uDraw Gametablet – (m)ein Fazit in Langform

Aufmerksamen Beobachtern unseres Lieblingshobbys dürfte bekannt sein, dass seit Anbeginn der Zeit – oder seit dem goldenen Zeitalter der Videospiele – neben dem originalen Zubehör auch Gegenstände von Drittherstellern angeboten werden. Meist ist dieses Zubehör nur für eine kurze Zeit verfügbar, da sich das Konzept als zu futuristisch erweist oder auch nur am Markt vorbei produziert oder entwickelt wurde.

Veteranen denken Dank der Verklärtheit der Geschichte mit Wehmut an eben jene Gegenstände, die meist sehr teuer und für maximal eine Hand voller Spieler nutzbar waren. Falls ihr euch nun fragt, was ich denn für Dinge meine, die sollen mal die bekannten Suchmaschinen nach folgenden Dingen konsultieren: Zapper, Fishing Controller, Power Clove, Maracas oder Bongos.

Sehr selten konnte sich etwas Neues durchsetzten, aber trotzdem erlebt auf fast jeder Konsolengeneration irgendein Plastikteil mit Knöpfen ein Revival. So darf jeder John Travolta zu rhythmischen Klängen auf einer Tanzmatte den Pfeilen folgen, Fans von Carlos Santana kaufen sich eine Plastikklampfe und hauen in die Tasten. Und wer mal richtig was auf die Fresse bekommen möchte, der kauft sich ein Arcade-Stick bzw. Board und prügelt sich mit seinen wenn auch virtuellen Freunden um die Herrschaft des Rings.

Wie ihr schon euch denken könnt ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein neues Konzept durchsetzten kann, eher gering und zu sehr auf das Genre oder noch schlimmer, auf ein bestimmtes Spiel limitiert. Trotzdem veröffentlichte THQ das uDraw Gametablet, dessen Wurzeln meines Erachtens bis in das Jahr 1992 zurück reichen, als Nintendo den Versuch unternahm, die SNES-Maus auf dem Super Nintendo Entertainment System zu etablieren. Im Westen gab es dafür das Spiel Mario Paint. Nachfolger erschienen nicht mehr.

Was aber ist das uDraw Gametablet von THQ? Grob beschrieben ist es ein Zeichentablett mit einem druckempfindlichen Touchpen. Das Zeichentablett besitzt eine etwa 15 x 10 cm große Zeichenfläche, auf der ihr mit dem Touchpen Eingabebefehle vornehmen könnt. Weiterhin besitzt das Zeichentablett Neigungs- und Bewegungssensoren, mittels dener ihr zum Beispiel eine Kugel durch ein Labyrinth steuern könnt. Ähnliche Sensoren sollten euch bei den iGeräten von Apple und dem Nintendo 3DS bekannt sein. Zusätzlich gibt es die obligatorischen Tasten, mittels dener ihr noch durch Tastendruck Befehle ausführen könnt.

Geratet ihr in die Verlegenheit, euch das uDraw Gametablet zu kaufen, erhaltet ihr zusätzlich noch das uDraw Studio: Instant Artist. Dabei handelt es sich um eine Zeichensoftware, mit der ihr malen könnt. Folgt man den sehr guten Anweisungen, könntet ihr (theoretisch) wahre Meisterwerke erzeugen. Ich schreibe bewusst könntet, denn ich hatte stets das Gefühl, dass das Touchpen unter einer Verzögerung leidet und die Befehle nicht immer derart durchgeführt werden, wie von mir vorgegeben. Vom Grundsatz her wäre es durchaus möglich, mit dem Touchpen wunderschöne Landschaften zu erschaffen oder Porträts zu zeichnen. Wenn, ja wenn nicht die Verzögerung oder die ungenaue Zeichenfläche wäre. Egal wie ich mich anstrengte, der Kreis war nie rund oder die Linie führte nicht zu dem Ergebnis, wie von mir gedacht.

Neben der Malschule gibt es mehrere Minispiele. So müsst ihr mit einer Fliegenklatsche Mücken treffen. Dazu drückt ihr simpel mit dem Touchpen auf die Zeichenfläche. Und dann gibt es noch zwei Geschicklichkeitsspiele, die die Bewegungs- und Neigungssensoren nutzen. Das eine Spiel ist ein Labyrinth, bei dem es gilt, vom Start zum Ziel zu gelangen. Je höher der Level, desto fieser die Fallen und es erfordert schon einiges an Geschick, den richtigen Weg zu finden. Das andere Spiel ist eine Art Snake. Ihr steuert eine farbige Kugel über eine weiße Fläche. Ihr müsst immer wieder Farbe aufnehmen, denn ist die Farbe aufgebraucht, endet das Spiel. Ebenso endet das Spiel, wenn ihr in ein Loch fallt.

Neben dem beiliegenden uDraw Studio: Instant Artist gibt es derzeit die Spiele Pictionary Plus und Marvel Super Hero Squad: Comic Combat. Das Marvel Spiel konnte ich glücklicherweise bei meiner lokalen Videothek ausleihen. An einem Wochenende kann man das Spiel gemütlich durchspielen und es macht auch auf eine gewisse Art und Weise Spaß, da man auf der Zeichenfläche den Weg der Superhelden zeichnen muss. Zeichnet man ein X, erscheint eine Bombe, oder ein Dreieck erzeugt ein Dummy, der die Gegner ablenken soll. Hier werden das Zeichenbrett und der Touchpen recht gut eingesetzt. Aufgrund der naiven Präsentation und dem angepassten Gameplay ein Titel, den man mal gespielt haben sollte. Sammelt ihr Erfolge, benötigt ihr etwa 8 Spielstunden um alle 1.000 Gamerscore Punkte zu erhalten.

Doch letzten Endes würde ich eher vom Kauf des uDraw Gametable abraten. Von der Grundidee her ist es durchaus interessant, denn es bietet eine Alternative gegenüber dem Gamepad oder der Kinectsteuerung. Letztendlich wird es jedoch aufgrund mangelnder Softwareunterstützung in die Annalen der Geschichte eingehen, wie andere zu Beginn des Beitrags aufgeführte Hardware vergangener Tage.

Findet ihr irgendwo das Bundle oder wird in eurer Videothek angeboten, könnt ihr ruhig mal einen Blick drauf werfen, zum Vollpreis und auch weil ich nicht erwarte, dass noch neue Software nachfolgen wird, jedoch nicht. Dass keine weiteren Entwickler Spiele angekündigt haben, spricht eine sehr deutliche Sprache.

Schade, wieder einmal ein interessanter Ansatz, mehr aber auch nicht.

 

Bericht: Lars-Martin Becker

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