Luigi`s Mansion 2 – eine geistreiche Fortsetzung?

usk62Es war einmal im März 2002. Nintendo hatte seine erste Konsole mit CD Laufwerk am Start, aber noch lange war kein Mario in Sicht. Der sollte mit Super Mario Sunshine erst im Oktober 2002 das erste Mal für Furore sorgen. Also sprang bis dahin sein Bruder Luigi als Hauptdarsteller in die Bresche und sorgte mit Luigi`s Mansion für das erste Highlight des noch jungen GameCube.

luigis_mansion2_cover150x150Aber da die Spiele nur auf Mini-Disks daherkamen, war Luigis Mansion scheinbar deswegen auch nicht sonderlich umfangreich. Diese zu geringe Spieldauer wurde von vielen Spielern damals bemängelt, heute ist ein Umfang von 10 Stunden Spielzeit schon fast Standard.

Der Nachfolger Luigi`s Mansion 2 erscheint nun auch nicht mehr für eine stationäre Konsole, sondern für den 3DS. Dabei hätte sich der Titel mit Sicherheit auch für die Wii U angeboten. 2010 bereits angekündigt, konnte ich das Spiel schon 2011 auf der gamescom bei Nintendo anspielen. luigismansion2_04Seitdem warte ich zwar nicht mit Ungeduld, aber doch mit gewisser Vorfreude auf den Titel. Teil 1 war ein tolles Stück Software mit dem Nintendo typischen Leveldesign. Jeder Raum war anders gestaltet und durfte frei erkundet werden. Was soll also jetzt mit Teil 2 schon schiefgehen?

Der etwas seltsam anmutende Professor I. Gidd experimentiert seit dem Jahr 2002 also noch immer mit Geistern. Diese toben friedlich durch dessen Labor, bis der Finstermond in seine Einzelteile zerplatzt und aus den bis dato verspielten Laken das macht, was man üblicherweise von Gespenstern so erwartet – nämlich bösartige kleine Kreaturen, die das komplette Labor zerlegen. Die Geister nehmen die Villa in Beschlag und Immanuel Gidd kann sich gerade noch in sein geheimes Zweitlabor retten. Hilfestellung, um den Schlamassel wieder in Ordnung zu bringen, kann da nur einer leisten. Wurde Luigi im ersten Teil noch auf seinem Irrweg zur geerbten Villa im Wald von Professor I. Gidd vor umher spukenden Geistern gerettet, wird er nun von diesem in bester Poltergeist-Manier durch den Fernseher voxelportiert. Luigi verfügt ja über ausreichende Vorkenntnisse in Sachen Gespensterjagd und so macht er sich nach kurzer Einführung eher unfreiwillig, bewaffnet mit Taschenlampe und DS, auf den Weg in die Gruselvilla, um zuallererst den neuen Geistersauger Schreckweg 09/15 zu suchen.

Der Held wider Willen kann einem dabei fast schon ein wenig leidtun. Zitternd und schreckhaft sucht sich der kleine Italiener seinen Weg durch die Villa und schon bei diesen ersten Schritten wird klar, dass Nintendo auch beim Nachfolger das Flair vom GameCube auf den 3DS weitestgehend herüber gerettet hat. Die Bewegungsabläufe sind hervorragend, Luigi schleicht, tappst und rennt durch die Villa, dabei immer luigismansion2_02wieder aufgescheucht von den überall lauernden Gespenstern. In jeder Szene, bei jeder Animation vermittelt der Träger der grünen Latzhose, dass er lieber zu Hause auf dem Sofa geblieben wäre.

Jeder Raum bietet obendrein ein eigenständiges Design und ständig ist irgendetwas in Bewegung. Man kann mit dem Staubsauer flatternde Vorhänge oder Teppiche an- oder einsaugen, um so Münzen zu finden oder eine geheime Bodenplatte freizulegen. Aus einem Kühlschrank saugt man einen Eisblock, um damit nebenan einen Kamin zu löschen, der wiederum ein Juwel freigibt. Laufen euch Mäuse über den Weg oder werdet ihr von Fledermäusen gejagt, saugt ihr auch diese einfach ein. Kommoden, Regale oder Vasen bringt man mit dem Schreckweg zum Rütteln, so dass sich auch hier der eine oder andere Schatz zur Inventaraufbesserung finden lässt. Witzig gemacht ist das Entdecken geheimer Räume. So sitzt Luigi auf einer Klobrille und verschwindet plötzlich im Raum nebenan oder ihr saugt ein Stück Tapete von der Wand, entdeckt dabei einen versteckten Korridor voller Münzen und dürft nebenbei durch ein Loch in der Wand in den nächsten Raum schauen.

