No Man’s Sky

Kaum ein Videospiel ist zurzeit so in aller Munde wie No Man’s Sky. Der Anfang August erschienene Titel von Indie-Studio Hello Games polarisiert. Die einen feiern das riesige prozedural generierte Universum, andere bemängeln die repetitive und schnell ermüdende Nichtvielfalt an Dingen, die dem Spieler zu tun geboten werden. Auch ich war, zumindest kurz vor Release, extrem heiß auf das Spiel, dessen Prämisse der freien Universums-Erkundung mir, als altem Science-Fiction-Fan, das Wasser im Mund hat zusammenlaufen lassen.

Sternzeit 76219,28, Logbuch des Captains: Ich bin gestrandet auf einem fremden Planeten…

Ungefähr so beginnt eure Reise in No Man’s Sky. Ihr startet allein und mit einem kaputten Raumschiff auf einem Planeten, der für euch potentiell tödlich sein kann. In meinem Fall war es ein sehr kalter Planet, auf dem ich häufig eine Benachrichtigung bekommen habe, ich solle mich doch bitte in wärmere Gefilde begeben, da mir sonst ein baldiger Kältetod bevorstehe. Um dem entgegenzuwirken, müssen Ressourcen gesammelt werden, um die Schilde des eigenen Raumanzuges aufzuladen und das Schiff zu reparieren, damit der unwirtliche Planet alsbald verlassen werden kann. Dies geschieht über das sogenannte Multitool, das im Prinzip ein in der Hand gehaltener Minenlaser ist. Hat man so die ersten Minuten oder eventuell auch die erste Stunde im Spiel verbracht und schlussendlich das Schiff repariert, kann der Planet verlassen und die unendlichen Weiten auf dem Weg zum Zentrum der Galaxie erkundet werden.

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Von da an befindet ihr euch quasi in einem Teufelskreis von Ressourcen sammeln, Dinge herstellen, Ressourcen sammeln, wegfliegen, wieder Ressourcen sammeln, Dinge herstellen, wieder wegfliegen, und so weiter und so weiter. Und hier endet quasi auch schon die Story von No Man’s Sky. Niemand weiß, warum ihr auf dem Planeten wart und niemand weiß, warum ihr ins Zentrum der Galaxie wollt, ihr wollt es einfach. Dabei werdet ihr ab und an auf euren Flügen von Raumpiraten angegriffen, die euch ans Leder wollen und die mittels eurer Bordkanonen aus dem sprichwörtlichen Himmel geholt werden wollen. Zusätzlich gibt es noch eine Fraktion namens Atlas, auf die man im Laufe des Spiels treffen kann, sofern man dies beim Spielstart ausgewählt hat, und die euch, einmal entdeckt, von einer ihrer Stationen zur nächsten schickt und euch dafür mit Wissen oder neuen Technologien belohnt. Was es jedoch genau mit Atlas auf sich hat, habe ich auch in meinen ca. 30 Stunden Spielzeit nicht ergründen können.

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Wissen? Hat da jemand Wissen gesagt? Und Technologie?

Nicht nur Atlas belohnt euch mit Wissen und Technologien in Form von Bauplänen zum Aufrüsten eures Multitools, Anzugs und Schiffs, sondern auch durch das Erkunden der ca. 18 Trillionen Planeten im Spiel erhaltet ihr immer wieder neue Baupläne. Diese sind jedoch nicht das Einzige, dass ihr auf euren Entdeckungstouren finden werdet. Vielerorts findet ihr auf den Planeten Obelisken, die euch einzelne Wörter fremder Sprachen beibringen. Über Kurz oder lang werdet ihr so ein beachtliches Vokabular aufbauen, das euch beim Aufeinandertreffen mit fremden Völkern behilflich sein wird.

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„Ich komme in Frieden“…oder zumindest glaube ich, dass er das gesagt hat…

Wer jetzt beim Aufeinandertreffen mit fremden Völkern jedoch an ganze Alien-Dörfer oder mit Aliens prall gefüllte Raumstationen denkt, erwartet leider zu viel. Auf den Planeten findet ihr ab und an kleine oder etwas größere Gebäude, in denen genau ein Außerirdischer herumsteht und ein kurzes Gespräch mit euch führt. Diese Gespräche erfordern immer eine Auswahl von euch. Was ihr wählt, bestimmt eure Belohnung, beziehungsweise, ob ihr überhaupt eine Belohnung erhaltet. Kennt ihr die Worte, die euer gegenüber benutzt nicht, wisst ihr leider auch nicht, was er von euch will. Zumeist lässt sich allerdings auch relativ einfach erraten, was die richtige Antwort ist.

