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Hardwaretest: AOC g2460Pqu – schneller Gaming-Monitor nicht nur für den PC

aoc_g2460pqu_teaser_220x140Wo steht eigentlich geschrieben, dass die Videospielkonsole immer nur an den Flachbild-TV angeschlossen werden muss? Wie oft gibt es zwischenmenschliche Unstimmigkeiten, weil der eine jetzt unbedingt fernsehen möchte und der andere doch noch diesen einen Level zu Ende bringen will oder ausgerechnet jetzt den Endgegner genau da hat, wo er ihn schon immer haben wollte? Und anschließend ewig diese leidigen Diskussionen über einen spieletauglichen Zweitfernseher, für den eigentlich gar kein Platz mehr in der Wohnung vorhanden ist. Die Lösung zur Beibehaltung des häuslichen Friedens ist demnach ein schneller Gaming-Monitor mit HDMI-Anschluss.

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AOC präsentiert mit dem g2460Pqu genau einen solchen Monitor, der nach eigener Werbeaussage „das Herz eines jeden Gamers höher schlagen lässt“. Wir haben an diesem Bildschirm die neue Playstation 4 sowie den Vorgänger PS3, die Wii U und das NeoGeo X getestet, denn alle sind mit HDMI-Anschluss ausgestattet. Nach dem Auspacken gestaltet sich der Aufbau einfach. Am Monitor wird der Standfuss mit vorhandener Flügelmutter befestigt, weiteres Werkzeug ist nicht nötig. Die Höhenverstellung nach dem Aufbau beträgt knappe 13 Zentimeter, der Neigungswinkel beläuft sich von -5 bis 20 Grad und der Drehwinkel beträgt volle 360 Grad.

In erster Linie zielt der Monitor mit der kryptischen Bezeichnung auf die Fraktion der PC-Gamer ab. Die Anschlussmöglichkeiten sind damit reichhaltig. Der g2460Pqu bietet alle benötigten Schnittstellen wie VGA, DVI, DisplayPort und HDMI sowie 4 USB-Anschlüsse, von denen zwei sogar als Schnellladeports dienen. So kann man nebenbei noch das Handy oder andere Geräte aufladen.

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Alle notwendigen Kabel für den sofortigen Anschluss an die Grafikkarte des Rechnenknechts werden mitgeliefert, jedoch liegt kein HDMI-Kabel bei. Dies ist aber zu vernachlässigen, da die aktuellen Konsolen mit einem solchen ausgeliefert werden. Das Design selbst ist klassisch klar strukturiert. Der schmale Rahmen hat durchgängig exakte Spaltmaße, der Look der Frontblende in gebürstetem Aluminium verleiht dem Monitor eine edlere Optik. Da der AOC über ein internes Netzteil verfügt, nimmt der Belüftungsschlitz die gesamte Breite des Bildschirms ein. Dieser ist jedoch nur in der Draufsicht zu erkennen. Sinnvolles Extra ist eine zusätzlich anzubringende Kabelführung, um den guten optischen Eindruck nicht durch lose herunterhängende Kabel zu zerstören.

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Weniger gut gelungen sind allerdings die Icons für das OSD-Menü. Eingeprägte schwarze Symbole auf schwarzem Grund sind einfach schwerer zu erkennen als das aufgesetzte, silberne AOC-Logo. Somit gestaltet sich zumindest die Ersteinrichtung und die Einstellung des Bildschirms an die eigenen Bedürfnisse selbst bei guten Lichtverhältnissen eher schwierig. Bei unzureichender Beleuchtung verkommt die Bildschirmjustierung zumindest anfangs in Unkenntnis der jeweiligen Knopfbelegung zum Try-and-Error, wo sich denn nun welche Funktion verbirgt. Dies ist jedoch noch zu verschmerzen, da man sicherlich nicht regelmäßig seine einmal gemachten Einstellungen verändern wird.

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Alle Buttons für die Eingangsquelle, die Lautstärkeregelung, das On-Screen-Display sowie der Power-Button sind an der Unterseite des Monitors angebracht. Der Druckpunkt ist gut, die Einstellungen lassen sich somit punktgenau vornehmen. Und davon gibt es reichlich. Das OSD besteht aus sechs Menüpunkten, unter denen der Monitor angepasst werden kann. Unter Luminanz werden Helligkeit, Kontrast und Reaktionszeiten geregelt,  das Bild-Setup regelt die Position, Takt, Fokus und Schärfe. Im Menü Farbtemperatur passt man sämtliche Farben manuell an oder wählt aus einem vorgegebenen Setup. Die Bildverstärkung bietet noch einmal Möglichkeiten zur Helligkeitsregulierung und Position, während unter OSD-Konfiguration und Weitere Funktionen grundlegende Einstellungen wie Menüsprache oder Bildverhältnis vorgenommen werden können. Es gibt also reichlich Möglichkeiten, um den AOC g2460Pqu seinen Bedürfnissen entsprechend anzupassen.

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Ein Problem moderner Bildschirme sind dem Design geschuldete und der Bauweise angepasste flache Boxen. Es gibt also so gut wie keinen Resonanzkörper, der Sound stellt sich dementsprechend dünn dar. Der AOC g2460Pqu stellt leider keine Ausnahme dar. Es kommt kaum Bass beim Hörer an, Mitten und Höhen klingen stellenweise kraftlos. Abhilfe schafft hier aber ein PC-Boxensystem mit entsprechendem Subwoofer oder ein Gaming taugliches Headset von Turtle Beach oder einem anderen Anbieter.

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Ein großes Ärgernis sind Displays, die in den spielentscheidenden Situationen spiegeln oder blenden. Das matte Panel des g2460Pqu überzeugt jedoch. Egal ob bei direktem Lichteinfall von hinten oder von der Seite, auffällige Reflektionen gibt es auch in sonnendurchfluteten Räumen nicht. Ebenso störend wie diese sind aber auch helle Lichthöfe, d.h. das Bild wird an einigen Stellen stärker ausgeleuchtet als an anderen. Diese sind zwar vorhanden, aber im Betrieb beim bloßem Betrachten nicht feststellbar. Lediglich bei sehr dunklen Bildern erkennt man bei genauerem Hinsehen eine leicht hellere Darstellung zum Rand hin.

Das Bild bietet in der Frontalansicht gute Kontraste und Farben, auch wenn diese erst mit einigen Einstellungen kräftig dargestellt werden. In den Werkseinstellungen wirken alle Farben viel zu blass. Gelegentlich sitzt man jedoch zu zweit vor dem Monitor. Aufgrund der im Gegensatz zu einem TV geringeren Bildschirmgröße von 24″ ist daher der Betrachtungswinkel ein wichtiger Aspekt. Und hier beginnt der AOC g2460Pqu leider zu schwächeln. Schon ab einem seitlichen Betrachtungswinkel von etwa 30 Grad nimmt der Kontrast ab und das Bild bekommt einen Grauschleier. Bei einem Blickwinkel von unten wird das Bild dunkel, bei der Ansicht von oben wirkt das Bild milchig. Für unseren Test ebenfalls nicht unwichtig war die Änderung des Seitenverhältnisses, denn das NeoGeo X kommt als Remake des NeoGeo AES noch im 4:3 Format daher. Aber auch diese Disziplin beherrscht der Bildschirm, es stehen von 16:9 bis runter zu 4:3 verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.

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Der AOC g2460Pqu ist als Gaming-Monitor ausgeschrieben, also sind schnelle Reaktionszeiten ein weiteres wichtiges Kriterium. Dafür bietet das Menü den Punkt OverDrive. Dieser regelt die Reaktionszeiten in fünf Stufen von aus bis stark. Der Monitor stellt bei Spielen an den verschiedenen Konsolen ein durchgängig gutes Bild in allen Helligkeitsbereichen dar. Es gibt keine Nachziehbilder, Ghosting oder Artefakte. Alles läuft flüssig und ohne jegliches Ruckeln über den Bildschirm. Und genau darauf kommt es bei einem Gaming-Monitor in dieser Preisklasse an.

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Fazit:

Nicht jeder hat den Platz für einen Zweitfernseher, um ausgiebig zocken zu können. Der PC ist meist ohnehin vorhanden, warum also nicht das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden und sich einen Gaming-Monitor anschaffen, der auch Playstation, Wii U und Xbox One tauglich ist?

Wenn man mit einigen Einschränkungen wie der werksseitig blassen Farbwiedergabe vor der Anpassung an die eigenen Bedürfnisse, dem etwas geringen Betrachtungswinkel und dem bauartbedingt schwachen Sound leben kann, macht der AOC g2460Pqu genau das, was er soll. Er ist ein schneller Gaming-Monitor, der Spiele fehlerfrei darstellt. Von daher ist der Monitor mit Sicherheit eine echte Alternative zum teureren TV.

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Link zur Herstellerseite: AOC g2460Pqu >>>

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weitere Hardwaretests:

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Super Mario 3D World – Ich kann Mario nicht mehr sehen … oder doch?

SuperMario3DWorld_coverusk62Mario in 2D, Mario in 3D, Mario klassisch, Mario im Kostüm, Mario hier und Mario da. Keine Nintendo-Konsole ohne mindestens zwei bis fünfzehn Mario-Titel. Und so erwartete ich wenig, als Super Mario 3D World in der Wii U rotierte. Ich hatte nach Rayman Legends die Befürchtung gepflegter Langeweile, weil ein Mario zunehmend dem anderen gleicht und nie wieder etwas an Rayman auch nur annähernd heranreichen kann. Diesmal also ein Aufguss des 3DS Titels nur in groß? Denkste, denn wieder einmal überrascht Nintendo.

Wo Xbox One und PS4 zwar mit Power protzen, aber gleichzeitig inzwischen erschreckend innovationsarm daher kommen, setzt die Wii U wieder einmal Spielspaß dagegen. Nun ist Super Mario 3D World ganz sicher nicht die Neuerfindung des Rades. Alles war schon einmal da und man hat in so gut wie jeder Passage des Spiels das Gefühl des Deja Vu. „Das hab ich schon einmal gesehen“ verfolgt mich auch hier. Und dennoch. Kann ich bei einem FIFA Teil 9 nicht von Teil 14 unterscheiden, sind es wieder einmal die perfekt integrierten Kleinigkeiten, die auch diesem Titel wieder das benötigte Maß an Eigenständigkeit mit auf den Weg geben, die den einen vom anderen Mario unterscheiden.

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Ja, selbstverständlich hat auch Bowser hier wieder seinen Auftritt als Bösewicht und entführt … nein, diesmal nicht Peach. Dieses Mal müssen eine Hand voll Elfen dran glauben. Dies hindert den Klempner jedoch nicht daran, sich auch hier ins Getümmel zu stürzen. Und schon ist man mittendrin im Spiel … schon wieder. Anfangs überrascht die Kameraperspektive ein wenig. Zu wenig Mario, zu viel Hintergrund. Aber spätestens im Multiplayer wird klar, dass nur diese Kameraeinstellung und keine andere genau so funktionieren kann. Und schon im ersten Level haben einen die simple Story und die quietschbunten Grafiken wieder voll im Griff.

Kaum im Spiel angekommen, trägt Mario auch zum ersten Mal das Katerkostüm. Ich kann mich auch nach stundenlangen spielen nicht entscheiden, ob ich das nun niedlich oder doof finden soll? Egal, denn das Kostüm macht Sinn. In so manchem Level entdecke ich Passagen, die zwar Umweg sind und nicht direkt zum Ziel führen, aber dort blitzt etwas verdächtig auf und das macht neugierig. Meist ist es einer von drei grünen Sternen oder einer der in jedem Level versteckten Sticker, die gefunden werden wollen und eben nur mit dem Katzenkostüm erreichbar sind. Statt den klassischen Wandsprung zu nutzen, kann Mario als Miezekatze an Wänden und Vorsprüngen hoch, wie eben sonst der fette Hauskater an den teuren Vorhängen empor klettert. Und so erreicht er Abschnitte, die ohne Kostüm unerreichbar wären. Wäre nur dieses alberne „Miau“ nicht am Ende des Levels, wenn Mario im Kostüm an den Fahnenmast hüpft …

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Aber selbstverständlich ist das nicht nur ein Spiel für Freunde von Samtpfötchen, auch der Waschbär hat wieder den Weg ins Spiel gefunden. Und bei etlichen Gegnern ist der Feuerball noch immer die beste Art der Selbstverteidigung. Und wenn gar nichts hilft, springt man schon einmal in einen Schlittschuh, um seinen Widersachern auf dem Eis zu entkommen. Neue Gegner sind neben den üblichen Verdächtigen auch langhälsige Vögel die picken, wenn Mario in ihre Nähe kommt. Allerdings sind die keine Nintendo-Erfindung und auch nicht neu, denn die habe ich vor Jahren das erste Mal live in einer Blumenhandlung gesehen, als sie als Dekoration zu Blumentöpfen angeboten wurden. Aber offensichtlich kommt alles wieder und manches wird eben für ein Videospiel digital recycelt.

