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Jahresrückblick 2012 – lohnt der Blick nach 2013?

jahresrueckblickUnd wieder neigt sich ein Jahr dem Ende und zumindest diejenigen, die regelmäßig Unterschriften leisten, müssen sich die ersten Tage an ein neues Datum gewöhnen. Aber Spielern der sich jährlich wie Ostern und Weihnachten wiederholenden EA-Titel dürfte das nicht ganz so schwer fallen, weil dort ja schon seit Wochen die 13 auf den neuen Covern prangt.

Sollte man nun trotz des alljährlichen Weihnachtsstresses doch einmal Momente der Ruhe finden und bei Tee und Bratapfel die fallenden Schneeflocken vor dem Fenster zählen, kommt man als Zocker nicht umhin, das Spielejahr Revue passieren zu lassen. Und so überlege ich, was am Software-2012 eigentlich hervorzuheben wäre? Das Ergebnis ist ernüchternd, denn mir fällt tatsächlich kein Titel ein, der mich länger als ein paar Tage an eine Konsole fesseln konnte. Das Überangebot an Software ist einfach zu erdrückend.

„Frevel!!! Auf den Scheiterhaufen mit dem Ungläubigen!!!“

Ja, natürlich gab es den einen oder anderen Titel, der Spaß bereitet hat, aber mal Hand auf`s Herz: War da wirklich etwas bahnbrechend Neues dabei? Erfolgreiche Serien, allen voran (wieder einmal) Call of Duty, Halo, FIFA und Assassins Creed, bekamen eine Fortsetzung spendiert. Das Setting wird verändert, der Bösewicht/Held hat einen anderen Namen und es gibt die eine oder andere neue Animation/Fähigkeit/Waffe, schon rollt der Rubel wieder und Investoren/Aktionäre/Banken reiben sich die geldgierigen Schwitzefinger.

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Der Videospieler in mir freut sich, dass er alle paar Tage ein neues Spiel zocken könnte, wenn er denn wollte. Der Zyniker in mir ätzt, dass die Spieler alle doof sind, sich andauernd altes Zeug in neuer Verpackung zu kaufen/herunter zu laden. Aber glücklicherweise halten sich Zocker und Zyniker die Waage. Immer öfter siegt nämlich die Erkenntnis, dass ich inzwischen zu alt/weise/überfordert bin, das Wettrüsten der Publisher mitzumachen. Stattdessen krame ich dann alte SNES, Mega Drive oder Atari-Titel heraus, zocke gemütlich ein oder zwei Stündchen und widme mich dann wieder anderen Dingen.

Daran hat auch die neue Wii U noch nicht viel geändert. Zugegeben, Zombi U ist spannend und Mario wie immer bis auf das letzte Pixel perfekt, aber so richtig (vor)gefreut hatte ich mich auf das nun nach Anfang 2013 verschobene Rayman Legends.

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„Ha, nörgeln, aber selber Fortsetzungen spielen! Du Heuchler!“

Na und? Ich habe ja auch X-COM, Mario und Forza gespielt, letzteres allerdings nur, weil ich mich aufgrund eines nicht angeforderten Testmusters dazu genötigt fühlte, gekauft hätte ich Horizon nicht. Und auch X-Com bot im Spielablauf tatsächlich nichts, was ich nicht schon von der Playstation One Version gekannt hätte.

Wenn mir 2012 etwas ins Auge gefallen ist, dann die (zwanghafte Weiter-)Entwicklung der XBOX 360. Mir klingen noch die Worte des ehemaligen Community- und jetzigen Product Managers bei Microsoft, Frank Halgasch, in den Ohren:

„Wir haben eine Spielkonsole gebaut, es wird keinen Browser und ähnlichen Schnick-Schnack geben!“

Inzwischen ist das Dashboard dermaßen mit Apps und ähnlichem Unsinn überladen, dass ich mich frage, wo denn hier zwischen all den Kacheln die Spielkonsole versteckt sein könnte? Und zu allem Überfluss wirft man dann noch SmartGlass auf den Markt, weil Nintendos Idee eines Touchpads offenbar an exponierter Stelle für eiskalte Füße gesorgt hat.

cross-controllerAber auch Sony springt ja mit PS Vita und PS3 auf den berührungsempfindlichen Touch-Zug auf. Wie sonst wäre es zu erklären, dass Sackboy in LittleBigPlanet 2 nun per PS Vita und dem sog. Cross-Controller-Paket zu steuern ist? Da fällt mir eigentlich nur der Spruch ein:

Kopie ist die größtmögliche Anerkennung!

