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Sega Multi Mega – Luxus pur

Sega? Klar … Sonic, kennt man! Ist als Download auf Xbox zu haben. Mega Drive? Schon mal gehört, war was genau? Mega CD? Ein CD-Spieler, oder? Sega Multi Mega? Nie gehört!

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So oder so ähnlich laufen Gespräche mit Menschen ab, die Videospiele erst ab Version Playstation One oder später kennen. Aber auch davor gab es schon Videospiele und Konsolen und darunter die Perlen, die Geräte, die man sich damals nicht leisten konnte und jetzt mehr nicht leisten will. Dies einfach deshalb, weil sie heute noch teurer sind, als sie es damals bei ihrem Erscheinen schon waren. Das Sega Multi Mega ist so eine Konsole. Ihr besonderer Wert liegt darin, dass 1993 weltweit nur 5000 Stück davon produziert wurden und die Konsole nur in Europa und den USA (dort unter dem Namen CDX) veröffentlicht wurde. Japan ging erstaunlicherweise leer aus. Der damalige Verkaufspreis lag bei 999,-DM, heute also gut 500,- Euro.

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Das Multi Mega ist eine Kombination aus Sega Mega Drive und Mega CD und die wahrscheinlich einzige Konsole mit einem eigenen LCD-Display. Dieses ist der Discman-Funktion geschuldet, denn das Multi Mega ist ebenso als portabler CD-Spieler zu gebrauchen – dies sogar im Batteriebetrieb. Dazu gibt es einige weitere Funktionstasten sowie einen gesonderten Lautstärkeregler und einen Kopfhörer-Ausgang. Neben dem Spielen von Mega Drive und Mega CD-Titeln kann aber auch das 32X angeschlossen werden, auch wenn Sega in den USA dieser Funktion nach der Veröffentlichung immer wiedersprochen hat.

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Letztendlich ist das Multi Mega auch heute noch die Luxus-Version eines Mega Drive. Und da solch alte Konsolen an einem Flachbildschirm einfach immer schlecht aussehen, sollte man zum Anschluss auch noch einen Röhren-TV vorhalten. Nur hier kommt wirkliche Nostalgie auf, besonders wenn man dann auch noch die Special Edition von Earthworm Jim als CD-Version spielen darf 😀

Ach ja, wer eine Idee hat, wie ich das 32X angeschlossen bekomme und welche Kabel nötig sind, meldet sich bitte. Weiterhin wäre ich dankbar über Tipps, den Riegel der CD-Klappe und den Knopf zum Öffnen wieder gangbar zu bekommen. Offenbar hat sich in beiden so viel Staub abgelagert, dass die klemmen. Reinigen und fetten hat bisher nichts gebracht.

 

 

Masters of Combat – seltener als Les Schtroumpfs Autour Du Monde?

Was macht eigentlich ein Spiel zu einer Seltenheit? Warum wird für das eine Spiel mehr geboten, wenn es denn zum Verkauf steht, als für ein anderes? Die Antwort ist jedem halbwegs intelligenten Menschen klar: Wie bei allen Waren wird die Preisbildung durch Angebot und Nachfrage geregelt. (… ich höre gerade Klein-Fritzchen … „Hääää????“). Ganz einfach: Je seltener ein Artikel ist und je mehr Menschen diesen Artikel haben möchten, desto teurer wird dieser, es gibt also mehr Nachfrage als Angebot. Da aber in unserer Gesellschaft kein Mangel herrscht, außer offensichtlich an Benzin, denn anders kann ich mir den Preis nicht erklären, beschränkt sich die obige Aussage auf Dinge, die nicht mehr erhältlich sind. Eines dieser Dinge sind alte Videospiele.

Ein Leser meiner Seite machte mich auf eine ebay-Auktion aufmerksam (danke Alex ;)), bei der ich beim Anblick des Preises ins Grübeln geriet. Ein Engländer löste seine Sammlung auf und bot neben den klassischen Spielen, die es zu Hunderten an jeder Ecke gibt, auch Masters of Combat an. Nun wird dieser Titel den wenigsten etwas sagen, aber ein Sammler von Master System Spielen bekommt bei Nennung des Namens feuchte Augen, ähnlich wie bei Die Schlümpfe reisen um die Welt, Buggy Run, Championship Hockey oder Dr. Robotnik`s Mean Bean Machine. Nun werden die Schlümpfe aber inzwischen gut einmal im Jahr angeboten und der Preis sinkt dadurch kontinuierlich. Das Spiel wurde anfangs für vierstellige Summen gehandelt, inzwischen sind 400,-€ ein Spitzenbetrag.

ebay-Auktion vom 29.07.2012 – verkauft für 647,87€

Und da bin ich wieder bei Angebot und Nachfrage, denn die anderen oben aufgeführten Titel werden so gut wie nie angeboten. Das mag daran liegen, dass die wenigsten wissen, was sie in den Händen halten, wenn sie es auf dem Dachboden oder im Keller finden. Die Schlümpfe 2 hat man vielleicht als Rarität noch auf dem Schirm, aber Masters of Combat, Sonic Spinball oder eine Great Soccer Card? Eher nicht! Also gehen diese Titel den Weg alles Irdischen, sie landen irgendwann im Müll. Und so gibt es einerseits immer mehr Sammler, die aus Spaß sammeln, Spiele vielleicht als Wertanlage betrachten oder einfach das Spiel mal besessen haben und nun wieder zocken wollen und andererseits immer weniger der alten Games.

In den 80er Jahren, als Spiele noch Spiele waren und die Leute nicht allein oder online um Avatar Awards, Trophies oder Achievements gezockt haben und als es mit Glück alle vier Wochen einen neuen Titel im Kaufhaus gab, da waren diese Games keine millionfach produzierten Artikel. Spiele waren etwas für eine Minderheit, dementsprechend klein waren die Auflagen. Und viele dieser ohnehin schon nicht zahlreich produzierten Spiele überlebten schon kaum die nachfolgende Konsolengeneration. Sie wurden entweder einfach nicht mehr verkauft, verschwanden in Lagerhäusern oder privaten Kellern und wurden Jahre später als Staubfänger einfach entsorgt. Ebenso verschwanden die Leute, die diese Spiele produziert oder vertrieben haben. Ihr werdet heute bei Sega Deutschland niemanden mehr finden, der euch erklären kann, woher der Master System Koffer wirklich stammt oder – noch simpler – welche Spiele jemals in Deutschland für das Master erschienen sind. Man hat entweder kein Buch geführt oder die Unterlagen wurden irgendwann im Reißwolf geschreddert. Und dabei reden wir hier von knapp 30 Jahren rückwärts in der Zeit. Selbst über die Dinosaurier und die Entstehung der Welt weiß man heute mehr, als über die Produktion der Schlümpfe 2!

