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Virtuelle Realitäten mit Oculus, Sony und HTC

Wieder einmal schickte sich die Kölnmesse an, mit der gamescom neue Besucherrekorde zu brechen. Diesmal wurden durch das neue Anmeldungskonzept dieses Jahr weniger „Fachbesucher“ in die Hallen gelassen, um also doch noch das Vorjahr zu übertrumpfen, wurden zu den Hallenbesuchern noch die Straßen-Festival Besucher dazugezählt, und somit dann doch die 500.000 Besucher Marke durchbrochen. Virtuelle Realitäten mit Oculus, Sony und HTC weiterlesen

gamescom 2014 – Gastbeitrag

gamescom_2014_gastbeitragStatt ohne persönliche Anwesenheit aus der Ferne über die Zukunft von Spielen, Plattformen und der Messe im Allgemeinen zu philiosphieren, veröffentliche ich an dieser Stelle einen Gastkommentar von Michael „Arminator“ Arm, der nicht nur Profi in Sachen Games und Merchandising ist, sondern der sich ebenfalls durch wertvolle Beiträge und zahlreiche Hilfestellungen im Xbox-Forum einen Namen unter den Spielern gemacht hat. Der Beitrag bezieht sich auf meinen Blick in die Kristallkugel zur gamescom 2014 und den tatsächlichen Erlebnissen auf der Messe.

Dann muss ich mal zu Deiner Zukunfts-Prophezeihung was sagen: Deine Kristallkugel muss leicht nachkalibriert werden…

Dank teurem Telekom Hotel WLAN und Internet-Problemen nach Umzug nur mal als Kommentar meine 2014′er Gamescom Impressionen:
Da die Fachbesuchertickets dieses Jahr nur bis Freitag gegolten haben, ich Samstags zu einer Taufe musste (und die nur noch als Ein-Tagestickets erhältlichen Eintrittskarten für Samstag sowieso ausverkauft waren), muss ich sagen, dass das Samstägliche “Mitschwimmen in Besuchermassen” an mir vorbei gegangen ist. Keine Ahnung also, was am Wochenende in den Hallen wirklich abgegangen ist.
Den Fachbesuchertag empfand ich aber entspannter als an vorigen Messen. Keine 6 Jährigen “Fachbesucher”, und auch kein übermäßig langes Anstehen. Es gab zwar Warteschlangen, aber die waren durchaus ertragbar.
Dafür waren am Fachbesuchertag trotzdem die Messe-Lanyards für das Ticket entweder nach Öffnung der Hallen “noch nicht da”, oder “schon alle weg”.

Abgesehen von der etwas entspannteren Menschenmenge, gab es in meinen Augen nur wenige Highlights abgesehen von den typischen Fortsetzungen.
Ein spielbares “The Evil Within” war im Demo rätsel- und grusellastiger als das im letzten Jahr vorgespielte Demo bei der der Protagonist mit viel Muniton umher-ballernd vor einem Riesenmetzger wegrennt.

Mit einer Oculus Rift im Virtuellen Cockpit von EVE Valkyre zu sitzen hat mich für alle vorigen Jahre “Games Convention” und “Gamescom” Gedränge entschädigt. Diese Hardware steht bei mir noch vor Platz 1 auf meiner Wunschliste. Ja, sogar noch vor Weltfrieden. Das Gerät ist einfach nur atemberaubend.

“Quantum Break” von den “Max Payne” und “Alan Wake” Leuten Remedy zeigt beindruckende Spezialeffekte (die Raum-verbiegenden und wabernden Zeitblasen sehen klasse aus). Die Atmosphäre ist beklemmend stimmig, und fühlt sich für mich nach einem “Day One Purchase” an.

Aber mein absolutes “Underdog” Überraschungs-Game: “Bernd das Brot und die Unmöglichen”. Ein klassisches Point&Click Adventure mit Dialogen der original Autoren. Ich hab’ den Test abgebrochen, als ich vor lauter Lachtränen den Monitor nicht mehr erkannt habe.

Unentschlossen bin ich noch bei “Forza Horizon 2″. Wie es sich für ein Forza gehört, sehen die Autos aus, als wären es die echten Gefährte aus Hochglanz-Prospekten.
Die neuen Regeneffekte auf dem Lack und die auch gutaussehende Scheibenwischer-Animation mit Wasserschlieren sieht realistisch aus.
Dass man mit einem Lamborghini aber quer über ein Stoppefeld pflügt… Naja. Aber beim Vorgänger haben die “Virus” Multiplayer-Modi ja auch offroad auf dem Carson Golf Kurs brutal Spaß gemacht.
Wenn man aber (angespornt von dem Standpersonal: “Für die Plätze 1-3 gibts eine Sammelkarte für einen Schlüsselanhänger”) nach mehreren Fahrten ein gutes Gefühl für die Strecke hat, mit leichten Remplern die Computergegner in den Gegenverkehr drängt, und über dreiviertel der Strecke eigentlich “uneinholbar” auf Platz 1 rast, bloß um dann wenige Meter vor dem Ziel dann von einer Gummi-Band-KI die nicht nachvollziehbar aus einer Kreuzung geschossen kommt, auf den vierten Platz durchgereicht zu werden, brodelt der Frust schlimmer, als bei Mario Kart von einem blauen Panzer getroffen zu werden.

Sunset Overdrive macht höllisch Spaß, die Waffen sind abgedreht, aber die Cartoon Explosionen sind “undurchsichtig”. Ballern also alle aus dem Team mit Propangaswerfern, explodierenden Teddybären und sonstigen pyrotechnisch beeindruckenden Schießprügeln, sieht man vor lauter Flammen, Funken und Rauchfahnen keine Gegner mehr. Dafür kann man aber relativ fix auf Häuserdächer springen, nach “Jet Set Radio”- oder “Sonic”-Manier über Kanten und Seile grinden, und sich “von Oben” einen hoffentlich besseren Überblick verschaffen, und erstmal woanders Energy-Drink-geschädigte Zombies beharken, bis der in Feuer und Rauch gehüllte Straßenzug wieder einsehbar ist.

Sonst gab es reihenweise wieder neuen Wein in alten Schläuchen: Als Fifa-Verschmäher sah Teil 15 für mich genauso aus wie 14 (der einzige Fifa Titel, den ich besitze, weil der bei der Day One Edition meiner Konsole dabei lag).
Borderlands the Pre-Sequel: Ist auch dasselbe. Aber weil “dasselbe” einfach nur gut war, ist das für mich ein Kauf.

“Metal Gear Solid: Phantom Pain” sah genauso gut aus wie in der E3 Präsentation, und in der vorspiel-Demo wurden viele Seitenhiebe auf die vorige Demo gemacht (so gab es eine riesige Reklametafel, die den Aussichtspunkt der E3 Demo auf der anderen Seite des Canyons auswies).
War es die ersten paar Male herrlich blödsinnig komisch betäubte Gegner, ahnungslose Schafe oder Jeeps die durch Pferdeäpfel ins Schleudern kamen einfach “in die Luft” zu schicken, nutzte sich dieses Gimmick in meinen Augen schnell ab. Und Soldaten die auf Pappkartons nicht mehr reinfallen, solange kein Pin-Up Bikini-Girl drauf ist erinnern an frühere Metal Gear Teile, bei denen man eben Porno-Zeitschriften auf den Boden gelegt hat.

Battlefield Hardline Multiplayer hat Spaß gemacht, genauso wie Call of Duty Advanced Warfare. Aber hätte nicht draufgestanden, welcher Teil es ist, hätte es genausogut auch “First Person War Gaming: The Generic Conflict” sein können.
Nicht falsch verstehen: Die Spiele haben Spaß gemacht, und haben kleine und feine Neuheiten, aber es ist “nur” eine leichte Evolution von bereits bekannten Spielmechaniken.
Bei CoD:AW wetzt man nun also mit Exoskeletten umher, und kann genauso hoch springen wie ein Pilot bei Titanfall. Und bei Hardline besetzt man nun Fahrzeuge, und fährt mit ihnen umher, statt Checkpunkte A, B und C einzunehmen.

