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Parrot Zik im Test: Spielzeug oder echter Kopfhörer?

Videospieler sind meistens auch Menschen mit einer hohen Affinität zu allen möglichen technischen Gadgets, denn was nützt eine XBOX 360 oder PS3 an einem 37cm Röhrenfernseher von 1989? Und so stehen neben den aktuellen Konsolen auch hochwertige Komponenten, die nicht nur zum Zocken, sondern auch zum Musik- und Filmgenuss genutzt werden. Und wie viele andere Spieler auch, stehe ich ebenfalls auf hochwertige und teure technische Spielereien. Eine solche ist der neue Zik von Parrot, dessen Design von Philippe Starck stammt.

Auf den ersten Blick ist der neue Parrot Zik ein klassischer Kopfhörer, aber damit enden schon viele Gemeinsamkeiten. Denn der Zik ist mehr und kann mehr. Das beginnt schon bei seiner Anbindung per Bluetooth, denn Kabel werden nur verwendet, wenn der Akku leer ist. Wer seine Musiksammlung auf dem Smartphone oder iPad mit sich herum trägt, kennt das Problem: Die handelsüblichen Ohrstöpsel taugen meist zu nichts weiter als Ohrenschmerzen, haben so gut wie keinen Klang und unterhalten auch den Sitznachbarn in den öffentlichen Verkehrsmitteln unfreiwillig.

Wer den Zik aus seiner hochwertigen Verpackung nimmt, ist zuerst einmal vom edlen Design und den verwendeten Materialien angetan. Weiterhin fällt das hohe Gewicht auf. Zur Inbetriebnahme wird die von Magneten gehaltene Abdeckung der linken Ohrmuschel entfernt und der Akku eingesetzt. Das Laden erfolgt über USB an einem PC oder an einem 5 Volt USB-Ladegerät, wie es heute jedes Smartphone mit sich bringt. Nach knapp zwei Stunden ist der Zik dann einsatzbereit. Ich habe ihn zuerst mit meinem iPad 2 gepairt, was auf Anhieb und ohne jegliche Schwierigkeiten funktionierte. Und wie bei technischen Geräten und Software heute üblich, zieht sich der Zik dann auch sofort sein erstes Update. Nebenbei noch schnell die dazugehörige App Parrot Audio Suite für alles mit einem „i“ im Namen oder Android installiert und schon steht dem Genuss von Musik oder Hörbüchern nichts mehr im Wege.

Bis hierhin ist der Parrot Zik ein Kopfhörer, aber was ihn von allen anderen unterscheidet, ist seine Touchfunktion. Mit dieser kann man per streichen mit den Fingern über die rechte Ohrmuschel die Musik lauter oder leiser stellen, sowie von einem Titel zum nächsten springen. Nimmt man den Kopfhörer ab, wird der Titel unterbrochen und setzt erst wieder ein, wenn der Kopfhörer wieder aufgesetzt wird, man versäumt also keine Passage seines Lieblingsongs. Diese Funktionen sind so unglaublich genial und intuitiv zu bedienen, dass die Musik und der Klang zuerst einmal in den Hintergrund treten, bis sich das erste Grinsen gelegt hat. Nach dieser Testphase aber konzentriert man sich auf die Ausgabe, denn bei aller Spielerei ist entscheidend bei einem Kopfhörer, was tatsächlich in den Ohren ankommt.

Und hier komme ich in den subjektiven Bereich, denn jeder Mensch nimmt Musik anders wahr. Bluetooth war eigentlich niemals für die Übertragung von Musik vorgesehen. Aufgrund hoher Kompressionsraten gehen dem audiophilen Musikliebhaber zu viele Informationen – also in diesem Fall der Klang von Höhen, Mitten und Tiefen – verloren. Um diese Verlustraten zu minimieren wurde der apt-X Codec entwickelt, dessen Datenreduktion sich in einem zu vernachlässigenden Rahmen bewegen soll. Nun verwendet aber der Zik genau diesen Codec nicht, sondern die schlechtere SBC-Codierung. Was heißt das für denjenigen, der weiterhin seine Musiksammlung vom Smartphone oder iPad hören möchte? Eigentlich nichts, denn der Sound ist für mein persönliches Empfinden einwandfrei. Wer den Klang dennoch ändern möchte, verwendet die App, bei der ein Equalizer sowie verschiedene Concert Hall Effekte zur Verfügung stehen.