Auf den Raumstationen, von denen es in jedem System genau eine gibt, sieht es ähnlich aus. Wenn überhaupt, gibt es genau ein Alien, das ein kurzes Gespräch mit euch führt. Im Hangar der Raumstationen legen teils auch andere Schiffe mit deren Besitzern an, die ihre Schiffe allerdings nie verlassen. Ihr könnt Handeln könnt oder versuchen, ihnen ihr Schiff abzukaufen. Das, und gelegentliche auf Planeten abgestürzte Schiffe, sind die einzige Möglichkeit für euch, ein neues Schiff zu erhalten.

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Ohh, welch seltsame Kreatur…Ich nenne sie…Tentakelananas!

Ein viel beworbenes Feature von No Man’s Sky, ist die Möglichkeit Planeten, Pflanzen und Tieren, einen Namen zu geben, wenn ihr ihr sie als erster Spieler entdeckt. Das gilt für wirklich jedes System, jeden Planeten, jede Pflanze, jedes Tier, und jeden Ort auf den Planeten…jedoch nicht für euer Schiff. Das Gefährt, in dem ihr im Laufe eurer Reise viel Zeit verbringt, ist das Einzige, das ihr nicht selbst benennen könnt. Was auf den ersten drei bis vier Planeten oder in den ersten zwei bis drei Systemen noch Spaß macht und ganz witzig ist, hat zumindest bei mir relativ schnell zu Ermüdung und Unlust geführt. Da jeder Planet ca. 20 verschiedene Pflanzen und teils bis zu 30 Orte beherbergt, zu denen sich auf vielen Planeten auch noch mehrere Tierarten gesellen, war relativ schnell der Punkt erreicht, an dem mein Hirn keine sinnvollen oder auch nur ansatzweise witzigen Namen für Pflanzen, Tiere und Orte ausspucken wollte.

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Aber es ist doch so schööööööööööööön! Und klingt so toll!

Was No Man’s Sky in Punkto Gameplay und vor allem Abwechslung fehlt, macht es im Bereich Grafik und Sound definitiv wieder wett. Selten habe ich in einem Videospiel so schöne Farben und so wunderschöne Umgebungen gesehen, die ich am liebsten als Desktophintergrund oder Bildschirmschoner an meinem PC hätte. Auch der Soundtrack weiß zu begeistern und zu verzaubern. Allein die Kombination aus wunderschöner Optik und nahezu hypnotisierender Musik sorgten dafür, dass mir nach meiner ersten Spielsession am Releasetag irgendwann ein „Huch, so spät schon? Waren das jetzt wirklich 10 Stunden?“ entwich. Und so ging es mir nicht nur am Releasetag, sondern auch die beiden darauffolgenden Tage. Nach diesen knapp 30 Stunden Spielzeit, in denen ich zwar wunderbar berieselt wurde, jedoch rein gar nichts sinnvolles im Spiel erreicht habe, war jedoch die Luft komplett raus und ich habe das Spiel seitdem nicht wieder angerührt.

Fazit:

No Man’s Sky ist mit seinem ca. 18 Trillionen Planeten umfassenden Universum ein riesiges Spiel, dass unfassbar viel Raum zum Entdecken gibt. Allerdings mangelt es dem Ganzen an Abwechslung. Da man die komplette Zeit immer nur dasselbe tut, stellen sich relativ schnell Ermüdungserscheinungen ein. Die wunderschöne Optik und Musik sorgen dafür, dass man im Spiel so daher dümpelt und die mangelnde Abwechslung gut eine Weile ignorieren kann.

Schaut man jedoch ein wenig kritischer darauf, stellt sich die Frage, ob das Ganze, trotz theoretischem Umfang, den Schritt vom einfachen Indie-Titel zum 60€ Vollpreisspiel wirklich nötig hatte. Allerdings denke ich, dass man gespannt sein kann, was uns in Zukunft noch in punkto prozedural generierter riesiger Welten erwartet, nun nachdem No Man’s Sky den ersten Schritt in diese Richtung gemacht hat.

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Bericht: Mitch Fongern

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