Hardwaretest: Audio-Technica AT-LP5 – wenn Leistung und Design sich vereinen

Tragedy, private, comfort of strangers“ erklingt es aus meiner HiFi-Anlage, als ich die Nadel des Plattenspielers zum allerersten Mal auf eine meiner Schallplatten setze.
Ich sitze auf meiner Couch, mit meiner schlafenden Katze neben mir, und genieße die Klänge des neuen Plattenspielers. Vor genau 1 ½ Stunden kam ein Paket an, darin der AT-LP5 Plattenspieler von Audio-Technica, welchen ich voller Vorfreude erwartete.

Die Firma ist mit ihrem Hauptsitz in Machida – eine Stadt in der Kantō Region Japans-  weltweit bekannter Hersteller von hochwertigen und praxisgerechten HiFi-Produkten. Nach der Gründung der Firma im Jahr 1962, war Audio-Technica für die Entwicklung von Tonabnehmersystemen für Plattenspieler bekannt. Heute stellt die Firma außerdem Mikrofone, Kopfhörer sowie andere elektronische Produkte her, welche für den Einsatz im Bühnen- und Studiobereich aber auch für die Benutzung daheim geeignet sind.

Bereits beim Auspacken des 399€ teuren Plattenspielers und dessen Einzelteilen wird eines klar – der AT-LP5 sieht nicht nur gut aus, sondern er ist hochwertig und äußerst stabil. Dies zeigt sich nicht nur durch das robuste Metallgehäuse des Players, sondern auch an den Komponenten wie dem Plattenteller und dem Puck, welche beide aus gegossenem Aluminium bestehen und dadurch besonders edel wirken. Das schwarz-matte Metallgehäuse verhindert außerdem lästige Fingerabdrücke auf der Oberfläche.

Mitgeliefert werden außerdem eine Gummimatte für den Plattenteller, alle notwendigen Kabel, ein Systemträger mit vormontiertem Tonabnehmer, ein Gegengewicht, eine Schutzhaube und die Software Audacity, welche sowohl mit OS X als auch mit Windows kompatibel ist.
Ein besonderes Detail des Plattenspielers ist, dass der bereits montierte j-förmige Tonarm an das originale Audio-Technica Design der 60er und 70er Jahre angelehnt ist. Insgesamt wirkt der AT-LP5, durch sein minimalistisches Design aber gerade deswegen modern und edel.

Die nächste Besonderheit ist, dass es sich um einen manuell betriebenen Plattenspieler handelt. Dies verstärkt das bewusste Musikhören ungemein und macht es damit zu etwas ganz Besonderem. Schade hierbei ist nur, dass der AT-LP5 über keine Stopp-Automatik verfügt, sodass die Platte, sobald sie am Ende angekommen ist, nicht automisch anhält, damit die Nadel des Tonabnehmers nicht abgenutzt wird. Der Teller dreht sich also weiter.

Ein außerdem sehr interessanter Punkt ist der sehr filigrane, hydraulisch gedämpfte Tonarmlift-Bedienhebel, da dieser ein sanftes Absetzen der Nadel ermöglicht. Der einzige Faktor der dabei stören könnte ist, dass der Hebel etwas zu zierlich ist und er, vor allem bei gedimmten Licht, nicht mehr oder nur sehr schwer zu erkennen ist.

Durch eine Drehzahl von 33 oder 45 Umdrehungen pro Minute, welche an einem schwarzen, klassisch gestalteten Drehknopf eingestellt werden können, werden gewöhnliche Platten problemlos gehört. Einziges Manko: Meine Schellackplatte mit einer Drehzahl von 78 Umdrehungen pro Minute konnte ich nicht abspielen, da diese Geschwindigkeit beim AT-LP5 nicht vorhanden ist.

Bevor man mit der Montage des AT-LP5 beginnt ist es ratsam, die Bedienungsanleitung in der Nähe liegen zu haben. Profis sind zwar mit den Standartschritten dem Zusammenbau vertraut, jedoch ist es vor allem für Neueinsteiger ratsam, die detaillierte und gut verständliche Anleitung zu benutzen. Sie ist ein guter Weg, um sich zu orientieren. Außerdem befinden sich dort wichtige Informationen, wie beispielsweise die Auflagekraft des Tonabnehmers, welche benötigt wird, um den Plattenspieler korrekt einzustellen.