Apropos Evolution: Das von den Left 4 Dead Machern geschaffene Asymmetrische Gameplay (ein Monster, 4 Jäger) hatte seine Momente, würde mich aber nach den Testspielen mit unkoordinierten Teammitgliedern noch nicht zum Kauf bewegen. Ebenso beobachte ich mal noch Fable Legends, wo 4 Helden versuchen gegen einen “bösen Rollenspielleiter” zu bestehen. Fable bestach immer durch charmante Storys und britischen Humor. Wenn man aber mit 4 Xbox-Live Leuten durch die Gegend zieht, die ständig mit meiner Mutter kopulieren wollen, weiß ich nicht, ob das Spiel wirklich funktioniert.

Mal sehen was die Zukunft bringt. Ich probiere lieber aus, als mich auf Prophezeihungen zu verlassen (oder wie der Nazi-Wissenschaftler bei Indy 4 gesagt hat: “Vee do not guess! Vee must TEST!”)
Und vielleicht hast Du ja doch mal wieder Lust durch die Messehallen zu flanieren, wenn nicht gerade zwei Konsolen neu vorgestellt werden.

Lieber Micha, ich flaniere wieder durch Messehallen, wenn ich nicht mehr als Fachbesucher anstehen muss, wieder wie in Leipzig die Möglichkeit habe, mit Entwicklern ungezwungen das eine oder andere Gespräch zu führen und ich nicht die drölfzigste Fortsetzung eines FIFA etc. zu sehen bekomme. Solange also die Messe weiterhin in Köln angesiedelt ist und sich Besucher auf die Füße treten, werde ich den Spaß lieber aus der Ferne beobachten. 😉

 

Alle Jahre wieder – gamescom

gamescom_2014_logoEs war einmal vor langer, langer Zeit, da machte sich eine kleine Messe in Deutschland auf, zum größten Gamingevent der Welt (nach der E3?) zu werden. Anfangs noch klein und unscheinbar wuchs der Messezwerg. Er wuchs so rasant, dass ihm sein alter Messeanzug in Leipzig nicht mehr passte und er sich in Köln einen neuen schneidern ließ. Dieser schlabberte zu Beginn noch ein wenig, aber der jetzt nicht mehr ganz so kleine Zwerg wuchs immer weiter. Inzwischen ist er nicht nur groß, er ist fett. So fett, dass er an manchen Tagen Diät halten muss, weil er sonst aufgrund der zahlreichen Videospieler platzen würde, die sich in seinem Inneren tummeln. Aber das stört in Köln niemanden, denn lieber stehen Videospieler erst stundenlang vor der Tür und dann an Ständen, um sich Trailer von Spielen anzusehen, die Minuten später bereits im Netz anzuschauen sind oder um wenige Minuten einen Titel zu zocken, der trotz Ankündigung dann ohnehin monatelang verschoben wird.

Es ist soweit … wieder einmal. Die gamescom 2014 öffnet ihre Pforten. Und da wir in die Zukunft sehen können, sagen wir den Ablauf schon jetzt voraus:

  • am Fachbesuchertag werden wieder mehr Besucher anwesend sein, wie über die kompletten drei Tage in Leipzig
  • auch 6jährige sind Fachbesucher
  • zur Business Area haben wieder alle unkontrollierten Zugang
  • es wird laut, hektisch, heiß und voll
  • es wird stundenlange Wartezeiten geben, um einen Blick auf ein Spiel zu erhaschen
  • es wird unzählige Fortsetzungen bekannter Titel geben
  • die Messe Köln wird neue Besucherrekorde verzeichnen
  • alle Publisher klopfen sich nach der Messe vor Begeisterung auf die eigenen Schultern

Weil inzwischen alle relevanten Veranstaltungen per Livestream zu verfolgen sind, genießen wir die Show vor dem PC. Hier ist es angenehm ruhig und kühl und niemand tritt uns im Sekundenabstand auf die Füße. Cola und Würstchen kosten ein Bruchteil dessen, was auf der Messe verlangt wird und wir müssen nicht stundenlang dafür anstehen. Warum also selbst nach Köln, wenn man jede noch so unwichtige Info kurz darauf im I-Net findet?

Die Messe wird erst wieder besucht, wenn der Fachbesuchertag wieder ein echter Fachbesuchertag ist und die Messeleitung einzig einen Gewerbenachweis oder Presseausweis als alleinige Legitimation anerkennt. Bis dahin genießen wir die Show eben aus der Ferne. Allen anderen viel Spaß im Gedränge 🙂

Wir erinnern noch einmal an die letztjährigen Tweets der ehemaligen Xbox-Ikone Boris Schneider-Johne:

  • Ein Blick in die Hallen bestätigt meinen Verdacht. Der Fachbesuchertag ist eine Illusion. Vielen Dank, @gamescomcologne
  • Mittwoch ist der neue Samstag!
  • Und sie lassen jedermann ins Business Center, ohne Kontrolle? Kaum ist man 2 Jahre nicht hier… @gamescomcologne
  • Hätte nie geglaubt, daß ich mich am Fachbesuchertag für eine Stunde ins Hotel zurückziehe, weil es zu fucking voll auf der Messe ist.

 

gamescom 2013 – der Versuch einer Nachlese

gamescom_header_220x140Die Messe Köln gab bereits kurz nach Beendigung der gamescom 2013 ihre Zahlen bekannt. Und wie gewohnt klingen diese utopisch. Waren es im letzten Jahr noch 275.000 Besucher, so steigerte man diese Zahl um unglaubliche 23% auf jetzt 340.000, davon allein 29.600 Fachbesucher und 6.000 Medienvertreter. Mit 635 Ausstellern war die Messe damit auf 140.000 qm restlos ausgebucht.

Soweit die Theorie. Winston Churchill wird das Zitat zugeschrieben, „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.“ Nun sind diese Zahlen vielleicht nicht gefälscht, aber doch zumindest an der Stelle der Fachbesucher nach oben geschönt. Denn allein 29.600 Fachbesucher sind eine Zahl, die man sicherlich hinterfragen darf. Wikipedia definiert als Fachbesucher solche Personen, „die als potentielle Kundschaft der teilnehmenden Aussteller für den Veranstalter von besonderer Bedeutung sind.“ Und diese besondere Bedeutung ist bei fast 30.000 Fachbesuchern doch mehr als fragwürdig.

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Boris Schneider-Johne
Foto: M. Arm

Die Voraussetzungen für den Erwerb einer Eintrittskarte zum Fachbesuchertag der gamescom sind schwammig gehalten: „Die Branchenzugehörigkeit der Fachbesucher muss beim Eintrittskartenkauf im Ticket-Shop oder vor Ort in Köln z.B. mit ihrem Händlernachweis, Gewerbeschein etc. nachgewiesen werden.“ Gerade dieses etc. lässt zu viel Spielraum. Nachdem ich mehrere Jahre als Fachbesucher mit fachlichem Hintergrund vor Ort war und auch in Ruhe Gespräche mit Entwicklern außerhalb des Businesscenters fernab von Terminzwängen führen konnte, beschwerte ich mich bereits 2011 über das aufgeweichte Verfahren zum Fachbesuchertag. Denn dort war sogar eine Visitenkarte ausreichend, um als Fachbesucher anerkannt zu werden. Man gelobte Besserung in Form einer strengeren Prüfung, verändert wurde jedoch nichts. Noch immer wird so gut wie jeder Spieler im Besitz einer eigenen Domain, die sich mit Games beschäftigt, als Fachbesucher anerkannt. Erfolg und Steigerungsraten um jeden Preis. Und nun verteilt die Messe sogar Wildcards …

Interessant zum Thema Fachbesuchertag sind die Tweets der ehemaligen Xbox-Ikone Boris Schneider-Johne:

  • Ein Blick in die Hallen bestätigt meinen Verdacht. Der Fachbesuchertag ist eine Illusion. Vielen Dank, @gamescomcologne
  • Mittwoch ist der neue Samstag!
  • Und sie lassen jedermann ins Business Center, ohne Kontrolle? Kaum ist man 2 Jahre nicht hier… @gamescomcologne
  • Hätte nie geglaubt, daß ich mich am Fachbesuchertag für eine Stunde ins Hotel zurückziehe, weil es zu fucking voll auf der Messe ist.
Schlange bei Destiny am Fachbesuchertag - Foto: M. Arm
Unglaublich: Eine lange Schlange bei Destiny am Fachbesuchertag – Foto: M. Arm

Nun sollte die Messe das große Ballyhoo der beiden neuen Platzhirsche Playstation 4 und Xbox One werden. Doch die Wirklichkeit war eher ernüchternd. Was MS auf der E3 kann, können wir auf der gamescom schon lange, muss man sich bei Sony gedacht haben und ließ zumindest die Demo von Need for Speed: Rivals auf einem Windows 7 PC laufen. Aufgefallen nur deshalb, weil das Spiel mit schöner Regelmäßigkeit mit einem Win7 Screen abstürzte. Nun gut, das ist nichts Ungewöhnliches, da viele Publisher in der Entwicklung noch nicht so weit sind und Spiele lieber gut als PC-Demo, denn schlecht als Konsolendemo präsentieren. Es bleibt aber der fade Beigeschmack, ob das fertige Spiel auf der Konsole denn so aussieht, wie auf dem PC vorgeführt?

