UEFA EURO 2008

Eigentlich wollte ich nach FIFA WM 2006 keine EA-Sportspiele mehr anfassen, aber nachdem das letzte PES eine herbe Enttäuschung war, dachte ich, es wäre nach 2 Jahren mal wieder an der Zeit, EA und einem Fußballspiel eine Chance zu geben. Und was soll ich sagen, daß Spiel macht tatsächlich Spaß.

Ich habe zwar keine Vergleichsmöglichkeiten zu FIFA 08 oder UEFA Champions-League, aber seit meinen letzten, wenig positiven Erfahrungen mit FIFA Weltmeisterschaft 2006 kann ich ruhigen Gewissens sagen, EA hat für mich einen großen Schritt nach vorne gemacht. Selbstverständlich erwartet den Spieler bei einem Spiel zur Europameisterschaft nicht der Umfang an Mannschaften, den man bei FIFA 08 präsentiert bekommt. Mit einer großen Auswahl an aktuellen und lizensierten Nationalmannschaften kann man als Gelegenheitsspieler aber trotzdem seinen Spaß haben. Electronic Arts ist für seine Original-Lizenzen bekannt, aber erstaunlicherweise kommt ausgerechnet das holländische Team mit Phantasie-Spielern daher. Ein Umstand, der den PES-Spieler seit Jahren stört und für EA-Spieler neu sein dürfte. Aber auch hier schafft ein umfangreicher Editor Abhilfe.

Zum Spiel: Selbstverständlich kann man bei einem Spiel zur Europameisterschaft keine umfangreichen Liga-Optionen erwarten. Als Spieler trägt man einzelne Spiele aus, kämpft sich mit seinem Wunschteam durch die Qualifikation oder steigt direkt in die Euro 2008 ein. Gut gelungen finde ich den Spielmodus „Mannschaftskapitän“. Hier wird ein einzelner Spieler statt des kompletten Teams gesteuert. Mit diesem Spieler versucht man sich gegen 3 Konkurrenten aus dem eigenen Team aus den Niederungen der B-Mannschaft zum Kapitän der A-Mannschaft hochzuarbeiten. Spannend ist ebenfalls der Online-Modus „EURO Online-K.O. Cup“. Hier steigt man mit seinem Team in ein laufendes Turnier ein und versucht, den Cup zu holen. Auch die Szenarien haben wieder ihren Weg in das Spiel gefunden, in denen man als Spieler vergangene Geschehnisse nachspielt. Einen weiteren kleinen Anreiz bietet der „Kampf der Nationen“. Zu Beginn des Spieles legt sich der Spieler auf „seine“ Nation fest und sammelt mit jedem Spiel Punkte für sein Land. Selbstverständlich gibt es nebenbei noch alle original-getreuen EM-Stadien und reichlich weitere Arenen, sowie ein sehr übersichtliches Optionsmenü.

Aber Optionen waren nie das Problem bei einem EA-Fußballspiel. In meinen Augen war das größte Problem mal die Steuerung der Spieler, ein anders Mal die Ballphysik und meistens die KI der Computer-gesteuerten Mit- und Gegenspieler. Auch trafen die Animationen nicht immer meinen Geschmack. Und hier hat EA ganz viel getan. An der Ballphysik gibt es gar nichts auszusetzen. Die Animationen der Spieler sind klasse gelungen, hier finde ich besonders erwähnenswert die Torhüter. Vorbei sind die „Tim-Wiese-Flugeinlagen“, die Torhüter bewegen sich korrekt und Paraden kommen glaubhaft rüber. Mit der Steuerung hatte ich anfangs aufgrund der Doppelbelegung einiger Knöpfe meine Schwierigkeiten, aber das bekommt man mit ein wenig Übung immer besser hin. Etwas schwammig finde ich allerdings die Dribblings, die nicht sonderlich gut zu kontrollieren sind und damit doch ab und an zum Glücksspiel geraten. Das von mir zu FIFA WM 2006 noch bemängelte Abwehrverhalten eigener Spieler und das damit verbundene Trennen der Gegenspieler vom Ball funktioniert selbst ohne freistoßträchtige Tacklings aber sehr gut. Das Pass-System ist ebenfalls sehr gut gelungen und auch Torschüsse gehen gut und flüssig von der Hand. Erstaunlich stark ist die KI der Gegner. Hier werden Räume eng gemacht und der ballführende Spieler attackiert. Aber so stark wie die KI des Gegners, so wenig kann leider die KI der computergesteuerten Mitspieler mithalten. Hier werden die Räume leider nicht richtig ausgenutzt, so daß ein Pass in die Tiefe allzu oft zur Glückssache gerät, oder ein Stürmer einfach nicht anspielbar ist, weil er nicht entgegen kommt, bzw. sich nicht in eine Position bewegt, in der er anspielbar wäre. Man ist hier zu oft gezwungen ein Dribbling einzugehen, statt den Doppelpaß o.ä. spielen zu können. Hier muss EA nachlegen, da dies in meinen Augen einfach den Spielspaß trübt.

Unter dem Strich steht aber für mich ein überraschend gutes Fußballspiel, an dem ich endlich mal wieder Spaß habe. EA liefert hier ein arcadiges Spiel ab, das nur ein wenig Einarbeitung in die Steuerung erfordert. Und wenn man nun der eigenen KI zum nächsten FIFA noch beibringt, daß man Räume ausnutzt und sich bei einem Freistoß auch mal in den gegnerischen Strafraum bewegen darf, gibt es nichts mehr auszusetzen, außer eines: Warum muss die Anleitung mit dermaßen kleinen Tasten-Symbolen und auch noch in Schwarz/Weiß gedruckt werden, daß Menschen wie ich echte Schwierigkeiten haben, ohne Leselampe etwas zu erkennen?

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