Hardwaretest: Audio Technica ATH-ADG1X – leicht und luftig

Auch wenn der Audio Technica ATH-ADG1X schon einige Tage auf dem Markt ist, so ist er noch immer eine ernstzunehmende Konkurrenz für all die aktuellen Geräte, die wir hier in letzter Zeit zum Test hatten oder zurzeit haben. Von Vorteil ist dabei, dass man das eine oder andere Headset noch einmal zur Hand nehmen und alles direkt miteinander vergleichen kann. Aber eines fällt sofort auf und damit unterscheidet sich der Kopfhörer von Audio Technica von allen anderen: Die offene und leichte Bauweise bestimmt das ungewöhnliche Design.

Audio Technica baut seit Jahren hervorragende HiFi-Kopfhörer und diese Erfahrung spiegelt sich in dem Moment wieder, in dem man den Karton öffnet und den ATH-ADG1X das erste Mal in die Finger nimmt. Das gesamte Headset wirkt auf Anhieb sehr filigran, ohne jegliche Kanten und sonstige nervig-knalligen Design-Elemente, die eben Gaming-Kopfhörern nach der Vorstellung von Produkt-Designern offenbar zu Eigen sein müssen.

Statt eines aufliegenden Kopfbügels gibt es hier zwei Flügel, die für den entsprechenden Halt sorgen sollen. Durch diese Flügel soll das Headset auf jeden Kopf passen, eine Größenverstellung sucht man deswegen vergeblich. Die Ohrmuscheln sind komplett offen, was einerseits einen Blick auf das Innenleben gewährt und andererseits für weniger Wärme unter den weichen Ohrpolstern aus Velours sorgt. Und genau dieses Velours ist bei Schweiß saugfähiger als Kunstleder, so dass auch nach längeren Sessions vor der Konsole nicht das Gefühl von Hitzestau und nassen Ohren aufkommt. Da sich das weiche Material perfekt anpasst, ist der ATH-ADG1X auch für Brillenträger perfekt geeignet.

Hören ist das Eine, bei einem Gaming-Headset kommt es aber auch auf die Sprachausgabe bei den Mitspielern an. Das Schwanenhals-Mikrofon ist auf der linken Seite des Kopfhörers befestigt und individuell im Abstand verstellbar. Zusätzlich lässt es sich bei Nichtgebrauch vollständig hochklappen. Zum Filtern von Umgebungs- oder Atemgeräuschen gibt es einen kleinen Windschutz, der angebracht werden kann.

Das 1,20 Meter lange Kabel ist fest in die Ohrmuschel integriert, ein Austausch ist also nicht möglich. Im Kabel befindet sich der Stumm-Schalter für das Mikrofon, sowie seitlich daran angebracht das Rädchen für die Regulierung der Lautstärke. Da man den 3,5 Millimeter Klinkenstecker ohnehin ins Joypad der PS4 oder Xbox stöpselt, ist die Länge mehr als ausreichend. Für PC-Spieler liegt ein zusätzliches, zwei Meter langes Verlängerungskabel mit Klinkenstecker für Mikrofon und Kopfhörer bei.

Optisch macht das Audio Technica ATH-ADG1X wirklich einiges her. Trägt man den Kopfhörer erst einmal, unterscheidet tatsächlich nur das Mikrofon das HiFi- vom Gaming-Headset. Die blauen Einfassungen der 53 Millimeter-Treiber sind ein hübscher Hingucker und die beiden schmalen Bügel, die die Ohrmuscheln miteinander verbinden, unterstreichen noch einmal den locker-luftigen Eindruck dessen, hier ein besonderes Headset zu verwenden. Nur 286 Gramm Gewicht versprechen stundenlanges Zocken ohne Kopfschmerz.