Trotz der großangekündigten Präsentationen beider Konsolen blieb das erhoffte „Wow, das ist sie also“-Erlebnis aus. Das lag einerseits an der Grafik, die einfach zu wenig Unterschied zur aktuellen Konsolengeneration bietet, aber andererseits auch am mangelnden Risiko. Ausgetretene Pfade bei Spielen, wohin das Auge blickt. Kein Mut zur Lücke, stattdessen bekannte Games allerorten. Allein die Liste der Gewinner der gamescom Awards 2013 kann kaum mehr als ein höflich unterdrücktes Gähnen auslösen. Destiny? Ja, tolle Endzeit-Grafik, aber letzten Endes ein Shooter bekannter Machart. Zelda & Mario Kart? Wo sind Nintendos Innovationen? Forza, Fifa, Battlefield & Elder Scrolls? Bereits bekannt! Es stellt sich also die Frage, warum für diese Titel eine neue Generation von Konsolen nötig wäre?

Xbox One Präsentation - Foto: M. Arm
Xbox One Präsentation – Foto: M. Arm

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Playstation 4, Xbox One und Wii U die letzte Konsolengeneration mit physischen Medien sein wird. Xbox 360 und PS3 haben den Weg zu digitalen Inhalten geebnet, die Wii U zieht jetzt mit. Die nächsten Konsolen werden aller Voraussicht keine „echten“ Videospielkonsolen mehr sein, sondern die eierlegenden Wollmilchsäue, die Microsoft schon jetzt im ersten Versuch mit der Xbox One präsentieren wollte, aber am Widerstand der Spieler scheiterte. Es werden wohnzimmertaugliche Allround-Maschinen für die gesamte Familie werden, die per Download die gewünschten Inhalte präsentierten, sei es TV, Internet, Spiele oder Telefonie. Genießen wir also die kommende restliche Zeit mit den zukünftigen Dinosauriern.

gamescom 2013 – ein Ausblick auf die neuen Konsolen

gamescom_2013_teaser_220x140Alle paar Jahre ist die gamescom nicht nur eine gewöhnliche Spielemesse, auf der die Publisher ihre Games präsentieren. Denn dann ist es wieder an der Zeit, einen Wechsel der Generationen einzuläuten. Die diesjährige gamescom wird also eine besondere Messe. 2013 ist das Jahr der Veränderungen und die großen Drei werden die Hardware vorstellen, die sich die Spieler die nächsten Jahre ins Haus holen sollen.

Nachdem im letzten Jahr neben Sega und THQ auch Nintendo und Microsoft der Messe fernblieben, ist diesmal bis auf die zwischenzeitlich insolvente THQ wieder alles vor Ort. Ich habe noch immer einen winzigen Funken Hoffnung, dass Sega wie Phoenix aus der Asche aufersteht und mir eine neue Konsole offenbart. Aber das wird wohl eher nicht passieren. Dafür stehen Sony mit der Playstation 4 und Microsoft mit der Xbox One in den Startlöchern. Ein wenig unter geht im Krieg der Alleskönner die Wii U von Nintendo. Bereits im letzten Jahr erschienen, hat Nintendo nun aber die Chance, die Besucher der gamescom für das System zu begeistern.

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Darf man den verschiedensten Pressemeldungen und zahlreichen Berichten Glauben schenken, ist die Xbox One aufgrund der verfehlten und vor allem verwirrenden Politik Microsofts zur Einführung bereits bei den deutschen Spielern unten durch, bevor sie überhaupt im Regal der Händler steht. Eine zu sehr auf den amerikanischen Markt zugeschnittene Präsentation, eine dauerhafte Internetverbindung, ein per DRM auf ewig an die Konsole gebundenes Spiel, Dauerüberwachung durch Kinect und diverse andere Ankündigungen zu Ungunsten der Spieler sorgten für Empörung. Und diese war so massiv, dass Microsoft einknickte.

Selbstverständlich geschah dies nicht, weil sich der gewaltigste Shitstorm aller Zeiten über das Unternehmen ergoss. Über so etwas ist man mit Sicherheit in Redmond erhaben, man steht schließlich über den Dingen. Die Spieler taten aber das einzig Richtige und stornierten offensichtlich reihenweise ihre Vorbestellungen zur Konsole. Unbestätigten Angaben zufolge liegt das Verhältnis momentan bei 3:1 zugunsten der Playstation 4, eine Online-Abstimmung bei xboxonevspsfour.com zeigt ein ähnliches Ergebnis >>>. Und bei Amazon sollen sich zwischenzeitlich angeblich 95% aller Spieler eine PS4 statt einer Xbox One vorbestellt haben. Selbst wenn diese Zahlen nur annähernd stimmen, läuten bei Microsoft alle Alarmglocken. Denn der Spieler packt Microsoft dort, wo es am meisten wehtut: Am Geldbeutel.

xbox_one

Auch wenn Mr. Xbox Larry Hryb Major Nelson persönlich alles daran setzte, das angeschlagene Image wieder aufzupolieren, scheint Microsoft den Bogen diesmal überspannt zu haben. Da nützt auch kein noch so tolles Headset in der Day One Edition der neuen Konsole. Und vergessen sollte man eines nicht: Man hat zwar bei Microsoft angekündigt, die vielen Einschränkungen zum Start doch nicht in das System zu integrieren, aber wen hindert es, diese nach Release Stück für Stück dennoch einzuführen? Gerade der Gebrauchtmarkt für Spiele ist ein so großes Stück des Kuchens, dass man sich noch immer daran verschluckt. Warum also das DRM nicht erst 2014 oder 2015 per Update einführen, wenn die Geräte bereits in den Haushalten stehen? Und nicht vergessen ist das Chaos bei Einführung der Xbox 360, als so ziemlich jede Konsole den RoD zeigte.

Selbstverständlich wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird, aber letzten Endes darf man gespannt sein, wie sich die Konsolen verkaufen, wenn sie denn erhältlich sind. Mit Sicherheit wird der eine oder andere Spieler noch umschwenken und sich doch die andere Konsole kaufen, aber der große Gewinner wird zumindest anfangs bei dieser Generation Sony mit der Playstation 4 werden – vorausgesetzt, Sony verbockt die gamescom nicht vollständig. Dies dürfte aber wohl kaum zu erwarten sein.

playstation_4

Und bei allem Gerede über die angekündigten Hardwaremonster sollte man die Wii U nicht aus den Augen verlieren. Nintendo hat zwar wohl noch immer Absatzschwierigkeiten, aber die neue Konsole bietet mehr als nur ein Touchpad – wenn die Entwickler die Hardware auch einmal richtig einsetzen und entsprechende Spiele programmieren. Ubisoft hat es mit Rayman Legends vorgemacht, auch wenn der ehemals exklusive Wii U Titel nun doch für Xbox 360 und PS3 erscheint. Die gamescom 2013 ist die Chance, die Konsole endlich allen zugänglich zu machen – und auch der Grund, warum Rayman auf einen Termin nach der gamescom verschoben wurde.

 

… und die nächste gamescom 2012 Absage – diesmal: Microsoft

Habe ich vor etwas über 2 Wochen noch über das Ende der gamescom philosophiert, scheint sich meine Spekulation nun tatsächlich zu bestätigen. Was sich mit dem Umzug nach Köln in meinen Augen langsam aber sicher abzeichnete, wird 2012 scheinbar traurige Gewissheit für Videospieler: Die Gamescom hat ihren Zenit überschritten und befindet sich im freien Fall. Denn nach Nintendo, Sega und THQ hat jetzt auch Microsoft – sicherlich überraschend – seinen Messeauftritt abgesagt. Wer sich also für einen Trailer zu Halo 4 oder sonstigen Fortsetzungen in Köln stundenlang wie ein Lemming in eine Reihe stellen wollte, sollte überlegen, ob er nicht besser zu Hause bleibt und etwas Sinnvolles mit sich und seiner Zeit anstellt.

