Zu Bowers & Wilkins hatte ich den bisher einzigen Kontakt in Form der überragenden Soundleiste des Philips-TV 55OLED903. Ich konnte mir die Marke auf Messen zwar anschauen und anhören, aber damit hatte es sich dann auch. Und dann bekomme ich eine sehr nette Mail einer Agentur die mir erklärt, sie vertrete die englische Traditionsmarke, man hätte einige Berichte von mir gelesen und wollte nun anfragen, ob ich denn Interesse hätte, auch über die Kopfhörer von Bowers & Wilkins zu schreiben? Natürlich habe ich das und nach einem kurzen Telefonat habe ich nun seit Tagen den überragenden Bowers & Wilkins PX5 auf den Ohren, während der ebenfalls übersandte PX7 noch in seiner Box auf mich wartet. Dessen Test erfolgt dann im neuen Jahr.

Ausgeliefert wird der Bowers & Wilkins PX5 in einer schlichten, aber stabilen weißen Pappschachtel. Nach dem Öffnen liegt zuoberst der Kopfhörer, der mir hier im kompletten Schwarz bzw. Space-Grau vorliegt, alternativ dazu gibt es den auch in einer blauen Ausführung. Allein der erste Eindruck vermittelt schon den Eindruck des Edlen, dabei habe ich den PX5 noch nicht einmal in der Hand gehalten, sondern nur betrachtet. Das Auge isst eben immer mit. Holt man den Kopfhörer das erste Mal aus seiner Verpackung, fallen einige Dinge sofort auf. Das ist in erster Linie die Bauweise des vollständigen Bügels. Dieser ist aus einem Karbonfaser-Composite-Gemisch gefertigt, schon die geschwungene Form in Richtung der Ohrmuscheln sieht großartig aus.

Die Gehäuse der On-Ear-Muscheln selbst bestehen aus einem dunklen, anthrazitfarbenen Gehäuse, auf den denen der silberne und erhabene Bowers & Wilkins Schriftzug prangt. Eingefasst sind sowohl die Muscheln, als auch die Oberseite des Kopfbügels mit einem groben Stoff. Dies scheint bei britischen Unternehmen ein Qualitätsmerkmal zu sein, da auch Cambridge Audio bei deren Produkten Wert auf edle Stoffe legt. Ich selbst achte auf diese vielleicht unscheinbaren Details, weil genau diese den Unterschied machen. Weiches Leder liegt an den Ohren und dem Kopf an, das Tragegefühl ist einwandfrei. Überrascht hat die stufenlose Größenverstellung, obwohl ohne Raster, halten Bügel und Muscheln die zugedachte Größe. Da verstellt sich auch beim längeren Tragen nichts. Die komplette Verarbeitung ist perfekt.

Im Karton befindet sich neben dem Kopfhörer eine graue Transporttasche. Auch bei dieser wird Wert auf ein gelungenes Äußeres gelegt, denn statt eines Klett- oder sonstigen Verschlusses sorgt hier eine Schlaufe für die sichere Verwahrung des Bowers & Wilkins PX5. In dieser Tasche befindet sich auch ein kurzes Audio-, sowie das Ladekabel, sollte der Kopfhörer nach stundenlangem Gebrauch mal wieder zum Aufladen an die Steckdose. Ich bin Fan von selbsterklärenden Anleitungen. Diese liegt hier auf einem bedruckten Karton vor, bei denen Bilder alles von Einrichtung bis Nutzung erklären – sehr vorbildlich. Zur verbauten Technik lässt sich leider wenig sagen, außer dass man bei Bowers & Wilkins Bluetooth in der Version 5.0 verwendet und dass der PX5 mit den Codecs aptX Adaptive, Classic und HD zusammenarbeitet. Obendrein lässt sich das integrierte ANC in drei Stufen von High, Low und Auto nutzen, ist aber selbstverständlich auch abschaltbar.

Die Steuerung eines aktuellen Bluetooth-Kopfhörers ist heute kein Geheimnis mehr. Ähnlich wie man bei einem neuen Auto die wichtigsten Funktionen auch immer an den bekannten Stellen erwartet, funktionieren aktuelle Kopfhörer. Der Bowers & Wilkins PX5 bildet da keine Ausnahme. In der rechten Muschel ist der Regler für die Power – und beim Schieben darüber hinaus auch das Bluetooth-Pairing – angebracht. Daneben liegt die Kombination aus Lautstärkeregelung, Titelsprung und Start/Stopp. Zusätzlich befindet sich rechts auch ein USB-C und ein 3,5 Millimeter Klinkeneingang. Links ist in einem Knopf die Steuerung für das ANC untergebracht.

Der Kopfhörer wird mit einer halben Tankfüllung ausgeliefert, nach dem problemlosen Pairing mit dem entsprechenden Device kann es auch schon losgehen. Ich starte mit einer meiner aktuellen Playlists von Tidal, der erste Song ist Take me Away von Ayron Jones. Und schon mit den ersten Tönen hat mich der Bowers & Wilkins PX5 vollkommen eingefangen. Was für ein Bass! Und es ist nicht dieser alles dominierende, dröhnende Bass auf den zahllose Kids so stehen, es ist der Bass, der einen Song so einzigartig macht. Dieser Tiefton ist dabei, begleitet ohne aufdringlich zu sein. Aber es ist nicht nur der Tiefton, der beeindruckt, denn der Song enthält einige Passagen, in denen die Gitarre bis in die hohen Frequenzbereiche getrieben wird. Und auch diese klingen einwandfrei, ohne in den Ohren schmerzhaft zu klirren. Die Abstimmung des gesamten Kopfhörers erfolgte mit größter Sorgfalt, alles ist voller feiner Nuancen.