Bevor der Aufbau jedoch beginnen kann, muss man an der Hinterseite des Geräts zunächst einstellen, ob der eingebaute Vorverstärker des Plattenspielers benutzt wird. Hierzu stellt man den Schalter auf LINE oder, soll der Verstärker umgangen werden, auf PHONO OUT. Die Möglichkeit, zwischen den zwei Modi zu wählen, ermöglicht eine flexiblere Nutzung des Plattenspielers, da auch die Verwendung von Systemen mit speziellem Magnet-Phono-Eingang ermöglicht wird.

Jedem, der schon mal einen Plattenspieler hatte und diesen auch aufgebaut hat, sind die restlichen Schritte der Montage vermutlich bekannt. So geht diese beim AT-LP5 ziemlich schnell vonstatten und bereitet keine Schwierigkeiten, da man hierbei wirklich wenig falsch machen kann. Ermöglicht wird dies beispielsweise durch einen Systemträger-Verriegelungsring, welcher ein schnelles Anbauen des Systemträgers ermöglicht. Auch die Tonarmjustierung und das Einstellen des Anti-Skatings, welches jedem Plattenspielerliebhaber ein Begriff sein sollte, laufen problemlos ab.

Sollte es trotzdem Probleme oder Fragen geben ist das folgende Video vom SG Akustik HiFi Studio sehr hilfreich:

Sum­ma sum­ma­rum ist der Aufbau des AT-LP5 innerhalb von maximal einer Stunde erledigt und somit kann das Hörvergnügen schnell beginnen. Mit einer Größe von insgesamt 35,2 x 45 x 15,7 cm passt der Plattenspieler problemlos auf eine Stereoanlage und wirkt darauf unauffällig aber edel – eben bedingt durch seine geringe Höhe.

Jetzt kann es endlich losgehen – der Plattenspieler wird nun auf Herz und Nieren geprüft.
Um den AT-LP5 an seine Grenzen zu bringen, begann ich mit der Platte „Procol’s Ninth“ von der britischen Rockband Procol Harum aus dem Jahr 1975.
Diese ist eine der am meisten beschädigten Platten, die ich besitze und somit stellt sie eine ziemliche Herausforderung für den Plattenspieler dar – zumindest dachte ich das, als ich die 42 Jahre Platte auf den Plattenteller legte und ich gespannt auf das Ergebnis wartete. Andere Plattenspieler waren nicht in der Lage, diese Platte problemlos abzuspielen. Meist sprang die Nadel bereits am Anfang der Platte oder es trat ein wirklich deutliches hörbares Knacken auf.
Bei diesem Plattenspieler gab es jedoch keine dieser Komplikationen.
Problemlos und sauber spielte er die Scheibe ab, ein ganz leises Knacken ist erst dann zu hören, wenn man die Musik wirklich sehr laut stellt.

Mit derselben Platte führte ich auch das nächste kleine Experiment durch. Während sie gerade abgespielt wurde, fing ich an sie für einen Moment rhythmisch in die entgegengesetzte Richtung zu drehen, um das sogenannte Scratching, welches meistens von DJs ausgeführt wird, zu testen.
Besonders geeignet für einen solchen Versuch ist der Plattenspieler, weil er über einen Direktantrieb verfügt. Einerseits, weil er mit einem solchen Antrieb eine sehr kurze Anlaufzeit benötigt – in diesem Fall dauert es nur 1,7 Sekunden um eine stabile Rotation zu erreichen – andererseits aber auch, weil man sich keine Sorgen darüber machen muss, dass der Motor Schaden von einem solchen Versuch nehmen könnte.

Zwar benutzen DJs normalerweise eine Slipmat, da diese das Bewegen der Schallplatte, unabhängig vom Plattenteller erleichtert, jedoch war das Ziel bei diesem Test eher herauszufinden, wie sich die Nadel verhält und vor allem, ob sie auf der zerkratzten Platte vielleicht doch noch springt.
Aber auch im 2.Experiment war dies nicht der Fall – in puncto Abspielen von einer beschädigten Platte, egal in welche Richtung oder in welcher Geschwindigkeit, scheidet der AT-LP5 super ab.

Als nächstes war die „Bee Gees Best“ an der Reihe, ebenfalls aus dem Jahr 1975.
Hierbei handelt es sich um eine falsch gelagerte Platte, deren Wellen man beim Abspielen der Platte wirklich deutlich erkennen kann. Bei diesem Versuch ging es nun darum herauszufinden, inwiefern das Gegengewicht und der Tonarm des AT-LP5 in der Lage sind Höhenunterschiede in der Platte auszugleichen.
Doch auch diese Herausforderung meisterte der Plattenspieler ohne Probleme. Der Tonarm bewegte sich zusammen mit der Platte, ohne abzusetzen oder zu springen.