Wie immer kann man einen jeden Level praktisch im Durchrennen abschließen. Aber ohne eine ausreichende Anzahl an Sternen gesammelt zu haben, darf man auch den Bosskampf nicht bestreiten. Aber gerade das Sammeln aller Sterne und Sticker macht den Reiz eines jeden Levels aus. Nicht nur, dass man mit ausreichender Anzahl derselben Bonuswelten freischaltet, es ist der persönliche Ehrgeiz, der mich antreibt, auch den letzten Stern und den Sticker zu finden. Und hier trennen sich dann die Casual-Gamer von den Profis. Denn will man wirklich jeden Stern ergattern, merkt man, wie kontinuierlich der Schwierigkeitsgrad anzieht. Es gibt für etliche Sterne nur eine einzige Gelegenheit, diesen zu sammeln. Ist der Gegner besiegt, die Plattform verschwunden oder das Wassermonster, auf dessen Rücken ich reite, am Stern vorbei, bekommt man keine zweite Chance. Der Level muss dann von vorn begonnen werden. Einerseits frustrierend und andererseits hochmotivierend.

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Ebenso motivierend sind die Bosskämpfe. Folgt man in einem Kampf noch Bowser in seinem Auto und weicht Feuerbällen aus, muss man in einem anderen Finale in isometrischer 3D-Perspektive ähnlich dem Klassiker Viewpoint über Plattformen hüpfen, um zum Ziel zu gelangen. Und das ist ein langer, steiniger Weg, richtiges Timing ist auch hier wieder alles. Aber nur hüpfen, klettern und wieder einmal Bowser hinterherjagen wäre auf Dauer auch langweilig und so gibt es immer wieder kleine Rätselhütten, in denen Feuerblumen oder anderes nützliches Zubehör zu gewinnen ist. Und auch Toads kleine Level sind super in Szene gesetzt. Nur aus der richtigen Perspektive kann ich den richtigen Weg finden, Gegnern ausweichen und den begehrten Stern erreichen.

Die Steuerung ist typisch Nintendo wieder fehlerfrei. Es gibt keine Stelle, die nicht mit dem richtigen Timing zu schaffen wäre. Das Leveldesign ist brillant, damit ebenfalls typisch Mario und die Story herrlich irrelevant. Also beste Voraussetzungen für tagelange Unterhaltung. Warum man allerdings Mario noch immer per Knopfdruck zum Sprinten bringen muss, statt ihn wie schon zu seligen N64-Zeiten per Analog-Stick zu beschleunigen, bleibt mir unklar? Und leider hat Nintendo auch bei diesem Mario noch nicht den Weg nach online gefunden. Mehrspielerspaß gibt es nur gemeinsam vor dem TV, über das Netz wird nicht gespielt. Aber irgendwann findet Nintendo auch hier den Stern? Zieht dem Entwickler ein Katzenkostüm an, vielleicht liegt online ja in einer versteckten Passage?

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Fazit:

Mario ist Mario und kein Rayman. Aber man soll auch nicht 2D mit 3D vergleichen … obwohl … Dennoch machen die 3D-Welten Spaß. Es ist eben der typische und bekannte Nintendo-Spaß. Renne durch Welten, besiege Gegner, sammle Sterne und verhaue am Ende Bowser, um die nächste Welt zu erreichen. Wenig innovativ und trotzdem motivierend. Die Steuerung ist fehlerfrei und wer dem Touchpad so gar nichts abgewinnen kann, greift eben zu Wiimotes mit oder ohne Nunchuk, Pro- oder Classic-Controller. Ihr habt die Wahl.

Und bei aller versteckter oder offensichtlicher Kritik an zu wenig Innovation oder einem anfangs albern wirkenden Katzenkostüm: Mario, Nintendo und die Wii U leisten das, wovon PS4 und Xbox One noch träumen. Nämlich einem Spiel, bei dem man nicht das Gefühl hat, dass das auch auf irgendeiner anderen Konsole laufen könnte und das man vor allem genau so schon einmal gesehen hat. Im FIFA und CoD-Einheitsbrei hebt sich ein jeder Nintendo-Titel noch immer wohltuend ab, auch wenn man Mario seit Jahren kennt. Nun warte ich auf Mario Kart und Donkey Kong. Mal sehen, ob die Monstergrafik- und Online-um-jeden-Preis-Konkurrenz bis dahin auch nur einen Titel veröffentlicht hat, der annähernd so viel Spaß bietet?

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Rayman Legends schubst Mario endgültig vom Thron

usk62rayman_legends_teaser_220x140Gibt es das perfekte Spiel? Das Spiel, an dem es einfach nichts zu bemängeln gibt? Das Spiel, von dem man als Spieler immer geträumt hat? Das Spiel, das man immer und immer wieder in die Konsole schiebt, um doch noch ein neues Detail zu entdecken? Das Spiel, bei dem der Satz „nur-noch-dieser-eine-Versuch“ zum Mantra wird? Nein? Doch! Und die Rede ist ausnahmsweise mal nicht von einem dicken italienischen Klempner. Mario darf endgültig seinen Hut nehmen und in Rente gehen. Tschüss, es war schön mit dir. Den Vorsprung, den sich Rayman mit Legends erspielt hat, holt man bei Nintendo nie wieder auf. Jeder neue Titel wird sich ab sofort an Rayman messen lassen müssen.

Drehen wir die Uhr zurück. Rayman Origins war nicht nur für mich der Überraschungstitel und das beste Spiel des Jahres 2011. Seit ich Origins hinter verschlossenen Ubisoft-Türen auf der gamescom 2011 anspielen durfte, war ich wieder Rayman-Fan. Vorbei die Zeiten, als mir ein brettschweres Jump`n`Run an der PS1 jeglichen Spielspaß raubte und auch vorbei die Zeiten, als Rayman als Hasenopfer für die Raving Rabbids auf der Wii herhalten musste. Rayman kam mit einem gewaltigen Paukenschlag zurück. Origins wurde der Jump`n`Run-Titel, der die Messlatte in neue, ungeahnte Höhen legte.

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Und so war ich zuerst skeptisch, als Rayman Legends für die Wii U angekündigt wurde. Ausgerechnet die Wii U und was sollte der Titel eigentlich besser machen als sein Vorgänger? Ein paar neue Level, neue Musik und vielleicht die eine oder andere neue Animation, mehr konnte man doch an Origins nicht verbessern. Oder doch? Die Ankündigung, mit neuer Figur Murfy völlig neue Inhalte und Möglichkeiten zu integrieren, überzeugte mich dann endgültig. Also doch kein bekannt jährliches Update eines erfolgreichen Titels, sondern eine konsequente Weiterentwicklung. Die Wii U wurde gekauft und Rayman Legends verschoben. Nicht einmal, sondern gleich zweimal. Nicht nur ein paar Wochen, sondern gleich ein paar Monate.

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Nun ist die Wii U entstaubt. Und nicht nur das, sie läuft heiß, sie brennt regelrecht. Und sie läuft in jeder freien Minute. Schuld daran ist einzig Rayman Legends für genau diese Konsole. Nicht für die Xbox und auch nicht für die Playstation! Einzig die Wii U Version ist die, die du spielen sollst. Man merkt dem Titel in jedem Augenblick und in jedem Level die ehemalige Exklusivität an. Nicht einmal Nintendo selbst hat es bisher geschafft, das Gamepad so an die eigenen Spiele anzupassen, wie es Michel Ancel bei Legends scheinbar spielerisch schafft. Rayman Legends und Murfy ohne Touch-Pad? Unmöglich!

Zum Spielverlauf muss nichts mehr gesagt werden. Rayman Legends ist ein Jump`n`Run, das vor Ideen, Liebe zum noch so kleinsten Detail und perfekt inszenierter Musik regelrecht überquillt. Mich wundert immer wieder, dass die Scheibe keine Dellen hat, so viel Inhalt steckt in diesem Spiel. Trotz mehrfachen Durchspielen aller Level entdecke ich immer wieder ein neues Detail. Rayman Legends motiviert nicht nur dazu, einen Level zu beenden. Es motiviert, jeden Level perfekt zu beenden, jeden Kleinling und jeden Lum zu finden. Und davon gibt es reichlich. Insgesamt wollen final tatsächlich 700 Kleinlinge freigespielt werden und die letzte Figur dürft ihr nur spielen, wenn ihr Sage und schreibe 1.000.000 Lums gesammelt habt. Solche Zahlen sorgen in anderen Titeln nur dafür, Zeit zu strecken und Level um des Sammeln Willens immer wieder zu spielen. Der Spielspaß bleibt auf der Strecke. Legends spielt ihr, weil ihr Spaß daran habt. Lums sammeln sich von allein.

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Noch mehr Spaß habt ihr mit mindestens zwei Spielern vor der Konsole. Meine Tochter hat sich zum absoluten Gamepad-Profi entwickelt. Denn nur, wenn man Murfys Steuerung blind beherrscht und die Kommunikation der Spieler untereinander stimmt, sind die höheren Schwierigkeitsgrade auch zu bewältigen. Und die sind hoch, richtig hoch! Anfangs heißt es noch locker warmspielen, damit dann unmerklich aber kontinuierlich und gewaltig die Schraube angezogen wird. Und trotzdem schafft es Rayman Legends, dass der Spaß dabei nicht auf der Strecke bleibt. Wir haben teilweise Passagen zehn-, zwanzig- oder dreißig Mal gespielt, bis diese geschafft waren. Aber das alles funktioniert ohne Frustration. Und auch das zeichnet die Perfektion dieses Spiels aus. Motivation statt Frustration.

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Ich könnte noch Seiten damit füllen, über Rayman Legends zu schwärmen. Doch letztendlich liefe auch das auf genau diese eine Aussage hinaus:

Rayman Legends für die Wii U ist das beste Spiel aller Zeiten!

Ich halte mich dabei nicht für anmaßend. Ich spiele Videospiele seit Pong, besitze eine vierstellige Anzahl aller Generationen davon und auch die dazugehörigen Konsolen. Sicher, man kann Jump`n`Runs nicht direkt mit Rennspielen, Shootern oder Sportspielen vergleichen. Aber reduziert man alle diese Spiele auf ihre Fehler und auf den Spielspaß, kann keines von Ihnen Rayman Legends auch nur ansatzweise das Wasser reichen. Rayman Legends macht nicht einen einzigen Fehler, motiviert bis in die Haarspitzen, bietet hinreißend komponierte Musik und einen solch gewaltigen Umfang, den andere Spiele monatelang als zusätzlichen, kostenpflichtigen DLC nachschieben würden.

Von daher lasst dieses Spiel nicht unbeachtet! Spielt es und ihr erlebt, wovon ich hier schreibe.

 

Pikmin 3 … oder die Kunst, einen Ameisenhaufen zu beaufsichtigen

pikmin_teaser_220x140usk62Pikmin 3 gehörte zu den von Nintendo angekündigten Release-Titeln zur Wii U. Aber der Zeitraum eines Releasetermins im Sinne Nintendos scheint dehnbar wie ein Gummiband. Knapp neun Monate nach dem Verkaufsstart der Konsole ist aber nun endlich auch Pikmin 3 angekommen. Und um es vorweg zu nehmen, das Warten auf das ungewöhnliche Strategiespiel hat sich gelohnt.

Ich muss gestehen, dass mich die ersten beiden Teile Pikmin nicht wirklich interessiert haben. Zu niedlich, zu kindlich und zu wuselig erschien mir der Spielablauf. Von daher ist der dritte Teil für mich eine echte Neuentdeckung in der mittlerweile immer gleichen Shooter/Racing/Action-Landschaft, in der die Entwickler inzwischen jede Innovation scheuen. Klar, auch die Pikmin sind nichts ungeahnt Neues, aber immerhin neun lange Jahre liegen zwischen Teil 2 auf dem Game Cube und Teil 3 auf der Wii U. Und das ist in Zeiten von jährlichen Updates der immer gleichen Spiele ein schon fast epochaler Zeitraum.

Nintendo-typisch sind Handlung und Präsentation. Ein Planet hat seine natürlichen Ressourcen aufgebraucht und schickt nun Sonden in die Galaxie, um auf benachbarten Planeten nach neuen Quellen zu suchen. Und tatsächlich wird man fündig. Das Problem jedoch: Das ausgesandte Raumschiff stürzt beim Landeanflug ab und die dreiköpfige Crew verteilt sich über den Planeten. Um die eigene Welt zu retten, muss jetzt also nicht nur das Raumschiff wieder flugfähig gemacht werden, es müssen auch zahlreiche Früchte gesammelt werden, die man in der Heimat anbauen kann.