Alles änderte sich, als ebay auf der Bildfläche erschien. Mit einem Male entstand ein Markt für diese alten Games und der Begriff retro war in aller Munde. Jeder fing an, seine Keller und Dachböden nach Dingen zu durchforsten, die mehr oder weniger die Haushaltskasse aufbessern konnten. Ein Großteil des ebay-Angebotes bilden noch heute die Spiele. Nun kann man über das Auktionshaus schreiben und denken, was man möchte, Fakt ist, ohne ebay kein Markt für alte Spiele! Wenn man nicht das Glück oder die Zeit hat, auf Flohmärkten über den einen oder anderen Titel zu stolpern, bleibt nur ebay übrig. Und hier treffen dann alle zusammen: Der Verkäufer, der weiß, was er verkauft, der Ahnungslose, der sich wundert, wieviel Geld ein Spiel bringen kann (oder auch nicht) und vor allem diejenigen, die wissen, was eine echte Rarität ist. Und so regelt die Nachfrage nach einem seltenen Spiel den Preis. Je mehr Sammler das Spiel haben wollen, desto mehr werden darauf bieten.

Und damit bin ich wieder bei Masters of Combat. Ich habe das Spiel vor Jahren für einen Spottpreis bei ebay erwerben können, da entweder die mir bekannten Sammler kein Interesse daran hatten oder die Auktion einfach verpasst haben. Das Spiel steht seitdem bei mir im Regal und ich erfreue mich in unregelmäßigen Abständen daran, dass ich es besitze. Das ist es, was eine Sammelleidenschaft auszeichnet. Und wenn ich nun sehe, dass das Spiel inzwischen mehr wert ist, als Les Schtroumpfs Autour Du Monde grinse ich in mich hinein. Denn Masters of Combat wird eben nicht jedes Jahr als Rarität angeboten, genauso wenig wie all die anderen Perlen, die einträchtig daneben stehen und regelmäßig entstaubt und gereinigt werden.

 

 

„Ach, schon wieder der Nürburgring …“ oder: Das Ende der Rennspiele

DiRT Showdown – XBOX 360

Ich liebe Rennspiele, das habe ich hier bestimmt schon etliche Male erwähnt. Egal ob realistisch, futuristisch oder „fun“tastisch, was ein Lenkrad hat, wird von mir über den Monitor bewegt … bis jetzt. Juni 2012: Ich sitze vor meiner XBOX 360 und quäle mir Codemasters aktuellen Titel DiRT Showdown regelrecht rein. Schon wieder 60,-€ für ein Spiel ausgegeben, das nichts Neues bringt, nichts Neues wagt und ganz viel Altes mit zu viel knalliger Grafik neu verpackt und damit versucht, die eklatanten Schwächen des Titels zu kaschieren. Also irgendwie Müll mit einem bunten Schleifchen obendrauf. Nach reichlichen Rennen, Karambolagen und noch mehr Tinitus wegen selten dummer Ansagen des virtuellen Kommentators wird mir langsam aber sicher etwas bewusst:

Das Genre der Rennspiele auf Videospielkonsolen hat seinen Höhepunkt längst überschritten!

Pole Position – Atari VCS

Vielleicht ist es unfair, meine Behauptung ausgerechnet an DiRT Showdown festzumachen, denn bereits Forza Motorsport 4 war 2011 nicht einmal ein lauer Aufguss seines fantastischen dritten Teils. Aber gerade DiRT verdeutlicht eindrucksvoll, dass das Ende der Fahnenstange erreicht – oder um beim Terminus Rennen zu bleiben – die Ziellinie längst überfahren ist. Um meine Behauptung zu untermauern, muss ich ganz weit zurück gehen bis ins Jahr 1978. Eine der wenigen Konsolen, das Atari VCS, deckt zwar viele Genres bereits ab, die heute auch noch Bestand haben, aber Rennspiele sind sicher nicht die große Stärke des Systems. Night Driver, Dodge`Em und Dragster sind noch klobige Ansammlungen von Pixeln und haben mit Rennspielen wie wir sie heute kennen, noch relativ wenig zu tun, bis 1983 die Spielhallenkonvertierung Pole Position von Namco erscheint. Dies ist das erste Spiel, das in Ansätzen den Weg ebnet, auch wenn 16 Farben und Midi-Knarz-Sound noch nicht wirklich viel hergeben. Aber viele weitere Publisher werden sich zukünftig an diesem Spiel orientieren.

Out Run – Sega Master System

Die Firma, die Rennspiele endgültig populär macht, ist SEGA. Durch Spielhallenautomaten wie Hang On und Out Run spielt sich Sega ganz nach vorne und in die Herzen derer, die schon immer mal einen Ferrari bewegen wollten. Nach dem Erscheinen des Master Systems können Spieler die Highlights der bisherigen Videospielgeschichte endlich auch am eigenen Fernseher genießen. Dabei sind beide Spiele noch recht überschaubar. In Hang On fährt man schlicht mit seinem Motorrad auf immer gleicher Strecke von Checkpoint zu Checkpoint. Mehr Spaß und Abwechslung bietet Out Run. Unterwegs im Ferrari Testarossa mit einer Blondine auf dem Beifahrersitz teilt sich am Ende eines jeden Abschnitts die Strecke und man hat die Wahl, ob man links oder rechts weiterfahren möchte. So stehen dem Spieler fünf verschiedene Ziele zur Verfügung. Out Run wird noch in den Varianten Battle Out Run und Out Run Europe von U.S. Gold auf dem Master System veröffentlicht und in vielen weiteren Versionen für fast alle Konsolen umgesetzt. Im April 2009 wird Out Run sogar noch einmal als Arcade Download für die XBOX 360 aufgelegt.

Aber nun ist der Siegeszug der Rennspiele nicht mehr aufzuhalten und die ersten Varianten erscheinen, die sich nicht mehr nur darum drehen, ein Rennen zu gewinnen. Auf dem Master System werden Special Crime Investigation und  Action Fighter veröffentlicht, in denen auf Gegner geschossen wird und Verbrecher gejagt werden. Ideen, die später mit Driver und Grand Theft Auto aufgegriffen und perfektioniert werden.

Super Monaco GP – Arcade

Einen weiteren Meilenstein erlebt das Genre 1989 wiederum durch SEGA mit Super Monaco GP. Denn hier wird mit Monaco zum ersten Mal eine real existierende Rennstrecke nachgestellt. Das Spiel wird für alle Sega Konsolen sowie die damals aktuellen Heimcomputer Amiga, Sinclair und Atari ST umgesetzt. Auf dem Master System, dem Game Gear und dem Mega Drive erhält das Spiel zu Ehren der verstorbenen F1 Legende Ayrton Senna 1992 einen zweiten Teil mit dem Titel Ayrton Senna`s Super Monaco Grand Prix 2.