Die Audio Technica Website spricht beim ATH-ADG1X von einem Kopfhörer für PC und PS4, aber das ist irreführend. Selbstverständlich funktioniert das Set durch den Klinkenstecker auch an der Xbox One. Ältere Xbox-Controller benötigen noch den Headset-Adapter für den Klinkenstecker, neue Modelle haben diesen bereits integriert. Technisch und optisch gibt es also erst einmal nichts, was zu bemängeln wäre, aber unter dem Strich entscheidet immer der Klang.

Für einen ersten Test schließe ich das ATH-ADG1X an die Playstation 4 an. Sitzt der ATH-ADG1X erst einmal auf dem Kopf, offenbart sich das durch die Flügelkonstruktion etwas ungewöhnliche Trageerlebnis. Denn statt den jahrelang gewohnten Bügel auf dem Kopf zu verspüren, verteilt sich das Gewicht tatsächlich nur auf diese Flügel. Anfangs hat man noch das Gefühl, die gesamte Konstruktion könnte vom Kopf rutschen und dennoch sitzt der Kopfhörer sicher an seinem Platz. Die ständig wiederholte Einlassung, bei hektischen Kopfbewegungen kann das Headset doch rutschen, halte ich schlicht für unangebracht. Beim Zocken schaut man konzentriert auf den Monitor, wer wackelt da wie wild mit seinem Schädel hin und her? Von daher ist dies kein Argument.

Die Playstation erkennt auf Anhieb das angeschlossene Headset, ohne es jedoch beim Namen zu nennen und schaltet auf dessen Betrieb um. Durch seine ständigen Updates bezüglich Spielbarkeit und dem Umfang an Fahrzeugen und Strecken, hat sich Gran Turismo Sport von seinem Fehlstart erholt und ist nun endlich wieder die ernstzunehmende Rennspiel-Simulation, die die Fans schon beim Release erwartet hatten. Aufgrund der zahlreichen Soundeffekte ist dieser Racer immer wieder die akustische Messlatte, an der sich ein Kopfhörer versuchen muss.

Gestartet wird mit meinem Lieblingsfahrzeug, dem VW Beetle Gruppe 3. Das Auto ist ein Monster und dennoch relativ leicht zu handhaben. Allein der Klang des Motors im fliegenden Start beim Beschleunigen zaubert mir ein Grinsen ins Gesicht. Die Strecke Lago Maggiore ist kurvenreich und dennoch mit viel Geschwindigkeit äußerst flüssig zu fahren. Im Zeitrennen an Position 11 gestartet, beginnen schon in der ersten Schikane die Positionskämpfe. Es wird gebremst, man zieht innen über die Curbes an Gegnern vorbei, es gibt Kontakt mit anderen Fahrzeugen und die Reifen quietschen. All diese zahlreichen Soundeffekte bringt der ATH-ADG1X mit absoluter Brillanz an das Ohr des Spielers. Beim Überholen eines Konkurrenten verschwindet nicht nur dessen Fahrzeug außer Sicht, sondern auch das Geräusch des Motors verklingt langsam in der Ohrmuschel.

Ich bin Fan der Wiederholungen, um sich das eigene Rennen noch einmal mit Genuss anzuschauen zu können und aus eventuellen Fahrfehlern zu lernen. Auch hier macht das Headset einen Heidenspaß. Je nach Kameraeinstellung fliegen die Fahrzeuge vorbei und mit diesen auch die Geräusche zahlreicher Motoren. Ein Besuch an der Rennstrecke kann kaum realistischer sein. Dennoch fällt hier auf, dass mir die Grundlautstärke ein wenig zu leise ist. Selbst bei voll aufgedrehter Soundeinstellung an der PS4, sowie vollen Pegeln auf dem Kopfhörer könnte ich persönlich einiges mehr vertragen. Das mag aber an der PS4 selbst liegen.