Aber nicht nur die gamescom wird abgesagt. Bei MS wird schließlich nicht gekleckert, sondern geklotzt, man macht dort Nägel mit Köpfen und cancelt auch gleich die Tokyo Game Show. Man wolle lieber mit eigenen kleineren Events auf kommende Titel aufmerksam machen. Das habe ich doch vor kurzem schon einmal gehört? Vielleicht sollte Microsoft jetzt kurzfristig bei Nintendo anrufen, wann die wo welchen Auftritt planen, dann könnte man auf die Schnelle noch gemeinsam etwas organisieren, eine Fahrgemeinschaft gründen und sich dadurch die Fahrtkosten teilen? Und wer weiß, vielleicht hat man ja bei Microsoft den einen oder anderen Tipp parat, wenn Nintendo jetzt auf der E3 für die Wii U das Onlinegaming für sich (wieder)entdeckt?

Und was sagt der Organisator der gamescom? Anstatt die Zeichen zu erkennen und sich endlich ernsthaft Gedanken über ein neues Konzept zu machen, tönt es von Seiten der Messe Köln weiterhin, dass alles in bester Ordnung sei. Schließlich hätten bereits über 370 Aussteller ihre Teilnahme bestätigt, man liegt also voll auf Kurs. Wenn der Kurs nun Online- und Mobile-Games heißt, dann gute Nacht Marie.

auf der Flucht vor der gamescom ...

Für mich bewahrheitet sich mein lange gehegter Verdacht, dass sich die Branche selbst abschafft und dass der Bogen endgültig überspannt ist. Zumindest THQ war so ehrlich zu sagen, dass ganz profane Kostengründe und ein neuer Sparkurs zur Absage der gamescom 2012 geführt haben. Nur um ein paar – ich zitiere den RTL-gamescom-Bericht des letzten Jahres – „streng riechende Gamer im Einheitsoutfit“ zu bespaßen, ist der Auftritt scheinbar inzwischen einfach zu teuer. Und warum soll ich als Publisher auf etlichen, überteuerten Quadratmetern Trailer zeigen und Demos anspielen lassen, wenn ohnehin jeder Mist gekauft wird, der auf einer CD oder Blu-ray in eine Konsole passt?

Und damit bin ich beim nächsten Verdacht, denn noch passt ein Spiel manuell in eine Konsole. Ich gehe aber davon aus, dass in nicht allzu ferner Zukunft das Zauberwort für jedes Bit und Byte streaming heißt. Vorbei die Zeiten, in denen physikalische Medien im Media Markt oder sonstwo gekauft wurden. EA hat es mit dem ersten FIFA als reinem Download-Content doch dieses Jahr vorgemacht. Es gab kein FIFA EURO 2012 im Handel, das musste/durfte/konnte man nur downloaden.

Ich bin nicht erst seit heute fest davon überzeugt, dass sich das Konzept der Branche überholt und endgültig totgelaufen hat. Der einzige, der das noch nicht kapiert hat, ist der Spieler, aber das ist meines Erachtens eine Frage der Zeit. Vielleicht beginnen durch diese wichtigen Absagen einige Denkprozesse, die durch zu viel Ego-Shooter-Konsum bisher außer Betrieb waren? Atari hat in den 80ern erlebt, wohin digitaler Müll führen kann, nämlich direkt in die Deponie nach Alamogordo und das Unternehmen in die Pleite.  Und die gesamte Branche mit all ihren (Online-)Melkmaschinerien, um den Spielern das Geld aus den Taschen zu zerren, befindet sich nun erneut auf dem besten Weg dorthin. Aber das ist mir egal, denn ich habe noch über fünfhundert nicht durchgezockte Games bis zur Rente und darüber hinaus, die alle keinen Onlinepass benötigen, um sie vollständig ohne benötigte Zusatzinhalte spielen zu können.

Denkt mal darüber nach 😉

Absagen zur gamescom 2012 … oder eene, meene, meck und du bist weg

So schnell überholt sich manchmal der eigene Bericht, in dem ich allerdings mit meiner unten aufgeführten Behauptung, dass weitere Absagen folgen werden, schon jetzt Recht behalten habe. Denn knapp 2 Wochen nach diesem Beitrag reiht sich mit Microsoft bereits der vierte große Publisher in die Reihe der Absagen ein. Die Messe Köln spielt also im Moment einen Grand ohne vier … und ich gehe im stillen Kämmerlein davon aus, dass das nun endgültig das Ende der Messe einläutet, nachdem schon die E3 ein totaler Flopp war. Nichtsdestotrotz bleibt dieser Bericht hier bestehen, auch um im nächsten Jahr noch einmal nachlesen zu können, ob sich meine Vermutungen bestätigt haben oder ob ich zur Panikmache neige 😉

Man stelle sich vor, es ist Genfer Autosalon und VW, BMW und Porsche fehlen. Oder auf der IFA fehlen Yamaha, Panasonic und Denon. Oder, oder, oder … schwer vorzustellen? Aber klar doch, denn nachdem bereits THQ und Nintendo zumindest für dieses Jahr der Messe die kalte Schulter zeigen, schließt sich mit Sega nun der dritte Publisher an und bleibt der gamescom 2012 fern. Selbstverständlich geschieht dies nicht ohne pressetaugliche und öffentlichkeitswirksame Begründungen. Sega gibt an, dass der Messetermin nicht mit den Veröffentlichungsterminen der eigenen Titel konform geht, Nintendo möchte die Wii U lieber auf eigenen Events vorstellen und THQ kündigt einen rigorosen Sparkurs an, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Warum man dafür allerdings mit dem wichtigsten europäischen Termin startet, bleibt dortiges Geheimnis.

Nun könnte man bei THQ anführen, dass es ein kleinerer Stand auf der Messe auch täte, denn wie EA belegt auch THQ eine komplette Halle im Business Center. Man könnte also hinterfragen, ob der Sparkurs nun gleich das vollständige Fernbleiben auf der gamescom bedeuten muss, statt sich mit einem kleineren Auftritt zu begnügen? Ebenso könnte man sich bei Nintendo fragen, ob zahlreiche eigene Events tatsächlich mehr Pressevertreter und Spieler erreichen können, als dies auf der größten europäischen Spielemesse der Fall ist? Und Sega verschiebt seinen Blockbuster Aliens – Colonial Marines in das nächste Jahr. Na und? Man hätte Gelegenheit, den Spieler noch heißer auf einen Titel zu machen, der praktisch nach der Vorstellung im letzten Jahr schon jetzt ein Selbstläufer ist. Sind also all diese Gründe nur vorgeschoben? Steckt vielleicht doch mehr hinter den Absagen und zwischen den Zeilen, als man beim ersten Drüberlesen mitbekommt?

Ich gebe es zu: Ich liebe Verschwörungstheorien, lese viel zwischen den Zeilen und ich interpretiere damit viel in Gehörtes und Gelesenes hinein. Und damit komme ich für mich zu folgenden Theorien:

Ganz offensichtlich scheint sich der Umzug von Leipzig nach Köln nicht gelohnt zu haben. Man vermeldet zwar stetig steigende Besucherzahlen, aber was nützt das den Publishern? Die Spieler kaufen die Wochen und Monate nach der Messe sowieso jeden halbwegs gehypten Titel, bringen aber vor Ort kein Geld ein, da die gamescom keine Verkaufsmesse ist. Also ist man gezwungen, die zweihundertfünfzigtausend Angereisten in den Hallen irgendwie sinnvoll zu beschäftigen. Das geht am einfachsten mit einem Videofilmchen und einer zweiminütigen Demo, zu denen sich Klein Fritzchen gerne stundenlag anstellt. Dass er das Video am nächsten Tag auf hunderten Seiten im Internet findet, spielt keine Rolle, man war ja schließlich einer der ersten, die den Trailer auf der gamescom gesehen haben.