Super Mario Kart – Super NES

Nintendo ist in den Spielhallen nicht präsent und hat als SEGA Konkurrent in diesem Genre bis dato nichts zu melden oder entgegen zu setzen, bis ihnen 1992 mit Super Mario Kart auf dem SNES der ganz große Wurf und Überraschungshit schlechthin gelingt. Mit diesem Titel ist das Genre der Funracer geboren. Rennspiele sind ab jetzt nicht mehr nur realistisch. Nintendo besetzt Karts mit all seinen Stars und stattet die Strecken mit Extras wie zielsuchenden Schildkrötenpanzern oder Bananenschalen aus, die den Gegner kurzzeitig aufhalten. Und auch wenn Nintendo das Spiel auf jeder seiner zukünftigen Konsolen fortsetzt, erreicht kein Titel jemals wieder die Qualität und den Spaß der SNES-Version.

Unirally – Super NES

Ein weiteres absolutes Highlight auf dem SNES und bis heute nicht kopiert und damit unerreicht ist für mich persönlich Unirally. Rennen auf einem Einrad waren bis zu diesem Titel etwas vollkommen Neues. Die Kombination aus Rennen, Stunts und schnellen Reaktionen machte diesen Titel bis heute einzigartig, auch wenn die Grafik schlicht, aber dem Spiel angepassst ist. Denn mehr benötigt eine gute Idee gar nicht. Wer noch ein funktionierendes SNES im Schrank hat, sollte sich diesen Titel unbedingt zulegen. Ein weiterer Toptitel auf dem SNES nicht wegen des Rennspiels an sich, sondern wegen seines für damalige Verhältnisse sensationellen Sounds ist Rock`n`Roll Racing. Paranoid von Black Sabbath oder Born to be Wild von Steppenwolf sind einer der Gründe, dass dem Sound in Rennspielen immer größere Beachtung zuteil wurde und dessen Höhepunkt – bis heute unerreicht – eindeutig die 80er-Jahre CD-Box von GTA Vice City darstellt. Nicht zu vergessen ist auf dem SNES der sensationele Future-Racer F-Zero.

Daytona USA – Sega Saturn

Daytona USA stand 1993 in den Spielhallen und die Umsetzung auf den Sega Saturn war für mich der Grund, damals unverschämte 799,-DM für die Konsole zzgl. 129,-DM für das Spiel auf die Ladentheke zu legen. Aber bis heute ist der Titel und die Konsole das Geld wert!

Und erneut SEGA hievt die Rennspiele auf das nächste Level. Weg von der Straße und Asphalt präsentiert man 1995 mit Sega Rally Championship das erste echte Rally Spiel und die Umsetzung von der Spielhalle auf den Sega Saturn ist eine Sensation: Im Pratice-Modus stehen neben den beiden Rallyfahrzeug Legenden Toyota Celica GT Four und Lancia Delta Intergrale die drei Strecken Desert, Forest, und Mountain sofort zur Verfügung. Wer diese Strecken in der Meisterschaft mit Platz 1 abschließt, darf die Bonus Stage Lake Side fahren. Wer diese erneut mit dem ersten Platz absolviert, wird mit dem Rallycar schlechthin belohnt, dem Lancia Stratos – fast nicht zu steuern, aber sooo schön! Selbstverständlich wird auch diese Kuh gemolken bis zum geht-nicht-mehr, denn nach Sega Rally Championship 2 wird zuletzt die XBOX 360 mit einem Download Titel „beglückt“, der aber mit dem Original nichts mehr zu tun hat.

Destruction Derby – Playstation One

Meines Erachtens ist jedoch trotz all dieser Toptitel die Playstation One die Konsole, die die Rennspiele zu dem gemacht hat, was sie heute sind. Niemals vorher war es möglich, Strecken und Fahrzeuge aller Art so realistisch darzustellen und den Sound an Fahrzeuge und Strecken anzupassen. Stellvertretend für alle Titel stehen hier für mich Destruction Derby, WipEout und Gran Turismo. Jeder dieser Titel begründete auf seine eigene Art ein neues Genre oder perfektionierte ein bereits vorhandenes. In Destruction Derby durfte endlich gerammt und geschrottet werden und Fahrzeuge blieben qualmend auf der Strecke liegen. Diese Schrottorgien waren mit Sicherheit Inspiration für Burnout. WipEout ist bis heute der futuristische Racer schlechthin. Ob sich der Titel aufgrund seiner Thematik an F-Zero orientiert, kann ich nicht beurteilen, überragender Sound und eine perfekte, wenn auch ungewöhnliche Steuerung sind bis heute in diesem Genre unerreicht.

Gran Turismo – Playstation One

Trotz aller Lobeshymnen: Den Anfang vom Ende stellt Gran Turismo dar. Das Spiel bot zum ersten Male einen solchen Realismus, dass sich seitdem sämtliche Entwickler damit überbieten. Und damit komme ich wieder zum Eingang dieses Artikels. Um Strecken und lizensierte Fahrzeuge wurde nun im Laufe der folgenden Jahre ein regelrechtes Wettrüsten losgetreten. Gran Turismo, Forza Motorsport und zuletzt Shift überboten sich mit immer mehr Realismus. Nahezu jede mehr oder weniger bekannte Rennstrecke auf diesem Planeten und jeder halbwegs bekannte Fahrzeughersteller bzw. dessen Fahrzeuge wurden so naturgetreu wie möglich für ein Spiel digitalisiert. Kein Rennspiel mit Realitätsanspruch, das heute nicht den Nürburgring in jeder nur erdenklichen Ausführung präsentiert. Wer den Ring nicht im Portfolio hat, ist von vornherein unten durch.

Dabei hat es Sony einst mit Gran Turismo vorgelebt. Eigene Kurse wie Deep Forest, Grand Valley, Trial Mountain, High Speed Ring oder der Autumn Ring sind jedem Rennspielfan heute ein Begriff und werden im Schlaf abgefahren. Warum wurde dieses Konzept nicht weiter verfolgt, warum hat man sich nicht die Mühe gemacht, neue eigene Kurse für Gran Turismo 5 zu entwerfen?

Die Antwort ist so simpel wie unbefriedigend: Recycling ist billiger und mit neuen Strecken als Downloadcontent lässt sich der Spieler noch einmal abkassieren. An Dreistigkeit nicht zu überbieten war wohl letztes Jahr Microsoft, die dem Spieler ein Forza Motorsport 3.1 als neues Spiel mit einer 4 im Titel vorgaukelten. Zwei neue Strecken und eine Kinect-Wischi-Winke-Winke-Funktion machen kein neues Spiel aus, sondern sind nur ein Update.