Um noch etwas näher an die Grenze des Machbaren zu kommen hob ich den Plattenspieler dann ca. 2 cm auf einer Seite an. Auch dies wirkte sich nicht auf die fehlerfreie Wiedergabe der Musik aus. Am Ende des Experiments waren 5 cm Luft zwischen einer der Plattenspielerseiten und dem Boden, trotzdem kam es zu keinen Aussetzern bei der Musikwiedergabe.

Dieses Experiment beweist, dass die höhenverstellbaren Füße des Plattenspielers zwar sehr nützlich sind um das Gerät zu entlasten, der AT-LP5 sich aber eigentlich sehr gut an den Anstieg seines Untergrundes anpassen kann, ohne, dass man großartige Veränderungen an den Füßen durchführen muss.
In Sachen Standort-Flexibilität punktet der Plattenspieler also ebenfalls.

Wie aber schlägt sich der AT-LP5 in den Gebieten Stoß- und Vibrationssicherheit?
Angenommen man wohnt in einer Altbauwohnung mit Dielenboden, man feiert eine kleine Party unter Freunden und hört die Musik über den Plattenspieler. In der Wohnung bewegt man sich, vielleicht wird sogar getanzt, die dabei entstehenden Vibrationen sollten sich natürlich nicht auf die Musikwiedergabe auswirken. Auch wenn jemand aus Versehen gegen den Plattenspieler stößt wäre es ebenfalls nicht optimal, wenn die Nadel springt und dabei möglicherweise die Platte beschädigt.

Um den Plattenspieler nun auf die Probe zu stellen, stieß ich ein paar Mal mit der Hand gegen die Seite des Geräts, jedoch passierte nichts.  Auch als ich mein Handy im Vibrationsmodus auf den laufenden Plattenspieler legte beeinflusste dies nicht die Musikwiedergabe. Ermöglicht wird dies einerseits durch die gummierten Füße, die Vibrationen abfangen, aber auch durch die dämpfenden Materialien, aus welchen der Plattenspieler besteht. Somit ist der AT-LP5 auch „alltagstauglich“ und ist nicht nur für die stillen, ruhigen Momente auf der Couch, sondern auch für Situationen mit viel Bewegung und vielen Menschen geeignet.

Das letzte und für mich interessanteste Experiment beinhaltete eine der wohl außergewöhnlichsten Plattenformen die es gibt. Eine Aufnahme in Form einer Weihnachtspostkarte – selbstverständlich mit einem Weihnachtslied darauf.
Die Besonderheit hierbei ist nicht nur die geringe Dicke der Karte, auch sind die Rillen kaum fühlbar, was die ganze Sache für den Plattenspieler noch etwas schwieriger macht. Doch selbst dieses Lied konnte der AT-LP5 problemlos abspielen, obwohl sich der Tonabnehmer aufgrund der geringen Postkartendicke, weniger als einen Millimeter über der Gummimatte des Plattentellers befand und die dünnen Rillen selbstverständlich auch eine Hürde sein könnten.

Durch die mitgelieferte Software Audicity und das USB-Kabel ist das Verbinden des Plattenspielers mit einem Computer schnell erledigt. Somit fungiert der AT-LP5 nicht nur als Abspielgerät, sondern kann gleichzeitig dazu dienen, alte Schallplatten und Lieblingslieder zu digitalisieren.

Fazit:

Mit einem Gewicht von 8,5 kg ist der AT-LP5 von Audio-Technica nicht der Schwerste seiner Art, jedoch ist sein Leistungsvermögen auf allen Gebieten mehr als überzeugend, weshalb er schnell der tägliche Ausgleich zum stressigen Alltag wird.
Musik hören und nicht konsumieren!

Für Platten- und Plattenspielerliebhaber, die Wert auf einen edlen, aber im Design herrlich minimalistischen Plattenspieler legen, der sehr gute Qualität aufweist und trotzdem noch bezahlbar ist, ist der AT-LP5 genau die richtige Wahl.

Link zur Herstellerseite: Audio-Technica AT-LP5

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Beitrag & Fotos: Veronique Bauer

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