Mit steigenden Besucherzahlen hat mit Sicherheit auch in diesem Jahr die Messe Köln das lange ignorierte oder unterschätzte Problem, der Massen erneut Herr zu werden. Denn – man erinnere sich an letztes Jahr – jeder, der vor den Toren steht, begehrt letztlich auch Einlass. Wenn ein Spieler den Weg nach Köln auf sich nimmt, möchte er auch unterhalten werden und nicht am Eingang Süd mit Getränken u.v.m. abgespeist werden, weil die Messe aus allen Nähten platzt und einen Einlassstop verhängt. Solange in den Hallen die Publisher dicht an dicht gedrängt ihre Spiele präsentieren, wird sich an diesem Zustand nichts ändern. Man hätte nur die Möglichkeit, weitere Ausstellungsfläche zu nutzen, die Aussteller und damit die Menschenmassen räumlich zu entzerren. Da mehr Fläche aber mehr Geld kostet, wird man vom bisherigen System kaum abweichen und wieder werden sich die Leute auf die Zehen treten.

Wenn nun die Messe Köln und der BIU melden, dass die drei Absagen nicht ins Gewicht fallen, weil immer mehr Online-Publisher ihre Sachen präsentieren, dann klingt das wie das Pfeiffen allein im dunklen Wald. Immerhin reden wir hier von Nintendo und Sega als Urgesteinen der Videospielindustrie und THQ, die auch nicht ganz unbekannt sind. Da kann ein schnell zusammengedengeltes Online-Game eines zweitklassigen Privatsenders, der neben einem schlechten Fernsehprogramm auch Spiele vermarkten will, wohl kaum mithalten. Außerdem hatten wir das Thema Online-Messe schon einmal. Nach der Games Convention in Leipzig wurde dort weiter eine Messe für Online-Games veranstaltet, die aufgrund mangelnden Interesses aber nach dem zweiten Jahr heimlich, still und leise beerdigt wurde. Aber in Köln soll das Online-Gaming mit einem Male die Kastanien aus dem Feuer holen und den Verlust dreier Branchenriesen wettmachen?

Letzen Endes stellt sich mir die Frage, ob eine Messe für Endkunden in Zeiten des Internet überhaupt noch Sinn macht? Klar kann man den einen oder anderen Titel vor Ort anspielen, aber lohnt sich dafür der Weg ins Chaos? Jeder gezeigte Trailer ist ohnehin kurz nach der Messe – manchmal sogar schon vor der Messe – im Internet zu sehen, warum also stundenlang anstehen? Ich glaube, dass Nintendo die Zeichen der Zeit erkannt hat und lieber sein eigenes Süppchen kocht. Auch wenn die Organisation vieler kleiner Events und Promo-Aktionen mit Sicherheit aufwändiger ist, so erreicht man damit letzten Endes doch eher den zahlenden Kunden. Und wer weiß, wie viele Menschen nach einer solchen Nintendo-Promotion und einem Probespiel an der Wii U im Fachmarkt um die Ecke sofort eine Konsole mit nach Hause nehmen, statt nach einer Messe noch Monate darauf warten zu müssen? Ich würde mich nicht wundern, wenn Nintendo auf der gamescom 2011 das letzte Mal vertreten war. Weiterhin denke ich, dass weitere Publisher folgen werden. Wenn nicht in diesem, dann ab dem nächsten Jahr.

Die logische Konsequenz in der Addtion aller Fehlschläge und -einschätzungen der Messe Köln und des BIU ist folgende: Man inzeniert zukünftig eine reine Fachbesucher- und Presse-Veranstaltung. Damit spart man sich den Irrsinn außerhalb des Business-Centers. Außerdem ist man ja ohnehin am liebsten unter sich, um sich gegenseitig zu bashen oder aber auf die Schulter zu klopfen.

Ich glaube, dass sich die Zeit der gamescom so langsam ihrem Ende nähert, auch dem Internet sei Dank?!

edit 14.06.2012:

Nun hat auch noch Microsoft abgesagt >>>

 

 

RTL, ein gamescom-Bericht und viel heiße Luft

Ein bundesweiter Aufschrei ging letzte Woche durch die Gamer-Fangemeinde, als RTL einen Bericht zur gamescom ausstrahlte, in dem Gamer mehr oder weniger beleidigt wurden. Besucher der gamescom seien im Gamer-Einheits-Outfit, also labberige T-Shirts und zu weite Hosen unterwegs und zu allem Überfluss würden sie auch noch streng riechen. So etwas kann der Spieler natürlich nicht auf sich sitzen lassen und eine Welle der Empörung schlug auf den Sender nieder.

Dieser war offensichtlich vom Gegenwind überrascht, da sich die Spieler das erste Mal als Gemeinschaft zeigten und nicht nur heiße Luft in den diversen Foren abließen, um ihrem Unmut Gehör zu verschaffen. Es hagelte Beschwerden und der Sender sah sich letzten Endes dazu veranlasst … nein, nicht zu einer ehrlich gemeinten Entschuldigung, sondern zu einer offensichtlich notwendigen Kapitulation aufgrund des gewachsenen Medieninteresses, dass man sich von dieser Form der Berichterstattung distanziere. Schuld sei ja eigentlich nicht der ausstrahlende Sender, sondern der Redakteur Tim Kickbusch, der den doch lustig gemeinten Bericht produziert hätte. Wir alle haben gelacht und mir stellt sich die Frage, ob derartige Berichte eigentlich bei RTL ungeprüft durchgewunken werden und ob jeder Redakteur tatsächlich freie Hand in seiner medialen Berichterstattung hat?

Dieser besagte Herr Kickbusch stellte sich dann zunächst ebenfalls nicht sonderlich geschickt an, als er über sein Facebook-Profil nach weiteren eingegangenen Beschwerden verlauten ließ:  „Die Reaktionen der Daddler bestärken mich in der Vermutung, dass zu viel Computerspielen keinen förderlichen Effekt auf das Sprachverständnis hat“. Zumindest erfolgte dann hier ein verbaler Rückzieher, dass der Bericht ja schon allein aufgrund der albernen Hintergrundmusik nicht ernst zu nehmen gewesen sei, man sich aber hiermit in aller Form entschuldige. Der schwarze Peter ging also einzig an das berichterstattende Team, nachdem RTL verlauten ließ, dass ja alles gar nicht so böse gemeint gewesen sei.

Soviel zum Hintergrund. Für mich persönlich nimmt diese Angelegenheit aber inzwischen groteske Züge an. Ich bin einerseits fasziniert, dass es mehr als zehn Videospieler gleichzeitig geschafft haben, gegen einen Sender vorzugehen, der sich seit Jahren durch schlecht recherchierte Beiträge und Polemik auszeichnet. Angeblich mehr als eintausend eingereichte Beschwerden sprechen eine deutliche Sprache. Unangenehm überrascht bin ich allerdings, dass sich so viele Menschen eine Sendung ansehen, von der sie eigentlich wissen müssen, dass am Ende nichts als vergeudete Lebenszeit herum kommt.

Widerum nicht verwunderlich ist, dass “der Sturm auf RTL” wieder einmal den wahren Gamer gezeigt hat, nämlich den von RTL beschriebenen. Da kündigen sich mehr als siebenhundert zu Recht erboste Spieler an, um eine über facebook organisierte Protestaktion vor der Sendezentrale des Senders zu inszenieren und es erscheinen knapp fünfzig Figuren. War am Ende alles doch nicht so schlimm? Sollte RTL Recht behalten mit der Beschreibung des dummen, beziehungsgestörten und übel riechenden Spielers?

Liegt RTL am Ende mit dem Bericht vielleicht doch richtig?

Fakt ist, das allererste Mal haben die Spieler in der Öffentlichkeit etwas bewegt. Sie haben einen Privatsender zu einer öffentlichen Gegendarstellung genötigt und sie haben die zuständige Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) auf den Plan gerufen. Diese entschied allerdings, wie sollte es auch anders zu erwarten sein, dass der besagte Bericht nicht gegen die Bestimmungen des Medienstaatsvertrages verstoßen hat. Was besagt diese Prüfung?