Wer den Parrot Zik am Smartphone verwendet, möchte natürlich auch erreichbar bleiben. Anrufe werden per Fingertipp auf den Zik angenommen. Bevor der Zik allerdings auf den eingehenden Anruf reagiert, hat das Telefon zu diesem Zeitpunkt schon drei Mal geklingelt. Erst dann gibt es auch ein Signal im Kopfhörer. Die Gesprächsqualität an sich ist aber nicht wirklich berauschend. Ich selbst höre mich im Kopfhörer kaum, die Stimme meines Gesprächspartners kommt leicht blechern an. Außerdem gibt es ein leichtes Echo meiner Stimme. Nichtsdestotrotz kann man aber telefonieren und sich gut verständigen.

Die Youtube-Werbe-Videos von Parrot suggerieren den Einsatz des Zik auch außerhalb der eigenen vier Wände. Allerdings gibt es hier Punkte, die ihn für die Benutzung vor der Haustür fast unbrauchbar machen. Die per Knopfdruck zuzuschaltende Geräuschunterdrückung funktioniert wirklich gut, Umweltgeräusche bleiben tatsächlich weitestgehend draußen. Wird die Unterdrückung aber abgeschaltet, gibt es ein permanentes leises Hintergrundrauschen. Dies fällt beim Hören von Musik weniger auf, ist aber bei einem Hörbuch mehr als störend. Weiterhin kommen, egal ob die Geräuschunterdrückung an- oder ausgeschaltet ist, die eigenen Schritte als Bummern im Hintergrund im Kopfhörer an. Das ist ziemlich ärgerlich und sollte bei einem Gerät dieser Preisklasse nicht vorkommen.

Und damit komme ich zur Kernfrage: Wen möchte Parrot mit dem Zik als Kunden gewinnen? Dem Musikexperten fehlt der apt-x Codec für verlustfreien Hörgenuss. Dieser wird seine Musik nicht streamen, sondern weiterhin per kabelgebundenem High-End-Kopfhörer genießen. Wie erwähnt habe ich am Sound nichts auszusetzen, aber diesen bieten auch billigere Kopfhörer wie mein alter Sennheiser. Bei einem Preis von momentan 349,-€ fällt es mir schwer zu glauben, dass selbst der ambitionierteste Smartphonebesitzer von seinen Ohrstöpseln zum Zik wechselt, zumal auch das Gewicht die dauerhafte Verwendung im wahrsten Sinne des Wortes erschwert.

Fazit:

Unter dem Strich ist der Parrot Zik ein tolles technisches Spielzeug mit genialen neuen Funktionen, aber lohnt sich dafür eine solche Ausgabe? Das darf jeder für sich selbst entscheiden, ich werde jetzt erst einmal weiter Blue October mit Any Man in America genießen und anschließend auf dem iPad noch ein wenig Jewel Quest spielen … und zwar gemütlich auf dem Sofa über meinen neuen Parrot Zik  :)

testurteil_4-5

 

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Comments ( 11 )

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  1. Thomas 18/09/2012 Reply

    Danke für deinen Test, habe sonst im Internet kaum etwas dazu gefunden. Habe mir den Zik dann aufgrund des Berichts bestellt und bin ebenso begeistert wie du, auch wenn fast 350 Euronen ein stolzer Preis sind.

  2. Simon 08/12/2012 Reply

    Danke für deinen Test der Parrot Zik Kopfhörer, ich habe mir nun diese bestellt und bin sehr gespannt ob sie meine bowers & wilkins P5 im Büro ersetzen können ;-)

    Mobil bleibe ich mit ziemlich hoher sicherheit auch weiterhin bei den C5 von B&W.

    • konsolenfan 09/12/2012 Reply

      Hallo Simon,

      ich habe leider keinen Vergleich zu deinen B&W, aber du kaufst mit dem ZIK einen wirklich guten Kopfhörer.
      Viel Spaß damit und vielleicht meldest du dich einfach mal, wenn du beide miteinander verglichen hast?