Driver San Francisco – XBOX 360

Neben diesem Recycling und der Abzockmentalität einiger Publisher wird ein weiterer Grund spätestens hier offensichtlich: Eigene Ideen werden immer seltener oder als zu riskant verworfen. Denn nicht jede Neuerung wird auch angenommen. Codemasters führte mit Racedriver Grid eine Rückspulfunktion ein, die dann alle anderen übernommen haben. So konnte sich endlich auch Klein-Fritzchen wie Sebastian Vettel fühlen, obwohl er eigentlich zu unfähig war, sein Fahrzeug sauber und fehlerfrei über einen Rundkurs zu bewegen. Einen letzten Versuch, eine neue Idee zu implementieren, wagte letztes Jahr Ubisoft mit Driver San Francisco und erlebte einen furchtbaren Bauchklatscher. Die Idee, von einem Fahrzeug ins nächste zu shiften, wurde von den Spielern als zu abstrakt abgetan. Dabei hatte dieses Open World Spiel etwas ganz eigenes.

Mir stellt sich hierbei nur eine Frage: Will der Spieler überhaupt etwas Neues oder ist er mit dem jährlichen Aufguss eines alten Titels mit ein wenig aufgepeppter Grafik glücklich? Ich jedenfalls bin ohne Scheinwerfer in den Tunnel gefahren und sehe dort auch kein Licht am Ende. Für mich sind Rennspiele an den Konsolen vorerst am Ende, bis ein Publisher wieder den Mut hat, das andere Spiel zu präsentieren. Dirt Showdown sei „Dank“!!! Ich brauche nicht die vierzehnte Auflage des Nürburgrings, einen weiteren Laguna Seca oder noch ein weiteres Monaco, Suzuka und wie sie alle heißen. Und ich brauche keine spielstreckenden Modi, die die immer gleichen Kurse nur mit anderen Fahrzeugen abfahren. Ich will ein Spiel wie Gran Turismo mit liebevoll designten eigenen Strecken, der Spielbarkeit von Forza Motorsport, dem Spielspaß von Destruction Derby und dem Sound von GTA Vice City. Und ich will einen Editor mit allen Schikanen … und ich will mir meine eigenen Meisterschaften zusammenstellen können … aber das alles ist bestimmt zu viel verlangt, oder?

Ach ja, vielleicht schafft es irgendein Publisher, Rallisport Challenge 3 auf der XBOX 360 zu veröffentlichen? Aber nur, wenn da wieder Bergrennen bei Nacht und Regen und Rallys auf Eis und Schnee integriert sind. Und die Spieldauer einer Strecke sollte länger sein, als die Ladezeiten vor und nach der Etappe, ansonsten könnt ihr das gleich bleiben lassen.

Blur – XBOX 360

Dieser Bericht erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich bin auf Serien wie WRC von Sony, Ridge Racer von Namco, Need for Speed von EA, Project Gotham Racing von Microsoft, Driver von Ubisoft, GTA von Rockstar oder Colin McRae Rally von Codemasters gar nicht oder nicht näher eingegangen. Ebenso wurden Titel wie Rallisport Challenge, Blur, Test Drive, F1, Pure und hunderte andere nicht erwähnt. Ich habe bestimmt wichtige Titel vergessen oder sie einfach nicht erwähnt. Ich wollte hier auch keine vollständige Liste aller jemals erschienenen Rennspiele veröffentlichen, aber die meiner Meinung nach wichtigsten Meilensteine markieren. Meilensteine, die die Geschichte der Rennspiele geprägt haben und an denen sich alle nachfolgenden Generationen in der einen oder anderen Art orientiert haben oder messen lassen mussten.

Wer anderer Meinung ist, hinterlässt einen netten Kommentar, Registrierung ist nicht nötig! Und wer der Meinung ist, obiger Beitrag gilt für alle Spiele bzw. Genres, der möge mal schauen, was mit Rayman Origins im Bereich Jump`n`Run noch möglich war 😉

 

… und die nächste gamescom 2012 Absage – diesmal: Microsoft

Habe ich vor etwas über 2 Wochen noch über das Ende der gamescom philosophiert, scheint sich meine Spekulation nun tatsächlich zu bestätigen. Was sich mit dem Umzug nach Köln in meinen Augen langsam aber sicher abzeichnete, wird 2012 scheinbar traurige Gewissheit für Videospieler: Die Gamescom hat ihren Zenit überschritten und befindet sich im freien Fall. Denn nach Nintendo, Sega und THQ hat jetzt auch Microsoft – sicherlich überraschend – seinen Messeauftritt abgesagt. Wer sich also für einen Trailer zu Halo 4 oder sonstigen Fortsetzungen in Köln stundenlang wie ein Lemming in eine Reihe stellen wollte, sollte überlegen, ob er nicht besser zu Hause bleibt und etwas Sinnvolles mit sich und seiner Zeit anstellt.

Aber nicht nur die gamescom wird abgesagt. Bei MS wird schließlich nicht gekleckert, sondern geklotzt, man macht dort Nägel mit Köpfen und cancelt auch gleich die Tokyo Game Show. Man wolle lieber mit eigenen kleineren Events auf kommende Titel aufmerksam machen. Das habe ich doch vor kurzem schon einmal gehört? Vielleicht sollte Microsoft jetzt kurzfristig bei Nintendo anrufen, wann die wo welchen Auftritt planen, dann könnte man auf die Schnelle noch gemeinsam etwas organisieren, eine Fahrgemeinschaft gründen und sich dadurch die Fahrtkosten teilen? Und wer weiß, vielleicht hat man ja bei Microsoft den einen oder anderen Tipp parat, wenn Nintendo jetzt auf der E3 für die Wii U das Onlinegaming für sich (wieder)entdeckt?

Und was sagt der Organisator der gamescom? Anstatt die Zeichen zu erkennen und sich endlich ernsthaft Gedanken über ein neues Konzept zu machen, tönt es von Seiten der Messe Köln weiterhin, dass alles in bester Ordnung sei. Schließlich hätten bereits über 370 Aussteller ihre Teilnahme bestätigt, man liegt also voll auf Kurs. Wenn der Kurs nun Online- und Mobile-Games heißt, dann gute Nacht Marie.

auf der Flucht vor der gamescom ...

Für mich bewahrheitet sich mein lange gehegter Verdacht, dass sich die Branche selbst abschafft und dass der Bogen endgültig überspannt ist. Zumindest THQ war so ehrlich zu sagen, dass ganz profane Kostengründe und ein neuer Sparkurs zur Absage der gamescom 2012 geführt haben. Nur um ein paar – ich zitiere den RTL-gamescom-Bericht des letzten Jahres – „streng riechende Gamer im Einheitsoutfit“ zu bespaßen, ist der Auftritt scheinbar inzwischen einfach zu teuer. Und warum soll ich als Publisher auf etlichen, überteuerten Quadratmetern Trailer zeigen und Demos anspielen lassen, wenn ohnehin jeder Mist gekauft wird, der auf einer CD oder Blu-ray in eine Konsole passt?

