Steel Diver

“Geben Sie mir ein Ping Wassili, aber bitte nur ein Einziges …” Dies ist einer der besten Dialoge der Filmgeschichte und stammt aus dem Klassiker Jagd auf Roter Oktober mit Sean Connery. Hier wird ein geheimes U-Boot der ehemaligen Sowjet-Union mit List und Tücke gekapert und den Amerikanern übergeben. Wer allerdings eine ähnlich packende Story und ähnlich viel Action in Nintendos U-Boot Spiel Steel Divererwartet, sieht sich getäuscht.

Dieses Spiel dient scheinbar in erster Linie dazu, die alten DS-Fähigkeiten mit den neuen des 3DS in einem Spiel zu vereinen. Es wird die Steuerung per Stylus mit den Bewegungssensoren kombiniert, alles untermalt von hübschen 3D Effekten, fertig ist eine Spielsammlung von U-Boot-Spielen, sofern 3 verschiedene Modi bereits als Sammlung durchgehen?!

Wird Steel Diver gestartet, gibt es die Auswahl zwischen den Modi “Periskop”, “Missionen” und “Seeschlacht”. Nichts ist spannender, als unter Wasser Jagd auf feindliche Schiffe zu machen, also die Schotten dichtgemacht und den Steuermann angewiesen, auf Periskop-Tiefe zu gehen. Aus der Sicht eben jenes Periskops sieht man verschiedene Schiffe an sich vorbei ziehen, denen man den Garaus machen muss. Da diese auch noch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit über die Ozeane dieser Welt schippern, muss ich also hier die Geschwindigkeit meines abgefeuerten Torpedos auf die Geschwindigkeit des Schiffes abstimmen, um dieses dann zu versenken. Und hier kommt die erste Neuerung des 3DS ins Spiel: Das Periskop reagiert auf die Bewegungen des Spielers und wird nicht per Schieberegler oder Button gesteuert. Man hält also seinen 3DS in der Hand und dreht sich im Kreis, um alle Schiffe aufzustöbern.
Ist dies bei ruhiger See noch relativ übersichtlich, kommt bei Sturm schon etwas mehr Hektik ins Spiel. Hier ist nicht nur die Sicht durch das scheinbar schlechte Wetter erschwert, riesige Wellen türmen das Meer auf und feindliche Schiffe verschwinden in Wellentälern, um im nächsten Moment wieder deutlich erkennbar auf dem Wellenkamm zu erscheinen. Hier kommen die 3D-Effekte besonders gut zur Geltung. Alles in allem ist dieser Modus nett, taugt aber auf Dauer nicht als Langzeitmotivation.

So hatte ich dann zur Motivationssteigerung im Modus Seeschlacht auf eine Art Schiffe versenken gehofft, aber das war leider nicht der Fall. Auf einem Hexfeld werden Schiffe und U-Boote positioniert, um dann rundenbasiert alle feindlichen Versorgungsschiffe zu versenken. Dazu zieht man seine U-Boote von Feld zu Feld, sucht mit dem Sonar nach Schiffen und hofft, nicht vorher von einem feindlichen U-Boot zerstört zu werden. Mir persönlich ist der Modus aber zu sehr vom Glück abhängig, weiterhin ist die Grafik eines 3DS nicht würdig. Einziger Vorteil: Für mehr oder weniger packende Duelle reicht ein Modul, wenn zwei Konsolen per Drahtlosverbindung miteinander verbunden werden.