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Leider verfügt die doch recht randdebile Mannschaft nicht einmal ansatzweise über die Fähigkeiten der Lost Vikings. Daher sind die Pikmins der Schlüssel zum Erfolg. Sie richtig einzusetzen entscheidet über das Schicksal der gesamten Heimat. Aber zu Beginn des Spiels findet ihr nur ein einsames rotes Pikmin, mit dem natürlich noch nicht viel anzufangen ist. Aber neue Pikmins lassen sich aus so ziemlich allem gewinnen, was sich in der Umgebung befindet. Nummerierte Pflanzen werfen Samen aus, aus denen die entsprechende Anzahl an Pikmins wächst oder aus besiegten Gegnern lassen sich neue Pikmins gewinnen. Der Vorrat an niedlichen Helferlingen reißt im gesamten Spiel nicht ab, weil Pflanzen täglich neue Blüten tragen oder besiegte Gegner gelegentlich auch wieder auftauchen.

Nur mit seinen Pikmin über die Oberfläche zu wuseln, um Früchte zu sammeln, wäre aber dann doch zu eintönig. Und so jagt euch ein doch recht knackiges Zeitlimit von Spieltag zu Spieltag. Denn gespielt wird nur während des Tages, in der Nacht ziehen sich alle Pikmins in ihre Zwiebel zurück. Wer nicht rechtzeitig an Bord ist, wird Opfer der zahlreichen Fressfeinde. So besteht also die Kunst des Spiels darin, die Übersicht über eure täglich bis zu einhundert einsetzbaren Pikmins zu behalten und trotzdem sein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Da transportieren rote Pikmins eine Frucht zum Raumschiff, an anderer Stelle fliegen lilafarbene Pikmins umher, um eine Brücke zu bauen, während gelbe Pikmins eine Pflanze ernten, aus der ein besonders motivierender Saft gewonnen werden kann. Um hier die Übersicht zu behalten, habe ich zum Spielen das Gamepad benutzt, da hier eine Landkarte hilfreich dargestellt wird. Alternativ funktioniert auch die Steuerung über Wiimote und Nunchuck. Um eure Pikmins zu euch zu rufen, benutzt ihr eine Pfeife, um sie etwas angreifen oder transportieren zu lassen, werft ihr sie einfach in die entsprechende Richtung. Die Steuerung ist also bis hierhin simpel und eingängig.

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Habt ihr nach relativ kurzer Zeit eure Crew wieder vereint, entfaltet das Spiel dann seine taktische Note. Denn zahlreiche Stellen könnt ihr nur mit zwei Crewitgliedern oder sogar nur mit der kompletten Mannschaft erreichen. So fahrt ihr mit einem Blatt über einen Fluss und werft ein Teammitglied, sowie schwarze und lilafarbene Pikmin auf einen Bumper ans andere Ufer. Dort angekommen müssen die schwarzen Pikmin eine Spinne besiegen, damit ihr Netz zusammenbricht. Ist dies erledigt, werden die lila Pikmins nun auf eine entfernte Plattform geworfen, auf der Brückenteile liegen. Da die Plattform mitten im Wasser steht, seit ihr also auf die Flugfähigkeiten eurer lila Pikmins angewiesen. Und so findet ihr zahlreiche Passagen, die nur mit vereinten Kräften und dem richtigen Einsatz der benötigten Pikmin zu meistern sind.

So treibt euch das Zeitlimit voran, um regelmäßig neue Früchte zu finden. Denn am Ende des Tages verbraucht die Crew einen aus einer Frucht gewonnenen Saft. Sind die Vorräte erschöpft, ist das Spiel beendet. Dadurch werdet ihr einen Heidenspaß daran haben, die gesamte Oberfläche zu erforschen. Da liegt noch eine Frucht im Wasser, aber eure Pikmin können nicht schwimmen? Kein Problem! Kommt Zeit, kommt blaues Pikmin – und das kann schwimmen. Gelbe Pikmins graben hervorragend und leiten Strom, rote kämpfen vorzüglich, lila Pikmins können fliegen und schwarze zerstören Kristalle. Ihr erhaltet im Laufe des Spiels für jedes Problem das passende Pikmin und damit die passende Lösung, wenn ihr denn geschickt agiert und die entsprechenden Pikmins in den Einsatz schickt.

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Und trotz hohem Rätsel- und Wuselfaktor kommt die Aktion nicht zu kurz. Dafür sorgen teils knackige Zwischengegner, die nach ihrem Ableben aber auch reichhaltige Früchte, ein lebenswichtiges Bauteil für euer Raumschiff oder sogar die Crew aus dem zweiten Teil hinterlassen. Besonders knackig fand ich hier die Bienenkönigin, da diese nicht nur von zahlreichen Arbeitsbienen beschützt wird, die die Anzahl eurer Pikmins radikal reduzieren, sondern auch die Steuerung bzw. Zielerfassung über das Gamepad ist unglücklich gelöst, was gerade bei diesem Gegner auffiel. Es kostete zahlreiche Versuche und noch mehr Nerven, bis ich in der Lage war, die Königin korrekt anzuvisieren und sie dann letzten Endes doch zu besiegen. Hier funktionierte die Wiimote einfach viel genauer. Bis auf den dann doch immens schweren finalen Gegner hält sich aber der Schwierigkeitsgrad in Grenzen. Das Spiel findet somit immer die perfekte Balance zwischen Hektik, Motivation und ganz weniger Frustration.

Die Grafik ist für ein Strategiespiel eine echte Augenweide. Der Garten Eden lässt grüßen. Dennoch lauern trotz der friedfertigen Landschaft skurrile Gegner an jeder Ecke des Spiels. Übergroße Marienkäfer saugen Pikmin ein, an Luftballons erinnernder fliegende Feinde blasen sie mitsamt eurer Crew um. Als Blatt getarnte Gegner fressen Pikmin und unterbrechen so den Abtransport erbeuteter Früchte, während andere Stromschläge austeilen oder Feuer spucken. Spinnennetze unterbrechen die Flugrouten eurer fliegenden Pikmin. Diese sind leider zu doof, dem Netz auszuweichen. Der Einsatz aller Pikmin kostet hier meist zahlreiche Opfer, besser man setzt gleich die richtigen Farben mit den entsprechenden Fähigkeiten ein.

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Neben dem klassischen Abenteuermodus finden sich noch zwei weitere Spielmodi auf der Scheibe. Beim kooperativen Bingo sammelt man eine entsprechende Kombination aus Früchten, um zu gewinnen. Allerdings sieht nur der Spieler mit dem Gamepad die Positionen verschiedener Obstsorten, dem Wiimote-Spieler bleiben diese verborgen. Im Missionsmodus darf man noch einmal gegen ein heftiges Zeitlimit allein oder gemeinsam Früchte sammeln oder bereits in der Kampagne besiegte Gegner erneut bekämpfen. Auch nach Abschluss der Story wird also noch einiges geboten.

Es müssen nicht immer Mario oder Zelda sein, um einer Konsole den nötigen Schwung in die richtige Richtung zu geben. Ich bin davon überzeugt, hätte Pikmin 3 bereits zum Verkaufsstart zur Verfügung gestanden, die Wii U wäre besser aus den Startlöchern gekommen. Aber auch knapp neun Monate danach ist Pikmin 3 ein Titel, der fernab der ausgetretenen Pfade echten Spielspaß vermittelt – und das ganz ohne Gamerscore oder Trophies. Spielen einfach wieder mal aus Spaß am Spielen.

 

gamescom 2013 – der Versuch einer Nachlese

gamescom_header_220x140Die Messe Köln gab bereits kurz nach Beendigung der gamescom 2013 ihre Zahlen bekannt. Und wie gewohnt klingen diese utopisch. Waren es im letzten Jahr noch 275.000 Besucher, so steigerte man diese Zahl um unglaubliche 23% auf jetzt 340.000, davon allein 29.600 Fachbesucher und 6.000 Medienvertreter. Mit 635 Ausstellern war die Messe damit auf 140.000 qm restlos ausgebucht.

Soweit die Theorie. Winston Churchill wird das Zitat zugeschrieben, „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.“ Nun sind diese Zahlen vielleicht nicht gefälscht, aber doch zumindest an der Stelle der Fachbesucher nach oben geschönt. Denn allein 29.600 Fachbesucher sind eine Zahl, die man sicherlich hinterfragen darf. Wikipedia definiert als Fachbesucher solche Personen, „die als potentielle Kundschaft der teilnehmenden Aussteller für den Veranstalter von besonderer Bedeutung sind.“ Und diese besondere Bedeutung ist bei fast 30.000 Fachbesuchern doch mehr als fragwürdig.

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Boris Schneider-Johne
Foto: M. Arm

Die Voraussetzungen für den Erwerb einer Eintrittskarte zum Fachbesuchertag der gamescom sind schwammig gehalten: „Die Branchenzugehörigkeit der Fachbesucher muss beim Eintrittskartenkauf im Ticket-Shop oder vor Ort in Köln z.B. mit ihrem Händlernachweis, Gewerbeschein etc. nachgewiesen werden.“ Gerade dieses etc. lässt zu viel Spielraum. Nachdem ich mehrere Jahre als Fachbesucher mit fachlichem Hintergrund vor Ort war und auch in Ruhe Gespräche mit Entwicklern außerhalb des Businesscenters fernab von Terminzwängen führen konnte, beschwerte ich mich bereits 2011 über das aufgeweichte Verfahren zum Fachbesuchertag. Denn dort war sogar eine Visitenkarte ausreichend, um als Fachbesucher anerkannt zu werden. Man gelobte Besserung in Form einer strengeren Prüfung, verändert wurde jedoch nichts. Noch immer wird so gut wie jeder Spieler im Besitz einer eigenen Domain, die sich mit Games beschäftigt, als Fachbesucher anerkannt. Erfolg und Steigerungsraten um jeden Preis. Und nun verteilt die Messe sogar Wildcards …

Interessant zum Thema Fachbesuchertag sind die Tweets der ehemaligen Xbox-Ikone Boris Schneider-Johne:

  • Ein Blick in die Hallen bestätigt meinen Verdacht. Der Fachbesuchertag ist eine Illusion. Vielen Dank, @gamescomcologne
  • Mittwoch ist der neue Samstag!
  • Und sie lassen jedermann ins Business Center, ohne Kontrolle? Kaum ist man 2 Jahre nicht hier… @gamescomcologne
  • Hätte nie geglaubt, daß ich mich am Fachbesuchertag für eine Stunde ins Hotel zurückziehe, weil es zu fucking voll auf der Messe ist.
Schlange bei Destiny am Fachbesuchertag - Foto: M. Arm
Unglaublich: Eine lange Schlange bei Destiny am Fachbesuchertag – Foto: M. Arm

Nun sollte die Messe das große Ballyhoo der beiden neuen Platzhirsche Playstation 4 und Xbox One werden. Doch die Wirklichkeit war eher ernüchternd. Was MS auf der E3 kann, können wir auf der gamescom schon lange, muss man sich bei Sony gedacht haben und ließ zumindest die Demo von Need for Speed: Rivals auf einem Windows 7 PC laufen. Aufgefallen nur deshalb, weil das Spiel mit schöner Regelmäßigkeit mit einem Win7 Screen abstürzte. Nun gut, das ist nichts Ungewöhnliches, da viele Publisher in der Entwicklung noch nicht so weit sind und Spiele lieber gut als PC-Demo, denn schlecht als Konsolendemo präsentieren. Es bleibt aber der fade Beigeschmack, ob das fertige Spiel auf der Konsole denn so aussieht, wie auf dem PC vorgeführt?

Trotz der großangekündigten Präsentationen beider Konsolen blieb das erhoffte „Wow, das ist sie also“-Erlebnis aus. Das lag einerseits an der Grafik, die einfach zu wenig Unterschied zur aktuellen Konsolengeneration bietet, aber andererseits auch am mangelnden Risiko. Ausgetretene Pfade bei Spielen, wohin das Auge blickt. Kein Mut zur Lücke, stattdessen bekannte Games allerorten. Allein die Liste der Gewinner der gamescom Awards 2013 kann kaum mehr als ein höflich unterdrücktes Gähnen auslösen. Destiny? Ja, tolle Endzeit-Grafik, aber letzten Endes ein Shooter bekannter Machart. Zelda & Mario Kart? Wo sind Nintendos Innovationen? Forza, Fifa, Battlefield & Elder Scrolls? Bereits bekannt! Es stellt sich also die Frage, warum für diese Titel eine neue Generation von Konsolen nötig wäre?