Und damit bin ich beim nächsten Verdacht, denn noch passt ein Spiel manuell in eine Konsole. Ich gehe aber davon aus, dass in nicht allzu ferner Zukunft das Zauberwort für jedes Bit und Byte streaming heißt. Vorbei die Zeiten, in denen physikalische Medien im Media Markt oder sonstwo gekauft wurden. EA hat es mit dem ersten FIFA als reinem Download-Content doch dieses Jahr vorgemacht. Es gab kein FIFA EURO 2012 im Handel, das musste/durfte/konnte man nur downloaden.

Ich bin nicht erst seit heute fest davon überzeugt, dass sich das Konzept der Branche überholt und endgültig totgelaufen hat. Der einzige, der das noch nicht kapiert hat, ist der Spieler, aber das ist meines Erachtens eine Frage der Zeit. Vielleicht beginnen durch diese wichtigen Absagen einige Denkprozesse, die durch zu viel Ego-Shooter-Konsum bisher außer Betrieb waren? Atari hat in den 80ern erlebt, wohin digitaler Müll führen kann, nämlich direkt in die Deponie nach Alamogordo und das Unternehmen in die Pleite.  Und die gesamte Branche mit all ihren (Online-)Melkmaschinerien, um den Spielern das Geld aus den Taschen zu zerren, befindet sich nun erneut auf dem besten Weg dorthin. Aber das ist mir egal, denn ich habe noch über fünfhundert nicht durchgezockte Games bis zur Rente und darüber hinaus, die alle keinen Onlinepass benötigen, um sie vollständig ohne benötigte Zusatzinhalte spielen zu können.

Denkt mal darüber nach 😉

Absagen zur gamescom 2012 … oder eene, meene, meck und du bist weg

So schnell überholt sich manchmal der eigene Bericht, in dem ich allerdings mit meiner unten aufgeführten Behauptung, dass weitere Absagen folgen werden, schon jetzt Recht behalten habe. Denn knapp 2 Wochen nach diesem Beitrag reiht sich mit Microsoft bereits der vierte große Publisher in die Reihe der Absagen ein. Die Messe Köln spielt also im Moment einen Grand ohne vier … und ich gehe im stillen Kämmerlein davon aus, dass das nun endgültig das Ende der Messe einläutet, nachdem schon die E3 ein totaler Flopp war. Nichtsdestotrotz bleibt dieser Bericht hier bestehen, auch um im nächsten Jahr noch einmal nachlesen zu können, ob sich meine Vermutungen bestätigt haben oder ob ich zur Panikmache neige 😉

Man stelle sich vor, es ist Genfer Autosalon und VW, BMW und Porsche fehlen. Oder auf der IFA fehlen Yamaha, Panasonic und Denon. Oder, oder, oder … schwer vorzustellen? Aber klar doch, denn nachdem bereits THQ und Nintendo zumindest für dieses Jahr der Messe die kalte Schulter zeigen, schließt sich mit Sega nun der dritte Publisher an und bleibt der gamescom 2012 fern. Selbstverständlich geschieht dies nicht ohne pressetaugliche und öffentlichkeitswirksame Begründungen. Sega gibt an, dass der Messetermin nicht mit den Veröffentlichungsterminen der eigenen Titel konform geht, Nintendo möchte die Wii U lieber auf eigenen Events vorstellen und THQ kündigt einen rigorosen Sparkurs an, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Warum man dafür allerdings mit dem wichtigsten europäischen Termin startet, bleibt dortiges Geheimnis.

Nun könnte man bei THQ anführen, dass es ein kleinerer Stand auf der Messe auch täte, denn wie EA belegt auch THQ eine komplette Halle im Business Center. Man könnte also hinterfragen, ob der Sparkurs nun gleich das vollständige Fernbleiben auf der gamescom bedeuten muss, statt sich mit einem kleineren Auftritt zu begnügen? Ebenso könnte man sich bei Nintendo fragen, ob zahlreiche eigene Events tatsächlich mehr Pressevertreter und Spieler erreichen können, als dies auf der größten europäischen Spielemesse der Fall ist? Und Sega verschiebt seinen Blockbuster Aliens – Colonial Marines in das nächste Jahr. Na und? Man hätte Gelegenheit, den Spieler noch heißer auf einen Titel zu machen, der praktisch nach der Vorstellung im letzten Jahr schon jetzt ein Selbstläufer ist. Sind also all diese Gründe nur vorgeschoben? Steckt vielleicht doch mehr hinter den Absagen und zwischen den Zeilen, als man beim ersten Drüberlesen mitbekommt?

Ich gebe es zu: Ich liebe Verschwörungstheorien, lese viel zwischen den Zeilen und ich interpretiere damit viel in Gehörtes und Gelesenes hinein. Und damit komme ich für mich zu folgenden Theorien:

Ganz offensichtlich scheint sich der Umzug von Leipzig nach Köln nicht gelohnt zu haben. Man vermeldet zwar stetig steigende Besucherzahlen, aber was nützt das den Publishern? Die Spieler kaufen die Wochen und Monate nach der Messe sowieso jeden halbwegs gehypten Titel, bringen aber vor Ort kein Geld ein, da die gamescom keine Verkaufsmesse ist. Also ist man gezwungen, die zweihundertfünfzigtausend Angereisten in den Hallen irgendwie sinnvoll zu beschäftigen. Das geht am einfachsten mit einem Videofilmchen und einer zweiminütigen Demo, zu denen sich Klein Fritzchen gerne stundenlag anstellt. Dass er das Video am nächsten Tag auf hunderten Seiten im Internet findet, spielt keine Rolle, man war ja schließlich einer der ersten, die den Trailer auf der gamescom gesehen haben.

Mit steigenden Besucherzahlen hat mit Sicherheit auch in diesem Jahr die Messe Köln das lange ignorierte oder unterschätzte Problem, der Massen erneut Herr zu werden. Denn – man erinnere sich an letztes Jahr – jeder, der vor den Toren steht, begehrt letztlich auch Einlass. Wenn ein Spieler den Weg nach Köln auf sich nimmt, möchte er auch unterhalten werden und nicht am Eingang Süd mit Getränken u.v.m. abgespeist werden, weil die Messe aus allen Nähten platzt und einen Einlassstop verhängt. Solange in den Hallen die Publisher dicht an dicht gedrängt ihre Spiele präsentieren, wird sich an diesem Zustand nichts ändern. Man hätte nur die Möglichkeit, weitere Ausstellungsfläche zu nutzen, die Aussteller und damit die Menschenmassen räumlich zu entzerren. Da mehr Fläche aber mehr Geld kostet, wird man vom bisherigen System kaum abweichen und wieder werden sich die Leute auf die Zehen treten.

