Star Wars: Battlefront II

Welcher Fan hätte sich nicht einmal gewünscht, wie ein Jedi ein Lichtschwert zu schwingen und die Macht zu benutzen, um Kampfdroiden in Altmetall zu verwandeln? Oder doch lieber als dunkler Sith Lord Rebellen niedermetzeln?

Wer wäre nicht mal gerne wie Han Solo im Millenium-Falkon durchs All geflogen, gejagt von einem Geschwader T-Fighter? Oder der Pilot eines gigantischen AT-AT-Kampfläufers, der auf Soldaten, die von oben wie kleine Miniaturfiguren wirken, Laserschüsse niederregnen lässt? Beim zweiten Anlauf hat es Electronic Arts DICE nun endlich geschafft ein richtiges Star-Wars-Spiel auf die Beine zu stellen.

Und ich sage bewusst beim zweiten Anlauf, denn so ein richtiges Star-Wars-Feeling kam bei mir beim 1. Teil nie auf. Zwar konnte man hin und wieder einen der wenigen Helden spielen und alles sah auch nach dem großen Film-Franchise aus, aber im Endeffekt hat man sich nie gefühlt, als wär man mitten in einem der großen Blockbuster.

Meines Erachtens nach hat es EA DICE nun geschafft, den Spieler mitten ins Geschehen eintauchen zu lassen. Dies hat mehrere Gründe – sei es die große Vielfalt an Helden und altbekannter Schauplätze oder den durchgängig sehr gut gelungenen Story Modus, der direkt an den sechsten Teil anschließt. Damit wird eine Geschichte erzählt, die eine Verbindung zwischen der zweiten und der dritten Trilogie darstellt, die momentan in den Kinos zu sehen ist. Man gewinnt man das Gefühl, man selbst spiele die Hauptrollen in einem nie gezeigten Star-Wars-Film. Wer genau das also im ersten Teil vermisst hat, wird mit Battlefront II glücklich.

Eine Funktion, die ich auch schon am ersten Teil sehr gemocht habe, nämlich die Möglichkeit während Updates installiert werden, einen Level des Spiels bereits zu beginnen, ist auch wieder im zweiten Teil verfügbar.

Wenn man das Spiel nun also das erste Mal startet, beginnt man unvermittelt als Stormtrooper in einer imperialen Basis, die man gegen Rebellen verteidigen muss.

Anders als im ersten Teil kann man im zweiten nicht nur zwischen verschiedenen Waffen wählen, sondern auch zwischen unterschiedlichen Klassen: Angriff, Schwer, Offizier und Spezialist (Scharfschütze). Je nach Spielmodus kann man im späteren Verlauf für die einzelnen Klassen weitere Waffen freischalten.

Wer den ersten Teil bereits gespielt hat, sollte mit der Steuerung keine Probleme haben, denn es hat sich eigentlich nichts verändert, abgesehen von der Tatsache, dass man nun auch eine vierte Hand für eine Spezialfähigkeit zur verfügung hat.

Wer aber Luke Skywalker, Yoda oder auch Darth Maul oder Lord Vader spielen möchte, muss sich diese durch Punkte verdienen. Helden gibt es wesentlich mehr als im ersten Teil, in Online-Matches an einen heranzukommen, ist aber auch schwerer geworden.

Eine weitere Sache, die sich geändert hat, ist der Einstieg ins Spiel. Electronic Arts hat den Fokus mehr auf das Teamspiel gelegt was bedeutet, dass man nachdem man seine Klasse gewählt hat, einige Momente warten muss, wodurch kleine Grüppchen immer gemeinsam spawnen. Wenn die Gruppe zusammenbleibt, bekommt man doppelt so viele Punkte.

Klingt erst einmal nach einer sehr coolen Idee, aber es funktioniert meiner Erfahrung nach nicht wirklich gut, sondern nur wenn man gemeinsam in einer Party spielt und sich absprechen kann, wohin der Trupp läuft. Ansonsten laufen alle dahin, wo sie wollen. Mir persönlich hat das Partner-Konzept im ersten Teil etwas besser gefallen.

Spielmodi gibt es viele und im Vergleich zum ersten Teil hat man nun wesentlich mehr Einstellungsmöglichkeiten wie Teamgröße, Anzahl seiner Leben oder der Gegner oder auch der KI-Stärke. Besonders der wieder in Battlefront zurückgekehrte Splitscreen-Modus hat mich sehr gefreut. Es gibt nicht viele Shooter, die man zu zweit auf einer Konsole spielen kann.

Einen Modus, den man leider nur Single-Player spielen kann ist der Story-Mode. Dieser erzählt die Geschichte vom Star-Wars-Universum nach der Zerstörung des Todessterns im sechsten Teil aus der Sicht von Iden Versio und einigen anderen Star-Wars-Charakteren, wie Luke Skywalker, Prinzessin Lea oder Han Solo.

Iden Versio ist eine imperiale Soldatin, die durch den Tod des Imperators und dessen letzten Befehl erkennt, dass sie nicht für die gute Seite kämpft und desertiert. Sie wird von den Rebellen aufgenommen und wird zur Widerstandskämpferin.

