abgeschaltet werden, aber auch Optionen zum Update der Firmware oder eines Early Updates können festgelegt werden. Es gibt die Möglichkeit, den WLAN und AirPlay Namen des Gerätes zu ändern, oder die Zeitspanne festzulegen, nach der der Streamer sich selbstständig abschaltet. Außerdem kann man die Netzwerkeinstellungen überprüfen oder allgemeine Einstellungen treffen. Darunter fällt die Wahl der Zeitzone oder die bevorzugte Sprache im Menü. Sobald der CXA61 an den Streamer angeschlossen ist, kann in den Einstellungen auch der Control Bus aktiviert werden.
All diese Einstellungen können natürlich auch direkt am Gerät getätigt und eingesehen werden, über die App hat Cambridge Audio aber zusätzlich noch einen komfortablen Weg bereitgestellt, der auch bequem vom Sofa aus funktioniert.

Nachdem endlich alle Einstellungen erkundet sind, wird von meinem iPad über AirPlay eine Verbindung zum CXN hergestellt und über Spotify das 2013 erschienene Album „…Like Clockwork“ von Queens of the Stone Age abgespielt. Sobald die Wiedergabe läuft, zeigt die StreamMagic App auch, wie die Spotify App selbst, welcher Titel gerade gespielt wird – inklusive Interpret und Name des Albums. Und als ob das noch nicht ausreichen würde, zeigt auch das Display des CNX das Albumcover inkl. Songtitel und Interpret an. Eine kleine, aber sehr feine Spielerei, die durchaus nützlich sein kann, wenn man eine bunt zusammengewürfelte Playlist hört, auf der man nicht jeden Track kennt. Ein Blick aufs Display genügt und man hat alle Infos, die man benötigt – ganz ohne dabei aufs Tablet oder in die Stream MagicApp schauen zu müssen.

Obwohl nuberts nuLine 24 nur kleine, aber dennoch großartige Regallautsprecher sind, kommt aus ihnen dank des CX61 ordentlich Klang. Da der Streamer Spotify Connect beherrscht, kommen in Verbindung mit einem Permiumaccount, hier 320kbit/s an. Der Raum füllt sich mit Klang, nichts knarzt oder klingt verzerrt. Um etwas Rücksicht auf meine Nachbarn zu nehmen, bleibt die Lautstärke auch mit kurzen Ausnahmen eher im gemäßigten Bereich des Machbaren. Trotzdem begeistert mich der Sound und gibt mir einen Impuls, für den weiteren Verlauf des Tests.

Als Nächstes schließe ich per Stereo-Cinch meinen Plattenspieler an den CX61. Obwohl der Plattendreher Bluetooth hat, funktioniert das Koppeln leider nicht, da sich die Geräte aus irgendeinem Grund nicht finden können. Aber halb so wild, solange man noch andere Anschlussmöglichkeiten hat.

Schon die ersten Takte des Beatles Klassikers „Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band“, welches als Originalpressung von 1967 nun auf dem Plattenteller spazieren fährt, lassen mir das Herz aufgehen. Auch hier liefert der Cambridge Audio Verstärker fantastischen, dynamischen Klang mit Volumen und klarer Kanaltrennung. Die Stimmen von Paul und John klingen warm und facettenreich, die Instrumente sind, jedes für sich, einzeln herauszuhören und verschmelzen doch irgendwie ineinander. Man wird vom Sound förmlich eingewickelt in die Welt von „tangerine trees and marmalade skies“, in der die Beatles die Geschichten von „Lucy in the Sky with Diamonds“ und „Lovely Rita“ erzählen. Ein auditives Erlebnis, das man nicht alle Tage hat.


Fazit:

Der CX61 und der CXN (V2) sind zusammen ein perfektes Team, überzeugen aber auch einzeln durch ihr Können und die einfache Bedienung. Die Geräte sind intuitiv zu bedienen, selbst für jemanden, der noch nie einen Verstärker oder Streamer besessen hat. Während ich bei manchen Tests doch schon mal zur Bedienungsanleitung griff, kam dies bei den Cambridge Audio Geräten nicht einmal vor. Der Verstärker liefert kraftvollen und dynamischen Klang, auch wenn nur ein kleines Paar Lautsprecher angeschlossen ist. Mit seinen vielfältigen Anschlussmöglichkeiten lässt er keine Wünsche offen.

Der Netzwerkstreamer ist ein echtes Multifunktionstalent, das nicht nur Inhalte von Spotify und TIDAL bequem und in hervorragender Klangqualität wiedergeben kann, sondern er bringt dem Hörer auch unzählige, als Stream verfügbare Radiosender ins Wohnzimmer und ist außerdem als digitaler Vorverstärker nutzbar.

Beide Geräte sind allerdings schon eher in einem Preissegment angesiedelt, welches manch einem Interessenten die Kaufentscheidung sicherlich nicht ganz so einfach machen wird. Kostet der CX61 aktuell 876€ und Der CXN V2 1071€, wird der Käufer am Ende jedoch nicht enttäuscht werden und schon nach kurzer Zeit sein Geld gut angelegt wissen.


Link zum Hersteller: Cambridge Audio CXA61CXN (V2)




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