„Der Beitrag ist durch seine unverblümte Tendenz sicher ärgerlich, aber keinesfalls rechtswidrig. In einer freiheitlichen Medienordnung können und müssen derartige Berichte toleriert werden. Ich hoffe sehr, dass die Gamer-Szene, die ja selbst für Freiheitsrechte eintritt, dies am Ende akzeptieren kann“  ist in der offiziellen Pressemeldung der NLM zu lesen. Dies heißt jedoch im Umkehrschluß, dass Privatsender wie RTL weiterhin ungestraft auf (Rand)gruppen verbal einprügeln dürfen, ohne rechtliche Konsequenzen erwarten zu müssen. Dabei ist hier offensichtlich der Tatbestand des §186 StGB erfüllt. Dieser besagt, dass derjenige bestraft wird, der “in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist.” Reichlich eingegangene Beschwerden belegen diese öffentliche Herabwürdigung und die Entschuldigung des Senders dürfte auch hier als ein Schuldeingeständnis angesehen werden können. Ebenso wie die verzweifelten Versuche, besagten Bericht von Youtube mit Hinweis auf das Urheberrecht zu verbannen.

Aber, und damit komme ich wieder zum gemeinen Spieler zurück und der Kreis schließt sich, es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. RTL wird weitere Berichte in der bisher getätigten Art veröffentlichen, ohne rechtliche Konsequenzen erwarten zu müssen. Die immer noch viel zu vielen Zuschauer des Senders werden weiterhin das ihnen Vorgekaute für deutsche Realität halten und schlucken, was ihnen Redakteure wie Herr Kickbusch servieren, sofern sie nicht selbst betroffen sind. In einer Woche redet kein Mensch mehr über diesen Beitrag und spätestens zur nächsten gamescom ist Gras über die Sache gewachsen. Es ändert sich also im Endeffekt nichts! Das Langzeitgedächtnis des Einzelnen ist in dieser schnelllebigen Medienwelt ohnehin aufgrund des medialen Informationsüberflusses hoffnungslos überfordert.

Mal schauen, ob die groß angekündigten Boykotte gegen den Sender Auswirkungen haben, oder ob, der Mensch ist schließlich ein Gewohnheitstier, allabendlich weiterhin beim Zappen auf RTL hängen geblieben wird? Ich kenne die Antwort.

gamescom 2011 – jeder blamiert sich so gut er kann

Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Und gerade auf der gamescom 2011 gab es dieses Jahr lange Schatten. Angetreten, um wieder einmal einen neuen Besucherrekord aufzustellen, scheint die Messeleitung das Wesentliche zu ignorieren:

Den Spieler und damit den zahlenden Besucher. Angefangen bei wie immer zu wenig Verkaufsständen zu bekannt horrenden Messepreisen für Lebensmittel, über unqualifiziertes und unfreundliches Messepersonal bis hin zur Notschließung wegen Überfüllung am Samstag stolpert und stümpert Köln von einer Peinlichkeit in die nächste.
Wir waren von Mittwoch bis Freitag auf der Messe, hier unser Bericht.

Mittwoch, 17.08.2011 – Fach(?)besuchertag

2.30 Uhr – Weckerklingeln und der Planet stürzt ein. Nachdem ich knapp 3 Stunden geschlafen habe, mache ich mich im Laufe der Nacht auf nach Köln, um pünktlich zum Messestart vor Ort zu sein. Der erste Termin ist für 11.30 Uhr mit Namco Bandai Partners zu Ace Combat: Assault Horizon verabredet. Kaffee und Red Bull wirken bei nächtlichen Autofahrten Wunder. Nach dem Eichecken im Dorint Hotel gegenüber der Messe kann es also endlich losgehen. Und kaum angekommen, gibt es den ersten Ärger mit der Messe Köln. Nachdem schon keine Eintrittskarten mehr verschickt werden, sondern PDF-Datein zum Ausdrucken, aus denen man sich im Stile eines Bravo-Starschnitts sein Ticket ausschneiden darf, gibt es nun auch keine Schlüsselbänder für die Fachbesucher. Wer die Messe kennt, weiß dass diese lilafarbenen Bänder den Ausstellern, Spielentwicklern, der Presse und den Fachbesuchern vorbehalten sind. Aber leider gibt es keine Halsbänder. Das wäre an sich kein Problem, wenn man sein Ticket bzw. Band nicht alle Nase lang irgendeinem Messemitarbeiter vorzeigen müsste, um sich trotz Fachbesuchertag als Fachbesucher zu legitimieren. Am nächsten Tag wird auch klar, warum Fachbesucher und andere VIPs keine Bänder bekommen: Die Messe verkauft diese lieber an den messeeigenen Ständen an das zahlungswillige Volk.

Im Gegenzug zu diesem Ärger sind aber die Hallen in diesem Jahr tatsächlich am Mittwoch den Fachbesuchern vorbehalten, auch wenn einige wenige doch ihren Nachwuchs dabei haben. So lässt sich aber an jedem Stand fast ohne Wartezeit so gut wie jedes Spiel anspielen, für welches wir keinen Termin beim Publisher vereinbart haben. Besonders auffällig in diesem Jahr ist der Sega Stand, denn dort feiert man Sonics 20sten Geburtstag. Neben dem aktuellen Titel Sonic Generations hat Sega auch eine kleine Ausstellung zu längst vergangenen Sonic Artikeln am Start. Überraschungstitel ist hier aber ein Arcade-Titel names Joe Danger. Eine Mischung aus Quick-Time-Event und witziger Action per Jetpack, Motorrad oder Lore fesselt uns gefühlte Stunden an die Bildschirme.

Das nächste Highlight ist unser Besuch bei Activision. Hier sind zwei Kinosäle eingerichtet, in denen man die kommenden Titel in einem eigens produzierten gamescom-Film präsentiert bekommt. Auch wenn Modern Warfare 3 auf den ersten Blick bekannt hohe Qualität bietet, so ist der Film zum Spiel mehr als nur ein Anreißer. Grafik vom Feinsten wird aber vom unglaublichen Sound noch fast übertroffen. Sensationeller 5.1 Klang im Kinosaal lassen auch der Toptitel verwöhnten Fachpresse vor Staunen den Mund aufstehen.

Den ersten Abend schließt die inzwischen obligatorische XBOX-Community Party ab. Neben Freibier organisiert MS diesmal ein Gewinnspiel. Anwesende erhalten ein Armbändchen, welches sie als geladene Gäste ausweist. Nun sind alle diese Bändchen grün, allerdings gibt es auch einige wenige andersfarbige. Wie sich dann herausstellt, sind diese Bändchen gleichzusetzen mit einem Gewinnlos. Es werden einige XBOX-Artikel verlost, von denen unser Lars tatsächlich ein neues Joypad gewinnt. Der Hauptpreis jedoch ist dem Träger des lila Bandes vorbehalten. Dieser erhält nämlich nach deren Erscheinen eine limitierte Gears of War 3 XBOX! Und nein, Gears of War 3 selbst wurde am Stand nicht präsentiert, das wurde am nächsten Tag im Filmhaus Köln nachgeholt.

Donnerstag, 18.08.2011 – Der erste Tag des Ansturms

Um 8.40 Uhr streben wir dem 2. Messetag entgegen. Am Eingang stehen bereits hunderte Besucher Schlange, um als einer der Ersten spielen zu können. Glücklicherweise haben wir das bereits am Vortag erledigen können, der Donnerstag und Freitag bestehen ausschließlich aus vereinbarten Terminen hinter verschlossenen Türen bei den Publishern. So beginnt der Tag bei Ubisoft, um dort Assassins Creed, Ghost Recon, Farcry und Rayman anzuspielen. Es stellt sich überraschend heraus, das gerade der neue Rayman das Zeug zu meinem persönlichen Must-Have hat. Eigentlich ein New Super Mario Bros. Wii Klon, macht der Titel einen Heidenspaß. Vier Spieler gleichzeitig an einem Bildschirm machen aus einem witzigen, aber bockschweren Old School Jump`n`Run mehr als nur einen Geheimtip für Fans.

Vor der Messe konnte ich leider bei Sega keinen Termin mehr zu Sonic Generations bekommen, alle Slots waren bereits ausgebucht. Umso größer die Überraschung, als wir ganz kurzfristig doch noch einen Termin bekommen. Dort sitzen wir dem Entwickler Takashi Iisuka höchstselbst gegenüber und ich philosophiere mit ihm über meine Sega- und Sonic Sammlung. Das Spiel selbst ist ein Mix aus 2D und 3D und bietet alten und neuen Sonic-Fans genau das, was sie erwarten: Blitzschnelle blaue Igel-Action! Nach dieser Präsentation werden wir mit der limitierten “20 Jahre Sonic” Tasche versorgt und erhalten für Freitag zwei weitere Termine zu Mario & Sonic in London 2012 und Aliens – Colonial Marines.

