Liest man sich die Produktseite des PX7 auf dem Internetauftritt von Bowers&Wilkins durch, kommt man aus dem Staunen kaum raus. So viele Dinge soll er können, so vielseitig soll er sein. Und das für 400€.
Wir fangen mal bei den Basics an. Optisch ist der Over-Ear-Kopfhörer schlicht gehalten, kein Pomp oder Klimbim. Es gibt ihn in 3 Farben zu erwerben. Sprace-Grau, Silber und Carbon, wobei Silber wohl die aufregendste aller wählbaren Farben sein wird. Ich selbst habe zum Test den PX7 in Silber erhalten. Mir gefallen die dezenten Farben gut, auch das Material fühlt sich wertig und robust an.

Die Bedienknöpfe befinden sich alle an den Hinterseiten der Hörmuscheln und sind damit perfekt zu bedienen. Ich persönlich finde es sehr schön, dass man hier auf richtige Knöpfe setzt und nicht auf ein Touchfeld, das mit Gesten gesteuert wird, da das nicht unbedingt für jeden funktioniert und die Bedienung mitunter umständlich sein kann. Auch ohne die Bedienungsanleitung gelesen zu haben ist mir auf den ersten Blick ersichtlich, was welcher Knopf tut. Ob ich mit der Vermutung richtig liege, werde ich im späteren Verlauf des Tests sehen.

Beim Aufsetzen des PX7 fällt mir gleich auf, dass er im Vergleich zu anderen Kopfhörern doch um einiges schwerer ist. Und schaut man ins technische Datenblatt des Kopfhörer stellt man fest, dass es nicht nur gefühlt so ist. Mit seinen 310g ist er sogar erheblich schwerer, als andere gängige ANC-Kopfhörer. Trägt man ihn nur fürs Musikhören zu Hause oder draußen, wird das kein all zu großes Problem darstellen. Sollte man ihn aber auch zum Arbeiten benutzen, um damit zu telefonieren oder an Konferenzen teilzunehmen, kann das Gewicht des Kopfhörers schon eine Rolle spielen. Was mir allerdings sehr gut gefällt, ist die Größenverstellung des Bügels. Diese funktioniert fließend, ohne dass irgendwo etwas einrasten muss und man so oft keinen optimalen Sitz seiner Kopfhörer erzielen kann. Auch wenn man vermuten würde, dass ohne stufenweises Einrasten die Einstellung schnell verrutscht, ist dies nicht der Fall.

Die Kopplung des PX7 über Bluetooth funktioniert ohne Probleme. Sowohl mein iPhone, als auch mein MacBook waren in weniger als 5 Sekunden mit dem Kopfhörer verbunden. Als Nächstes habe ich auf meinem Telefon dann die B&W Headphones App installiert, mit der so einiges an Einstellungsmöglichkeiten auf den Hörer zukommen. Natürlich kann hier die Geräuschunterdrückung ein- bzw. abgeschaltet und in einen der 3 Modi gewechselt werden. Auch die Einstellungen für die Umgebungsdurchschaltung, also wie viel von der Umgebung man noch mitbekommen möchte, finden sich hier wieder. Im Menü „Verbindungen“ verbirgt sich nicht nur ein Verlauf der Geräte, mit denen der PX7 schon verbunden war, es findet sich hier auch ein Feature, das ich persönlich ziemlich toll finde.

Bowers&Wilkins haben ihrem PX7 die Fähigkeit der Multipairing mitgegeben und das funktioniert wie folgt:
Wie bereits erwähnt, habe ich den Kopfhörer sowohl mit meinem iPhone, als auch dem MacBook gekoppelt. Sind beide Geräte aktiv, also mit eingeschaltetem Bluetooth, ist es möglich, ohne große Probleme von Gerät zu Gerät zu wechseln. Da ich den Kopfhörer während meines Tests auch während der Arbeit benutzt habe, habe ich ihn normal über mein MacBook Musik von Spotify wiedergeben lassen. Kam ein Anruf auf meinem iPhone rein, wurde die Wiedergabe vom MacBook automatisch pausiert und ich konnte entweder über die Tasten am Kopfhörer oder direkt übers Telefon, den Anruf entgegennehmen und mit dem Kopfhörer telefonieren. Nachdem der Anruf beendet wurde, hat der Kopfhörer automatisch die Wiedergabe von Spotify fortgesetzt, ohne dass ich ihm sagen musste, dass er das Gerät wieder wechseln muss. Ich habe diese Funktion mehrmals getestet und sie hat jedes Mal ohne Probleme funktioniert.

