Super Bomberman R – eine Fehlzündung

Nur die ältesten und weisesten unter den Videospielern werden sich noch an die Anfänge von Bomberman erinnern. Im Jahr 1983 veröffentlichte damals noch Hudson eines der größten Partyspiele dieses Planeten. Auf so gut wie jedem System durften sich ab dann die Spieler gegenseitig vom Feld sprengen. Allerdings sind die heute unbezahlbaren Versionen für das SNES, sowie die weitestgehend unbekannte Version für den Sega Saturn die meiner Meinung nach besten, die bisher veröffentlicht wurden.

Für das SNES bestellte sich der Fan die Spiele aus Japan oder ließ diese vom Händler seines Vertrauens importieren. Ich habe hier einen Kassenbeleg zu liegen, der die unfreundliche Summe von heute über 100,-€ für Bomberman 2 in der japanischen Version aufweist.  Aber wo ist das Problem? Wer Bomberman liebte, zahlte eben jede Summe.

Mit jedem Teil kamen kleine, aber so feine Veränderungen hinzu, dass es sich auch wirklich lohnte, erneut zu investieren. Sei es ein neues Item oder neue Spielfelder mit durchdachten Funktionen. So kam irgendwann der Trittschuh hinzu, mit dem man die Bomben des Gegners einfach wegkicken konnte oder der Handschuh, mit dem man Bomben auch über den Rand auf die andere Seite des Feldes werfen konnte.

Auf dem Saturn gab es meines Wissens als bisher einzige Konsole die Möglichkeit mit zehn menschlichen Spielern gleichzeitig anzutreten – zwei Adapter für jeweils vier Pads vorausgesetzt. Das wurde dann je nach TV-Größe reichlich pixelig und die Figuren waren winzig, aber wenn man so viele Spieler vor dem Bildschirm versammeln konnte, war der Abend gelaufen – neue Freundschaften wurden geschlossen und bisweilen auch beendet.

Auch gab es auf dem Saturn die bisher beste Plattform – auf dem Spielfeld sorgten Laufbänder dafür, dass die Bomben weitertransportiert wurden, bevor sie explodierten. Nebenbei konnten noch die verschiedenen Modi an die eignen Spielspaß-Bedürfnisse angepasst werden, bis hin zur Teambildung.

Nun steht hier Nintendos neues Wunderkind und seit der Präsentation war hier klar, dass DER Pflichttitel für die Switch würde Bomberman sein. In Gedanken wurden schon wieder alte Kumpels reaktiviert, um endlich online gegeneinander zocken zu können, weil die Freunde sich eben inzwischen von Hannover bis ins Saarland über ganz Deutschland verteilt haben.

Was für ein Glück, dass zum Release auch Zelda verfügbar war, denn allein mit Super Bomberman R wäre der Start der Konsole zum Desaster verkommen. Wenn man schon einen 33 Jahre alten Titel reanimiert, dann bitte richtig. Hier wird dem Spieler ein lieblos programmiertes Spiel vor die Nase gesetzt, bei dem so ziemlich alles, was Bomberman einst auszeichnete, durch die Bank weg mies geworden ist.

 

Ein Bomberman lebt immer und ausnahmslos von seiner Steuerung. Und die ist hier nicht einmal schwierig, denn vier Richtungen und im richtigen Moment eine Bombe platzieren, können heutzutage selbst drittklassige Programmierer für ebensolche Handy-Games bewerkstelligen. Ich weiß nicht, wen Konami hier engagiert hat, aber dieses Team gehört geteert und gefedert aus der Stadt gejagt. So eine elendige und schlecht reagierende Steuerung gab es meines Wissens für nicht eine Konsole.

Wie oft bin ich verendet, weil ich wieder mal an einer Ecke hängengeblieben bin und dem Bombenstrahl nicht mehr entkommen konnte? Wie oft habe ich meine Bombe falsch platziert und so dem Gegner die Chance zur Flucht ermöglicht? Wie oft ging eine Kombination aus mehreren Bomben schief, weil die zu früh oder spät abgelegt wurden? Jeder Tastendruck und jede Richtungsänderung lassen Bomberman einfach zu oft zu einem Glücksspiel werden. Schnelle Reaktionen verpuffen, weil die Figur hakt.

Weiterhin ist der Timer unendlich dumm platziert. Dieser ist so groß und mittig ausgerichtet, dass ganze Figuren und Bomben beim Scrollen des Spielfeldes dahinter verschwinden und man dann nicht mehr erkennt, wie man steht und wohin man flüchten kann. Dass Spielfelder immer eine Frage des persönlichen Geschmacks sind, steht außer Frage. Ich hätte mir einfach das Spielfeld mit den Rollbändern als Neuauflage gewünscht.

Das große Plus, nämlich endlich online Mehrspieler-Partien zocken zu können, ist ebenfalls gründlich danebengegangen. Nicht nur dass die Freunde-Suche schwierig und unverständlich ist, warum können nur zwei menschliche Mitspieler gegeneinander antreten, wenn eben nicht mehr zur Verfügung stehen? Warum zum Teufel kann ich nicht die fehlenden Plätze mit CPU-Gegnern auffüllen?

Dazu kommt ein liebloses und vollständig unübersichtliches Menü, welches erst durch Try-and-Error verstanden wird. Und wenn schon alles in die Hose geht, dann bitte richtig. Ist es so schwierig, verschiedene Items im Menü einzeln anwählen zu können? Es gibt Spieler, die stehen eben nicht auf den Wurfhandschuh, mögen aber alles andere. Hier gibt es nur alles oder nichts, friss oder stirb, nimm alle Items oder lass es. Und wo ist verdammt nochmal die Möglichkeit geblieben, Teams zusammenzustellen, um gemeinsam CPU-Gegner zu sprengen? Glücklicherweise lassen sich zumindest die nervigen Kommentare der Bombermänner im Menü abschalten.

Was also zu einem der Top-Multiplayer-Party-Fun-Titel der nächsten Jahre hätte werden können, ist aber mal so gründlich missraten, dass sich wahrscheinlich nur Bomberman-Neueinsteiger ein wenig damit anfreunden können. Wenn man das nicht kennt, mag es witzig sein. Alle anderen, weisen, älteren, erfahrenen, greisen Videospieler entstauben ihren Saturn oder das SNES und spielen die dortigen Versionen. Die funktionieren zwar nicht online, aber das Risiko, das Pad vor Frust in den TV zu schleudern, ist bei Weitem geringer.

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