Offensichtlich hat man bei Nintendo wieder einmal den richtigen Riecher gehabt und mit der Wii U das Tor zur nächsten Konsolengeneration weit aufgestoßen. Ich bin gespannt, was uns demnach mit der nächsten XBOX (720) und Playstation (4) erwartet?

Wer nun heute befürchtet, diese neuen Konsolen aufgrund des bevorstehenden Weltuntergangs nicht mehr zu erleben, den kann ich beruhigen. Ich bin fest davon überzeugt, dass heute definitiv keine neue Gottheit der Maya namens Bolon Yokte ankommen wird und dass auch Wissenschaftler mit ihren Theorien gehörig ins Klo greifen können. Es gibt zu dem Kalender, der den heutigen Untergang prophezeit, nämlich weitere Inschriften, die das Ende der Welt etwa auf das Jahr 4470 verlegen. Demnach wird sich die Erde zumindest die nächsten Jahre weiter drehen. Unsere Nachfahren dürften dann aber keine Konsolen mehr besitzen, weil diese bei der Geburt ins Hirn – was evolutionsbedingt zwischenzeitlich in den Hintern gewandert sein dürfte – implantiert werden … oder aber – was wahrscheinlicher ist – sind die letzten Überlebenden Insekten und Ratten. Denen liegt aber bisher nicht so viel an Mario & Konsorten.

Meine größte Hoffnung ist, dass noch zu unseren Lebzeiten irgendjemand das Holo-Deck aus Star Trek zur Serienreife für Privathaushalte bringen wird. Das würde ich mir dann auch was kosten lassen.

 

… und die nächste gamescom 2012 Absage – diesmal: Microsoft

Habe ich vor etwas über 2 Wochen noch über das Ende der gamescom philosophiert, scheint sich meine Spekulation nun tatsächlich zu bestätigen. Was sich mit dem Umzug nach Köln in meinen Augen langsam aber sicher abzeichnete, wird 2012 scheinbar traurige Gewissheit für Videospieler: Die Gamescom hat ihren Zenit überschritten und befindet sich im freien Fall. Denn nach Nintendo, Sega und THQ hat jetzt auch Microsoft – sicherlich überraschend – seinen Messeauftritt abgesagt. Wer sich also für einen Trailer zu Halo 4 oder sonstigen Fortsetzungen in Köln stundenlang wie ein Lemming in eine Reihe stellen wollte, sollte überlegen, ob er nicht besser zu Hause bleibt und etwas Sinnvolles mit sich und seiner Zeit anstellt.

Aber nicht nur die gamescom wird abgesagt. Bei MS wird schließlich nicht gekleckert, sondern geklotzt, man macht dort Nägel mit Köpfen und cancelt auch gleich die Tokyo Game Show. Man wolle lieber mit eigenen kleineren Events auf kommende Titel aufmerksam machen. Das habe ich doch vor kurzem schon einmal gehört? Vielleicht sollte Microsoft jetzt kurzfristig bei Nintendo anrufen, wann die wo welchen Auftritt planen, dann könnte man auf die Schnelle noch gemeinsam etwas organisieren, eine Fahrgemeinschaft gründen und sich dadurch die Fahrtkosten teilen? Und wer weiß, vielleicht hat man ja bei Microsoft den einen oder anderen Tipp parat, wenn Nintendo jetzt auf der E3 für die Wii U das Onlinegaming für sich (wieder)entdeckt?

Und was sagt der Organisator der gamescom? Anstatt die Zeichen zu erkennen und sich endlich ernsthaft Gedanken über ein neues Konzept zu machen, tönt es von Seiten der Messe Köln weiterhin, dass alles in bester Ordnung sei. Schließlich hätten bereits über 370 Aussteller ihre Teilnahme bestätigt, man liegt also voll auf Kurs. Wenn der Kurs nun Online- und Mobile-Games heißt, dann gute Nacht Marie.

auf der Flucht vor der gamescom ...

Für mich bewahrheitet sich mein lange gehegter Verdacht, dass sich die Branche selbst abschafft und dass der Bogen endgültig überspannt ist. Zumindest THQ war so ehrlich zu sagen, dass ganz profane Kostengründe und ein neuer Sparkurs zur Absage der gamescom 2012 geführt haben. Nur um ein paar – ich zitiere den RTL-gamescom-Bericht des letzten Jahres – „streng riechende Gamer im Einheitsoutfit“ zu bespaßen, ist der Auftritt scheinbar inzwischen einfach zu teuer. Und warum soll ich als Publisher auf etlichen, überteuerten Quadratmetern Trailer zeigen und Demos anspielen lassen, wenn ohnehin jeder Mist gekauft wird, der auf einer CD oder Blu-ray in eine Konsole passt?

