Kopfhörer polarisieren und solche für den Heimgebrauch umso mehr. Inzwischen ist es normal, dass einem unterwegs Menschen mit allen Arten von Kopfhörern begegnen, die ihre Musik oder ihr Hörbuch mit sich tragen. Von den kleinen In-Ears bis zum On-Ear Modell ist dort inzwischen alles vertreten. Aber beim Heimgebrauch von HiFi Kopfhörern scheiden sich die Geister. Dabei bringt kaum etwas mehr Entspannung, als sich mit einem edlem HiFi Kopfhörer von der Außenwelt abzuschirmen und Musik zu genießen.

Ein solcher Kopfhörer ist der Audeze LCD-GX. Ich durfte als erster in Deutschland den für mich bis heute überragenden Audeze Mobius testen, habe mir die Geräte von Audeze auf der letztjährigen High End ganz genau anschauen und vor allem anhören dürfen und halte jetzt ein gewaltiges Hardcase aus offenbar kugelsicheren Kunststoff in den Händen. Dass gute und vor allem teure Kopfhörer in einer stabilen Verpackung geliefert werden, ist mir inzwischen geläufig, aber so einen Koffer hatte ich dann doch nicht erwartet.

Im Inneren finden sich neben dem Kopfhörer auch gleich zwei Anschlusskabel mit XLR-Anschlüssen und offenbaren damit eine Besonderheit des LCD-GX. Denn neben seinen HiFi Qualitäten ist der Kopfhörer auch für das Gaming ausgelegt. Neben dem klassischen Stereo Kabel mit 6,35 Millimeter Klinkenstecker ist in das andere ein Mikrofon integriert – eine Konstruktion, die ich bis dato so noch nie gesehen habe. Dieses verfügt über einen 3,5 Millimeter Stecker.

Dieses allein ist ebenfalls Stereo-tauglich. Der Clou hierbei ist aber ein 3,5 Millimeter Adapter für die Benutzung des Mikrofons. Will man also nur an der Konsole spielen, reicht der Standard-Stecker aus, will man in Multiplayer-Sessions auch mit seinen Mitspielern kommunizieren, verwendet man den Adapter.

Die erste Reaktion all derer, die den Kopfhörer das erste Mal in der Hand halten, ist eine Bemerkung über das offenbar massive Gewicht. Und dieser Ersteindruck ist dann mit gemessenen 487 Gramm tatsächlich nicht falsch. Aber spätestens wenn man den Kopfhörer das erste Mal trägt, verfliegt all die Skepsis zum Gewicht. Selten hat sich ein Kopfhörer leichter angefühlt. Das liegt einzig und allein am federnden Kopfbügel und dem extrem breiten Kopfband. Dieses verteilt das Gewicht gleichmäßig über eine große Fläche und ermöglicht somit auch lange Hör-Sessions.  

Der Audeze LCD-GX ist schon bei ersten Anfassen ein ganz besonderes Stück Technik. Allein die großen und offenen Over-Ear Ohrmuscheln mit gut 11 Zentimetern Durchmesser beeindrucken. Dazu kommen die aus Kunstleder gefertigten Polster mit Memory-Schaum, die sich jeder Schädelform anpassen und selbst für Brillenträger perfekt geeignet sind. Die Innenmaße sind dabei so gut dimensioniert, dass ein jedes Ohr darin Platz findet, ohne Druckstellen zu erleiden. Ebenfalls optisch ungewöhnlich ist das Raster zum Anpassen der Größe. Elf verschiedene Einstellungen sorgen dafür, dass der LCD-GX auf jeden Kopf passt. Der gesamte Kopfhörer besteht aus Magnesium und ist laut Hersteller handgefertigt.

Die LCD-Serie zeichnet sich durch ihre patentierten Fluxor-Magnete und die äußerst dünnen Uniforce-Membranen aus. Dabei sind die mit Neodym Magneten arbeitenden, planaren Treiber mit 106 Millimetern fast doppelt so groß wie die herkömmlicher Gaming-Kopfhörer. Das Ergebnis ist laut Hersteller eine erstaunliche Klangqualität, die einen besseren Bass und eine breitere Bühne bei hervorragender Auflösung bietet. Der Audeze LCD-GX ist also nicht nur ein ausgezeichneter HiFi Kopfhörer, sondern bietet gerade ambitionierten Spielern das Mehr an Sound, um noch tiefer in die Games einzutauchen. Gerade das offene Design soll eine noch genauere Klangbühne ermöglichen.

