Hardwaretest: Audio Technica VM520EB – noch mehr Klang aus der Nadel

Plattenspieler sind aktuell wie seit den 1980er Jahren nicht mehr. Waren Phono-Eingänge in den letzten Jahren bei Receivern kein Thema mehr, kommt heute kein Hersteller mehr darum herum, einen solchen wieder in seinen Geräten zu verbauen. Ich habe mir deshalb nach ewiger Abstinenz bereits im Oktober letzten Jahres einen der ersten Vinyl 500 von Yamaha zulegen können und war eigentlich bisher mit dem Klang zufrieden. Aber Klang ist nicht gleich Klang und ein Plattenspieler ist nur so gut, wie sein Tonabnehmer.

Also beschäftigte ich mich mit dem Gedanken, den Tonabnehmer auszutauschen. Aber damit begann mein eigentliches Problem, denn Nadeln gibt es wie Sand am Meer. Da verwirren Bezeichnungen wie Moving Magnet oder Moving Coil, es gibt die Nadeln in elliptisch, konisch, MicroLine oder Shibata geschliffen und nicht jede ist für jede Musikrichtung tauglich. Dort wird nur die Nadel ausgetauscht, hier muss die gesamte Kartusche ersetzt werden. Der PDF-Katalog von Audio Technica ist zwar umfangreich, aber verunsicherte mich noch mehr. Es wurde also Zeit, Licht in mein persönliches Dunkel zu bringen.

Wer außer den Profis selbst kann einem da besser helfen? Da ich ohnehin auf der High End 2019 in München einen sehr netten Termin beim weltweit größten Hersteller für Tonabnehmer-Systeme Audio Technica hatte, nutzte ich also die Gelegenheit, mich direkt am Stand schlau zu machen. Nach wenigen Minuten war klar, dass preislich nach oben ganz viel geht, aber für den Yamaha Vinyl 500 und die hier hauptsächlich gehörte, harte und handgespielte Musik die VM520EB meine beste Wahl wäre.

Der VM520EB ist ein Tonabnehmer mit V-förmigem Doppelmagnet. Hier werden also anstelle eines großen Magneten zwei kleine verwendet und so ausgerichtet, dass sie den rechten und linken Kanal der Rille einer Schallplatte exakt abtasten. Somit entsteht eine einwandfreie Trennung und damit der bestmögliche Stereo-Klang. Dazu ist der 520 mit einer elliptischen Diamantnadel versehen, die im Gegensatz zu einer konischen Nadel mit größerer Präzision der Plattenrille folgt.

Nun liegt hier der neue Tonabnehmer – und ich stehe da, wie die Kuh vor dem neuen Tor. Denn statt nur die Nadel auszutauschen, muss beim neuen Tonabnehmer der komplette Tonkopf getauscht werden, weil die neue Nadel nicht auf das alte System passt. Das heißt also, dass alle Kabel vom alten System abgezogen werden müssen, dieses muss von der Headshell abgeschraubt werden, um dann in umgekehrter Reihenfolge den neuen Tonabnehmer zu installieren.

Mir wurde also schnell klar, dass das keine Aufgabe von wenigen Minuten ist, wenn man das noch niemals zuvor gemacht hat. Gerade so zierliche Kabel schrecken mich als eher zur Ungeschicklichkeit neigenden Anti-Handwerker ab, zu schnell ist etwas kaputt, was vorher einwandfrei funktioniert hatte. Aber wer besseren Klang möchte, muss das eben mit der größtmöglichen Vorsicht erledigen. Also Augen zu und durch.

Hier das Video zum Umbau und der Justierung der neuen Nadel:

Nach einer gefühlten Ewigkeit, einem Umbau mit zittrigen Fingern und zahlreichen Feinjustierungen konnte dann aber die erste LP aufgelegt werden – der Moment der Wahrheit war da. Da ich in dieser Woche die Band meiner Jugend KISS in der Waldbühne in Berlin bei ihrer End oft he Road Tour verabschieden konnte, erschien es mir nur allzu logisch, mein erstes KISS Album Dynasty von 1979 zu spielen. Und ich war so positiv überrascht, hatte ich das Album bisher so noch nicht wahrgenommen. Gerade die Mitten und Höhen geben sich so lebendig. Die Gitarren sind so detailliert, dass ich jeden Anschlag und jedes Zupfen an den Saiten hören kann.

Ähnlich geben sich The Police beim Song Walking on the Moon. Die noch einmal sauberere Trennung der beiden Stereo-Kanäle sind ein echtes Erlebnis. Der Song selbst lebt von seinen nur drei Instrumenten, die mit einer solchen Lebendigkeit wiedergegeben werden, dass es Gänsehaut verursacht. Gerade Stings so markanter Bass treibt dieses Stück voran und zeichnet den Song aus.

Aber nicht nur bei den handgespielten E-Gitarren und allen anderen Instrumenten, die eben Rock-Bands so auszeichnen, macht der VM520EB einen großartigen Job. Auch Singer/Songwriter werden vor dem geistigen Auge des Zuhörers scheinbar lebendig. Justin Furstenfeld als Sänger der Band Blue October ist auch als Solist unterwegs und viele seiner Songs kenne ich live und auf allen Tonträgern in- und auswendig. Aber jetzt kommt das Album Open Book Winter Album seinen bisher erlebten Live-Auftritten so nah wie noch nie.

Kaum ein Sänger bringt eine solche Emotionalität in seine Songs wie Justin Furstenfeld. Wenn der Mann auf der Bühne steht und seine Musik regelrecht zelebriert, kann man in einer ausverkauften Halle spüren, wie Justin das Publikum förmlich an die Hand nimmt und jeden einzelnen an seiner persönlichen Geschichte teilhaben lässt. Und genau dieses Gefühl, diese Kraft und Lebendigkeit in der Stimme bringt der VM520EB auf das Sofa. Man muss es einfach gehört haben, um es zu verstehen.

 

Fazit:

Lohnt sich der Austausch einer Nadel? Ist der bessere Klang den Aufwand des Umbaus wert? Ja, für mich auf jeden Fall! War ich vorher schon von meinem System begeistert, so wertet die neue Nadel VM520EB von Audio Technica mein Vinyl noch einmal auf. Ich weiß nicht, was ich von der neuen Nadel wirklich erwartet hatte, aber das Ergebnis war den Aufwand wert.

Passend zu meinen sehr neutral und direkt aufspielenden Soavo-Lautsprechern ist die neue Nadel eben auch sehr neutral und vollkommen transparent in allen Bereichen. So ergänzt sich, was offenbar ausgezeichnet zueinander passt.

 

 

Link zur Herstellerseite: Audio Technica VM520EB

weitere Hardwaretests:

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.