Paper Mario Sticker Star … ich kleb` dir gleich eine

Paper Mario Sticker Star ist der neueste Ableger der nun vier- bzw. fünfteiligen Serie des ausgeschnittenen Nintendo Vorzeigehelden. Gestartet wurde mit dem namensgebenden Paper Mario auf dem N64, welches später auch für die Virtual Console veröffentlicht wurde.

Das Highlight der Serie ist bis heute zweifellos der zweite Teil auf dem Game Cube, Paper Mario: Die Legende vom Äonentor. Der letzte Teil auf der Wii, Super Paper Mario, fiel hier aber ab, da Nintendo sich von den liebgewonnen, rundenbasierten Kämpfen verabschiedete.

Im ersten Paper Mario Spiel auf dem 3D-Handheld dreht sich alles um Sticker. Aufkleber so weit das Auge reicht und die einem Panini-Album zur WM-Ehre gereichen. Wie immer findet irgendwo im Nintendo Universum ein Fest statt, welches von Bowser auf die eine oder andere Art torpediert wird. Entführt er sonst Prinzessin Peach, begeht er diesmal auf dem jährlichen Stickerfest in Stickershoven den Fehler, den Wunschkometen zu berühren. Eigentlich soll dieser ja den Anwesenden einen Wunsch erfüllen, aber Bowsers dicke Finger bringen ihn leider zum Zerbersten. Seine Einzelteile, die sogenannten Royal Sticker sind in alle Winde verstreut und, wie sollte es in einem Mario Titel anders sein, nur der Klempner selbst kann den Schaden beheben. Während alle anderen Bowser zum Teufel wünschen, wünscht er sich aber selbst zum König des Pilzreiches.

Die Katastrophe ist also perfekt: Der Wunschkomet ist geplatzt und Bowser neuer König. Schlimmer wäre nur eine weitere Casting-Show mit Detlef D! Soost. Mario bekommt aber zu Beginn keinen Auftrag, sondern eine Standpauke von Stickerfee Kersti. Diese ist diesmal Marios ständige und nörgelnde Begleitung im Spiel und soll dem Klempner eigentlich mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ich hatte aber eher das Gefühl, der Charakter wurde nur eingebaut, weil eben schon immer einer da war. Die Qualität der helmtragenden Gumbrina aus dem Äontentor erreicht Kersti nicht, dafür ist sie einfach hilfreich genug.

Paper Mario war mit dem Äonentor ein Rollenspiel, wurde mit Super Paper Mario  actionlastiger und vollführt nun mit Sticker Star wieder einen Schritt zurück Richtung RPG. Und das liegt an den endlich wieder rundenbasierten Kämpfen, die ihr führen könnt, aber in vielen Fällen gar nicht führen müsst. Denn außer später allerdings benötigten Goldmünzen bringen die Kämpfe nämlich nichts. Das Aufleveln erfolgt nicht durch gewonnene Gefechte mit Gumbas und Konsorten, sondern durch das Lösen von teils recht kniffligen Rätseln. Wollt ihr aber dennoch einen Kampf eingehen, benötigt ihr zwingend die überall in der Spielwelt verteilten Sticker. So findet ihr schon zu Beginn haufenweise Hämmer oder Schuhe, die euch eine Attacke per Hammerschlag ausführen lassen oder dem Gegner in bekannter Mario Manier auf den Kopf springen lassen. Gegnerische Angriffe wehrt ihr im Gegenzug durch das rechtzeitige Drücken des A-Buttons ab.

Überhaupt die Rätsel. Von logisch bis, sagen wir mal knackig, erwartet euch die komplette Palette an Stoff, der eure kleinen grauen Zellen an ihre Schmerzgrenze treiben kann. Besteht eure erste Aufgabe noch darin, alle aufgeklebten Toads zu finden die benötigt werden, um eine Spielwelt auszurollen, so kommen im Laufe des Spiels Aufgaben hinzu, die euch dazu bringen, über die gesamte Karte zu rennen, um an Punkt A etwas zu erledigen, was euch an Punkt B weiter bringt. Ich sehe hier schon die Suchanfragen im Internet, wie man denn in der Wüste an einen dringend benötigten Wasserhahn kommt? Aber auch in dieser Schwierigkeit liegt der Reiz von Paper Mario Sticker Star!

Zum Lösen von Rätseln wird die Spielwelt papierisiert. Häää? Genau, welch seltsamer Begriff dafür, dass die Spielwelt praktisch nach hinten geklappt wird, damit ihr einen riesigen Sticker aufkleben könnt. Aber keine Angst, auch hier ist das erste Rätsel so aufgebaut, dass ihr den Ablauf auf Anhieb versteht. Später allerdings artet diese Art der Lösungssuche oft in trial & error aus, weil ihr durch die Gegend rennt und einen hoffentlich passenden Sticker auf einer markierten Stelle anzubringen versucht. Diese großformatigen Sticker wollen zum Teil auch erst angefertigt werden, da ihr Gegenstände findet, die erst zu einem Sticker umgearbeitet werden müssen.

Technisch und optisch ist Paper Mario Sticker Star voll auf der Höhe der Zeit. Das erste Mal wird in einem Paper Mario Spiel das aus anderen Mario Spielen bekannte Weltensystem eingeführt. So erwarten euch fünf verschiedene Spielwelten, die alle ein anderes Thema haben. Die Grafik ist klasse, der 3D-Efekt plastisch und damit passend. Auch die verschiedenen Melodien der Spielwelten sind wieder Mario typisch, ebenso wie die bekannten Figuren. Wie immer in Mario Spielen ist die Steuerung nahezu perfekt.

Um zum Abschlus zu kommen: Paper Mario Sticker Star ist eine gelungene Mischung aus Action-RPG und Jump`n`Run, auch wenn viele der Rätsel euch im Unklaren lassen werden, was denn als nächstes zu tun ist. Ihr werdet also nicht umhin kommen, herum zu rennen, um in Welt A etwas zu erledigen, was in Welt D zur Lösung führt. Auch die Kämpfe, rundenbasiert oder nicht, sind gewöhnungsbedürftig, da sie euch nicht beim Aufleveln voran bringen. Hat man genug Münzen, weicht man im Verlauf des Spiels einem Kampf aus oder flüchtet einfach.

So klasse der neue Scherenschnitt-Mario auch ist, Leveldesign und Story reichen nicht an das Äonentor heran. Der Grund dafür ist der dort höhere Rollenspielanteil, der hier einfach noch zu weit im Hintergrund liegt, sowie logischere Rätsel. Trotzdem ist Paper Mario: Sticker Star definitiv ein Spiel, das unter den Weihnachtsbaum gehört. Für den Nikolaus ist der Erscheinungstermin 07. Dezember einfach zu spät.

 

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