Wenn nun die Messe Köln und der BIU melden, dass die drei Absagen nicht ins Gewicht fallen, weil immer mehr Online-Publisher ihre Sachen präsentieren, dann klingt das wie das Pfeiffen allein im dunklen Wald. Immerhin reden wir hier von Nintendo und Sega als Urgesteinen der Videospielindustrie und THQ, die auch nicht ganz unbekannt sind. Da kann ein schnell zusammengedengeltes Online-Game eines zweitklassigen Privatsenders, der neben einem schlechten Fernsehprogramm auch Spiele vermarkten will, wohl kaum mithalten. Außerdem hatten wir das Thema Online-Messe schon einmal. Nach der Games Convention in Leipzig wurde dort weiter eine Messe für Online-Games veranstaltet, die aufgrund mangelnden Interesses aber nach dem zweiten Jahr heimlich, still und leise beerdigt wurde. Aber in Köln soll das Online-Gaming mit einem Male die Kastanien aus dem Feuer holen und den Verlust dreier Branchenriesen wettmachen?

Letzen Endes stellt sich mir die Frage, ob eine Messe für Endkunden in Zeiten des Internet überhaupt noch Sinn macht? Klar kann man den einen oder anderen Titel vor Ort anspielen, aber lohnt sich dafür der Weg ins Chaos? Jeder gezeigte Trailer ist ohnehin kurz nach der Messe – manchmal sogar schon vor der Messe – im Internet zu sehen, warum also stundenlang anstehen? Ich glaube, dass Nintendo die Zeichen der Zeit erkannt hat und lieber sein eigenes Süppchen kocht. Auch wenn die Organisation vieler kleiner Events und Promo-Aktionen mit Sicherheit aufwändiger ist, so erreicht man damit letzten Endes doch eher den zahlenden Kunden. Und wer weiß, wie viele Menschen nach einer solchen Nintendo-Promotion und einem Probespiel an der Wii U im Fachmarkt um die Ecke sofort eine Konsole mit nach Hause nehmen, statt nach einer Messe noch Monate darauf warten zu müssen? Ich würde mich nicht wundern, wenn Nintendo auf der gamescom 2011 das letzte Mal vertreten war. Weiterhin denke ich, dass weitere Publisher folgen werden. Wenn nicht in diesem, dann ab dem nächsten Jahr.

Die logische Konsequenz in der Addtion aller Fehlschläge und -einschätzungen der Messe Köln und des BIU ist folgende: Man inzeniert zukünftig eine reine Fachbesucher- und Presse-Veranstaltung. Damit spart man sich den Irrsinn außerhalb des Business-Centers. Außerdem ist man ja ohnehin am liebsten unter sich, um sich gegenseitig zu bashen oder aber auf die Schulter zu klopfen.

Ich glaube, dass sich die Zeit der gamescom so langsam ihrem Ende nähert, auch dem Internet sei Dank?!

edit 14.06.2012:

Nun hat auch noch Microsoft abgesagt >>>

 

 

Sonic Generations

Ich halte Sonic Generations in meinen Händen und stelle fest, dass ich alt werde und inzwischen so etwas wie ein Videospiel-Dinosaurier bin. 20 Jahre ist es nun tatsächlich schon her, seit ich den blauen Igel auf meinem Mega Drive kennen und lieben gelernt habe. Wochenlang habe ich Sonic gespielt. Für mich, weil ich das Spiel für eines der besten Spiele aller Zeiten hielt und noch immer halte und für meine Stiefmutter, weil sie diesen Igel ebenfalls so liebte, aber krankheitsbedingt das Pad nicht mehr halten konnte. So habe ich Sonic so viele Sonntag Abende stellvertretend für sie durch die Green Hill Zone, Marble Zone, Spring Yard Zone und alle anderen gescheucht, bis ich nicht einmal mehr auf den Bildschirm schauen musste. Nun feiert Sega mit Generations den 20. Geburtstag des blauen Maskottchens.

Aber wie beginnt man einen Bericht, einen Test zu einem Spiel, dessen Protagonist sich in der heutigen Zeit schon praktisch selbst überlebt hat? In einer Zeit, in der jedes Jahr ein neues iPhone und iPad auf den Markt kommen und den erst 12 Monate alten Vorgänger damit zu Altmetall und Elektroschrott mutieren lassen. Was macht den Reiz aus, erneut ein Jump`n`Run im größtmöglichen Tempo zu lösen, da ein neues Sonic-Spiel eigentlich so ist, wie jedes andere davor auch schon war? Wie beschreibt man ein Spiel, welches “nur” einen Remix alter Level im neuen Gewand bietet, das aber trotzdem alles bringt, was Fans erwarten, die in den letzten Jahren von stetig sinkender Qualität der Serie enttäuscht waren? Sonic ist und bleibt ein Phänomen, ähnlich dem schnauzbärtigen, dickbäuchigen, Latzhosen bekleideten Klempner Mario. Man kann den Reiz nicht erklären, von daher sollte man es auch gar nicht erst versuchen. In den 20 Jahren seiner Videospiel-Existenz sind alle Superlative, die man für die Beschreibung des Igels und seiner Spiele verwenden konnte, mindestens einmal gebraucht worden. Von daher wird es jetzt schwierig, Sonic Generations zu beschreiben, das einerseits zurück zu seinen 2D-Wurzeln kehrt und andererseits Spieler wie mich, die dem 3D so gar nichts abgewinnen konnten, trotzdem an den Monitor fesselt.

Die Handlung ist der von Mario nicht unähnlich, da sie wie immer an den Haaren herbei gezogen ist und nichts zur Sache tut. Diesmal stört ein schwarzes Monster die Sonic Geburtstagsparty und alle Freunde werden in verschiedene Zeiten und somit in verschiedene Level teleportiert. Ihr findet euch kurz darauf in einer weißen Welt wieder, jede Farbe wurde aus dem Spiel gezogen. Um eure Freunde wie Tails, Knuckles, Amy, Cream und etliche andere zu befreien, müsst ihr nun abwechselnd mit dem Ur-Sonic und dem (ich hasse diesen Begriff in Verbindung mit dem Igel) “modernen” Sonic jede Welt jeweils einmal spielen.  Mit der klassischen Igel-Variante spielt ihr 2D, die moderne Version spielt ihr in 3D Leveln. Und genau vor diesem 3D hatte ich Manschetten, denn bisher konnte ich diesen Hochgeschwindigkeits-Reaktionstests nichts abgewinnen. Ich schreibe bewusst bisher, denn Sonic Generations macht alles besser und anders, als das die bekannten, reinen 3D-Spiele bis dato vermochten.