Das Hören nimmt einiges an Zeit in Anspruch, dies aber als Arbeit, denn als puren Genuss zu betiteln, wäre gelogen. Zahlreiche Songs und Playlists werden im Laufe des Testzeitraums gespielt und der Bowers & Wilkins PX5 ist bei jedem Song, bei jedem Genre dabei. Es gibt nur ein Problem, welches mich auf Dauer dann doch nervt: Die Sensorik des Kopfhörers ist dermaßen empfindlich, dass er sich gelegentlich bei einer selbst einfachen Kopfbewegungen abschaltet. Offenbar sendet hier die Automatik die Info, dass der Kopfhörer abgesetzt wurde, nun auf dem Tisch liegt oder um den Hals hängt und deshalb die Übertragung unterbrochen werden kann. Es dauert eine Weile bis ich auf die Idee komme, deshalb doch noch einmal auf die Anleitung zu schauen.

War da nicht etwas von einer App abgebildet? Richtig, also das Handy in die Finger genommen und die Bowers & Wilkins Headphone-App heruntergeladen. Nach der Installation ist die Verbindung nur einen Fingertipp entfernt und siehe da, es gibt eine Funktion, welche sich Tragesensor nennt und deren Empfindlichkeit in drei Stufen zu regulieren ist. Ich schalte also um auf weniger und das Problem ist behoben. Nun schaltet sich der PX5 erst automatisch ab sobald man ihn ablegt und nicht mehr bei unbedachten Kopfbewegungen. Allerdings schaltet er sich auf keiner der drei Stufen automatisch an, wenn man ihn wieder aufsetzt, aber gut, ob ich beim Aufsetzen auch noch zusätzlich den entsprechenden Button zum Starten der Musik betätige, tut der Nutzung keinen Abbruch. Ich habe den Daumen ja ohnehin beim Aufsetzen an der Ohrmuschel.

Die sauber und zurückhaltend gestaltete App selbst ist eine nette Zugabe für Funktionen wie eben das Justieren der Abschalt-Sensorik, auffällig hingegen ist eine Funktion, die zwei Verbindungen gleichzeitig zulässt. Um das zu testen, verbinde ich den Bowers & Wilkins noch zusätzlich mit meinem Lenovo Yoga Tablet, welches nun in der Anzeige auftaucht. Die Frage, wofür man zwei Verbindungen gleichzeitig benötigt, ist recht schnell beantwortet. Ich erlebe auf meinem Tablet gerade ein Hörbuch und auf meinem Handy kommt ein Anruf an. Der PX5 unterbricht das Hörbuch, ich nehme das Gespräch an und nach Beendigung läuft automatisch der Ton an der zuvor unterbrochenen Stelle weiter. Eine echt coole Lösung für Menschen, die jetzt im Home-Office mit zwei Telefonen hantieren müssen. Über das private Handy höre ich Musik, während auf dem von privaten Apps befreiten Dienst-Apparat der Chef durchklingelt. Ich bin also jederzeit erreichbar, kann aber trotzdem ungestört Musik hören.

Ein immer zweischneidiges Schwert ist für mich das Active Noise Cancelling. Zu häufig verändert sich hier bei dessen Zuschaltung der Klang, das ANC-typische Rauschen empfinde ich persönlich immer als störend. Das ist auch beim Bowers & Wilkins PX5 der Fall, aber tatsächlich so minimal, dass es kaum wahrzunehmen ist. Aber gut, das ANC nutzt man außerhalb der eigenen vier Wände, wenn man sich unterwegs in den Straßen befindet. Und da kann die komplette akustische Abschirmung von der Umwelt unter Umständen böse enden. Daher ist es also wichtig, dass man zwar ungestört seine Musik genießen kann, aber dennoch die Umwelt wahrnimmt, bevor man unbedacht vor einen Bus läuft.

Welche der drei möglichen Einstellungen hier verwendet werden, hängt vom eigenen Gehör ab. Ich persönlich hatte das ANC grundsätzlich auf Auto, weil ich hier das subjektive Gefühl hatte, so am meisten von meiner Umgebung mitzubekommen. Nutzt man den PX5 in Bus oder Bahn, werden die Sitznachbarn dankbar zur Kenntnis nehmen, dass trotz der Over-Ear-Bauweise kaum ein Geräusch nach außen dringt. Nicht jeder Mensch mag mit verzerrter Musik aus den Ohrstöpseln seines Nachbarn belästigt werden. Wer obendrein gerne unterwegs telefoniert, wird auch hier keinerlei Probleme haben. Die Sprachqualität ist in beide Richtungen einwandfrei.

Sollte die Batterie-Ladung zur Neige gehen, lässt sich der Bowers & Wilkins PX5 auch über Kabel weiternutzen. Für den Gebrauch unterwegs ist das nur einen Meter kurze Audiokabel perfekt geeignet, um Kabelsalat in den Taschen zu vermeiden.

Fazit:

Der Bowers & Wilkins PX5 ist ein großartiger Kopfhörer, der schon beim Öffnen des Kartons Eindruck hinterlässt. Hat man den dann erst einmal auf den Ohren, wird die großartige Abstimmung beim Sound begeistern. Was Bowers & Wilkins dem Unterwegs-Headset hier an Klang mitgegeben haben, ist beeindruckend. Dazu kommt ein Tragekomfort, der selbst längere Strecken zum akustischen Vergnügen macht.

Das Design vermittelt der Umwelt auf den ersten Blick, dass es sich bei diesem Headset um einen hochwertigen Kopfhörer handelt. Und das ist ja nicht gelogen. Nun sind knapp 300,-€ sicher keine preiswerte Investition, aber wer bereit ist das Geld auszugeben, bekommt hier einen hohen Gegenwert bei Verarbeitung und Klang.


Link zum Hersteller: Bowers & Wilkins PX5







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