Und damit bin ich beim nächsten Verdacht, denn noch passt ein Spiel manuell in eine Konsole. Ich gehe aber davon aus, dass in nicht allzu ferner Zukunft das Zauberwort für jedes Bit und Byte streaming heißt. Vorbei die Zeiten, in denen physikalische Medien im Media Markt oder sonstwo gekauft wurden. EA hat es mit dem ersten FIFA als reinem Download-Content doch dieses Jahr vorgemacht. Es gab kein FIFA EURO 2012 im Handel, das musste/durfte/konnte man nur downloaden.

Ich bin nicht erst seit heute fest davon überzeugt, dass sich das Konzept der Branche überholt und endgültig totgelaufen hat. Der einzige, der das noch nicht kapiert hat, ist der Spieler, aber das ist meines Erachtens eine Frage der Zeit. Vielleicht beginnen durch diese wichtigen Absagen einige Denkprozesse, die durch zu viel Ego-Shooter-Konsum bisher außer Betrieb waren? Atari hat in den 80ern erlebt, wohin digitaler Müll führen kann, nämlich direkt in die Deponie nach Alamogordo und das Unternehmen in die Pleite.  Und die gesamte Branche mit all ihren (Online-)Melkmaschinerien, um den Spielern das Geld aus den Taschen zu zerren, befindet sich nun erneut auf dem besten Weg dorthin. Aber das ist mir egal, denn ich habe noch über fünfhundert nicht durchgezockte Games bis zur Rente und darüber hinaus, die alle keinen Onlinepass benötigen, um sie vollständig ohne benötigte Zusatzinhalte spielen zu können.

Denkt mal darüber nach 😉

Absagen zur gamescom 2012 … oder eene, meene, meck und du bist weg

So schnell überholt sich manchmal der eigene Bericht, in dem ich allerdings mit meiner unten aufgeführten Behauptung, dass weitere Absagen folgen werden, schon jetzt Recht behalten habe. Denn knapp 2 Wochen nach diesem Beitrag reiht sich mit Microsoft bereits der vierte große Publisher in die Reihe der Absagen ein. Die Messe Köln spielt also im Moment einen Grand ohne vier … und ich gehe im stillen Kämmerlein davon aus, dass das nun endgültig das Ende der Messe einläutet, nachdem schon die E3 ein totaler Flopp war. Nichtsdestotrotz bleibt dieser Bericht hier bestehen, auch um im nächsten Jahr noch einmal nachlesen zu können, ob sich meine Vermutungen bestätigt haben oder ob ich zur Panikmache neige 😉

Man stelle sich vor, es ist Genfer Autosalon und VW, BMW und Porsche fehlen. Oder auf der IFA fehlen Yamaha, Panasonic und Denon. Oder, oder, oder … schwer vorzustellen? Aber klar doch, denn nachdem bereits THQ und Nintendo zumindest für dieses Jahr der Messe die kalte Schulter zeigen, schließt sich mit Sega nun der dritte Publisher an und bleibt der gamescom 2012 fern. Selbstverständlich geschieht dies nicht ohne pressetaugliche und öffentlichkeitswirksame Begründungen. Sega gibt an, dass der Messetermin nicht mit den Veröffentlichungsterminen der eigenen Titel konform geht, Nintendo möchte die Wii U lieber auf eigenen Events vorstellen und THQ kündigt einen rigorosen Sparkurs an, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Warum man dafür allerdings mit dem wichtigsten europäischen Termin startet, bleibt dortiges Geheimnis.

Nun könnte man bei THQ anführen, dass es ein kleinerer Stand auf der Messe auch täte, denn wie EA belegt auch THQ eine komplette Halle im Business Center. Man könnte also hinterfragen, ob der Sparkurs nun gleich das vollständige Fernbleiben auf der gamescom bedeuten muss, statt sich mit einem kleineren Auftritt zu begnügen? Ebenso könnte man sich bei Nintendo fragen, ob zahlreiche eigene Events tatsächlich mehr Pressevertreter und Spieler erreichen können, als dies auf der größten europäischen Spielemesse der Fall ist? Und Sega verschiebt seinen Blockbuster Aliens – Colonial Marines in das nächste Jahr. Na und? Man hätte Gelegenheit, den Spieler noch heißer auf einen Titel zu machen, der praktisch nach der Vorstellung im letzten Jahr schon jetzt ein Selbstläufer ist. Sind also all diese Gründe nur vorgeschoben? Steckt vielleicht doch mehr hinter den Absagen und zwischen den Zeilen, als man beim ersten Drüberlesen mitbekommt?