Da kommt nun dieser Mix aus allen Ebenen daher, 2D, 3D und irgendwas dazwischen und es funktioniert. Sonic hat seine Stärken seit Mega Drive Zeiten seit je her nur in zwei Dimensionen gehabt, nämlich dann, wenn er von links nach rechts rennen und springen musste. Schwierig wurde es, wenn er statt von links nach rechts auch von vorne nach hinten oder umgekehrt oder sogar schräg in die Tiefen des Bildschirms sollte. Zu schnell, zu unübersichtlich, zu chaotisch. Das war auch der Grund, warum ich bis zu Sonic Colours lieber einen Bogen um Sonic in 3D geschlagen habe. Aber auch hier wieder die gleiche Aussage: Es funktioniert! Denn was bei einem Mario selbstverständlich ist, bekommen die Sega Programmierer auch wieder bei Sonic hin. Simple zwei Tasten genügen, jeweils eine für Boost und Sprung und ab geht die wilde Fahrt durch die besten Sonic-Level der vergangenen 20 Jahre. Die Kunst ist einzig, zu wissen, wann man wohin springen muss, um das Tempo zu behalten und nicht gegen ein Hinderniss, diverse Gegner oder eine Stachelfalle zu schmettern.

Ist 2D schon Hochgeschwindigkeitsaction, sind die 3D-Level schon fast an der Grenze des für mich Machbaren und Erträglichen. Was hier stellenweise vorgelegt wird, müssen Kampfpiloten im Tiefflug auch erleben, stellenweise setzt eine Art Tunnelblick ein, wenn Sonic mit dem Boost auf gefühlte Mach3 beschleunigt wird. Irgendwie reisst es mir die Wangen Richtung Ohrläppchen und zum alles umfassenden Videospielglück fehlt eigentlich nur noch Fahrtwind aus dem Bildschirm, um den Rausch der Geschwindigkeit zu vervollständigen.

Löst ihr die drei Level, eigentlich sind es mit beiden Sonics ja sechs Level pro Akt, schalten sich Herausforderungen frei, die ebenfalls gelöst werden sollen und wollen. In diesen Herausforderungen stehen euch eure befreiten Freunde zur Verfügung, die euch mit besonderen Fähigkeiten unterstützen. Tails dient als Hubschrauber, um Passagen zu meistern, die ihr per Sprung nicht erreicht, ebenso Amy, die euch per Hammerschlag in ungeahnte Höhen befördert. Knuckles ist da etwas gelassener, er gräbt nach Goldmünzen, von denen ihr eine Anzahl erreichen müsst, um den Level zu beenden. Insgesamt erwarten euch zehn Herausforderungen mit verschiedenen Spielinhalten pro gespieltem Level, von denen ihr aber nur eine lösen müsst, um einen Schlüssel zu erhalten. Sammelt ihr drei Schlüssel, öffnet sich die Pforte zum Bossgegner. Ist der besiegt, erhaltet ihr einen Chaos-Emerald und es geht in den nächsten Akt. Weitere Emeralds erhaltet ihr, wenn ihr in einem weiteren Level gegen einen von Sonic Erzfeinden antretet und diesen besiegt. Hat man begriffen, wie das geht, ist der Diamant schnell gesammelt. Stellt man sich an wie ich, rennt man mit Shadow fast dreißig Minuten im Kreis, ohne zu kapieren, worum es eigentlich geht.

Ähnlich wie beim Mountain-Biking gilt auch für Sonic: Der Flow ist alles. Ihr spielt die Level anfangs, um sie zu lernen. Aber spätestens ab dem zweiten oder dritten Durchspielen geht es euch darum, den Level fehlerfrei und im höchstmöglichen Tempo zu absolvieren. Wann ist der Turbo einzulegen, wann kommt ein Sprung, wann muss ich einen Gegner benutzen, um eine höhere Ebene zu erreichen? Habt ihr das drauf, entfaltet Sonic noch einmal ein Spielspaßpotential, wie es nur wenigen Spielen gegeben ist. Denn jeder Level wird mit Bestzeiten und damit mit Punkten belohnt, die ihr in besondere Fähigkeiten investieren dürft. Da verschwinden die Ringe erst nach zehn Sekunden, oder Sonic bremst sofort. Hier stellt sich jeder Spieler seine Fähigkeiten so zusammmen, wie er sie gerne hätte. Und nebenbei dürft ihr euch mit 7.777 Punkten einen Mega Drive Controller kaufen, der euch innerhalb von Sonic Generations das Original spielen lässt. Ein nettes Gimmick!

Technisch gibt es nichts zu quengeln. Habe ich anderswo gelesen, dass das Spiel nur mit 30 fps läuft und damit gelegentlich ruckelt, habe ich davon nichts bemerkt. Die Grafik ist einfach nur klasse. Spielerisch setzt Generations bestimmt keine neuen Maßstäbe, aber das soll es auch nicht. Es soll die Welt des Igels ins Jahr 2011 transportieren und das gelingt einwandfrei. Mein persönlich einziger Kritikpunkt sind die mir doch zu kindlichen Stimmen der Protagonisten in den Videosequenzen. Aber das ist Geschmackssache, weil diese Videos nichts zur Handlung beitragen.

Fazit:

Sonic Generations macht für mich als Sonic-Fan der allerersten Stunde alles richtig. Alte Level, neu designt und angepasst an die Möglichkeiten der aktuellen Konsolen-Generation fesseln mich für Stunden an den Bildschirm. Dazu kommen bekannte Songs, die einfach nur zum Mitsummen und-singen animieren. Wer Sonic nur durchspielt, ist allerdings in ca. 6 Stunden durch, aber das ist auch nicht Sinn der Übung. Kommen alle Herausforderungen dazu, wollt ihr in allen Leveln Rang S erreichen und geht ihr auf Achievments- oder Trophy-Jagd, seid ihr, je nach Können, mindestens 15 Stunden und mehr beschäftigt.

Um es kurz zu machen: Sonic Generations ist das Sonic Spiel, auf das ich jahrelang nach den Mega Drive Versionen gewartet habe.

Sonic Generations Collectors Edition

Mit Special, Collectors, Limited und sonstigen Editions ist das so eine Sache. Damit auch Klein Fritzchen und Klein Erna glauben, etwas besonderes in den Händen zu halten, werden diese Begriffe inzwischen von zu vielen Publishern fast inflationär gebraucht. Es steckt ein Code für ein Paar virtuelle Avatar Socken in der Box, ist das eine Limited Edition, packt man noch eine Kunststoff-Figur dazu, ist es eine Collectors Edition, obwohl oftmals millionfach am Markt vorbei produziert und nach spätestens drei Wochen ein Ladenhüter.  Positive Ausnahmen gibt es sicher einige, so zum Beispiel die GTA IV Box, aber noch mehr gibt es abschreckende Beispiele für schlechte Editionen. Ich denke da an den Billig-Baterang in Batman: Arkham Asylum oder die Überraschungs-Ei große Figur in Sacred 2.