Die Möglichkeiten des Schreckweg sind dabei fast ebenso vielfältig wie die Anzahl an durchscheinenden Lakenträgern, die Luigi`s Mansion 2 auf euch los lässt. Sind die luigismansion2_03ersten Feindkontakte dabei noch spielend zu meistern, steigert sich der Schwierigkeitsgrad aber kontinuierlich. Die Steuerung ist dabei simpel: Geist mit der Taschenlampe blenden, Staubsauger anwerfen, Geist ansaugen, Stick in die entgegengesetzte Richtung bewegen, wenn die Leiste voll ist, A drücken. Problematisch wird die Gespensterhatz erst, wenn die diese anfangen, sich eigene Taktiken zurecht zu legen. Wie geht man gegen einen Geist vor, der in der Küche mit Kochtopf behelmt und mit Kochlöffel bewaffnet den Spieß umdreht und euch jagt? Wie fängt man einen Geist, der gegen das Blenden mit der Taschenlampe immun ist, weil er eine Sonnenbrille trägt? Wer möchte, steuert den Staubsauger per Gyroskop, statt mit Knöpfen, denn der 3DS reagiert darauf, wie ihr ihn haltet. Der 3D-Effekt ist gut und passt zum Spiel, allerdings ist er auch hier wieder nicht spielentscheidend.

Soviel Licht Luigi mit der Taschenlampe macht, so viel Dunkelheit liegt dann doch über dem Spielspaß des Ganzen. Jeder Raum ist mit so viel Liebe zum Detail mit allerlei Inventar vollgestellt, dass ihr beim Ansaugen oder Ausweichen in unregelmäßigen Abständen an irgendwelchen Hindernissen hängen bleibt und euch so auch mal ein Gespenst entwischt. Ein anderes Problem sind die regelmäßig den Spielfluss störenden Unterbrechungen durch Anrufe der Nervensäge Professor I. Gidd. Und als wäre das nicht genug, werdet ihr alle Nase lang für belanglose Informationen wieder in das geheime Laber gepixelt. Ihr rennt dann zu Beginn der nächsten Mission wieder durch die gleichen Räume zurück, um die kommende Aufgabe zu lösen. Das hat mit Umfang nichts zu tun, das ist Füllmasse. Auch wird nur nach Abschluss einer Mission automatisch luigismansion2_01im Labor gespeichert. Verliert ihr also im letzten Raum einer Mission eure Herzen, wird am Beginn neu gestartet. Unglaublich nervig fand ich nach wenigen Minuten bereits die brabbelnde „Sprachausgabe“ des Professors. Das ist besonders schade, da man bei Luigi einfach alles richtig gemacht hat. Besonders witzig, wenn dieser die Hintergrundmelodie im Spiel mit summt.

Fazit:

Weniger ist manchmal eben doch mehr. Statt immer und immer wieder in das Labor teleportiert zu werden, hätte man beim Leveldesign lieber den einen oder anderen intelligenten Speicherpunkt setzen sollen. Der Spielfluss wäre so kontinuierlich und nicht von nervtötenden Dialogen und Belanglosigkeiten unterbrochen. Es ist zwar schön, seine eigene Leistung nach Missionsabschluss zu sehen, aber es handelt sich hier um Luigi`s Mansion und nicht um ein Sport- oder Partyspiel. Dort sind Vergleiche nett, aber hier sind sie unwichtig. Der Mehrspielermodus ist ebenfalls nur nett. Die im Spiel gefangenen Geister werden im Wirrwarrturm auf bis zu vier Spieler in Wellen losgelassen. Mehr Geister, ein anderer Schwierigkeitsgrad, das war es.

Alles in allem kommt also der zweite Teil nicht an die Rätsel und das Design des ersten Teils heran. Für Spieler, die den GameCube nur aus Büchern kennen, ist Luigi`s Mansion 2 aber ein gutes Spiel. Ältere Spieler packen lieber den Cube aus und zocken da die sechs Stunden mit Teil 1 mal eben am Stück. Aber vielleicht gibt es ja noch einen verbesserten Nachfolger für die Wii U?

 

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