Ich gebe es zu: Ich liebe Verschwörungstheorien, lese viel zwischen den Zeilen und ich interpretiere damit viel in Gehörtes und Gelesenes hinein. Und damit komme ich für mich zu folgenden Theorien:

Ganz offensichtlich scheint sich der Umzug von Leipzig nach Köln nicht gelohnt zu haben. Man vermeldet zwar stetig steigende Besucherzahlen, aber was nützt das den Publishern? Die Spieler kaufen die Wochen und Monate nach der Messe sowieso jeden halbwegs gehypten Titel, bringen aber vor Ort kein Geld ein, da die gamescom keine Verkaufsmesse ist. Also ist man gezwungen, die zweihundertfünfzigtausend Angereisten in den Hallen irgendwie sinnvoll zu beschäftigen. Das geht am einfachsten mit einem Videofilmchen und einer zweiminütigen Demo, zu denen sich Klein Fritzchen gerne stundenlag anstellt. Dass er das Video am nächsten Tag auf hunderten Seiten im Internet findet, spielt keine Rolle, man war ja schließlich einer der ersten, die den Trailer auf der gamescom gesehen haben.

Mit steigenden Besucherzahlen hat mit Sicherheit auch in diesem Jahr die Messe Köln das lange ignorierte oder unterschätzte Problem, der Massen erneut Herr zu werden. Denn – man erinnere sich an letztes Jahr – jeder, der vor den Toren steht, begehrt letztlich auch Einlass. Wenn ein Spieler den Weg nach Köln auf sich nimmt, möchte er auch unterhalten werden und nicht am Eingang Süd mit Getränken u.v.m. abgespeist werden, weil die Messe aus allen Nähten platzt und einen Einlassstop verhängt. Solange in den Hallen die Publisher dicht an dicht gedrängt ihre Spiele präsentieren, wird sich an diesem Zustand nichts ändern. Man hätte nur die Möglichkeit, weitere Ausstellungsfläche zu nutzen, die Aussteller und damit die Menschenmassen räumlich zu entzerren. Da mehr Fläche aber mehr Geld kostet, wird man vom bisherigen System kaum abweichen und wieder werden sich die Leute auf die Zehen treten.

Wenn nun die Messe Köln und der BIU melden, dass die drei Absagen nicht ins Gewicht fallen, weil immer mehr Online-Publisher ihre Sachen präsentieren, dann klingt das wie das Pfeiffen allein im dunklen Wald. Immerhin reden wir hier von Nintendo und Sega als Urgesteinen der Videospielindustrie und THQ, die auch nicht ganz unbekannt sind. Da kann ein schnell zusammengedengeltes Online-Game eines zweitklassigen Privatsenders, der neben einem schlechten Fernsehprogramm auch Spiele vermarkten will, wohl kaum mithalten. Außerdem hatten wir das Thema Online-Messe schon einmal. Nach der Games Convention in Leipzig wurde dort weiter eine Messe für Online-Games veranstaltet, die aufgrund mangelnden Interesses aber nach dem zweiten Jahr heimlich, still und leise beerdigt wurde. Aber in Köln soll das Online-Gaming mit einem Male die Kastanien aus dem Feuer holen und den Verlust dreier Branchenriesen wettmachen?

Letzen Endes stellt sich mir die Frage, ob eine Messe für Endkunden in Zeiten des Internet überhaupt noch Sinn macht? Klar kann man den einen oder anderen Titel vor Ort anspielen, aber lohnt sich dafür der Weg ins Chaos? Jeder gezeigte Trailer ist ohnehin kurz nach der Messe – manchmal sogar schon vor der Messe – im Internet zu sehen, warum also stundenlang anstehen? Ich glaube, dass Nintendo die Zeichen der Zeit erkannt hat und lieber sein eigenes Süppchen kocht. Auch wenn die Organisation vieler kleiner Events und Promo-Aktionen mit Sicherheit aufwändiger ist, so erreicht man damit letzten Endes doch eher den zahlenden Kunden. Und wer weiß, wie viele Menschen nach einer solchen Nintendo-Promotion und einem Probespiel an der Wii U im Fachmarkt um die Ecke sofort eine Konsole mit nach Hause nehmen, statt nach einer Messe noch Monate darauf warten zu müssen? Ich würde mich nicht wundern, wenn Nintendo auf der gamescom 2011 das letzte Mal vertreten war. Weiterhin denke ich, dass weitere Publisher folgen werden. Wenn nicht in diesem, dann ab dem nächsten Jahr.