Bleibt der letzte Modus, die Missionen. Wer Spiele wir R-Type, Gradius oder Parodius kennt, also echte von links nach rechts scrollende Action-Spiele, in denen Hunderte von Feinden dem Spieler das Bildschirmleben aushauchen wollen … der wird auch hier nicht wirklich fündig. Aber trotzdem macht gerade dieser Modus richtig Spaß. Die Missionen beziehen ihren Reiz nämlich nicht aus fulminanter Action, sondern aus der Trägheit des zu steuernden U-Bootes. Klingt paradox, ist aber wirklich so. Während man bei den obengenannten Spielen auf Milimeter genaues Hantieren mit dem Raumschiff angewiesen ist, bewegt man sein Tauchschiff hier mit dem Stylus eher indirekt. Zur Verfügung stehen drei verschiedenen U-Boote, die in die sinnreichen Kategorien “klein”, “mittel” und “groß” eingeteilt sind. Sinn bei einem Vertikalscroller ist es immer, den rechten Bildschirmrand möglichst unbeschadet zu erreichen, Steel Diver macht hier keine Ausnahme.

Wie erwähnt steuert man sein U-Boot also nur per Stylus. Mit diesem bedient man Schieberegler für Geschwindigkeit und Tiefe. Vorbei an Fischschwärmen, versunkenen Segelschiffen und diversen Unterwasserpflanzen versucht man sein U-Boot möglichst sicher in den rettenden Hafen zu bringen. Da das aber auf Dauer doch zu eintönig wäre, sind auch Feinde unterwegs, die genau dieses verhindern wollen. So gibt es neben normalen Torpedos auch ferngesteuerte, zielsuchende Torpedos, von Schiffen abgeworfene Wasserbomben und Minen, die dem angehenden Kapitän das Leben möglichst schwer machen. Weiterhin muss man Unterwasserpassagen durchfahren und Felsen sprengen, die eine Weiterfahrt unmöglich machen würden. Das alles erfolgt über die Schieberegler auf dem unteren Bildschirm. Nun steht aber ein Schiff, oder in diesem Fall ein U-Boot, nicht mit einem beherzten Tritt auf das Bremspedal, sondern schwimmt durch das eigene Trägheitsmoment einfach weiter. Da hilft also nur volle Kraft zurück und hoffen, dass man dem Hinderniss noch rechtzeitig ausweichen kann. Felsen, brüchigen Mauern und Minen macht man mit dem Torpedo ein Ende, Schiffen können mit senkrecht startenden Raketen beigekommen werden. Jeder Treffer und jeder Kontakt mit Hindernissen entziehen dem U-Boot Energie, ist diese am Ende, heißt es: Game Over. Verlorene Energie und ausgegangenen Sauerstoff stellt man aber durch gelegentliches Auftauchen wieder her.

Warum aber nun gerade der spannendste Spielmodus auf dem gesamten Modul nur ganze sieben Missionen umfasst, bleibt mir unverständlich. Ja, man hat drei verschiedene U-Boote, die sich alle aufgrund ihrer Größe anders steuern und ein Spiel auf Zeit, aber damit hat es sich leider schon. Um hier noch eine weitere Note einzubringen, darf man nach einer geschafften Mission noch den Modus Periskop spielen, um hier Buttons zu gewinnen, die unter anderem für mehr Energie sorgen.

Fazit:
Steel Diver
ist das typische Spiel für zwischendurch. Für die Langzeitmotivation fehlt es leider an spielerischem (Achtung Wortspiel) Tiefgang. Schuld daran sind meiner Meinung nach ein Spielmodus, den es nicht gebraucht hätte und ein Spielmodus, der mehr verdient hätte, als sich mit dem 3DS auf einem Drehstuhl im Kreis zu drehen.
Hätte das Spiel nur aus den Missionen bestanden und wären diese umfangreicher ausgefallen, wäre Steel Diver ein wirklich klasse Spiel geworden. So ist es nach Abzug der beiden anderen Spielmodi “nur” ein gutes Spiel, welches die Bewegungssensoren des 3DS nutzt und mit einigen 3D-Effekten nett aufgehübscht wurde. Sollte Nintendo tatsächlich über einen Nachfolger nachdenken, dann reichen die Missionen vollkommen aus, müssen dann aber auch umfangreicher ausfallen.

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