Am Anfang, als Iden Versio noch eine Soldatin des Imperiums war, hat mir der Story Mode persönlich am meisten gefallen, das liegt aber hauptsächlich daran, dass ich bei Star Wars immer die bösen Charaktere am coolsten finde.

Dadurch, dass diese Story direkten Bezug zu den Filmen nimmt und es immer wieder Dialoge zwischen den Protagonisten gibt, wird das Star-Wars-Gefühl nicht wie im ersten Teil durch das Shooter Konzept in den Hintergrund gedrängt.

Fans der Filme können sich also über eine weitere Geschichte aus George Lucas Universum freuen, die zwar nicht unglaublich spannend ist, aber für die Story eines Videospiels alle mal ausreicht.

Um die Illusion, man befände sich in einem Star Wars Film perfekt zu machen, hat man im zweiten Teil wesentlich mehr auf Raumschlachten gesetzt.

Alle paar Level gibt es Missionen, in denen gute Flugkünste gefragt sind und die haben es echt in sich. Es gibt eine große Zahl an Raumschiffen, die man fliegen kann. Mein persönliches Highlight war jedoch der Millenium-Falcon, den man als Han Solo steuert.

Etwas schade finde ich jedoch, dass man im zweiten Teil darauf verzichtet hat eine VR-Mission einzubauen, da ich diese aus dem ersten Teil wirklich sehr spaßig und gelungen fand.

Kommen wir nun aber zu einem eher weniger schönen und heiß diskutiertem Thema: Die Lootboxen.
Das Wort Lootboxen kommt aus dem Englischen von loot, die Beute, und Box, die Kiste, also übersetzt Beutekiste. Das Prinzip sollte inzwischen jedem bekannt sein, sei es von Handyspielen wie Clash Royale oder auch Konsolenspielen wie Overwatch.

Die Idee, echtes Geld für zufällige Spielinhalte auszugeben ist zwar inzwischen nicht mehr ganz so jung, aber bei Battlefront II ermittelt nun erstmals eine Landesbehörde gegen dieses System. Die belgische Glücksspielkommission hat scheinbar Ermittlungen gegen Electronic Arts Digital Illusions Creative Entertainment AB eingeleitet, da mit diesem System offensichtlich gegen die Glücksspielgesetze des Landes verstoßen wird.

Aber nicht nur diese Kommission sieht diesen Trend skeptisch, auch viele Gamer sind nicht mit dem neuen Konzept einverstanden.

Free-to-Play-Spieler werden gegenüber anderen, zahlenden Spielern immer im Nachteil sein und ich persönlich höre in letzter Zeit von Freunden immer häufiger, dass das System unfair sei und Nichtzahler benachteiligt werden. Die Chancengleichheit wird also ausgehebelt.

Ich finde es verständlich, dass sich Spieler aufregen, wenn andere Gamer, die sich kaum Items erspielt haben, die Zeit und Arbeit, die andere für neue Waffen oder Fähigkeiten aufwenden, mit einer Zahlung umgehen können.

In dieser Hinsicht finde ich das Lootboxen-System von Overwatch wesentlich besser gelungen:. Zwar kann man sich Lootboxen auch mit realen Zahlungsmitteln kaufen, aber sie enthalten nur Skins oder Siegerposen, jedoch keine virtuellen Gegenstände, die in irgendeiner Weise einen Vorteil gegenüber anderen Spielern bringen. Aus rechtlicher Sicht könnte aber auch dieses Spiel in Belgien Probleme bekommen, da man auch hier für echtes Geld zufällig ausgewählte, virtuelle Güter erhält.

So dumm es klingen mag, aber dieses Prinzip hat auch seine guten Seiten. Indirekt sorgen die Käufe von Lootboxen dafür, dass regelmäßig Updates für Battlefrot kommen.

Will EA DICE also, dass weiterhin viele Lootboxen per Microtransaktionen gekauft werden und dass der Rubel weiterhin rollt, werden so oft wie möglich Updates mit neuen Inhalten erscheinen, die das Spiel spannend halten.

Dennoch finde ich, dass EA eine gewisse Verantwortung gegenüber seinen Kunden hat. Ein Spiel, das diese für viel Geld erworben haben sollte m. E. mindestens solange mit Updates und neuen Spielinhalten versorgt werden, bis entweder ein neuer Teil der Reihe angekündigt  ist oder aber das Interesse der Spieler am Titel nachlässt. Und das geht auch ohne die zusätzliche Finanzierung durch Lootboxen.

Fazit:

Battlefront II ist eindeutig ein großartiges Spiel. Alles, was mir am ersten Teil gefehlt hat, wurde nun hinzugepackt. Wer aber schon Battlefront Teil 1 überhaupt nicht mochte, wird höchstwahrscheinlich auch mit dem neuen Titel nicht wirklich etwas anfangen können.

Star Wars Fans werden hier hervorragend bedient, denn es gibt eine brandneue Story, die man zwar nicht wirklich als kinoreif bezeichnen kann, einem aber das überrangende Feeling der Filme vermittelt.

Da die Lootboxen und die fehlende VR-Mission nicht für alle Spieler ein Kriterium sind, habe ich diese Punkte im  Ergebnis nicht berücksichtigt. STAR WARS: Battlefront II erhält daher die volle Punktzahl.

 

Copyright Fotos: Electronic Arts

Hier bitte einen Kommentar verfassen