Doch zurück zur App und ihren Möglichkeiten. In der deutschen Version der App folgt den Verbindungen ein Menü mit dem Namen „Klanglandschaften“. Zu sehen sind 6 Kacheln, jede davon bildet eine Naturszene ab. Es gibt das Meer, den Wald, ein Lagerfeuer, Berge, Regen und einen Wasserfall. Aha, dachte ich bei mir. Was will der Künstler mir damit sagen? Auf den zweiten Blick fiel mir dann ein kleines Timersymbol auf und dann dämmerte mir, was in diesem Menü möglich war. Der Timer geht von 5 Minuten bis zu einer Stunde. Wählt man eines der 6 Szenarien aus, werden seichte Klänge aus eben jener Szene abgespielt. Je nach dem wie der Timer eingestellt ist, wird die Szene nach Ablauf der Zeit automatisch gestoppt. Dies scheint mir ein tolles Feature zu sein, mit dem sich zum Beispiel während der Arbeit eine kurze Ruhepause einlegen lässt. Aber auch für eine Meditation oder Achtsamkeitsübung sind diese Klänge sehr gut geeignet. Ein ungewöhnliches Feature, hinter dem aber eine tolle Idee steckt.

Zu guter Letzt gibt es dann natürlich noch das klassische Menü der Einstellungen. Hier kann der Nutzer den Kopfhörer zurücksetzen, ein Software Update durchführen oder auch den angezeigten Namen des Geräts ändern. Sprachansagen können ein- bzw. ausgeschaltet werden und die Zeit für den Standby-Timer kann gewählt werden. Wird der PX7 nämlich abgelegt, aber nicht abgeschaltet, kann hier ausgewählt werden, ob und wenn ja, nach wie vielen Minuten der Kopfhörer in den Standby gehen soll, um Batterie zu sparen. Sobald man den Kopfhörer wieder aufsetzt, erkennt der Tragesensor dies und weckt den Kopfhörer wieder auf. Und wo ich gerade schon beim Tragesensor war, auch dieser kann über die App eingestellt werden. So kann die Empfindlichkeit des Sensors gewählt werden. Denn der Kopfhörer erkennt nicht nur, dass man ihn abgelegt hat, er erkennt es auch, wenn man eine Hörmuschel anhebt und pausiert dabei die Wiedergabe. Auch diese Funktion finde ich durchaus sinnvoll und sie funktioniert auch noch sehr gut. Das einzige, was die App nicht bietet, ist eine Equalizer Funktion. Wenn hier Bedarf besteht, müssen Soundeinstellungen über das jeweilige Abspielgerät vorgenommen werden.

Als Erstes habe ich ausprobiert, ob ich mit meinen Vermutungen was die Funktionen der Tasten am Kopfhörer angeht, richtig lag oder nicht. Erstaunlicherweise ist die Bedienung des PX7 wirklich so intuitiv, wie ich das vermutete. Der Schieberegler, über den das Gerät ein- und ausgeschaltet wird, lässt den Kopfhörer auch gleich in den Pairingmodus gehen, wenn man ihn etwas länger nach oben schiebt. Die drei Köpfe, die unter dem Schieberegler angeordnet sind, sind für die Wiedergabe und die Lautstärke zuständig, wobei der mittlere Knopf nicht nur die Wiedergabe regelt, sondern auch durch mehrmaliges drücken einen Titel überspringt oder zurückspringt. Diese vier Knöpfe befinden sich auf der rechten Hörmuschel, in der zusätzlich eine 3,5mm Klinkenbuchse und USB zum Laden der Kopfhörer untergebracht sind. Der Knopf für die Einstellungen fürs ANC liegt auf der linken Muschel. Auch hier bin ich schon sehr begeistert, bevor ich überhaupt einen Ton aus dem Kopfhörer gehört habe.

Bowers&Wilkins werben beim PX7 mit großen Chassis für beste Klangqualität und damit, dass die verbauten 43,6mm-Treiber des PX7 die größten Treiber sind, die in einem ihrer Kopfhörermodelle eingesetzt werden. Außerdem wird hier angemerkt, dass diese von denselben Ingenieuren entwickelt wurden, die für die Lautsprecher, die in den legendären Abbey Road-Studios eingesetzt werden, verantwortlich sind. Ihr legt die Latte ganz schön hoch, denke ich bei mir, als ich das lese. Aber gut, Challenge accepted! Nicht nur die Beatles haben in diesen Studios Musikgeschichte geschrieben, auch Pink Floyd haben hier drei legendäre Alben aufgenommen und eines davon wird mich nun durch meinen Hörtest führen.