Der Audeze LCD-GX als HiFi Kopfhörer

Das klingt alles großartig, aber wie immer sind es warme Worte in einer Artikelbeschreibung. Da hier schon zahlreiche gute und auch weniger gute Kopfhörer durch die Redaktion gegangen sind, muss sich der Audeze LCD-GX nun im Echtbetrieb beweisen. Zu diesem Zweck starte ich mit Vinyl und lege zu diesem Zweck eine Scheibe aus einer Zeit auf, als die noch Schallplatten hießen – Creedence Clearwater Revival. Der Song Bad Moon Rising diente für die Oskar-prämierte Verwandlungsszene in American Werewolf als Hintergrundsong. Übrigens auch zu einer Zeit, als CGI noch Zukunftsmusik war und gruselige Effekte noch mittels Gummihaut und Ballons erzeugt wurden. Ich habe zum Vergleich jeden Song zuerst über meine Yamaha Soavo gespielt, um ihn dann erneut mit dem Audeze LCD-GX zu hören. Weiterhin habe ich auch meine privaten Kopfhörer für einen Vergleich verwendet.

Schon beim Aufsetzen spürt man die hochwertige Verarbeitungsqualität des LCD-GX. Hier ist kein knarzen in irgendeinem Gelenk zu vernehmen, alles ist leichtgängig. Die Ohrmuscheln umschließen das Ohr und endlich kommt man in den Genuss von Klang. CCR spielte klassisch mit einer Lead- und einer Rhythmus-Gitarre, einem Bass und dem Schlagzeug. Auch wenn die Aufnahme aus dem Jahr 1978 ist, so ist der Stereo-Sound über den Kopfhörer gewaltig. Links spielt die Lead-Gitarre, recht kommt der Rhythmus, dazwischen ist sauber und punktgenau jedes Anspielen des Basses zu vernehmen und beim Schlagzeug klingt ein jedes Becken lange nach. Es sind die Nuancen, die einen guten von einem weniger guten Kopfhörer unterscheiden.

Gleiches gilt beim Soundtrack von Batman The Dark Knight. Beim Live-Konzert „Hollywood in Vienna“ spielte das ORF Vienna Radio Symphonie Orchester mit „The World of Hans Zimmer“ die größten von ihm komponierten Titel. Auch hier sind es die zahllosen Streicher und Bläser, die mir beim Hören immer wieder eine Gänsehaut über die Arme treiben. Das Instrument, welches mich in einem solchen Orchester immer am meisten berührt, ist das Cello. Der Audeze LCD-GX schafft es auch hier, dass ich mir den Aufbau des Orchesters vor meinem geistigen Auge vorstellen kann, so sauber sind einzelne Gruppen von Instrumenten zuzuordnen. Und ich bin wahrlich kein Experte für klassische Musik oder deren Instrumente. Aber wenn ein Kopfhörer es schafft, dass man die Umwelt um sich herum ausblenden kann, um sich ganz auf die Musik konzentrieren zu können, dann macht er alles richtig.

Auch gestreamte Musik im MP3 Format von Spotify oder von Tidal HiFi in CD-Qualität holt das Beste aus dem Headset heraus. Hier liefen die letzten Tage fast in Dauerschleife Playlists unterschiedlicher Genres und Dateien und ich stelle immer wieder fest, dass der Unterschied zwischen den Anbietern gerade bei einem sehr guten Kopfhörer frappierend ist. Wer sich einen hochwertigen Kopfhörer für den Heimgebrauch anschafft, sollte auch immer den entsprechenden Streaming-Dienst für Musik nutzen. Spotify mag für unterwegs die richtige Wahl sein, wer aber wie ich auch das letzte Quäntchen Klang aus dem Audeze LCD-GX holen möchte, kommt um Streaming in bestmöglicher Qualität nicht herum. Es ist unfassbar, was für eine Dynamik ein jedes Instrument bieten kann, wenn man eben auch die bestmögliche Qualität an die Ohren lässt.

Game-Sound wie selten zuvor

Audeze definiert den LCD-GX auch als Gaming-Kopfhörer. Und momentan laufen hier zwei Spiele über die Xbox One X, die unterschiedlicher nicht sein könnten – DOOM Eternal und Ori and the Will oft he Wisps. Auf der einen Seiten hämmernde Metal-Sounds und Sound-Effekte, auf der anderen Seite ein überragendes Jump`n`Run mit wunderschönen Kompositionen, beste Voraussetzungen also, sich das Headset in zwei gegensätzlich Spielen anzuhören.

Auch wenn DOOM Eternal für mich persönlich eine spielerische Enttäuschung aufgrund des höllischen Schwierigkeitsgrades und der Jump`n`Run Einlagen war, so ist der brachiale Sound ein akustisches Highlight. Brüllende Dämonen, wohin das Auge blickt, fordernde Feuergefechte der verschiedensten Waffen und – wenn gewünscht – treibender Metal der heftigen Sorte als adrenalintreibende Untermalung im Hintergrund. Mehr Sound geht kaum, um den Spieler nicht nur optisch zu fordern, sondern auch akustisch.