Die logische Konsequenz in der Addtion aller Fehlschläge und -einschätzungen der Messe Köln und des BIU ist folgende: Man inzeniert zukünftig eine reine Fachbesucher- und Presse-Veranstaltung. Damit spart man sich den Irrsinn außerhalb des Business-Centers. Außerdem ist man ja ohnehin am liebsten unter sich, um sich gegenseitig zu bashen oder aber auf die Schulter zu klopfen.

Ich glaube, dass sich die Zeit der gamescom so langsam ihrem Ende nähert, auch dem Internet sei Dank?!

edit 14.06.2012:

Nun hat auch noch Microsoft abgesagt >>>

 

 

PS Vita Launch Party

Sony lud ein und alle kamen, und zwar nicht irgendwohin, sondern direkt nach Berlin in den alten Kaisersaal im Sony Center, genau diagonal gegenüber des Sony Style Stores. Da ich bereits gegen 17.15 Uhr vor Ort bin, kann ich also zuerst einen lockeren Blick in den Shop werfen. Bis auf einige Absperrungen in Erwartung der Menschenmassen, die die Vita bereits im Vorverkauf erwerben wollen, zwei großen Scheinwerfern und einer Leinwand mit PS Vita Logo lässt nichts darauf schließen, dass hier in nicht ganz drei Stunden der Run auf Sonys neuem Hoffnungsträger beginnen soll.

Den vorbeihastenden Touristen fällt kaum auf, dass heute im Inneren des Kaisersaals die Launch-Party des noch jungen Jahres starten soll. Am Eingang werden die geladenen Gäste von den hübschen Sony-Damen in Empfang genommen, die Gästeliste wird abgehakt und ich erhalte ein blaues PS Vita Bändchen ans Handgelenk, welches mich als Gast ausweist. Mich erwartet das gepflegte Ambiente des Kaisersaals. Hohe Säulen, antike Leuchter und Kellner in weißen Jacken sorgen dafür, dass man sofort weiß, dass man einem besonderen Ereignis beiwohnen darf. Ausgeschenkt werden verschiedene Erfrischungsgetränke, Wein und Sekt, aber meine Frage nach einer Tasse Kaffee – der Abend wird lang – sorgt für einige Verwirrung. Letzten Endes bekomme ich die aber doch und endlich kann ich mich an eine der zahlreichen Konsolen begeben, die links und rechts aufgestellt sind.

Wer die PS Vita das erste Mal in der Hand hält, wird überrascht sein, dass die Konsole trotz des großen Bildschirms leicht und schon fast filigran in der Hand liegt. Alle Knöpfe sind da, wo man sie erwartet, auch die beiden Analog Sticks sind perfekt zu erreichen. Gewöhnungsbedürftig ist aber für mich tatsächlich der Touch-Screen, da dieser im Handheld- bzw. Konsolenbereich eine echte Neuerung darstellt, obwohl man das von den zahlreichen Smartphones oder Tablet PC bereits gewohnt sein sollte. Das gilt hier noch mehr für das Touchpad auf der Rückseite der Vita. Vorgestellt bzw. vorinstalliert sind einige der Launch-Titel, die aber schon jetzt einen Eindruck darüber vermitteln, was die Konsole grafisch alles möglich machen wird.

Die Minispielsammlung Little Deviants dient höchstwahrscheinlich dazu, sich mit den umfangreichen Funktionen der Konsole vertraut zu machen, meinen Geschmack traf das Spiel nicht. Auch wenn Wipeout 2048 nichts wirklich Neues in Sachen Future-Racer bietet, so ist das Spiel für mich schon auf der Playstation One der Grund gewesen, mir die Konsole zuzulegen. Ich denke, dass das auch hier der Fall sein wird. Was aber mit der Vita alles tatsächlich möglich sein wird, zeigt wohl ansatzweise das Beat’em Up Reality Fighters. Mit der Kamera das eigene Gesicht aufgenommen, dazu den Hintergrund abgefilmt und schon hat man ein Prügelspiel, in dem man endlich auf die eigenen Freunde vor bekannten Kulissen einprügeln darf, Wahnsinn! Alles in allem stehen zum Launch der Vita unter anderem folgende Titel bereit:

  • Reality Fighters
  • Marvel vs. Capcom 3
  • Rayman Origins
  • BlazBlue Continuum Shift Extended
  • Shinobi 2: Tales of the Ninja
  • Hustle Kings
  • Uncharted: Golden Abyss
  • Army Corps of Hell
  • ModNation Racers: Road Trip
  • Hot Shots Golf: World Invitational
  • Wipeout 2048
  • Fifa Football 12
  • Touch my Katamari

Über einen Mangel an guter Software zum Start darf man sich also wohl kaum beschweren. Die Preise werden sich erfahrungsgemäß um die 40,-€ bewegen.

Eigentlich sollte die Show um 18.00 Uhr beginnen, so vertreibe ich mir die Zeit mit Kaffee und den ausgezeichneten Snacks, bis endlich um 18.43 Uhr eine Trailershow die allgemeine Verunsicherung über den weiteren Fortgang des Abends unterbricht. Gezeigt werden alte Sony-Werbungen, die den meisten von uns aus dem TV noch bekannt sein dürften, bis hin zum neuen Vita-Trailer. Bei dem werden sich allerdings die Geister scheiden, ob der nachgespielte Angriff der Alliierten in der Normandie nun unbedingt ein Marketing-technischer Geniestreich ist. Kurz darauf betritt Uwe Bassendowski die Bühne. Mir war nicht bekannt, dass er kein Mann vieler Worte ist, aber ein wenig mehr hätte es dann schon sein dürfen. Egal, denn schon nach drei kurzen Sätzen wird er von diversen Kamerateams belagert und der Abend setzt sich so fort, wie er bis zu den Trailern gelaufen war. Gegen 19.30 Uhr setzen sich die Menschenmassen langsam in Bewegung und der Saal beginnt sich zu leeren. Auf Nachfrage bei einer der netten Sony Damen erfahre ich, dass es nun erst richtig los geht. Denn auf der Einladung war nicht vermerkt, dass der Kaisersaal nur das Vorspiel zur eigentlichen Party war. Diese findet nämlich anschließend im Prince Charles statt.

Auf dem Weg ins Parkhaus entdecke ich tatsächlich eine Schlange von geschätzten sechs- bis siebenhundert Menschen, die den Vorverkauf der PS Vita im Style Store bei Sony nutzen. Leider hat sich der Abend aber an dieser Stelle für mich erledigt, da ich mir im Parkhaus auf dem Weg zum Auto auf der Treppe meine Patellasehne anreisse. Hat schon mal jemand versucht, eine Kupplung zu treten, wenn sich das Knie nicht mehr strecken lässt und die Kniescheibe Richtung Oberschenkel wandert? So versäume ich die eigentliche Party und den Auftritt von The Boss Hoss, sowie etliche Promis auf dem roten Teppich :(

Fazit:

Die PS Vita ist ein außergewöhnlicher Handheld mit Möglichkeiten, die dem aktuellen Stand der Technik entsprechen. Ein brillantes Display stellt eine für Handhelds unglaublich detaillierte Grafik dar, Touchscreen, berührungsempfindliche Rückseite, zwei Analog-Sticks, Wi-Fi und 3G mit GPS tun ein Weiteres zu einem High-End-Spielzeug. Mir stellt sich nur die Frage nach der Zielgruppe? Sony selbst zielt ab auf den Hardcore-Gamer, der auch unterwegs nicht auf das Zocken in Playstation 3 Qualität verzichten möchte. Wahrscheinlich ist auch – zumindest bis zur ersten Preissenkung – auch nur dieser willens und in der Lage, den Preis von 250,-€ für die Wi-Fi Version zu bezahlen, für die 3G Variante kommen noch einmal 50,-€ dazu – zzgl. entsprechendem Online-Vertrag. Sony empfiehlt zwar Vodafone, aber die Vita hat kein Simlock, so dass hier jeder Anbieter gewählt werden kann.

Sollte es mit dem von Sony versprochenen Testmuster der PS Vita noch klappen, erfahrt ihr demnächst mehr über die vielen Möglichkeiten der Konsole. Ich persönlich kann und werde die mir im Moment nicht kaufen, da ich gerade ein minimales Vermögen für mein iPad ausgegeben habe.