      Micha

      • Simon 09/12/2012 Reply

        Hey Micha,

        ja gerne, werde ich machen.

        Eine kleine Frage noch, hast du die Firmware Updates gemacht und haben diese für dich irgendwas verbessert oder verändert?

        Grüße, Simon

        • konsolenfan 09/12/2012

          Hi Simon,

          nee, zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bei Hardware ziemlich schlampig bin, was Updates angeht :(
          Sorry!

          Schönes WE
          Gruß
          Micha

  3. Simon 11/12/2012 Reply

    Hey Micha,

    also ich hab sie nun seit gestern, Firmware Update musste ich gleich machen denn die Firmware die auf den zik waren bei Auslieferung ist Nicht iOS6 Kompatiebel, das Updaten ging sehr einfach von statten.

    Vom Klang her bin ich echt Positiv beeindruckt, sie können Zweifelsohne mit den B&W P5 mithalten die in meinen Augen die Besten Kopfhörer sind die ich je gehört habe. In der Neutralen variante fand ich die Zik zuerst enttäuschend aber wenn man den Equalizer und die “Concert Hall” etwas anpasst kommt wirklich ein klasse sound raus. Die Geräuschunterdrückungs Funktion ist klasse und das Plus argument für die Parrot Zik in meinem Persönlichen vergleich hier mit den P5.

    Das Gewicht ist für zuhause und im Büro echt okay, für unterwegs bleibe ich aber wie erwartet bei meinen In-Ear C5 von B&W die auch einen super gutes Klangbild liefern.

    Alles in allem war der kauf der Parrot ZIK für mich kein fehler und ich werde sie nicht an Amazon zurück senden wie ich es schon das ein oder andere male bei Kopfhörern gemacht habe.

    Das design ist Geschmacksache, mir Taugt es, die meisten leute die ich so im alltag sehe werden aber sicher wegen des designs bei ihren Monster Cable Beats by Dre bleiben, da ist der Klang egal, Hauptsache der bass kracht, höhen und Tiefen werden in dieser Zielgruppe nicht geschätzt. ;)

    Die Richtig harten Audiophilen Menschen, werden den ZIK nicht in betracht ziehen da “nur” A2DP-SBC und nicht apt-X unterstützt wird. Also bleibt nur eine vergleichbar kleine Zielgruppe für die ZIK, die Technik Geeks und Gadget Fans die gerne Musik hören ;-)

    • konsolenfan 12/12/2012 Reply

      Hi Simon,

      da bin ich aber beruhigt, dass ich in meiner Einschätzung des ZIK scheinbar ganz gut gelegen habe :)

      Ich bedanke mich für deine Rückmeldung bzw. deinen Eintrag, sowie den Vergleich zu deinen B&W. Ach ja, deine Zielgruppeneinschätzung deckt sich dann auch mit meiner, obwohl mir der Begriff “Technik GeeK” so nicht in den Sinn gekommen wäre ;)

      Viele Grüße
      Micha

  4. Gustav 08/01/2013 Reply

    ich finde eine sehr gute Kopfhörer mit einzige und ziemlich enscheidende minus Punkt = es ist unheimlich schwer und nicht einstellbar. Nach 20 Minuten fängt mein Kopf zum Schmerzen an und das ding wird mindestens 10 kg schwer !!!!! Schade…

    • konsolenfan 08/01/2013 Reply

      Zitat aus dem Beitrag:
      “… zumal auch das Gewicht die dauerhafte Verwendung im wahrsten Sinne des Wortes erschwert.”

      Insoweit gebe ich dir recht, der Zik hat ein ordentliches Gewicht, was über kurz oder lang auf dem Kopf oder dem Nacken drücken kann. Der Bügel ist aber einstellbar.

  5. Simon 08/01/2013 Reply

    Hey Gustav,
    es sind “nur” 352g

    Und doch du kannst ihn einstellen, der mittlere Metalteil lässt sich aus der oberen Öffnung heraus ziehen ;)

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