Xbox One Präsentation - Foto: M. Arm
Xbox One Präsentation – Foto: M. Arm

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Playstation 4, Xbox One und Wii U die letzte Konsolengeneration mit physischen Medien sein wird. Xbox 360 und PS3 haben den Weg zu digitalen Inhalten geebnet, die Wii U zieht jetzt mit. Die nächsten Konsolen werden aller Voraussicht keine „echten“ Videospielkonsolen mehr sein, sondern die eierlegenden Wollmilchsäue, die Microsoft schon jetzt im ersten Versuch mit der Xbox One präsentieren wollte, aber am Widerstand der Spieler scheiterte. Es werden wohnzimmertaugliche Allround-Maschinen für die gesamte Familie werden, die per Download die gewünschten Inhalte präsentierten, sei es TV, Internet, Spiele oder Telefonie. Genießen wir also die kommende restliche Zeit mit den zukünftigen Dinosauriern.

gamescom 2013 – ein Ausblick auf die neuen Konsolen

gamescom_2013_teaser_220x140Alle paar Jahre ist die gamescom nicht nur eine gewöhnliche Spielemesse, auf der die Publisher ihre Games präsentieren. Denn dann ist es wieder an der Zeit, einen Wechsel der Generationen einzuläuten. Die diesjährige gamescom wird also eine besondere Messe. 2013 ist das Jahr der Veränderungen und die großen Drei werden die Hardware vorstellen, die sich die Spieler die nächsten Jahre ins Haus holen sollen.

Nachdem im letzten Jahr neben Sega und THQ auch Nintendo und Microsoft der Messe fernblieben, ist diesmal bis auf die zwischenzeitlich insolvente THQ wieder alles vor Ort. Ich habe noch immer einen winzigen Funken Hoffnung, dass Sega wie Phoenix aus der Asche aufersteht und mir eine neue Konsole offenbart. Aber das wird wohl eher nicht passieren. Dafür stehen Sony mit der Playstation 4 und Microsoft mit der Xbox One in den Startlöchern. Ein wenig unter geht im Krieg der Alleskönner die Wii U von Nintendo. Bereits im letzten Jahr erschienen, hat Nintendo nun aber die Chance, die Besucher der gamescom für das System zu begeistern.

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Darf man den verschiedensten Pressemeldungen und zahlreichen Berichten Glauben schenken, ist die Xbox One aufgrund der verfehlten und vor allem verwirrenden Politik Microsofts zur Einführung bereits bei den deutschen Spielern unten durch, bevor sie überhaupt im Regal der Händler steht. Eine zu sehr auf den amerikanischen Markt zugeschnittene Präsentation, eine dauerhafte Internetverbindung, ein per DRM auf ewig an die Konsole gebundenes Spiel, Dauerüberwachung durch Kinect und diverse andere Ankündigungen zu Ungunsten der Spieler sorgten für Empörung. Und diese war so massiv, dass Microsoft einknickte.

Selbstverständlich geschah dies nicht, weil sich der gewaltigste Shitstorm aller Zeiten über das Unternehmen ergoss. Über so etwas ist man mit Sicherheit in Redmond erhaben, man steht schließlich über den Dingen. Die Spieler taten aber das einzig Richtige und stornierten offensichtlich reihenweise ihre Vorbestellungen zur Konsole. Unbestätigten Angaben zufolge liegt das Verhältnis momentan bei 3:1 zugunsten der Playstation 4, eine Online-Abstimmung bei xboxonevspsfour.com zeigt ein ähnliches Ergebnis >>>. Und bei Amazon sollen sich zwischenzeitlich angeblich 95% aller Spieler eine PS4 statt einer Xbox One vorbestellt haben. Selbst wenn diese Zahlen nur annähernd stimmen, läuten bei Microsoft alle Alarmglocken. Denn der Spieler packt Microsoft dort, wo es am meisten wehtut: Am Geldbeutel.

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Auch wenn Mr. Xbox Larry Hryb Major Nelson persönlich alles daran setzte, das angeschlagene Image wieder aufzupolieren, scheint Microsoft den Bogen diesmal überspannt zu haben. Da nützt auch kein noch so tolles Headset in der Day One Edition der neuen Konsole. Und vergessen sollte man eines nicht: Man hat zwar bei Microsoft angekündigt, die vielen Einschränkungen zum Start doch nicht in das System zu integrieren, aber wen hindert es, diese nach Release Stück für Stück dennoch einzuführen? Gerade der Gebrauchtmarkt für Spiele ist ein so großes Stück des Kuchens, dass man sich noch immer daran verschluckt. Warum also das DRM nicht erst 2014 oder 2015 per Update einführen, wenn die Geräte bereits in den Haushalten stehen? Und nicht vergessen ist das Chaos bei Einführung der Xbox 360, als so ziemlich jede Konsole den RoD zeigte.

Selbstverständlich wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird, aber letzten Endes darf man gespannt sein, wie sich die Konsolen verkaufen, wenn sie denn erhältlich sind. Mit Sicherheit wird der eine oder andere Spieler noch umschwenken und sich doch die andere Konsole kaufen, aber der große Gewinner wird zumindest anfangs bei dieser Generation Sony mit der Playstation 4 werden – vorausgesetzt, Sony verbockt die gamescom nicht vollständig. Dies dürfte aber wohl kaum zu erwarten sein.

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Und bei allem Gerede über die angekündigten Hardwaremonster sollte man die Wii U nicht aus den Augen verlieren. Nintendo hat zwar wohl noch immer Absatzschwierigkeiten, aber die neue Konsole bietet mehr als nur ein Touchpad – wenn die Entwickler die Hardware auch einmal richtig einsetzen und entsprechende Spiele programmieren. Ubisoft hat es mit Rayman Legends vorgemacht, auch wenn der ehemals exklusive Wii U Titel nun doch für Xbox 360 und PS3 erscheint. Die gamescom 2013 ist die Chance, die Konsole endlich allen zugänglich zu machen – und auch der Grund, warum Rayman auf einen Termin nach der gamescom verschoben wurde.

 

Hardwaretest: Hauppauge HD PVR 2 Gaming Edition Plus

Youtube und andere Portale erleben seit Jahren einen stetig wachsenden Zulauf. Seit so gut wie jedes Smartphone über eine brauchbare Kamera verfügt, lädt jeder, der der Welt etwas Wichtiges mitzuteilen hat, seine wackeligen, unscharfen Handy-Filmchen auf ein entsprechendes Portal. Zum guten Ton unter Videospiel-Publishern gehört inzwischen, zum kommenden Triple-A-Titel in regelmäßigen Abständen Neuigkeiten in bewegten Bildern anzubieten. Kleine Videohäppchen machen Appetit auf das finale Produkt. Wer als Gamer etwas auf sich hält, erstellt ganze Walkthroughs im Videoformat.

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Auch wenn die Playstation 4 über eine Upload-Funktion für Videos verfügen soll, macht es doch einen gewaltigen Unterschied, ob ich ein Video direkt aus einem Spiel auf Youtube lade oder ob ich das in Ruhe am PC noch aufhübschen kann. Ihr wolltet der Community schon immer Videos eures Lieblingsspiels zeigen oder voller Stolz den letzten Level oder Endgegner präsentieren? Dann kommt ihr um den Kauf eines Capture-Moduls nicht herum.

Hauppauge präsentierte mit der HD PVR 2 Gaming Edition bereits im letzten Jahr das Nonplusultra unter den HD-Videorekordern für eure Spiele. In diesem Jahr wird noch einmal nachgelegt. Mit dem Zusatz PLUS versehen, bietet das neue Modul noch einmal zusätzlich Funktionen, Programme und Verbesserungen. So verfügt die Plus-Version nun auch über einen optischen Ausgang. Der Sound wird jetzt in AC3 kodiert, das heißt Audiosignale werden verlustfrei komprimiert. Die sechs Kanäle (5.1) des Videospielsounds werden somit zu einem einzigen Kanal zusammengefasst. Ebenso neu ist das Streamen von Livebildern über Twitch oder Ustream über das mitgelieferte Programm StreamEez.

Videos über HDMI aufzunehmen könnte leichter kaum sein, denn zum Lieferumfang gehören neben der HD PVR 2 auch sämtliche benötigten Kabel. Ihr findet also ein recht kurzes HDMI-Kabel zum Anschluss des Rekorders an den HDMI-Eingang eures TV, ein Komponenten-Kabel inklusive Adapter für die Playstation 3 oder die alte Xbox 360, sowie ein USB-Kabel zur Verbindung von Rekorder und PC. Auf der Installations-CD befinden sich alle notwendigen Treiber und Programme. Beim Aufbau und der Installation solltet ihr euch zwingend an die beigelegte Anleitung halten, da euer Bild auf dem TV und dem PC sonst schwarz bleibt.

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Ist alles korrekt installiert und angeschlossen, drückt ihr den Aufnahmeknopf auf der HD PVR 2 und es startet das Capture-Programm auf eurem PC. Hier sind noch einmal mit zwei Mausklicks Einstellungen vorzunehmen. Auch wenn die Anleitung ausgibt, dass keine weiteren Einstellungen notwendig sind und ihr die Voreinstellungen verwenden könnt. Beim ersten Start werdet ihr gefragt, welchen Anschluss bzw. welche Konsole ihr verwendet. Ihr müsst nun die Quelle ändern, da nicht die HD PVR2 das Bild lieferte, sondern meine PC-Webcam. Ebenso ist im Audiokanal trotz Vorblendung noch einmal HDMI anzuklicken, sonst wird der Sound nur verzögert über den PC, nicht aber über TV oder Anlage ausgegeben. Alternativ könnt ihr dem Programm noch den Ordner auf eurem PC vorgeben, in dem die Videos gespeichert werden sollen.

Ist dies alles getan, steht einer Aufnahme eures spielerischen (Un-)Vermögens nichts mehr im Wege. Mit dem Aufnahmebutton auf der HD PVR 2 werden Aufnahmen gestartet und gestoppt. Ein Pausieren des Spiels, um nach der PC-Maus zu greifen, ist nicht nötig. Der Rekorder selbst gibt euch anhand von farbigen LEDs eine optische Rückmeldung, in welchem Modus ihr euch gerade befindet. Auch wenn die HD PVR 2 Plus nur die Xbox 360 und Wii U als HDMI-fähige Konsolen aufführt, so funktionieren selbstverständlich auch andere. Ich habe meine Neo Geo X über HDMI angeschlossen und auch hier kamen einwandfreie Aufnahmen zustande. HDMI-Pass-Through sorgt für verzögerungsfreie Bildwiedergabe auf dem TV.

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Schwieriger wird es bei der Playstation 3 und der Verwendung des Komponenten-Kabels. Dieses muss verwendet werden, da das HDMI-Signal per HDCP verschlüsselt ist. Auch hier solltet ihr wieder die kleine Anleitung zur Hand nehmen. Denn zum Starten der Playstation 3 muss nach Anschluss des Komponenten-Kabels und Trennung der HDMI-Verbindung der Start-Knopf der Konsole festgehalten und erst nach dem zweiten Signalton losgelassen werden. Nur so schaltet die Konsole zwischen den unterschiedlichen Ausgängen um. Erhaltet ihr dann ein Bild auf dem TV, müssen in den Einstellungen der PS3 noch das Video-Format von 4:3 auf 16:9 geändert und die Tonausgabe auf Cinch geändert werden. Auch in den Einstellungen des Capture-Moduls sind noch zwei Einstellungen vorzunehmen. Unter Aspect Ratio ist der Haken bei „Auto“ zu entfernen und beide Einstellungen auf 16:9 zu ändern. Dafür sind nun auch Aufnahmen mit einer Auflösung bis zu 1080p möglich. Ich persönlich habe allerdings „nur“ 720p hinbekommen, denke aber, dass ich hier noch an den Einstellungen etwas ändern muss.

Habt ihr genügend Videos eurer Spielsessions aufgenommen, könnt ihr diese mit dem mitgelieferten Videoschnittprogramm ArcSoft Showbiz nachbearbeiten. Ihr könnt in der Timeline peinliche Momente herausschneiden, mehrere Videos aneinanderfügen, diese mit Übergängen versehen und problemlos Text einfügen. Das Programm bietet ganz sicher nicht so umfangreiche Funktionen, wie man das von Programmen wie Corel VideoStudio oder Magix Video deluxe erwarten darf, kann aber bei Weitem mehr, als der Windows Movie Maker. Zusätzlich lassen sich über den Hauppage Personal Logo Inserter auch noch eigene PNG-Dateien in das Video einfügen. Das fertige Ergebnis kann auf eine CD gebrannt oder direkt nach Youtube hochgeladen werden. Mit ein wenig Geschick lassen sich hier also mehr als nur ansprechende Videos erstellen.