Im September 1975 haben Pink Floyd Wish you were here in den Abbey Road-Studios aufgenommen. Das Album hat ganze 5 Songs und dauert eine knappe Dreiviertelstunde. Eine Dreiviertelstunde in der sich der PX7 Mühe gibt, die vom Hersteller geschürten Erwartungen zu erfüllen. Der Klang ist klar und dynamisch. Es knarzt und knackt nichts, auch wenn die Lautstärke etwas weiter aufgedreht wird. Die Bässe erdrücken einen nicht, es fehlt ihnen für meinen Geschmack aber ein bisschen an Dynamik. Alles in allem liefert er ein solides Klangbild, aber nichts was ich als überragend beschreiben würde. Es fehlt hier ein bisschen an dem gewissen Etwas, das mich in die Musik hineinzieht und verzaubert. Soweit der Eindruck ohne ANC.

Mit Geräuschunterdrückung sieht das leider, wie so häufig, etwas anders aus. Schon der Auto Modus lässt den Sound irgendwie platt wirken, Volumen erhält er erst, sobald die Lautstärke nach oben geht. Bei den anderen Modi sieht es ähnlich aus. Zwar knarzt und krächzt auch hier nichts, ich würde es aber trotzdem vorziehen, das Noise Cancelling abzuschalten, wenn man den Kopfhörer zu Hause, oder in ruhigen Umgebungen nutzt. Bewegt man sich draußen, wird einen der flache Sound vermutlich nicht so sehr stören. Auch beim Hören anderer Interpreten und bunt gewürfelten Playlists, ist mir der sehr ausgeglichene Klang immer wieder positiv aufgefallen. Auch ohne zusätzliche Equalizer-Einstellungen in der App spricht das sehr für den PX7.

Bowers & Wilkins liefert den PX7 ab Werk mit einem stabilen Travelcase aus, in dem auch ein 3,5mm Klinkenkabel und das USB A-C Kabel Platz finden. Dem ganzen liegt auch noch eine Schnellanleitung mit leicht verständlichen Piktrogrammen bei. Da das Case recht kompakt gehalten ist, wird der ein oder andere den Bügel des Kopfhörers verstellen müssen, damit der Kopfhörer hineinpasst. Der Akku des Kopfhörers schafft mit ANC knappe 30 Stunden, über die Schnellladung können innerhalb von 15 Minuten gute 5 Stunden Betriebszeit wieder aufgeladen werden.

Beim Telefonieren zeigt der PX7 allerdings Schwächen. Aus mir unerfindlichen Gründen brach die Bluethoothverbindung nie während der Wiedergabe von Musik ab, sehr wohl aber bei Telefonaten und Videokonferenzen. Teilweise passierte das sogar mehrmals während eines Gesprächs, was recht lästig ist. Auch die Sprachqualität war nicht unbedingt optimal. Meine Gesprächsteilnehmer berichteten, dass sie mich zwar die meiste Zeit verstehen konnten, aber die Qualität übers integrierte Mikro meines MacBooks wesentlich besser ist.

Fazit:

Der PX7 von Bowers&Wilkins bringt ein paar Features und Einstellungen mit, die nicht jeder Bluetooth Kopfhörer hat. Das Multipairing ist eines der Features, das wirklich gut gelungen und praktisch ist. Auch den Tragesensor finde ich persönlich einwandfrei. Die Akkuleistung des Kopfhörers hat mich ebenfalls beeindruckt, da die meisten Konkurrenzprodukte die 30 Stunden Wiedergabezeit zwar schaffen, das aber nur bei abgeschaltetem ANC.

Klanglich kann der Kopfhörer meine hohen Erwartungen leider nicht erfüllen. Bei einem Gerät in der 400€ Klasse habe ich mir etwas mehr Zauber, der mich mit der Musik verschmelzen lässt, erhofft. Der PX7 schafft es leider nicht, durchgängig ein Klangvolumen zu erzeugen, das mich fest in seinen Bann zieht und nur schwer wieder loslässt. Da Sound aber immer subjektiv ist, sollten Interessenten vor dem Kauf den Kopfhörer auf jeden Fall testen und für sich selbst entscheiden.


Link zum Hersteller: Bowers & Wilkins PX7







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