Nach unserem freundschaftlichen Gespräch bei Microsoft erwartet uns das Highlight der Messe: Bei Nintendo treffen wir die Stimme von Mario & Friends, Charles Martinet! Nach seinem Interview nimmt sich Charles tatsächlich Zeit für mich, beantwortet einige Fragen und erfüllt mit Spaß alle Foto- und Autogramm-Wünsche. Selbstverständlich können wir dann auch hier alles anspielen, was die nächsten Monate von Nintendo veröffentlicht wird. Im Blickpunkt stand hier der 3DS, für den Mario Kart, Super Mario 3DS und Luigis Mansion 2 erscheinen. Von der Wii U ist wie vor der Messe angekündigt leider nichts zu sehen.

Nach der Messe ist vor der Messe: Es ist Gears of War 3 Zeit, das erste GoW, welches in Deutschland eine USK-Einstufung erhalten hat. Dementsprechend groß ist die Vorfreude und der Andrang auf Facebook. Mehr als 400 Fans haben sich angekündigt. Leider hat die avisierte Location nur Platz für 80 Menschen, so dass Lucy von Microsoft innerhalb weniger Tage komplett umdisponiert und das Filmhaus Köln als Örtlichkeit gewinnen kann. Nachdem die neue Örtlichkeit auf Facebook veröffentlicht wird, fühlen sich 350 geladene Menschen vollkommen überfordert, zwei Stationen mit der Bahn zu fahren (O-Ton: “Das ist so weit, da komme ich dann doch nicht”), so dass sich im Kino dann genau soviele Leute tummeln, für die der zuerst geplante Veranstaltungsort dann auch ausgereicht hätte. Was soll man nun denen schreiben, die wegen persönlicher Überforderung nicht da sind, außer dass sie eine grandiose Präsentation der Entwickler versäumen und die Chance verpassen, Horde selbst zu spielen?

Freitag, 19.08.2011 –  Die Messe Köln und das überqualifizierte Personal

Der Tag beginnt am Eingang mit einem Paukenschlag. Schon an der Garderobe zeigt sich bei genau drei anstehenden Besuchern, dass es einer organisatorischen und intellektuellen Höchstleistung bedarf, eine Jacke und eine Tasche an einen Kleiderhaken zu hängen. Und mit zwischenmenschlichen Höchstleistungen geht es weiter: Ich begebe mich um 8.57 Uhr durch den Fachbesuchereingang-West, das heißt, ich versuche das. Ein anabolikagestählter Sicherheitsangestellter Marke “kognitiv zu früh rechts abgebogen” und rudimentär der deutschen Sprache mächtig schnauzt mich an, dass Fachbesucher erst ab 9.00 Uhr Zugang zur Messe haben und wenn mir das nicht passt, soll ich mir einen anderen Eingang suchen. Ich schaue auf sein Shirt und suche verzweifelt seinen Namen. Kommentar des nun tobenden und vor Wut spuckenden Hilfspolizisten 4. Grades: “Alter, hier steht kein Name und wenn du dich nicht gleich wegmachst, hast du ein Riesenproblem mit mir”. Nun könnte ich diese Szene hier weiter ausführen, aber ich erspare mir eine weitere Schilderung derselben. Wenn ich bedenke, dass diese Sicherheitsjobs in Leipzig von engagierten und hilfsbereiten Rentnern erledigt wurden und es niemals irgendwelche Probleme am Eingang gab, verstehe ich den Sicherheitswahn der Messe Köln nicht, wenn am Eingang ohnehin keine Taschen oder Personen kontrolliert werden. Wahrscheinlich ist dem Masterchief of Security am Eingang deswegen furchtbar langweilig? Am Besuchereingang-Ost bin ich übrigens Tags zuvor bereits um 8.40 Uhr problemlos auf das Messegelände gekommen. Absprache scheint hier alles?

Dafür laufen alle geplanten Termine dann wie am Schnürchen. Erneut bei Namco lassen wir eine Präsentation zu Dark Souls über uns ergehen. Ergehen deshalb, weil man das Gefühl nicht los wird, dass das Entwicklerteam nach 2 Tagen der immer gleichen Präsentation im 30-Minuten Takt bereits satt ist. Umso entspannender dann der Besuch bei Electronic Arts. Wie immer mit dem größten Stand im Business Center ausgestattet, kann man neben der Präsentation der aktuellen Titel hier zur Ruhe kommen und durchatmen. Stress kommt bei EA nicht auf. Dafür pumpt das Adrenalin beim gamescom Award Gewinner Battlefield 3 umso mehr. Nach einer kurzen Einführung geht es sofort in den Koop-Modus und Lars und ich bringen die Playstation zum Absturz. Die Frage, wer denn nun der Platzhirsch ist, Battlefield 3 oder Modern Warfare 3, spaltet die Anwesenden in zwei Lager. Beide Titel werden ohnehin Selbstläufer. Das gleiche gilt für Mass Effect 3.

Und wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Dieses Lichtlein ist ein ausgewachsenes Buschfeuer und heißt Aliens – Colonial Marines. Von Senior Producer Matt Powers mit den Worten begrüßt “Guten Morgen! I practice my german … and what does it mean: Moin, Moin?” geht es in eine witzige und leidenschaftliche Präsentation des Überraschungstitels der Messe. In enger Zusammenarbeit mit 20th Century Fox und Ridley Scott ist hier ein Shooter- und Effektfeuerwerk der Extraklasse am Start, das laut Aussage von Segas Fabian Döhla auch nach Deutschland kommt!

Ein weiterer netter Termin erwartet uns bei rondomedia und astragon, bei dem wir nicht nur das aktuelle Portfolio vorgestellt bekommen, sondern auch mit aktuellen Testmustern ausgestattet werden. Heiß begehrt in der Redaktion ist Harveys neue Augen, der Nachfolger zum Erfolg Edna bricht aus. Unseren Abschluss der gamescom 2011 bildet der Besuch bei Warner Bros. Games und das neue Lego Harry Potter – Die Jahre 5 – 7, welches bekanntermaßen den Abschluss der Serie bildet. Wer die Jahre 1 -4 kennt, weiß auch ohne Präsentation, was ihn bei diesem Titel erwartet, nämlich Klötzchen-Kloppen in seiner niedlichsten Form.

Nachtrag vom Samstag, 20.08.2011

Jeder blamiert sich, so gut er kann und die Messe Köln schafft das auch in diesem Jahr wieder par excellence. So wird vor der diesjährigen gamescom großspurig angekündigt, den Besucherrekord erneut knacken zu wollen und nachdem das geschafft ist, werden wegen Überfüllung keine Tageskarten mehr ausgegeben!!! Hier der offizielle Twitter-Eintrag der Messe:

gamescom (@gamescomcologne)
20.08.11 12:57 Für alle Wartenden: Aufgrund d. Besucherzahlen mussten wir einen Einlassstopp einleiten. Am Eingang Süd gibt’s für euch Getränke uvm! #gc11

Ist doch nett, das für alle auch von weit her Angereisten am Eingang Süd Getränke uvm! zur Verfügung stehen. Besser als nichts, oder? Spiegel online schreibt, dass die Messe “Opfer des eigenen Erfolgs” sei, ich denke, dass die Opferrolle nur dem zusteht, der unschuldig in eine solche Situation gerät. Die Messe Köln ist sehenden Auges und mit offenen Armen in das Chaos gerannt. Sei es Profitgier, eine ausgeprägte Profilneurose oder wieder einmal schlechte Organisation, Fakt ist, dass die Messeleitung, mit ein wenig realistischer Einschätzung der Situation des letzten Jahres, der erhöhte Besucheransturm in diesem Jahr nicht hätte überraschen dürfen. Dies war bereits am Donnerstag abzusehen, als schon nach wenigen Minuten an den Ständen zu Call of Duty oder anderen Titeln Wartezeiten mit bis zu drei Stunden aufliefen.