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Wer aber hofft, seine Konsole direkt über die HD PVR  an den PC anzuschließen, um dort zu spielen und sich den Anschluss an den TV zu sparen, wird enttäuscht. Die Latenz von Bild und Ton beträgt gute zwei Sekunden, d.h. Bild und Ton kommen am PC sehr viel später an, als am TV.

Hardware Encoder

  • H.264 AVCHD HD Video-Encoder, unterstützte Auflösung bis zu 1080p30 über HDMI oder 1080p über Komponenten-Video
  • Verzögerungsfreier Pass-Through: HDMI auf HDMI bis zu 1080p oder Komponenten-Video auf HDMI bis zu 1080p
  • Aufnahme-Datenrate: von 1 bis zu 14 Mbits/sec
  • Aufnahme-Format: AVCHD (.TS und .M2TS), .MP4

Systemvoraussetzung

  • PC mit 3.0 GHz Single-Core oder 2.0 GHz Multi-Core Prozessor
  • min. 512 MB RAM (1 GB empfohlen)
  • Microsoft ® Windows ® 7 (32 oder 64-bit), Windows Vista oder Windows XP Service Pack 3
  • USB 2.0 Port
  • Fernseher mit HDMI Eingang
  • Grafikkarte mit min. 256 MB Speicher
  • Soundkarte
  • min. 220 MB freier Festplattenspeicher
  • CD-ROM Laufwerk (für Software-Installation)

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Fazit:

Die Hauppauge HD PVR2 ist ein kleines, geniales Stück Hardware. Endlich die eigenen Gaming-Erlebnisse in bewegten Bildern auf dem PC speichern und vorführen, statt immer nur neidisch die Videos der anderen zu betrachten. Die Packung beinhaltet dazu alles, was benötigt wird, um sofort loszulegen. Und richtig rund macht das gesamte Hardwarepaket die Software ArcSoft Showbiz, denn eine zusätzliche Bildbearbeitungssoftware muss ebenfalls nicht gesondert gekauft werden. Die Software ist ebenso wie die Hardware simpel zu bedienen und schnelle, ansprechende Erfolge sind somit garantiert.

Mein tatsächlicher einziger Kritikpunkt ist ein fehlender Adapter für Scart auf HDMI. Es werden zwar alle Current-Gen-Konsolen unterstützt, aber gerade für mich als Sammler wäre es wichtiger, Videos von Klassikern alter Konsolengenerationen aufzunehmen, die bei vielen Spielern entweder unbekannt oder aber in Vergessenheit geraten sind. Interessant wird obendrein die Frage nach der zukünftigen Kompatibilität der HD PVR2 Plus zu Xbox One und Playstation 4.

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Link zur Herstellerseite: Hauppauge HD PVR 2 GE Plus >>>

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weitere Hardwaretests:

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Hardwaretest: Philips 55PFL8007K – bigger is better

55pfl8007k12_teaser_220x140Vor gar nicht allzu langer Zeit waren Röhrenfernseher im 4:3 Format mit 72 Zentimetern Diagonale noch das Maß aller Dinge. Nicht weniger als ein simpler Antennenanschluss und im besten Fall zwei Scart-Anschlüsse, von denen einer sogar NTSC-Signale verarbeiten konnte, waren nötig, um Otto-Normalkunden den maximalen Fernseh- und Videospielgenuss nach Hause zu bringen. Wer mehr Geld zur Verfügung hatte und mehr sichtbares Bild wollte, investierte in damals unverschämt teure Rückprojektionsgeräte in der Größe einer Flurgarderobe.

Alles änderte sich mit Einführung des 16:9 Formats. Auch hier gab es anfangs noch Röhren-TV, dann wurden Fernseher endlich flach. Doch wie bei technischen Innovationen üblich, wurde dem Konsumenten zu Beginn eine Entscheidung abverlangt, an der sich wie schon zu Zeiten von Videorekordern oder der Einführung vom hochauflösenden Videoformat die Geister schieden. Lautete die Frage nach dem System bei Magnetbändern noch „VHS, Video 2000 oder Betamax“ und bei digitalen Medien später „Blu-ray oder HD-DVD“, stand der kaufkräftige Kunde beim Flachbildschirm vor der Frage „LCD oder Plasma“?

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Rück- und Seitenansicht

Auch das ist inzwischen fast vergessen, LED-Backlight ist inzwischen Standard. Der Kauf eines neuen TV wird damit heute vom persönlichen Geschmack und dem eigenen technischen Anspruch wie der Frage nach 2D oder 3D entschieden. Nur noch Nuancen unterscheiden Hersteller und Modelle voneinander, wenn es um die Technik geht. Denn HD darstellen können (fast) alle. Es sind demnach die Details, die heute über den Kauf entscheiden. Maßgeblich für mich sind neben dem annähernd perfekten Bild, eingängigen Funktionen und simpler Bedienung auch das mögliche Streamen von digitalen TV-Sendungen vom TV auf ein Tablet und die 3D-Splitscreen-Funktion für Videospiele. Und ich will Ambilight!

All das bietet der Philips 55PFL8007K, der aufgrund seiner technischen Merkmale und seiner Bildschirmdiagonale von 140 Zentimetern zu den Top-Modellen des aktuellen Portfolios gehört. Allein das Auspacken und Aufbauen des Geräts verlangt mindestens vier Hände, denn das Verziehen des Bildschirms durch unvorsichtigen Transport muss unbedingt vermieden werden, um Beschädigungen zu vermeiden. Die Folge daraus kann eine unregelmäßige Ausleuchtung des Bildes sein. Für die Montage des Standfußes, der auch die Boxen enthält, muss der Bildschirm auf einen Tisch gelegt werden. Die Halterung für den Standfuß wird mit nur zwei Schrauben an der Rückseite angebracht, der Fuß selbst wird vierfach verschraubt. Durch die Halterung wird das in den Fuß integrierte Boxenkabel mit dem TV verbunden, denn nur so gibt es nachher auch Klang, wenn kein externes System verwendet wird.

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Der 55PFL8007K verfügt über alle Anschlüsse, die ein hochwertiger LED-Bildschirm heute mit sich bringen sollte. Geboten werden gleich fünf HDMI-Eingänge, die alle ARC-fähig sind, also nicht nur Signale empfangen, sondern auch gleichzeitig den Ton über das HDMI-Kabel an ein angeschlossenes Heimkinosystem abgeben (ARC = Audio Return Channel). Verstärker, die über keinen HDMI-Anschluss verfügen, können über ein optisches Digitalkabel angesteuert werden, um so den vollen Raumklang zu genießen. Weiterhin verfügt das Gerät über drei USB-Anschlüsse, von denen zwei leicht zugänglich an der Seite angebracht sind. Den hinteren, und damit schwerer erreichbaren, verwendet man bei Bedarf für die zum Lieferumfang gehörige Skype-Kamera PTA317 für Videotelefonate innerhalb des Skype-Onlinedienstes.

Beide mitgelieferten aktiven 3D-Brillen werden über USB aufgeladen. Obendrein kann man am 55PFL8007K eine USB-Tastatur sowie -Maus, einen USB-Stick und für digitale TV-Aufnahmen eine USB-Festplatte nutzen. Warum allerdings das einzig mitgelieferte Kabel so kurz ist, dass sich beim Aufladen der Brille das Kabel spannt, erschließt sich mir nicht ganz. Aber USB-Kabel gibt es heute inflationär zu jedem Elektroartikel dazu, so dass sich in einem halbwegs sortierten Haushalt auch ein längeres Kabel finden lassen sollte. Die Brillen lassen sich aber auch am PC oder Handy-Ladegerät aufladen.

2 Shutter-Brillen PTA507/00 werden mitgeliefert
2 Shutter-Brillen PTA507/00 werden mitgeliefert

Wichtig für den Besitzer einer alten XBOX 360 ohne HDMI ist der YPbPr-Komponentenanschluss, sowie ein VGA-Eingang zum Betrieb eines PC am Bildschirm. Selbstverständlich bietet der 55PFL8007K auch diese. Sollen noch ältere Geräte wie Super NES oder ähnliches betrieben werden, findet sich am Philips sogar ein Scart-Anschluss über Adapter. Obligatorisch für ein Gerät solcher Preisklasse ist inzwischen der CI+ Schacht (Common Interface Plus) für den Empfang von digitalen Sendern von Kabel Deutschland oder Sky ohne den Betrieb eines zusätzlichen Receivers. Ebenso normal sind ein Kopfhörerausgang und ein Ethernet-Anschluss für ein RJ-45-Netzwerkkabel, auch wenn das Gerät WiFi-fähig ist. Nicht selbstverständlich hingegen scheint bei vielen Herstellern die Unterbringung der Anschlüsse zu sein, denn allzu oft schmälern störend über den Rand herausragende Kabel den optischen Gesamteindruck eines Flachbildschirms. Hier hat man bei Philips aber weiter gedacht, denn alle Anschlüsse sitzen so weit hinten im Gerät, dass hier nichts übersteht! Dies ist mit Sicherheit auch dem Ambilight geschuldet, denn wer möchte schon Schatten oder Konturen eines Kabels im rückwärtigen Spiel der Farben sehen, während er einen Film genießt?

Dieses Ambilight ist eine der auffälligsten Funktionen von Philips-Geräten. Das patentierte Ambilight wird bereits seit 2004 eingesetzt und sorgt tatsächlich für ein entspanntes Fernsehvergnügen gerade in abgedunkelten Räumen. Anfangs waren es noch einfache Röhren, deren Funktion über die Fernbedienung gewählt wurde und die ihr Licht an die Seiten des TV abgaben. Bei der Ambilight-2 Technik kam die Zweikanal-Funktion hinzu, die auf den beiden Seiten des Fernsehers verschiedene Farben darstellen konnte. Ein weiterer Schritt war Ambilight Spectra, bei der durch nun vier Leuchtdiodenstränge auch dynamische und farbliche Übergänge innerhalb des Bildes möglich wurden. So wird zum Beispiel bei einer Landschaftsaufnahme der untere Teil im Grün einer Wiese dargestellt und der obere im Blau des Himmels. Der 55PFL8007K verwendet sogar Ambilight Spectra XL, bei dem jetzt auch der obere Rand des Bildschirms beleuchtet wird. Außerdem ist es möglich, das Ambilight an die Farbe der dahinterliegenden Wand anzupassen oder aus dem dynamischen, sich verändernden Licht auf statische oder warmweiße Beleuchtung umzuschalten. Wer einmal einen Film mit dieser farblichen Untermalung geschaut hat, wird darauf nicht mehr verzichten wollen! Alleine die Abschaltung des Ambilight sorgt schon für Irritationen, weil etwas fehlt.

Ambilight Spextra XL
Ambilight Spextra XL

Da auch Boxen einer Evolution unterliegen und somit immer schmaler, aber trotzdem leistungsstärker werden und beim Philips in den Standfuß integriert sind, wird auch der Rahmen immer filigraner. Beim 55PFL8007K sind dies noch ganze neun Millimeter sichtbarer Rand bei nicht einmal drei Zentimetern Gehäusetiefe. Die Verarbeitung ist dabei einwandfrei, alle Spaltmaße sind rundum exakt. Die 2 x 20 Watt der Boxen verbreiten trotz ihrer geringen Ausmaße guten Klang, vorausgesetzt der Bildschirm steht auf einer festen Unterlage. Einen Läufer, Platzdeckchen oder ähnliches sollte man vermeiden, da Schall sich auf weichen Materialien physikalisch bedingt nicht gut ausbreiten kann. Der bauartbedingt etwas größere Standfuß wird bei der Wandmontage an der Rückseite des Bildschirms angebracht. Für den optimalen Effekt des Ambilight Spectra XL sollte der Bildschirm nicht mehr als 25 Zentimeter von der Wand entfernt stehen. Auf einen parallelen Lichteinfall sollte ebenfalls geachtet werden, da der große Bildschirm trotz entspiegelter Hochglanzscheibe bei Licht von vorn doch eher blendanfällig ist.

Nach diesen Vorbereitungen und der simpel vonstattengehenden Verkabelung mit Antenne oder Receiver und weiteren Komponenten wie Heimkinosystem und Spielkonsolen erfolgt die Ersteinrichtung. Der Philips verfügt selbstverständlich über den schon obligatorischen Triple-Tuner für Satellit (DVB-S2), Kabel (DVB-C) und Antenne (DVB-T). Eine gedruckte Anleitung liegt dem TV nicht bei, aber Philips stellt diese online als PDF auf der eigenen Website und auch innerhalb der TV-Software zur Verfügung. Wie immer gilt: Besitzer eines Tablets oder Smartphones laden sich das PDF auf das mobile Gerät und haben so die Anleitung gegebenenfalls immer griffbereit. Die Inbetriebnahme und erste grundlegende Einstellungen von Sendern, Bildeinstellungen, Ambilight und einem eventuell vorhandenen Internetzugang erklären sich jedoch vollständig von allein. Selbstverständlich lassen sich aber all diese Einstellungen auch nachträglich im übersichtlichen und umfangreichen Optionsmenü noch nachjustieren.