Der LCD-GX blüht bei DOOM Eternal auf, auch wenn man sich auf das Spielgeschehen auf dem Bildschirm konzentriert, so sorgt der Kopfhörer dafür, diesen Sound und die ungezählten Effekte hervorragend an den Spieler zu übertragen. Hier passt jeder Effekt, sei es das Nachladen einer Waffe, der Wechsel auf einen Mod, das Brüllen von Feuer aus einem Flammenwerfer oder das Kreischen der Kettensäge, wenn man einen Dämon tranchiert. Die tiefen Töne sind dabei äußerst dynamisch, der Bass ist vorhanden, ohne wie sonst üblich bei Gaming-Kopfhörern das Geschehen zu dominieren und alles andere in den Hintergrund zu drängen. Selbst hohe Töne sind noch angenehm, weil sie eben nicht bis in die Spitzen an die Schmerzgrenze getrieben werden. Der LCD-GX ist von oben nach unten ausgewogen.

Das vollkommen andere Spiel ist Ori and the Will oft he Wisps. Dieses Jump`n`Run zeichnet sich durch eigens von Gareth Coker komponierte Melodien aus, die auch einem Fantasy-Film mit Elfen zur Ehre gereichen. Dieser Soundtrack wird von sämtlichen Streaming-Diensten online angeboten und ist auch für Nicht-Spieler hörenswert. Der LCD-GX ist dabei vollkommen in seinem Element. Hier sind es die klassischen Instrumente wie Streicher, Klavier oder Flöte, die den Spieler in die richtige Stimmung versetzen, mit Ori dunkle Wälder zu durchstreifen und freundlichen, sowie weniger freundlichen Fantasie-Wesen zu begegnen. Auch sind es die zahlreichen kleinen Sound-Effekte, die einen ohnehin schon guten Sound zu einem sehr guten machen. Da sind die Schritte zu hören, wenn Ori über einen Baumstammt rennt, während diese sonst im Gras nicht zu vernehmen sind, dort ist der Wind zu hören, während man Ori vor einem Gegner versteckt. All diese kleinen, sonst eher unbedeutenden Klänge machen Ori erst komplett und Dank des LCD-GX auch zu etwas Besonderem in Sachen Klang.

Selbstverständlich wurde in anderen Titeln auch die Qualität des Mikrofons getestet. Der Schwanenhals lässt sich in so gut wie jede gewünschte Position bringen und der abnehmbare Schaumstoff sorgt für Rauschunterdrückung bzw. verhindert Atemgeräusche beim Gegenüber. Die Kommunikation im Chat ist einwandfrei in beide Richtungen, ich verstehe meine Mit- oder Gegenspieler jederzeit deutlich, gleiches gilt in die andere Richtung. Soll kurzfristig die Privatsphäre gewahrt bleiben, lässt sich das Mikrofon selbstverständlich auch über einen in das Kabel angebrachten Regler stummschalten.

Fazit:

Wie will man nun unter dem Strich das Klangbild des Audeze LCD-GX beschreiben? Der Kopfhörer klingt dunkler als das, was ich bisher gehört habe, ohne dabei den Klang zu dämpfen. Ultrasone geht mit seinen Modellen immer sehr in die Höhen, alles klingt sehr hell und klar. Der Audeze geht einen anderen Weg. Alles wirkt gesittet und moderat. Es gibt keine Ausbrecher nach oben oder unten, der Bass ist dynamisch, punktgenau und klar zu definieren, ohne sich in den Vordergrund zu stellen. Die Höhen bei zum Beispiel Gitarren Riffs sind ausgewogen, es gibt keine Klangspitzen, die unangenehm wären. Stimmen sind fein definiert, unabhängig vom Genre.

Kopfhörer sind immer eine Frage der persönlichen Vorlieben und des Geschmacks, der Audeze LCD-GX bildet da keine Ausnahme. Das Design und die Verarbeitung sind einwandfrei, auch langes Hören bereitet keinerlei Schwierigkeiten, obwohl der Audeze ganz sicher kein Leichtgewicht ist. Zwei verschiedene Kabel sorgen für unterschiedliche Einsatzbereiche, HiFi-Fans mit Gaming-Ambitionen oder umgekehrt finden im Audeze LCD-GX einen Kopfhörer, der beides bedient, ohne hier oder da eine Schwäche zu haben. Auch wenn der Preis von fast 1000,-€ alles andere als ein Schnäppchen ist, so sollten Fans des guten Klangs unbedingt einmal Probe hören.

 

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