Als nächstes landet Battlefield V im Schacht der Xbox One X. Gerade Ego-Shooter sind aufgrund ihrer teils gigantischen Geräuschkulisse wie geschaffen für den Test eines Kopfhörers. Aber es geht auch vollkommen anders, denn statt mit wildem Geballer einer Übermacht zum Opfer zu fallen, schleiche ich mich im Level Nordlys durch das Dickicht der norwegischen Wälder. Ich kritisiere Battlefield V nicht zum ersten Mal, denn grafisch ist das Spiel für mich noch immer unterirdisch, weil man eben alle paar Meter an irgendeinem Hindernis festhängt.

Aber hier geht es nicht um Grafik und Spielbarkeit, sondern einzig um die Soundeffekte. Und die machen eine Menge her. Der Schnee knirscht unter den Stiefeln, der Wind pfeift um die Ohren und alle paar Meter trefft ihr auf ein gesichertes Lager oder einen Durchgang, in dem deutsche Soldaten miteinander reden. Die Stereo-Effekte sind klar und vor allem hilfreich, denn man kann seinen Gegner nahezu perfekt orten. So kann man tatsächlich fast jeden Soldaten umgehen. Kommt es tatsächlich einmal zu einem Feuergefecht, heulen Sirenen auf, Granaten fliegen an eure letzte Position und der Feind ruft sich Befehle zu. Der Audio Technica ATH-ADG1X arbeitet selbst feinste Geräusche hervorragend heraus, so dass ihr allein schon akustisch über die Lage im Bilde seid.

Aber ein Gaming-Kopfhörer verfügt eben auch über ein Mikrofon, damit man in Multiplayer-Szenarien mit den Mitspielern kommunizieren und sein Vorgehen möglichst perfekt absprechen kann. Auch hier glänzt der ATH-ADG1X. Meine Stimme kommt klar und deutlich bei den Mitspielern an, selbst in der Hitze des Gefechts war ich verständlich. Und hier macht der Windschutz Sinn, denn wo Adrenalin pumpt, wird auch geatmet. Aber genau diese Atem- und sonstigen Nebengeräusche filtert der Windschutz heraus. Gleiches gilt bei profanen Sprachnachrichten, die man an Freunde versenden kann – Stimme ja, andere Geräusche nein.

Offene Kopfhörer dichten Klang nicht vollständig ab. Das gilt für den Träger ebenso wie für die Umwelt. Und dennoch empfand es meine Umgebung nicht als störend, wenn Soundeffekte nach außen drangen.

Fazit:

Nach mehreren Stunden intensiven Spielens bleibt der wirklich sehr gute Ersteindruck. Mit dem Audio Technica ATH-ADG1X erwirbt man als Spieler ein tolles Stereo-Headset. Wo andere Kopfhörer mit viel Bass versuchen, Dynamik zu erschaffen, ist es eben beim Audio Technica die brillante Wiedergabe aller Soundeffekte. In den Mitten ist die Sprachausgabe klar und verständlich, die Höhen glänzen, ohne zu klirren und der Bass ist so dosiert, dass er zwar vorhanden ist, aber das Geschehen nicht dominiert.

Auch wenn ich durch das Flügelsystem anfangs etwas an Eingewöhnungszeit benötigt habe, um mich an den Sitz des Headsets zu gewöhnen, so macht die leichte und offene Bauweise das allemal wieder wett. Nach einigen Stunden Spielzeit merkt man schon nicht mehr, dass man keinen kompletten Bügel trägt. Es gibt kein Drücken oder sonstiges Kopfweh.

Einzig der Preis ist ambitioniert. Denn obwohl der Audio Technica ATH-ADG1X bereits seit 2016 auf dem Markt ist, stehen hier noch immer ab 300,-€ aufwärts auf der Uhr. Dafür erhält man aber im Gegenzug einen Gaming-Kopfhörer, der eben nicht nach purem Gaming aussieht und obendrein noch sehr gut klingt. Er hinterlässt hier einen bleibenden Eindruck.

 

Link zur Herstellerseite: Audio Technica ATH-ADG1X

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