Scheinbar ist die Messe Köln mit der Ausrichtung der gamescom hoffnungslos überfordert? Vielleicht sollten sich die Spitzen der Videospielindustrie noch einmal zusammen setzen und den Standort Köln überdenken! Auch Berlin ist internationaler Dreh- und Angelpunkt für Messen aller Art und wäre somit auch für die internationalen Medienvertreter leicht erreichbar. Das Messegelände der Hauptstadt bietet außerdem mit riesigen Außenarealen allen Besuchern und Ausstellern mehr Freiraum und Bewegungsfreiheit. Bestes Beispiel für perfekte Organisation ist die Internationale Funkausstellung IFA.

Bericht: Michael Schulz

PS: In Halle 6 verkaufte die Firma Game Legends am Mittwoch lizensierte Ubisoft und Nintendo Produkte. Am Donnerstag war dieser Verkauf durch die Messeleitung gestoppt worden. Der Verkauf darf laut Messeleitung angeblich nur in der Halle 10 stattfinden, eine Konventionalstrafe soll folgen. Genau 10 Meter links neben dem geschlossenen Game-Legends Stand verkauft die Messe Köln gamescom T-Shirts und Schlüsselbänder. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.

gamescom 2010 – Umsatz und Besucherzahlen um jeden Preis!?

Hurra, es ist August und die gamescom ist da … und sie war so toll, dass wir bereits Mittwoch Mittag wieder abreisen wollten.
Fachbesuchertag Leipzig 2008: Die Hallen sind leer, man kann ohne Stress alles anspielen, kommt mit Ausstellern und Entwicklern ins Gespräch und fachsimpelt über Spiele, Entwicklungen und Gott und die Welt. Die Stimmung ist entspannt.

Fachbesuchertag Köln 2010: Die Hallen quellen über vor Menschen, Wartezeiten für eine Rostbratwurst eine Stunde, Familien mit Kindern schieben sich durch die Hallen, Wartezeit für Diablo III oder Portal 2 subjektiv geschätze 45 Minuten. Etwas zu essen zu bekommen ist schlicht unmöglich, da die Hälfte aller Restaurants geschlossen ist und die andere Hälfte vor hungrigen Menschen überquillt. Wir sind also gezwungen, die Messe zu verlassen und uns in Köln ein Restaurant zu suchen. Insgesamt 2 Stunden sind verloren …

Glücklicherweise bin ich nicht der Einzige, der sich die Frage stellt, wer neuerdings alles Fachbesucher ist. Ich wage zu bezweifeln, dass Kids im Alter von 7 oder 8 Jahren bereits Firmeninhaber, Redakteure oder Journalisten sind. Scheinbar hat weiterhin jeder Websitebetreiber Karten erhalten. Da dies auch Thema bei unseren Terminen mit Publishern war, erfuhr ich dann, was da „schiefgelaufen“ ist: Die Messe Köln hat scheinbar an jeden halbwegs Interessenten Fachbesucherausweise verteilt, der einen haben wollte, um Umsätze und Besucherzahlen in die Höhe zu treiben. Auf meine Beschwerde an die Messe erhielt ich folgende Antwort per Mail (Auszug):

„Leider gibt es immer wieder Besucher die versuchen unsere Fachbesucherkontrolle zu unterlaufen. Diesem Umstand versuchen wir zu unterbinden indem jeder Besucher der vor Ort eine Fachbesucher-Karte kauft sich per Handelsregisterauszug, Visitenkarten, Anschreiben der Firma etc. als Fachbesucher legitimieren muss. Die Personen, die dies online tun, müssen sich online registrieren und den entsprechenden Nachweis in Köln vor Ort mitführen. Dort werden ebenfalls Kontrollen durchgeführt (entweder an den Eingängen oder im Durchgang zur business area).

Gerade an einem Fachbesucher- und Medientag versuchen auch jugendliche Journalisten (z.B. aus dem Bereich der Online-Medien)  in den Genuss einer Fachbesucherkarte zu kommen. Leider gibt es auch immer wieder Aussteller die durch die Vergabe von Eintrittskartengutscheinen an den „falschen“ Personenkreis diese Vorgabe unterwandern. Es gibt auch schon mal Nachfragen von Fachbesuchern und Ausstellern ihre Kinder zur Messe mit auf den Stand zu bringen.“

Tja, das kann aber so nicht stimmen, denn wir mussten uns an keiner Stelle legitimieren. Weder wurde mein Presseausweis verlangt, noch musste ein Handelsregisterauszug oder ähnliches mitgeführt werden. Und eine Visitenkarte als Legitimation erscheint mir doch eher wie ein schlechter Scherz, denn Karten bekomme ich für 5€ an jedem Bahnhof. Aber diese Angelegenheit hat hoffentlich ein Nachspiel, denn auch die Aussteller haben deswegen Gesprächsbedarf mit der Messe Köln und ich hoffe auf Besserung im nächsten Jahr.

Aber selbstverständlich hatte trotz des Frusts am Mittwoch die Messe auch wieder meine persönlich Highlights. Und das erste hatte ich bereits um 11.00 Uhr. EA lud zu einer Talkrunde mit bekannten Torhütern, um den neuen Modus „be a Goalie“ in FIFA 11 entsprechend zu bewerben.

Anwesend waren Lutz Pfannenstiel, Andi Köpke, Jörg Stiel und mein persönlicher Favorit Lars Leese. Dieser weniger bekannte Keeper war zwei Jahre Profi in England und hat eine erstaunliche Karriere hinter sich. Als Torwart in der Kreisliga Westerwald wechselte er in die Regional-Liga. Er erhielt dann einen Vertrag bei Bayer Leverkusen in der ersten Liga und wechselte daraufhin in die Premier League. Nach insgesamt nur 3 Jahren als Profi war die Karriere beendet und er erhielt trotz guter Leistungen nie wieder einen Vertrag. Unbedingt und uneingeschränkt empfehlenswert nicht nur für Fussballfans ist das (Hör)Buch „Der Traumhüter“, welches die Karriere von Lars Leese erzählt. So hatte ich dann am EA-Stand die Möglichkeit kurz über Fussball und den Torwart insbesondere mit Lars Leese zu philosophieren. Und eigentlich bin ich kein Autogrammjäger, aber hier musste das neben diesem Foto sein 🙂

Krönender Abschluss war am Mittwoch Abend die große Community-Party bei Microsoft. Aber dies war nicht nur Party, sondern auch Pressekonferenz, denn Kinect wurde im großen Stil von Kudo Tsunoda und Fable III von Peter Molyneux höchstselbst präsentiert. Und selbstverständlich stellte Bungie Halo: Reach vor, welches mit dem umfangreichsten Online-Modus aller Zeiten aufwartet.

Weiteres Erlebnis war am Donnerstag der Termin bei EA. Rockband 3 mit dem neuen Keyboard-Controller anzuspielen ist auf einer Messe an sich so kurz vor dem Release des Spiels nichts besonderes, aber dies vom Project Director von Harmonix, Daniel Sussman, persönlich vorgestellt zu bekommen, macht daraus wieder etwas Besonderes. Und mit dem Mann dann auch noch gemeinsam am Mikro zu stehen und „I love Rock`n`Roll“ laut und falsch zu schmettern, toppt das alles um ein Vielfaches.

Dies alles wäre an sich kaum zu schlagen, wäre da nicht unser Termin bei Microsoft mit Timo Sülzle gewesen. Was uns da dieses Mal erwartete, ist kaum in Worte zu fassen und wird auch hier noch nicht verraten. Deswegen nur eines: Danke Timo!

edit Oktober 2010:

Und aus diesem „Danke Timo“ wurde die größte Verarsche aller Zeiten. Absprachen wurden nicht eingehalten und zu allem Überfluss hat einer der größten Konzerne der Welt rotzfrech unsere komplette Idee kopiert und gibt diese nun als seine eigene aus. Der sogenannte Freundefinder auf Facebook basiert auf der Idee von GsearchX, welches Timo Sülzle von Microsoft in treuem Glauben präsentiert wurde. GsearchX wurde von Microsoft nachweislich sogar in der Vorbestellerbox von Fable III präsentiert, um uns danach komplett fallen zu lassen und stattdessen den „eigenen“ Freundefinder in aller Schnelle zu präsentieren. Leider haben unsere finanziellen Möglichkeiten nicht ausgereicht, um dagegen anzugehen.