Dieses Optionsmenü ist zwar übersichtlich, aber dermaßen umfangreich, dass die ersten Stunden oder auch Tage tatsächlich damit verbracht werden können, den Bildschirm den eigenen Vorstellungen gemäß anzupassen, auch weil die werksseitigen Vorgaben nicht unbedingt sofort das beste Bild liefern. Allein für die Bildeinstellungen gibt es diverse Menüs mit angeschlossenen Untermenüs, die mal mehr, mal weniger sofort ersichtliche Ergebnisse in der Darstellung des Bildes bringen. Angefangen bei klassischen Standardeinstellungen wie dem Farbton, der warme oder kühle Farben hervorhebt, der Helligkeit, dem Kontrast oder der Farbsättigung, bis hin zum Feintuning der zahlreichen Pixelverbesserungsprogramme – bei Philips Perfect Pixel HD Engine genannt – reicht hier die Palette der Möglichkeiten. Es darf also umfangreich probiert werden.

Menü der Perfect Pixel HD Engine
Menü der Perfect Pixel HD Engine

Doch genau diese Funktion der perfekten Pixelaufbereitung ist gleichzeitig gelegentlich der Fluch von HD und Blu-ray. Dies liegt allerdings nicht am Bildschirm oder schwacher Software, sondern meist ausschließlich am Ausgangsmaterial. Im Bemühen, die bestmögliche Qualität bei größtmöglicher Bewegungsschärfe aus einem Film heraus zu holen, entsteht dabei manchmal der sogenannte Soap-Opera-Effekt, also ein Bild wie bei einer amerikanischen Seifenoper. Es wird der Eindruck erweckt, als seien die Darsteller vor einem neutralen Hintergrund gefilmt und nachträglich digital in die Aufnahme kopiert worden. Beim Soap-Opera-Effekt erfolgt also eine zu scharfe Trennung von Vorder- und Hintergrund. Dies liegt an der höheren Bildrate als den im Kino üblichen 24 Vollbildern (24p) pro Sekunde. Schlechte Beispiele dafür sind From Paris with Love oder auch Zorn der Titanen. Ständig hat man das Gefühl, mitten am Drehort während der Aufnahmen dabei zu sein. Besserung bringt bei solchen Filmen nur – wenn man sich partout nicht an diesen Effekt gewöhnen kann – sämtliche Funktionen der Perfect Pixel HD Engine abzuschalten.

Stimmt jedoch die Qualität des eingespielten Blu-ray-Materials, zieht der Philips bei der Bildwiedergabe alle Register. Die Kombination aus Perfect Pixel HD Engine und 800 Hz Perfect Motion Rate macht neben der puren Bildschirmgröße den Filmabend zum Genuss ähnlich dem eines Kinobesuchs. Brillante und natürliche Farben sorgen für ein einfach rundum gelungenes Bild. Helle Farben werden ebenso gut abgebildet, wie dunkle Bereiche, in denen Schwarz wirklich Schwarz und nicht Dunkelgrau ist. Blu-ray-Referenzen wie Avatar, Marvel’s The Avengers oder The Amazing Spider-Man zeigen, wozu der Philips in Verbindung mit einem guten Player in der Lage ist. Und wer sehen möchte, wie perfektes Blu-ray aussehen kann, wirft einen Blick auf Ron Frickes Dokumentation Samsara. Im fast krassen Gegensatz zu dieser Referenz steht The Expendables 2, dessen körniges Bild angeblich vom Regisseur Simon West so gewollt war. Einerseits macht dies den Charme des 80er Jahre Action-Kinos aus, andererseits wird schlechte(re) Blu-ray-Qualität gerade bei einer solchen Diagonale, wie sie der 55PFL8007K aufweist, besonders deutlich. Auch bei der Aufbereitung von DVD`s trumpft die Pixel-Engine auf. Selbst wirklich alte DVD-Filme, wie beispielsweise Demolitian Man von 1993 oder Jagd auf Roter Oktober von 1990, gewinnen hier noch einmal an optischer Qualität, die in einigen Szenen sogar an manch aktuelle Blu-ray heran reicht.

Expendables 2
Expendables 2

Aber man schaut nicht nur Filme. Entscheidend beim Empfang des allabendlichen Fernsehprogramms ist bei einem Full-HD-TV die Qualität des eingespeisten Signals. Üblicherweise bietet hier der analoge bzw. SD-Empfang auch immer das schlechteste Bild, auch wenn hier die Perfect Pixel HD Engine noch einmal unterstützend eingreift. Wer aber tatsächlich nur ein solches Signal von seinem Anbieter erhält, sollte sich den Kauf eines Bildschirms dieser Größe zwingend überlegen. Man kauft auch keinen Sportwagen, wenn man nur in verkehrsberuhigten Bereichen fahren kann. Denn erst mit digitaler Übertragung über einen entsprechenden Digitalreceiver oder das CI+ Modul und obendrein vielleicht auch gleich HD-Fernsehprogramm, entfaltet der Philips 55PFL8007K sein ganzes Können. Ich habe zum Test des TV meinen Kabel Deutschland Vertrag um entsprechende HD-Kanäle erweitert und kam so das erste Mal in den vollen optischen – nicht qualitativen – Genuss der abendlichen Unterhaltung, allein Details und Farben des dargestellten Bildes überwältigen regelrecht. Der Philips bietet ein so unglaublich scharfes und kontrastreiches Fernsehbild, welches ich in dieser Form kaum für möglich gehalten habe und bisher nur von einer Blu-ray Disc kannte. Aber selbst hier ist HD nicht gleich HD, da ein alter Film immer noch ein alter Film bleibt. Man darf also keine Wunder erwarten, wenn das zugespielte Material zwar auf einem HD-Sender läuft, aber eben nicht in HD abgedreht wurde. Nach Rücksprache mit Philips kann es obendrein noch Unterschiede in der Bildqualität geben, je nachdem ob das Programm über den Tuner des TV oder über den Tuner eines Digitalreceivers empfangen wird. Bei mir waren jedoch keinerlei Unterschiede festzustellen, das Bild ist nahezu identisch.

Fernsehen allein war gestern, obendrein legen Käufer eines aktuellen TV inzwischen gesteigerten Wert auf zahlreiche Funktionen, die die technischen Möglichkeiten so weit als möglich ausreizen. Dazu gehören Smart-TV, 3D, der Empfang der elektronischen Programmzeitschrift EPG, die Aufnahme des Programms auf Festplatte inklusive zeitversetztem Fernsehen und die Steuerung per App vom Tablet oder Smartphone. Obwohl technisch problemlos möglich, wird angeblich noch immer nur knapp die Hälfte aller Bildschirme mit dem Internet verbunden, um Smart TV und andere Inhalte zu nutzen. Dem Benutzer entgehen aber damit einige der technischen Innovationen, die der Philips bietet. Das seit 2012 neue und nunmehr aufgeräumte und damit übersichtliche Portal bietet zahlreiche speziell für das TV angepasste Applikationen wie Wetter.com, Kino.de, Picasa oder Napster, sowie natürlich die momentan offenbar für viele unverzichtbaren Social Media Apps von Twitter und Facebook. Aber es sind vor allem die großen Onlinedienste, die ein spezielles und reichhaltiges Angebot bereithalten. Hier ist meines Erachtens die ZDF-Mediathek vorbildlich, die neben Fotoserien und Videos auch ganze Folgen des bereits ausgestrahlten Programms anbietet. Auch wenn bei mir zurzeit noch eine 2000er-DSL-Leitung anliegt, konnte ich Smart-TV und Youtube frei von Verzögerungen nutzen. Für das Ausleihen und Streamen von Filmen aus den verschiedenen Online-Videotheken wie Maxdome, Videociety oder Viewster sollte aber eine leistungsstarke Leitung vorhanden sein.

fernbedienungFür einfachste Bedienung sorgt die ungewöhnliche Fernbedienung des 55PFL8007K. Denn neben den bekannten und übersichtlich positionierten Tasten für Programm, Kanalsuche oder Lautstärke ist auf der Rückseite eine vollständige QWERTY-Tastatur untergebracht. Auch die Möglichkeit, Inhalte auf dem Bildschirm im Stile eines Laserpointers oder der Wiimote der Nintendo Wii anzusteuern, ist seit dem letzten Update gegeben. Obwohl der Anschluss möglich ist, sind somit USB-Tastatur und -Maus keine Voraussetzung für einfache Bedienung mehr, denn auch das Surfen im Internet über den integrierten Browser geht mit der Fernbedienung leicht von der Hand. Dabei haben alle Tasten einen gut dosierten Druckpunkt. Wer es noch zeitgemäßer und bequemer möchte, lädt sich die Philips MyRemote App aus dem Apple- oder Android-Store und steuert sämtliche Funktionen des TV per Tablet oder Smartphone. Besitzer eines iPads genießen hier noch ein besonderes Bonbon, denn das laufende, digitale Programm lässt sich vom TV per WiFi Smart Screen auf das Tablet streamen. Dabei ist zu beachten, dass der TV das Programm nur über den internen Tuner weiterleiten kann und mindestens Software-Release 150.085 installiert ist. Das Streamen über den externen Kabel-Deutschland Receiver hat nicht funktioniert. Etwas umständlich ist hierbei noch das Suchen von Sendern, da die gesamte Senderliste angezeigt wird, nicht aber nur die am TV angelegten Favoriten.

Hat man seine Filme, Musik oder Bilder im Heimnetzwerk gespeichert, lassen sich diese ebenfalls über den 55PFL8007K wiedergeben. Dank DNLA 1.5-Zertifizierung wird der Philips ins heimische Netzwerk eingebunden und kann so auf freigegebene Ressourcen zugreifen. Der TV beherrscht bei den Videoformaten MPEG-1, MPEG-2, MPEG-4, AVI, MKV, H264/MPEG-4 (AVC) und WMV9/VC1, bei den Audioformaten AAC, MP3 und WMA (v2 bis v9.2) und als einziges Bildformat JPEG.

Nicht immer ist man zur Sendezeit eines Films zu Hause und somit möchte man eine Sendung aufnehmen und später schauen. Glücklicherweise sind USB-Festplatten nicht mehr nur als Speichermedien zur Datensicherung oder dem Austausch von PC-Inhalten interessant. Moderne TV nutzen Festplatten zur Aufnahme oder zum zeitversetzten Ansehen des Programms. Der Philips benötigt hierzu mindestens eine 250GB-HDD, die vor der ersten Inbetriebnahme formatiert werden muss. Die Platte ist dann allerdings ohne erneute Formatierung am PC nicht mehr als Speichermedium nutzbar. Man erspart sich jedoch mit dem Einsatz einer mittlerweile preiswerten HDD die Anschaffung eines teuren Festplattenrekorders, der die gleichen Funktionen bietet.

2D zu 3D Konvertierung - hier ohne Brille
The Cabin in the Woods: 2D zu 3D Konvertierung – hier ohne Brille …

Eine der spannendsten Entwicklungen nicht nur im TV-Bereich ist 3D, obwohl dessen Geschichte bereits im Jahr 1853 mit Wilhelm Rollmann beginnt. Damals wurden sogenannte Anaglyphenbilder verwendet, zu deren Betrachtung man eine Brille mit einer roten und einer grünen Folie verwendete. Modernes 3D unterscheidet sich technisch davon grundsätzlich, obwohl sich die eigentliche Funktionsweise nicht geändert hat. Will man bei einer flachen und zweidimensionalen Ebene, also einem Bild oder einem Film, dem Gehirn einen Tiefeneffekt – die dritte Dimension – vorgaukeln, funktioniert dies nur über die getrennte und versetzte Darstellung von zwei Einzelbildern, jeweils eines für das linke und eines für das rechte Auge. Um die Bilder getrennt voneinander zu empfangen, werden heute wie damals, mit Ausnahme des Nintendo 3DS, noch immer entsprechende Brillen benutzt. Allerdings gibt es keine farbigen Folien mehr und man unterscheidet zwischen aktivem und passivem 3D. Der Philips 55PFL8007K verwendet die aktive 3D-Technik. Die dafür eingesetzten Shutter-Brillen verfügen über LCD-Bildschirme, die das entsprechende Glas abwechselnd zwischen durchlässig und undurchlässig umschalten. Somit empfängt immer nur ein Auge ein Bild, es entsteht bei 24 Einzelbildern pro Sekunde und Glas ein 3D-Effekt.