Wie alles richtig gemacht wird, zeigt wieder einmal Sega. Zu bisher jedem Jubiläum des blauen Igels Sonic gab es bis dato eine besondere Edition, die aber leider meistens nur auf dem japanischen Markt erhältlich war. Doch diesmal kommen auch die Europäer in den Genuss einer Collectors Edition, die den Namen auch verdient. Die gut 30 x 30 x 30 Zentimeter große Box enthält alles, was der Fan und Sammler sich zum 20. Sonic Geburtstag wünscht: Neben dem Spiel liegt dem Paket ein gravierter Ring mit Editions-Nummer bei, zwei Sonic-Figuren stehen einträchtig nebeneinander, es gibt ein Hardcover-Artbook, sowie 2 CD`s, von denen eine diverse Soundtracks vieler Sonic-Spiele enthält und die andere eine Dokumentation, auf der neben Yuji Naka auch andere Geburtshelfer und Wegbegleiter des Igels zu Wort kommen.

Darf man der Gravur des Rings glauben, sind europaweit 12000 CE im Handel, die offensichtlich zumindest für die XBOX 360 zwei Tage nach Release weitestgehend ausverkauft sind. Ich habe hier mal ein paar Bilder meiner Edition eingestellt, vielleicht entschließt sich ja der eine oder andere doch noch kurzfristig zum Kauf der noch erhältlichen PS3-Version. An dieser Stelle ein dickes Danke an den für diese Edition Verantwortlichen bei Sega! Ich bin schon jetzt gespannt, was es zum 25jährigen Jubiläum des Igels geben wird, dieses hier geschnürte Paket wird nur schwer zu toppen sein.

Hook – unveröffentlichter Sega Master System Prototyp von Sony

Ich habe zwar einiges über unveröffentlichte Prototypen des Sega Master Systems gehört und gelesen, aber noch nie einen in der Hand gehalten, geschweige denn daran geglaubt, mal einen solchen zu besitzen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt … und so stolpere ich vor kurzem über die Auktion bei ebay zu diesem Spiel. Scheinbar wusste der Verkäufer nicht, was er dort verkauft und die Mitbieter nicht, was sie da für eine Rarität vor Augen haben. So wechselte ein Spiel, zu dem es bei Google bis jetzt genau 3 Cover-Bilder gibt, für 26,-€ den Besitzer 😀

Und weil der Titel eben niemals veröffentlicht wurde, gibt es auch so gut wie keinerlei Infos oder Fakten zum Spiel. Das Cover weist die Jahreszahl 1992 aus, spielbar für Master System I & II, sowie Genesis/Mega Drive. Veröffentlicht wurde der Titel dann auch für das Sega Mega Drive und Mega CD, NES, SNES und Game Boy. Der Release für das Master System wurde, warum auch immer, gecancelt. Publisher sind Sony Imagesoft und Spidersoft. Aus diesem Grunde habe ich meine Kontakte bei Sony angeschrieben und hoffe, dass noch irgendein Mitarbeiter von 1992 übrig ist und vielleicht weitere Infos zum Titel hat.

Sollte jemand weitere Infos und Fakten zum Spiel haben, bin ich über Hilfe jederzeit dankbar!

edit:

Ich habe mich inzwischen vom Sega Master System Profi Andreas Bendix aufklären lassen, dass der Prototyp zu Hook tatsächlich nicht mit Cover und Modul existiert und es nur einige wenige Roms gab. Dieses Modul rund um das Rom sowie die Hülle sind also nachträglich angefertigt, was meinen persönlichen Sammlerwert aber damit keineswegs schmälert. Danke an Andi für die Hilfe und Info 🙂

Les Schtroumpfs Autour Du Monde

Les Schtroumpfs Autour Du Monde, auch als Die Schlümpfe reisen um die Welt, The Smurfs travel the world oder schlicht als Schlümpfe 2 bzw. Smurfs 2 bezeichnet, gehört wohl zu den seltensten Spielen der Welt. Als das Sega Master System in West-Europa schon keine Rolle mehr spielte, fand der Finne Mikko Heinonen im Jahr 2000 während eines Urlaubes in Prag 2 Exemplare dieses Spieles. Zurück aus dem Urlaub fragte er in einigen News Groups nach, ob jemanden dieses Spiel bekannt sei. Niemand kannte das Spiel und ihm wurde klar, dass er hier auf eine absolute Rarität gestoßen war. Nachdem sich etliche Sammler bei ihm meldeten, die diese Spiele von ihm erwerben wollten, beauftrage er seine Freundin, die beruflich in Prag zu tun hatte, jedes Exemplar der Schlümpfe aufzukaufen, welches ihr in die Finger fällt. Sie fand weitere ca. 8 Spiele.

Im Jahr 2001 reiste Mikkos Bruder nach Prag. Er sollte während seines Urlaubes weitere Spiele einkaufen. Auch er fand einige Exemplare, von denen er aber nur ca.10 Stück kaufte, weil der Rest in schlechtem Zustand war. Während seines letzten Urlaubes in Prag im Jahr 2002 fand Mikko nicht ein einziges Spiel mehr. In den letzten 2 Jahren wurden weitere 3 Exemplare von einem Tschechen aus Prag in Umlauf gebracht. Ein weiteres Spiel wurde von einem Mitglied des sega8bit Forum in Prag bei einem Videospiel-Händler gefunden und gekauft. Man kann also davon ausgehen, dass im Moment von Les Schtroumpfs autour du Monde für das Sega Master System ca. 25-30 bekannte Exemplare weltweit existieren.

Warum nun aber alle Spiele des französischen Herstellers Infogrames ausgerechnet und nur in Tschechien wie aus dem Nichts auftauchen ist bis heute vollkommen unklar. Fakt ist, daß das Spiel die Jahreszahl 1996 trägt, also lange nach dem Verschwinden des Master Systems. Das beigefügte Poster hat kurioserweise auch nichts mit der Master System Version zu tun, sondern trägt den Aufdruck „Sega Game Gear“. Diese absolute Rarität taucht gelegentlich bei Internet-Auktionen auf und wird dann für Preise ab 300,-€ gehandelt. Angeblich hat ein amerikanischer Sammler im Jahr 2001 über 1.500$ für sein Exemplar bezahlt.

Nachdem ich nun über 5 Jahre auf der Suche nach diesem Spiel bin, konnte ich jetzt endlich meine Schlümpfe erwerben. Ich darf mich also jetzt zu den den ganz wenigen Sammlern zählen, die im Besitz des Heiligen Grals sind und Les Schtroumpfs Autour Du Monde ihr eigen nennen dürfen. Damit besitze ich nun alle gesuchten europäischen Master System Raritäten über Masters of Combat und Buggy Run, bis hin zu Championship Hockey, Home Alone, Dr. Robotniks Mean Bean Machine und etlichen anderen, die von Sammlern gejagt werden. Aber es gibt ja noch weitere Raritäten, verteilt über den Globus …