NES Classic Mini im Test – das NES für die Hosentasche

Wer wie wir zu den zu vielen Unglücklichen zählte, die kein NES Classic Mini vorbestellen, kaufen, stehlen oder sonstwie ergattern konnten, musste sich eben mit „na und, ist ohnehin nur eine alte Konsole“ selber fröhlich quasseln, obwohl man das Teil doch sooo gerne und unbedingt haben wollte. Aber wofür gibt es allerbeste Freunde? Und so schickte uns Quandoz seine Konsole als Leihgabe für diesen Beitrag.

Ja, wir haben das originale NES seinerzeit gekauft, erlebt und geliebt. Warum also jetzt so ein Hype um eine alte Konsole im neuen Format? Warum alte Spiele, die sich größtenteils im Regal befinden nun noch einmal auf einem zu klein geratenen Nachbau eines NES noch einmal zocken? Ganz einfach, weil heutige Monster-Flachbildschirme bis auf wenige Ausnahmen ein so großes Problem mit der Darstellung alter Spiele haben. Alte und neue Technik kommt selten zusammen, daher verfügt das Mini nun über einen HDMI-Anschluss. Und weil retro eben retro ist – wie der Spieler, so die Games.

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Der wichtigste Grund ist aber: Kein noch so perfekter Emulator kann ein Pad nachstellen. Ich möchte alte Titel so echt wie möglich spielen und dazu gehört auch die Haptik des Originals. Ich will keine alten Titel auf einer neuen Konsole mit den dazugehörigen aktuellen Joypads! Wenn alt, dann original und eben auch gefühlt richtig. Aber das ist das einzige Problem bei der Neuauflage. Wer zum Himmel kam auf die grandiose Idee, ein nur 75 Zentimeter langes Kabel an das so klassische Joypad zu löten? Man ist also genötigt, die Konsole so nah am Mann aufzubauen, dass man auch entspannt zocken kann. Aber das ist auch schon der einzige Kritikpunkt.

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Stellt man Alt und Neu gegenüber, wirkt das Classic schon fast filigran und zerbrechlich. Ganze 75 Gramm bringt es auf die Waage und wird damit von jedem steiferen HDMI-Kabel von seinem Platz geschubst. Denn die einzige Möglichkeit Donkey Kong aufgrund des zu kurzen Joypad-Kabels nicht direkt in die Augen zu starren, ist ein längeres HDMI-Kabel zu verwenden, um die Konsole in Griffweite zu haben. Nur mit dem Druck auf die Reste-Taste gelangt man wieder in das so liebevoll gestaltete Hauptmenü zurück, um einen der 30 Titel auswählen zu können. Und wer rutscht schon gerne andauernd vom Sofa, nur um einen Knopf zu drücken?

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Dieses Hauptmenü ist sogar übersichtlicher und hübscher als das von Wii oder Wii U. Oben werden Einstellungen vorgenommen, unten scrollen die Spiele durch. Diese lassen sich sogar sortieren, zum Beispiel nach gespielter Häufigkeit oder dem Hersteller. Wer also nur Pac-Man daddelt, muss nicht durch das komplette Menü scrollen. Man hat sich bei Nintendo Gedanken gemacht, um auch den quengligsten und anspruchsvollsten retro-Zocker zum Schweigen zu bringen. Denn im Gegensatz zu heutigen Konsolen, die alles im 16:9 Format abspielen, gab es damals nur 4:3 Röhren-TV.

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Und genau diese Modi lassen sich auswählen. Entweder man spielt in der Original-Auflösung oder im 4:3 Format. Aber um noch ein wenig weiter in der Zeit zurück zu reisen, gibt es auch einen CRT-Filter, der das Bild wie ein alter Röhren TV darstellt. Und auch wenn es nur ganze 2 Knöpfe auf dem Pad gibt und sich so manche Steuerung damit selbst erklärt, hat Nintendo einen QR-Code hinterlegt, hinter dem sich die Spielanleitungen zu den Titeln befinden. Wenn liebevoll, dann richtig.

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Alle Titel laufen sogar in der korrekten Geschwindigkeit. Ältere werden das Drama noch kennen, als man seine deutsche Konsole aufgrund der PAL-Fernsehnorm für teures Geld umbauen ließ, um zwischen 50 und 60 Hertz umschalten zu können oder um auch – wenn auch mit weiteren Tricks – US- oder japanische Module spielen zu können.

Ob die 30 Titel nun dem persönlichen Geschmack entsprechen, darf jeder für sich selbst entscheiden. Aber Nintendo hat so viele Klassiker auf die Konsole gebrannt, da fallen dann die drei persönlich weniger relevanten Titel einfach nicht auf. Läuft der kleine Kasten erst einmal und Mario hüpft über den Bildschirm, ist man sowieso in einer längst vergessenen Welt. Midi-Gepiepse unterstreicht das retro-Gefühl und so daddelt man sich von Titel zu Titel und erinnert sich an all die Kleinigkeiten, die diese Spiele auch schon im letzten Leben so großartig gemacht haben. Was für ein Gefühl, wenn man bei Pac-Man die Pille schluckte und alle 4 Geister und die Frucht in einem Zug verschlang. Wenn man Donkey Kong von der Plattform stieß, bei Excitebike eine neue Bestzeit oder bei Galaga einen neuen Punkterekord aufstellte.

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Genau dafür ist das Nintendo Classic Mini gemacht – Aufbauen, zocken und Spaß haben. Ein in sich geschlossenes System voller Spielspaß, ohne Updates, Online-Wahn oder sonstigem aktuellen Firlefanz wie Downloads für neue Level oder ähnlichem Unsinn. Einfach nur zocken in seiner ursprünglichsten Form! Und dazu gehört auch der damals wie heute höllische Schwierigkeitsgrad einiger Titel wie zum Beispiel Ghosts`n Goblins. Aber hier geht Nintendo den wohl einzigen Kompromiss zwischen gestern und heute ein, denn es lassen sich manuell Spielstände anlegen.
Nicht das die verwöhnten Kleinen noch an sich selbst zweifeln 😀

Folgende Titel hat Nintendo auf das Nintendo Classic Mini gepackt:

Balloon Fight
BUBBLE BOBBLE
Castlevania
Castlevania II: Simon’s Quest
Donkey Kong
Donkey Kong Jr.
DOUBLE DRAGON II: THE REVENGE
Dr. Mario
Excitebike
FINAL FANTASY
Galaga
GHOSTS‘N GOBLINS
GRADIUS
Ice Climber
Kid Icarus
Kirby’s Adventure
Mario Bros.
MEGA MAN 2
Metroid
NINJA GAIDEN
PAC-MAN
Punch-Out!! Featuring Mr. Dream
StarTropics
SUPER C
Super Mario Bros.
Super Mario Bros. 2
Super Mario Bros. 3
Tecmo Bowl
The Legend of Zelda
Zelda II: The Adventure of Link

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