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… und hier mit Shutter-Brille

Voraussetzung für ungetrübten 3D-Genuss ist neben dem TV auch ein 3D-tauglicher Player, auch wenn der Philips in der Lage ist, per Knopfdruck jeden beliebigen 2D-Inhalt nach 3D zu konvertieren. Dies funktioniert in der Praxis erstaunlich gut, auch wenn in einigen wenigen Szenen beim TV-Programm Vorder- und Hintergrund vertauscht dargestellt wurden. Es wird aber kaum jemand die Katastrophenmeldungen der Tagesschau regelmäßig auch noch mit Tiefenwirkung schauen wollen. Da 3D-Effekte von Menschen unterschiedlich wahrgenommen werden, verfügt der 55PFL8007K über eine 3D-Tiefenanpassung. Diese ist im Gegensatz zum Nintendo 3DS zwar nicht stufenlos zu justieren, bei den vorhandenen Vorgaben sollte jedoch jeder Benutzer die für ihn passende Einstellung finden. Ebenso wie bei den „normalen“ Blu-ray Discs steht auch hier Avatar für die absolute Referenz. Die ohnehin schon starke und emotionale Story wird in der 3D-Variante mit gezielt eingesetzten Effekten noch einmal aufgewertet. Unglaubliches Kino vor dem eigenen Bildschirm!

Doch neben dem eigentlichen Filmgenuss ist der große Bildschirm gerade für Videospieler interessant. Denn der Philips verfügt über eine interessante Funktion, 2-Spieler Fullscreen Gaming-Modus genannt. Musste man sich bis auf einige Ausnahmen wie Rayman Origins, Mario oder LittleBigPlanet im 2-Spieler-Modus bis vor Kurzem noch mit einem horizontalen oder vertikalen Splitscreen begnügen, erhält nun jeder Spieler – 3D-Brille sei Dank – die volle Bildschirmgröße. Und das, obwohl weiterhin beide gleichzeitig spielen. Dabei ist die Funktion dahinter nicht so simpel, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Während beim 3D-Film jede Brille abwechselnd das linke und rechte Glas zwischen durchlässig und undurchlässig durchschaltet, erhält hier jede Brille einen eigenen Modus. Sieht man bei einem Film auf beiden Brillen abwechselnd Bild A und B, erhält beim Gaming Modus eine Brille das Bild A und die andere das Bild B. So sieht jeder Spieler sein eigenes Spiel im Fullscreen, also auf dem gesamten Bildschirm. Natürlich ist 3D so nicht mehr möglich, da die Bilder ja innerhalb der Brille nicht mehr wechseln, sondern permanent nur jeweils ein Bild auf beiden Gläsern gleichzeitig empfangen wird. Die Spiele im 2-Spieler Fullscreen Gaming-Modus werden somit ausschließlich in 2D dargestellt. Wenn hier allerdings die Einstellungen am TV und der Konsole nicht stimmen, passiert entweder nichts, oder man macht denselben Fehler wie ich und steuert nachher bei Gran Turismo pro Auge ein Auto, weil man fälschlicherweise noch am TV 3D zuschaltet. Am Beispiel von Playstation 3 und Gran Turismo erläutere ich hier kurz die richtigen Einstellungen und Vorgehensweisen.

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Der 2-Spieler Modus funktioniert nur mit einer über HDMI angeschlossenen Konsole. Wichtig ist zuerst, dass der entsprechende Anschluss – bei mir HDMI 4 – korrekt in „Spielkonsole“ umbenannt wird, da sich ansonsten über die Optionen an der Fernbedienung die Bildeinstellungen nicht anwählen lassen und somit kein 2-Spieler-Modus am TV ausgewählt werden kann. In der Konfiguration des Philips wählt ihr unter „Einstellungen Fernseher“ erst „Bild“ und dann „Spiel oder Computer“. Nach dem Start der PS3 und dem anschließenden Klick in den TV-Bildoptionen auf den „2-Spieler-Mode“ erfolgt links am Bildschirm eine Auswahl, ob das Bild „Side-by-Side“ oder „Oben/Unten“ dargestellt werden soll. Nach der Auswahl „Oben/Unten“ startet ihr das Spiel. Der TV fordert euch jetzt auf, die 3D-Brille aufzusetzen. Achtet darauf, dass diese angeschaltet ist, da sich die Brillen nach zwei Minuten ohne Signal wieder ausschalten. Schaltet jetzt über die OK-Taste der TV-Fernbedienung den 2-Spieler-Modus noch solange aus, bis ihr das Spiel startet, da ansonsten das Bild verzerrt dargestellt wird und ihr euch sonst im Menü nicht zurechtfindet. Wählt nun bei Gran Turismo den 2-Spieler-Modus, achtet aber vorher darauf, dass in den Optionen des Spiels der 3D-Modus abgeschaltet ist und das Vollbild mit 1080p dargestellt wird. Wählt jetzt 2-Spieler-Splitscreen und startet das Rennen mit Fahrzeugen und Strecke eurer Wahl. Schaltet beim Rennstart erneut über die OK-Taste der Fernbedienung den 2-Spieler-Modus des TV wieder an. Spieler 1 und 2 sehen hier unter Umständen anfangs noch das gleiche Fahrzeug bzw. Bild. Ist dies der Fall, drückt Spieler 2 noch einmal den OK-Knopf seiner 3D-Brille. Ab jetzt steht dem Rennvergnügen bis auf vielleicht einige Geisterbilder nichts mehr entgegen. Sollten diese zu deutlich auftreten, wechselt einfach mal eure Position vor dem TV, indem ihr Winkel oder Abstand verändert.

Dieser 2-Spieler Fullscreen Gaming-Modus ist in Zeiten des Mehrspieler-Online-Wahns, in denen man leider relativ selten noch zwei Spieler gleichzeitig zum gemeinsamen Spielen vor den eigenen Bildschirm bekommt, eine klasse, aber ausbaufähige Zusatzfunktion. Ausbaufähig jedoch nur deshalb, weil jetzt die Videospiel-Publisher wieder zurückdenken und mehr neu erscheinenden Spielen einen leider fast aus der Mode gekommenen Splitscreen-Modus hinzufügen müssten. Nur so macht diese Funktion am TV auch längerfristig Sinn.

Mario an der Wii U mit gewaltigen 8 Zentimetern Größe
Mario an der Wii U mit gewaltigen 8 Zentimetern Größe

Aber auch wenn man keinen Partner zur Hand hat, ist der Philips zum Zocken eine überaus lohnende Investition. Egal ob PS3, XBOX 360 oder Wii U, das große Bild lässt Spieler noch intensiver und tiefer in digitale Welten abtauchen. Und wie groß Spielehelden mit einem Male erscheinen können, zeigt ein Vergleich. Kommt Mario in New Super Mario Bros. 2 auf dem 3DS mit gerade mal mickrigen acht Millimetern Körpergröße daher, sind es bei New Super Mario Bros. Wii U am Philips ganze acht Zentimeter. Der Klempner war noch nie riesiger und pixelgenaue Sprünge noch nie einfacher! Doch neben den eher niedlichen Jump`n`Runs rund um Mario, Sonic, Rayman und ähnlichen Knuddelhelden und -Genres vermitteln gerade Action- oder Rennspiele das Gefühl, sich noch näher am oder im Geschehen zu befinden. Im neuen Tomb Raider wirken der dunkelgrüne Dschungel noch bedrohlicher und wasserdurchflutete Höhlen noch glitschiger und finsterer, als dies ein kleinerer Bildschirm schon vermitteln konnte. Lara leidet intensiver, man friert und zittert förmlich mit der angehenden Heldin. Das ganze Spiel erhält somit cineastische Züge. Auch Rennspiele werden noch realistischer, weil nun die Cockpit-Perspektive das erste Mal richtig Sinn macht. Diese litt auf kleinen Bildschirmen immer unter mangelnder Übersicht, weil man einfach durch die Frontscheibe zu wenig von der Umgebung erkennen konnte. Damit ist jetzt Schluss, denn Forza, Shift oder Gran Turismo erleben am Philips deutlich mehr Realismus durch mehr freie Sicht auf Strecke und Gegner. Die Illusion, sich vielleicht doch in einem echten Ferrari, einer Viper, einem Porsche oder irgendeinem anderen Supersportwagen zu befinden, erlebt nochmals eine Steigerung.

So gut aktuelle Spiele am 55 Zöller daher kommen, so wenig Sinn machen leider alte Konsolen. Super NES, Mega Drive oder Neo Geo litten schon an den meisten kleineren Flachbildschirmen unter der schonungslosen Offenlegung ihres Alters. Am 55PFL8007K werden ehemals kleine Pixel jetzt zu regelrechten Blöcken, ähnlich denen des Atari VCS. Den Effekt kennt man, wenn man am PC ein kleines Bild immer größer aufziehen muss. Je größer die Darstellung, desto pixeliger erscheint dies. Nichts anderes passiert auf dem großen Bildschirm. Von daher bringt der Anschluss der Retro-Konsolen hier weniger Freude, auch wenn alle Spiele weiterhin spielbar sind.

Lara imponiert mit bestechender Grafikpracht
Lara imponiert mit bestechender Grafikpracht

Funktionen wie Internet, Smart-TV, DNLA, 3D oder die Steuerung über Apps zeigen, dass moderne TV keine Fernsehgeräte im eigentlichen Sinn mehr sind. Es handelt sich hierbei um Computer mit eigenem (Unix-)Betriebssystem, integriert in einen großen Bildschirm. Der Philips 55PFL8007K/12 macht hier keine Ausnahme. Das Starten des TV geht innerhalb weniger Sekunden vonstatten, dann stehen alle Funktionen zur Verfügung. Man muss sich beim modernen TV von dem Gedanken frei machen, dass es sich hier noch um klassische Röhrenfernseher handelt. Jede Funktion ist softwaregesteuert und benötigt somit wie jeder normale PC einiges an Rechenleistung. Jedes Umschalten auf ein anderes Programm und jede Einstellung will demnach sorgsam berechnet werden, um das bestmögliche Bild zu liefern. Dies verläuft ohne merkliche Verzögerungen – wenn man nicht auf die Channel-Taste einhämmert, wie auf den Fire-Button bei einem Shooter-Game. Die Software des Philips läuft absolut stabil, ich hatte während der gesamten mehrwöchigen Testphase keinen Absturz oder Freezes. Auch wenn der TV mit dem Internet verbunden ist und anzeigt, dass das neueste Software-Release installiert ist, lohnt dennoch gelegentlich ein Blick auf die Hersteller-Website. Denn trotz Meldung, die Software sei auf dem neuesten Stand, war dies nicht der Fall. Das Update von Version 150.082 auf Version 150.085 zum Streaming auf das iPad musste per Hand über einen USB-Stick installiert werden. Dies geht jedoch vollkommen unkompliziert und reibungslos innerhalb weniger Minuten vonstatten.

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Fazit:

Der Philips 55PFL8007K erfüllt und übertrifft sogar viele der hochgesteckten Erwartungen, die man an ein modernes Gerät dieser Preisklasse haben darf. Seine Performance, scharfe und detailreiche Bilder, übersichtliches Smart-TV, individuelles 3D, ein sortiertes Menü und Steuerung per App machen ihn auch aufgrund seiner Größe zum medialen Mittelpunkt eines jeden Wohnraums. Trotzdem wirkt das Gerät nicht wuchtig, es fügt sich durch seinen schmalen Rahmen eher unauffällig und zurückhaltend in das bestehende Ambiente ein. Man wird auf die tatsächliche Diagonale erst aufmerksam, wenn der Philips angeschaltet wird. Zum einwandfreien Gesamteindruck trägt das Ambilight bei, welches abends durch sein Farbenspiel zusätzlich Atmosphäre schafft.

Man darf jedoch trotz momentan modernster Funktionen gespannt sein, was die nächste Generation an Neuerungen bringen wird. In den Startlöchern stehen Sprach- und Gestensteuerungen, wie man sie als XBOX-Spieler bereits von Kinect kennt, sowie weit entfernt in der Zukunft 4K oder Ultra-HD. Wünschenswert wäre aber schon jetzt auch Bluetooth für den kabellosen Betrieb externen Zubehörs, wie zum Beispiel meines Parrot Zik Kopfhörers. Und wer weiß, vielleicht werden irgendwann für die nächsten 3D-Generationen auch keine Brillen mehr benötigt? Nintendo hat es technisch mit dem 3DS bereits vorgemacht.

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Link zur Herstellerseite: Philips 55PFL8007K >>>

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weitere Hardwaretests:

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Rayman Legends exklusiv für die Wii U – oder: Wie trifft man eine Fehlentscheidung?

Rayman Origins war DAS Jump`n`Run 2011. Anfangs noch als Mario-Klon belächelt, zeigte der Titel, wie ein zeitgemäßes Hüpfspiel abseits von Casual und damit jenseits von Mario & Konsorten heutzutage aussehen muss. Rayman war schon immer für seine hohe Frustrationsschwelle bekannt, daran änderte auch Origins nichts. Allein ohnehin nur ein Titel spielbar für Vollprofis mit Reflexen nahe denen eines Hochleistungssportlers, spielten weniger versierte Zocker den Titel eben im Koop-Modus durch.

Mit der Ankündigung der Wii U stand auch der Nachfolger Rayman Legends auf der Startliste der Titel, die zum Release mit Nintendos neuer Konsole erscheinen sollten. Obendrein sollte der Titel aufgrund seiner Komplexität, die das neue Touchpad ausreizen soll, auch nur exklusiv auf der Wii U am 30. November 2012 erscheinen. Beste Voraussetzungen also für Nintendo, denn Rayman Legends ist nicht nur für Fans genau einer der Titel, die eine Konsole zum Start einer neuen Konsolengeneration so dringend benötigt, wenn bis auf Zombi U alle anderen Titel Umsetzungen bekannter Spiele oder Casual-Games sind.

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Anfang Oktober, also knappe vier Wochen vor dem geplanten Erscheinungstermin, erhielten erwartungsfrohe Spieler den ersten Dämpfer. Rayman Legends wurde auf das erste Quartal 2013 verschoben, weil „das Entwicklerteam noch etwas mehr Zeit braucht. Schließlich sollen das Spiel sowie die Nutzung der Tablet-Features perfekt werden. Nur Wii U-Spieler erhalten die volle Packung Rayman Legends und das soll auch so bleiben.“ Aha, na wenn dem so ist, dann übt man sich trotz einiger Enttäuschung eben in Geduld und hofft auf ein noch besseres Ergebnis, als das die ersten Fotos und Videos schon erahnen ließen. Komisch nur, dass in der gleichen Meldung die Exklusivität der Wii U schon vorsorglich seitens Ubisoft ausgehebelt wurde, da von einer möglichen Konvertierung für Playstation 3 und XBOX 360 gesprochen wurde.

Nun befinden wir uns mitten im ersten Quartal 2013. Das Spiel ist laut Entwickler Michel Ancel fertig und kann auf die Spieler losgelassen werden. Zeit wird das, da die Wii U ein Schattendasein ohne jegliche Neuerscheinungen seit ihrem Release im November letzten Jahres fristet. Amazon listet das Spiel seit Wochen und nennt den Termin 28. Februar 2013, übrigens der gleiche Termin, der noch im Rayman-Video am Ende zu sehen ist. Aber nun: Pustekuchen! Denn nun kommt Ubisoft wie Kai aus der Kiste und verschiebt den Termin erneut. Und damit sich der zu erwartende Shitstorm der nun endgültig wütenden Zockergemeinde auch lohnt, nennt man gleich mal den September 2013 als neuen Termin. Aber dafür dürfen sich nun auch PS3 und XBOX-Besitzer freuen, denn das Spiel kommt doch für ihre Konsolen. Vorbei ist es also mit der Exklusivität der Wii U. Schade für Nintendo, es scheint, als wären die Weihnachtsgeschenke für Ubisoft etwas dünn ausgefallen.

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Da nützt es auch nichts, dass sich Michel Ancel und einige Mitarbeiter öffentlich auf die Seite der Spieler stellen und sich mit Plakaten präsentieren, die die sofortige Veröffentlichung fordern. Der Titel liegt also gute sieben Monate in irgendeinem geheimen Lagerhaus und gärt vor sich hin. Nun kann man vielleicht mit viel guten Willen die Entscheidung von Ubisoft nachvollziehen, denn zwei Werbekampagnen, Wii U jetzt und PS3/XBOX 360 im Herbst, kosten zwei Mal Geld. Da ist es aus wirtschaftlichen Gründen – wenn auch schwer – verständlich, dass man den Titel nur einmal bewerben und somit gleichzeitig für alle Systeme veröffentlichen möchte.

Aber die Rechnung kann nach momentanem Stand nicht aufgehen. Grund sind einerseits die Spieler, die sich wie ich die Wii U nur vorrangig genau wegen dieses Titels gekauft haben. Denn nicht nur Ubisoft merkt anhand der öffentlichen Kritik, dass die Entscheidung grenzwertig war, auch Nintendo hat damit eine gewaltige Kröte zu schlucken. Viele Spieler werden nun weitere Wochen und Monate auf eine vielleicht schon eingeplante Wii U verzichten. Erschwerend kommt andererseits hinzu, dass Sony schon jetzt seine Playstation 4 angekündigt hat und eine neue XBOX Gerüchten zu Folge schon in den Startlöchern steht. Sollte Sony die PS4 tatsächlich zu Weihnachten 2013 in den Handel bringen, wird Microsoft nicht lange auf sich warten lassen. Somit wird Rayman Legends dann mit PS3 und XBOX 360 für zwei „alte“ Systeme veröffentlicht, für die viele Spieler kein Geld mehr ausgeben werden, weil sie bereits auf ihre angekündigten neuen Konsolen sparen. Weiterhin muss sich Rayman Legends im Herbst auch gegen einige andere Topseller und Triple-A-Titel behaupten, die erfahrungsgemäß in diesem Zeitraum erscheinen.

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Bleibt also zu hoffen, dass man sich bei Ubisoft noch eines Besseren besinnt. Vielleicht kann auch Nintendo hier einiges bewegen. Es mangelt mir an Vorstellungskraft, dass man dort eine Entscheidung mit solcher Tragweite unkommentiert zur Kenntnis nimmt, auch aufgrund des öffentlichen Protests seitens Michel Ancel und einiger Mitarbeiter. Wenn die letzten Meldungen stimmen, hat Ubisoft nun ein noch größeres, aber selbstgeschaffenes Problem, sollte das Entwicklerteam tatsächlich aussteigen und einige Ubisoft-Mitarbeiter gleich mit abziehen. Nach jetzigem Stand hat Ubisoft nicht nur Michel Ancel inklusive Team, Nintendo und den Spieler vor den Kopf gestoßen, sondern mit der erneuten Verschiebung bis in den September 2013 auch eine kurzsichtige Entscheidung getroffen, die unter dem Strich kein Geld spart, sondern noch mehr Geld kostet.

Wer wissen will, was ihm bis September mit dem Titel noch alles entgeht, schaut bei Ubisoft auf die Seite >>>

 

Jahresrückblick 2012 – lohnt der Blick nach 2013?

jahresrueckblickUnd wieder neigt sich ein Jahr dem Ende und zumindest diejenigen, die regelmäßig Unterschriften leisten, müssen sich die ersten Tage an ein neues Datum gewöhnen. Aber Spielern der sich jährlich wie Ostern und Weihnachten wiederholenden EA-Titel dürfte das nicht ganz so schwer fallen, weil dort ja schon seit Wochen die 13 auf den neuen Covern prangt.

Sollte man nun trotz des alljährlichen Weihnachtsstresses doch einmal Momente der Ruhe finden und bei Tee und Bratapfel die fallenden Schneeflocken vor dem Fenster zählen, kommt man als Zocker nicht umhin, das Spielejahr Revue passieren zu lassen. Und so überlege ich, was am Software-2012 eigentlich hervorzuheben wäre? Das Ergebnis ist ernüchternd, denn mir fällt tatsächlich kein Titel ein, der mich länger als ein paar Tage an eine Konsole fesseln konnte. Das Überangebot an Software ist einfach zu erdrückend.

„Frevel!!! Auf den Scheiterhaufen mit dem Ungläubigen!!!“

Ja, natürlich gab es den einen oder anderen Titel, der Spaß bereitet hat, aber mal Hand auf`s Herz: War da wirklich etwas bahnbrechend Neues dabei? Erfolgreiche Serien, allen voran (wieder einmal) Call of Duty, Halo, FIFA und Assassins Creed, bekamen eine Fortsetzung spendiert. Das Setting wird verändert, der Bösewicht/Held hat einen anderen Namen und es gibt die eine oder andere neue Animation/Fähigkeit/Waffe, schon rollt der Rubel wieder und Investoren/Aktionäre/Banken reiben sich die geldgierigen Schwitzefinger.

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Der Videospieler in mir freut sich, dass er alle paar Tage ein neues Spiel zocken könnte, wenn er denn wollte. Der Zyniker in mir ätzt, dass die Spieler alle doof sind, sich andauernd altes Zeug in neuer Verpackung zu kaufen/herunter zu laden. Aber glücklicherweise halten sich Zocker und Zyniker die Waage. Immer öfter siegt nämlich die Erkenntnis, dass ich inzwischen zu alt/weise/überfordert bin, das Wettrüsten der Publisher mitzumachen. Stattdessen krame ich dann alte SNES, Mega Drive oder Atari-Titel heraus, zocke gemütlich ein oder zwei Stündchen und widme mich dann wieder anderen Dingen.

Daran hat auch die neue Wii U noch nicht viel geändert. Zugegeben, Zombi U ist spannend und Mario wie immer bis auf das letzte Pixel perfekt, aber so richtig (vor)gefreut hatte ich mich auf das nun nach Anfang 2013 verschobene Rayman Legends.

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„Ha, nörgeln, aber selber Fortsetzungen spielen! Du Heuchler!“

Na und? Ich habe ja auch X-COM, Mario und Forza gespielt, letzteres allerdings nur, weil ich mich aufgrund eines nicht angeforderten Testmusters dazu genötigt fühlte, gekauft hätte ich Horizon nicht. Und auch X-Com bot im Spielablauf tatsächlich nichts, was ich nicht schon von der Playstation One Version gekannt hätte.

Wenn mir 2012 etwas ins Auge gefallen ist, dann die (zwanghafte Weiter-)Entwicklung der XBOX 360. Mir klingen noch die Worte des ehemaligen Community- und jetzigen Product Managers bei Microsoft, Frank Halgasch, in den Ohren:

„Wir haben eine Spielkonsole gebaut, es wird keinen Browser und ähnlichen Schnick-Schnack geben!“

Inzwischen ist das Dashboard dermaßen mit Apps und ähnlichem Unsinn überladen, dass ich mich frage, wo denn hier zwischen all den Kacheln die Spielkonsole versteckt sein könnte? Und zu allem Überfluss wirft man dann noch SmartGlass auf den Markt, weil Nintendos Idee eines Touchpads offenbar an exponierter Stelle für eiskalte Füße gesorgt hat.

cross-controllerAber auch Sony springt ja mit PS Vita und PS3 auf den berührungsempfindlichen Touch-Zug auf. Wie sonst wäre es zu erklären, dass Sackboy in LittleBigPlanet 2 nun per PS Vita und dem sog. Cross-Controller-Paket zu steuern ist? Da fällt mir eigentlich nur der Spruch ein:

Kopie ist die größtmögliche Anerkennung!

Offensichtlich hat man bei Nintendo wieder einmal den richtigen Riecher gehabt und mit der Wii U das Tor zur nächsten Konsolengeneration weit aufgestoßen. Ich bin gespannt, was uns demnach mit der nächsten XBOX (720) und Playstation (4) erwartet?

Wer nun heute befürchtet, diese neuen Konsolen aufgrund des bevorstehenden Weltuntergangs nicht mehr zu erleben, den kann ich beruhigen. Ich bin fest davon überzeugt, dass heute definitiv keine neue Gottheit der Maya namens Bolon Yokte ankommen wird und dass auch Wissenschaftler mit ihren Theorien gehörig ins Klo greifen können. Es gibt zu dem Kalender, der den heutigen Untergang prophezeit, nämlich weitere Inschriften, die das Ende der Welt etwa auf das Jahr 4470 verlegen. Demnach wird sich die Erde zumindest die nächsten Jahre weiter drehen. Unsere Nachfahren dürften dann aber keine Konsolen mehr besitzen, weil diese bei der Geburt ins Hirn – was evolutionsbedingt zwischenzeitlich in den Hintern gewandert sein dürfte – implantiert werden … oder aber – was wahrscheinlicher ist – sind die letzten Überlebenden Insekten und Ratten. Denen liegt aber bisher nicht so viel an Mario & Konsorten.

Meine größte Hoffnung ist, dass noch zu unseren Lebzeiten irgendjemand das Holo-Deck aus Star Trek zur Serienreife für Privathaushalte bringen wird. Das würde ich mir dann auch was kosten lassen.